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Gelesen. Lanchester.

John Lanchester: Die Mauer. Übertragen von Dorothee Merkel. Stuttgart: Klett-Cotta, 2019.

Wie ungewöhnlich (gut) Sibylle Berg schreibt, wird deutlich durch den Kontrast zu Die Mauer: letzteres ebenfalls eine Dystopie, die heutige Entwicklungen fortschreibt (die Mauer ist das Küstenbollwerk gegen den gestiegenen Meeresspiegel und »die Anderen«: anlandende Klimaflüchtlinge), aber ganz konventionell und sprachlich einfach erzählt: solides Handwerk (und als solches zum Beispiel in der Schilderung der psychischen Verfasstheit der auf der Mauer ihren Pflichtdienst ableistenden jungen Leute nicht zu unterschätzen), aber auch nicht mehr.

Gelesen. Berg.

Sibylle Berg: GRM. Brainfuck. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019.

Heftig und zeitweise schwer erträglich; gewiss keine Wohlfühl-Literatur. Und natürlich trotzdem – wahlweise deshalb – empfehlens- und lesenswerte … Dystopie, wäre hier das nächste zu erwartende Wort. Aber tatsächlich ist der Brainfuck eine solche nur teilweise, weil viele der geschilderten Begebenheiten weder fiktional noch zukünftig sind, sondern fast schon wieder vergessener junger faktischer Vergangenheit entstammen. Insofern eher ein Rant aus vielen Stimmen einer Zeit voller gedachtem und ausgelebtem Hass – wenn bei aller hellsichtigen Verzweiflung über den destruktiven Irrsinn des Menschen auch der Wille zur humanistischen Hoffnung erkennbar wird (erklärt man sich in naiver Harmoniesucht).

Alles Weitere viel klüger in der Rezension Ursula März’ in der Zeit – »Ein Buch wie ein Sprengsatz« (€), auf die mich Tanja hinwies.

Gelesen. Berg.

Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben. München: Deutscher Taschenbuch, 2015.

Aus dem Stapel zu lesender Bücher vorgezogen aufgrund der starken Rezension (mit faszinierenden Bildern und Videos aus mir fremdem Kulturgebiet) von Dorothea Studthoff, Suhrkamp.

[Update ein paar Stunden später:] Das Buch ist mitfühlend böse und bitter wahr; es zeichnet den Alltagshorror der nicht Alltäglichen. Ich befürchtete eine Freakshow – und las Liebe.

»Regieren geht auch anders!«

Unter dem Motto »Alternativlos gibt’s nicht – gute Gründe für eine mutigere Politik« haben sich der Sänger Peter Fox (Solo und bei SEEED), die Autorin Eva Menasse, Musikproduzent Tim Renner, die Regisseurin Irja Martens und andere zusammengetan, um auf ihrer Website für eine Alternative zu schwarzgelbem Stillstand zu werben.

Denn selbst wenn man nicht begeistert dem Kurs entweder der SPD, der Grünen, der Linken (oder gar der Piraten) zustimmen kann, so sollte doch ein Mindestmaß an politischem Bewusstsein und Selbstachtung zur Erkenntnis führen, dass die derzeitige Regierung abgewählt gehört.

[Update:] Sibylle Berg: »Ich denke, also wähle ich.« (Keiner ihrer starken Texte – Recht hat sie trotzdem.)

Klausuren und Sibylle Berg.

So, letzte Klausuren dieser Ferien unterrichtsfreien Zeit korrigiert, Zensuren druntergeschrieben und gut is'. Nun noch rasch eine Das-sind-die-Fehler-und-so-könnte-man's-besser-machen-Präsentation basteln und die Dienstagsstunde ist fertig.

Die Klausur behandelte übrigens einen Kurztext von Sibylle Berg. Wenn man an Twitteraccounts etwas gut finden will, dann vielleicht den der Autorin. (Ich hab' ihn allerdings ganz old-school-mäßig per RSS abonniert. Erspart einem, zum »Follower« zu werden.) Dann wird auch gleich klar, dass viele der moralinsauren Lehren aus der Geschichte, die die S extra für den Deutschlehrer konstruierten und »rausinterpretierten«, vermutlich nicht ganz den Kern treffen.

Merksatz für die nächste Deutscharbeit also: Autoren sind immer mindestens drei Größenordnungen cooler als der Deutschlehrer, der ihre Geschichten mitbringt.