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Eden

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Eden-Genossenschaft

Die nördlich Berlins liegende Eden Gemeinnützige Obstbau-Siedlung e. G. ist die älteste noch bestehende Reformsiedlung Deutschlands. Gegründet wurde sie 1893 mit den Forderungen nach Boden-, Gesellschafts- und Wirtschaftsreform – hier die Gründungsnachricht.

»Nicht so sensationell, aber viel bedeutungsvoller war eine erste Siedlung, die gleichfalls aus unserem Kreise angeregt wurde: die heute noch blühende Obstbausiedlung Eden bei Berlin-Oranienburg. An der Ausarbeitung ihres Statutes waren wieder Krecke und ich stark beteiligt; außerdem hat ein gewisser Sponheimer, der ebenfalls unserem Kreise nahestand, mitgewirkt. Die Gründer waren Vegetarianer und Lebensreformer. Trotzdem sie auf dem schlechtesten Sandboden begannen, der existiert, und nur sehr wenig von Obstbau und Gartenkultur verstanden, haben sie ihre Siedlung zu einer prächtigen Entwicklung geführt; ich habe in meinem Aufsatz "Die Utopie als Tatsache" (neu abgedruckt in der 1924 erschienenen Sammlung meiner Reden und Aufsätze, Wege zur Gemeinschaft) diesen Erfolg gebührend gewürdigt. Hygienisch und sittlich ein Erfolg, der jeden Skeptiker beschämen muß, die niedrigste Säuglingssterblichkeit der Welt (3,8% gegen 18 – 24% im gleichzeitigen Gesamtdeutschland); Schulkindersterblichkeit und Kriminalität Null!« (Franz Oppenheimer: Mein wissenschaftlicher Weg)

In den auf die Gründung folgenden Jahren erfolgt vor allem die Urbarmachung des typisch märkischen Streusandlandes, Ziel der Arbeiten ist, dass jeder Genosse aus seiner eigenen Parzelle so viel erwirtschaften kann, dass die Genossenschaft insgesamt möglichst autark, im Hinblick auf die wirtschaftliche Stärkung der genossenschaftlichen Unternehmungen sogar gewinnbringend arbeitet. Zu diesem Zweck wird die Obstbau-Kolonie Eden e.G.m.b.H. gegründet.

Es entsteht eine eigene Schule und eine Genossenschaftsbank, die die Siedler mit günstigen Krediten versieht. Die Edener Reformwaren – Eden Pflanzenbutter, Fruchtsäfte, Marmeladen etc. – gehören zu den Gründungsartikeln der neu entstehenden Reformhäuser.

In Deutschlands düsteren Jahren hat Eden Schwierigkeiten, die richtige Haltung zu finden: oberflächlich besehen gab es viele Übereinstimmungen mit tatsächlichen oder vorgegebenen Dogmen des Nationalsozialismus: beim Vegetarismus des Anstreichers angefangen, über Brauchtum, Wertschätzung des Bodens etc. – viele Möglichkeiten, auf alltägliche Art mehr oder minder überzeugter Bestandteil einer in der Diktatur verwirklichten Ideologie zu sein. Letztendlich war die vorherrschende Geisteshaltung bei vielen Edenern wohl die innere Emigration – wie überzeugend das im Einzelfall auch immer sein mochte –, denn auf die Dauer vertragen sich eine totalitäre Staatsdoktrin der Gleichschaltung und eine grundsätzliche Offenheit für neue, individuell geprägte Lebensweisen nicht.

Auch in der DDR hat Eden seine Schwierigkeiten: eine Genossenschaft, die sich gleichwohl dem sozialistisch gemeinten Mainstream verweigert, die eine eigene Grundschule führen will, um dem staatlichen Bildungswesen zu entgehen, passt nicht in das vorgegebene Schema. Um dem Gemeinschaftsgedanken der Genossenschaft zu schaden, weden daher Wohnhäuser in Eden faktisch enteignet und von der KWV mit Nicht-Edenern besetzt. Die Produktionsbetriebe werden in das Planwirtschaftssystem eingebunden und schon vor Ende der DDR abgewickelt.

Heute leben etwa 1500 Einwohner auf 120 ha nach wie vor genossenschaftseigenem Boden. Eines der neuesten verwirklichten Projekte: der Kindergartenneubau. Ansonsten ist die Orientierungsphase nach dem Zusammenbruch der DDR und mit den sich daraus ergebenden Möglichkeiten, aber auch neuartigen Einschränkungen und Bedrohungen (etwa der Autobahnbau in unmittelbarer Nachbarschaft trotz einer von Anfang an regen Bürgerinitiative) sicher noch nicht beendet. Immer wieder neu geht es auch jetzt wieder um die Frage, wie ernst es mit den drei Zielen Edens gemeint ist und welchen Stellenwert in einer geschlossenen Gemeinschaft entwickelte Überzeugungen in einer pluralistischen und gewachsenen, sich verändernden Gesellschaft haben können. Konsens aber ist das Verständnis Edens als einer ökologischen, reformorientierten Siedlung.

Als Marke präsent ist Eden noch in den Reformhäusern, allerdings handelt es sich dabei um ein früheres Tochterunternehmen, das inzwischen wirtschaftlich selbständig und vollkommen unabhängig von der Genossenschaft agiert.

Astrid Segert und Irene Zierke haben unter dem Titel Organisationsstrukturen und ökologisches Alltagsverhalten: die gemeinnützige Obstbau-Siedlung Eden eG als Fallbeispiel für nachhaltige orientierte Genossenschaften (PDF, 490 KB) heutige Implikationen und die Renaissance der hehren Ideale von einst beobachtet und beschrieben.

Geschichte Edens

Persönlichkeiten in und um Eden

Diese und andere auch auf den Seiten der Eden e. G.

Ideen in und um Eden

Lesehinweise

Kommentar:



© Hanjo Iwanowitsch 2002–2004. Zuletzt geändert: 04.05.2004; 20:08:48 Uhr.