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Gelesen. Wolff.

Helen Wolff: Hintergrund für Liebe. Bonn: Weidle, 2020.

Wäre es nicht Helen Wolff, die hier nolens volens (Notiz zum jahrzehntelang aufbewahrten Manuskript: »At my death, burn or throw away unread!«) aus dem Nachlass veröffentlicht wurde, würde die Geschichte wohl doch als zu schlicht für eine Publikation erschienen sein, wenn sie auch den Zauber einer Sommerstimmung der frühen dreißiger Jahre wie auch ein emanzipatorisches Moment gelungen einfängt. Im Vergleich beispielsweise zu Keuns Geschichten der Zeit fällt die größere Unmittelbarkeit auf – und auch, dass Keun sprachlich und formal deutlich eigenständiger, weniger konventionell erzählt. Hier: wenig Neue Sachlichkeit, viel unverbindlich-universelle Sommergeschichte.

Sind die einen längeren Erzählbogen erwartenden Lesenden überrascht, wenn die Geschichte schon auf Seite 116 (von 215) endet, so werden sie umso erfreuter sein, dem Essay von Marion Detjen zu folgen, in dem sie über den historischen und biografischen Hintergrund informiert werden, was aufgrund der vielen genannten Namen (Mann, Hasenclever, Hesse, Rowohlt etc.) und dargestellten Bezüge zumindest für an Verlags- und Literaturgeschichte Interessierte wertvoll ist.

Besprechungen: Julia Schröder im Deutschlandfunk, Hauke Harder im Leseschatz.

Fadengeheftete Broschur.

Neues Schuljahr, neues Glück.

Eine Woche des neuen Schuljahrs ist vorbei, damit viel Organisatorisches, was mit dem Unterrichten noch gar nichts zu tun hat. Was ich unterrichten darf:

Einen zum Zentralabitur führenden Deutschkurs im 13. Jahrgang mit der Korridorformulierung »Literarische Moderne zwischen Tradition und Postmoderne – Die Idee des Neuen / Technik- und Menschenbilder in Lyrik des Expressionismus und der Literatur der Gegenwart« – da ist zwischen Pinthus' Menschheitsdämmmerung und ganz aktueller Literatur alles drin, und es ist schade, dass nicht mehr Zeit bleibt: lese ich Brechts Leben des Galilei, bleibt keine Zeit für Hasenclevers Der Sohn und Schnitzlers Traumnovelle, lese ich Frischs Homo faber (nicht neu, aber funktionierend), kann ich mir Schmidts Schwarze Spiegel nicht erlauben etc. Mal sehen. Ransmayrs Die letzte Welt führte früher mal nicht zu Begeisterungsstürmen, also vielleicht doch lieber Süskinds Das Parfum? Und Kafka sollte auch nicht vergessen werden …

Die S des neuen Deutschkurses mit erhöhtem Anforderungsniveau (früher: Leistungskurs) werde ich zunächst anhand von Kurzprosa (erste Geschichte: Uwe Johnsons »Osterwasser«) kennen lernen, danach werden wir Jugendbezogenes (Wedekinds Frühlings Erwachen; Horváths Jugend ohne Gott; Herrndorfs Tschick gibt's leider noch nicht als Taschenbuch ...) lesen und Grundlagen des Arbeitens mit unterschiedlichen Arten von Literatur einüben. Ich habe hier mehr Stunden zur Verfügung als im anderen Kurs, insofern möchte ich auch die Zusammenarbeit über Onlinewerkzeuge thematisieren, ohnehin der Reflexion über Methoden und Lernstrategien einen größeren Raum einräumen.

In der Philosophie habe ich wie stets je zwei Kurse im 11. und 12. Jahrgang, die mit der Einführung in die Philosophie und anthropologischen Fragestellungen (11) bzw. der Epistemologie (12) starten; außerdem werden wir im 13. Jahrgang in Vorbereitung auf das Abitur mit einem vertieften ethischen Thema, gesellschaftlichen Fragestellungen und Fragen der Medienphilosophie (leider wieder keine philosophische Ganzschrift ...) befasst sein.

Im Buchhandel unterrichte ich zum letzten Mal das Lernfeld »Weitere Warengruppen erschließen« nach altem Lehrplan; der nächste Durchgang an Auszubildenden darf im Unterricht den neuen kompetenzorientierten Lehrplan, an dessen Erstellung ich mitarbeiten durfte, auf seine praktische Eignung überprüfen … wir werden sehen.

Darüber hinaus habe ich mir aus dem Fortbildungsangebot des IQSH schon ein paar Fortbildungsangebote ausgesucht, die ich besuchen möchte, damit ich auch etwas außerhalb meines Unterrichts dazu lerne.