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Schuljahresende und Ausblick.

Als ich meine neue Stelle, die Koordination des Beruflichen Gymnasiums, am 1. Februar des Jahres antrat, war mir durchaus klar, dass es schwierig sein würde, die in den Ruhestand wechselnde Kollegin zu ersetzen, die diese Funktionsstelle über zwei Jahrzehnte ausfüllte. Aber sie unterstützte mich nach Kräften, indem sie beispielsweise alle administrativen Aufgaben in Dateien, terminierten Abläufen und Formblättern vorbereitete, so wie ich es auch für meine Nachfolgerin in der Leitung der Außenstelle gehalten hatte.

Dann aber bekamen wir am Freitag, den 13. März die Nachricht, dass die Schule am folgenden Montag nicht wieder öffnen würde, und alle vorherige Planung war für die Katz.

Laufend bekam die Schulleitungsebene neue Vorgaben, einige waren nur wenige Stunden gültig, bevor sie von anderen überschrieben wurden. Die Ministerialebene oszillierte munter zwischen »Abitur absagen!« (bei vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen) und »Abitur durchführen!« (bei relativ hohen), es gab sehr hilfreiche und Ratlosigkeit hinterlassende Vorgaben.

Zeiten des reinen Online-Unterrichts (nein, das ist kein home schooling, sondern Notfallfernunterricht!) offenbarten uns nicht nur Mängel in der Vorbereitung auf einen solchen Fall, sondern auch nur schwierig mögliche Abhilfe, was zum Teil an den Punkten liegt, die Bob in der Aufzählungsliste nennt: wir haben ein ländliches Einzugsgebiet, nicht all unsere Schüler*innen leben auf Rosen gebettet, und ja: auch wir müssen Fähigkeiten, die wir normalerweise nicht brauchen, erst einmal lernen.

Vor diesem Hintergrund hat die ganze Sache (Abitur, Online-Unterricht, allmähliche Einführung von Präsenzzeiten etc.) doch erstaunlich gut geklappt. Klar ist auch: wenn wir wieder normal miteinander arbeiten können, müssen wir genauer untersuchen, an welchen Stellen Schüler*innen und Kolleg*innen Unterstützungsbedarf haben, damit sie im Falle weiterer Online-Phasen auch mit verbindlichem Anspruch lernen und lehren können: für die zurückliegende Zeit galt ja die Maßgabe, dass Engagement und gute Leistungen der Schüler*innen zwar positiv, Zurücklehnen und schlechte Leistungen aber nicht negativ wirken konnten.

Nach den Ferien nun folgt programmgemäß Unterricht nach Plan, mit Unterricht in »Kohorten« (vulgo: Jahrgängen), aber natürlich kohortenübergreifend tätigen Lehrer*innen; begleitet von einer Digitalinitiative, die ein neues Lernmanagementsystem annonciert. Interessiert darf man zur Kenntnis nehmen, dass laut Produktinformation Office 365, dessen Nutzung uns in Schleswig-Holstein bislang untersagt wurde, integriert ist, was der Open-Source-Strategie des Landes zuwiderläuft [Erinnerung von Timo]. Nur begrenzt innovativ wirkt die Ankündigung eines E-Mail-Systems, aber da das Ganze erklärtermaßen datenschutzkonform ablaufen soll, darf man ja eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erwarten. Es wäre überraschend, wenn dieser Zugang mit einem normalen Mail-Programm genutzt werden könnte, stattdessen wird es vermutlich eher auf eine fragwürdige Web-Oberfläche hinauslaufen. Auch auf die Videokonferenzlösung und andere Module bin ich gespannt.

Immerhin bewegt sich etwas.

Weiter mit CoViD-19.

Schule besteht in diesen Zeiten vor allem aus planen, die erarbeiteten Pläne umschmeißen lassen und neu planen.

So geschehen beim schriftlichen Abitur, das statt vor den Osterferien nach diesen geschrieben wurde, infektionsschutzbedingt statt in vier Räumen in dreizehn (mit entsprechend großem Bedarf an als Aufsichten fungierenden Lehrkräften), mit Desinfektionsschleuse und tiefem Blick in die (fiebrigen?) Augen, mit neu verklebtem Mittelstreifen in allen Fluren …

So auch bei der Wiederaufnahme des Unterrichts (was in unserem Falle heißt: ein Jahrgang statt derer drei und jeweils nur zwei Doppelstunden am Stück, weil keine unterschiedlichen Gruppen an Lernenden an einem Tag in einem Raum sitzen sollen, ohne dass eine Desinfektion stattgefunden hätte).

Bewertungsgrundlage für die Leistungen der Schüler*innen soll jeweils der Stand 13.3. (letzter Unterrichtstag vor Corona) sein – unmittelbar vor den zwei Wochen, in denen in den meisten Kursen Klausuren geschrieben worden wären. Leistungen danach sollen allenfalls eine Rolle spielen, wenn sie zugunsten der Schüler*innen berücksichtigt werden können.

Νach dem derzeit anwesenden 13. Jahrgang werden wir wohl den 12. einladen, aber ob das so kommt, wird erst gegen Ende dieser Woche entschieden werden können, denn die Vorgaben ändern sich immer wieder; zudem wollen wir in der Runde der Abteilungsleitenden die Erfahrungen aus den letzten beiden Wochen mit einfließen lassen. Werden wir noch Platz für den 11. Jahrgang finden?

Parallel zum Unterricht in meiner Abteilung finden in anderen nach wie vor Abschlussprüfungen statt; die ländliche Berufliche Schule als Angebotszentrum unterschiedlichster Bildungsgänge zeigt sich auch darin deutlich vielfältiger als allgemein bildende Schulen. Die Aktivitäten in anderen Abteilungen (die ja auch wieder aufwendig beaufsichtigt werden müssen) gehen aber auch nicht spurlos an Planungsmöglichkeiten in der eigenen vorbei, denn viele Kolleg*innen arbeiten beispielsweise sowohl im Voll- als auch im Teilzeitbereich.

Nicht vergessen dürfen wir die Schüler, die wir »nur« online beschulen, was sowohl für Schüler*innen als auch für Lehrkräfte deutlich anders fordernd ist: für Schüler*innen, die Aufgaben auf unterschiedlichsten Kanälen bekommen und diese und sich nun organisieren lernen müssen, aber auch für Lehrpersonen, die völlig neue Methoden des Lehrens, der Ansprache und der Beziehungspflege entwickeln müssen.

Zwei Wochen meiner Osterferien gehörten der Stundenplanung für das nächste Schuljahr (die dritte der Planung des Abiturs). Was davon Wirklichkeit werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Unter derzeitigen Bedingungen ist an normalen Unterricht noch nicht zu denken, weil das Kurssystem (und Vorgaben zur Personalbewirtschaftung) dazu führen, dass in jeder Stunde in jedem Raum anders zusammengesetzte Lerngruppen sitzen – was wir bislang positiv als Austauschmöglichkeit der Schüler*innen untereinander begreifen konnten, ist nun für an Infektionsschutz Interessierte eine mindestens unbehagliche Vorstellung.

Wir planen auf Sicht. Was heute richtig schien, kann morgen schon wieder eingerissen werden. Ich plane gern. Auch neu. Die Vorgaben oszillieren dabei aber ebenso zwischen zu viel und zu lax wie unser schülerbezogenes Handeln zwischen zu viel und zu wenig; die Möglichkeiten, die die Online-Beschulung böte, können wir nicht ausreichend wahrnehmen, weil die Zeit immer zu knapp ist. Eine Lehrperson hat je nach Fächerkombination und Einsatz zwischen 150 und 250 Schüler*innen, die alle gern einzeln in ihren je eigenen Bedingungen und ihrer je eigenen Persönlichkeit erkannt werden wollen und zum Beispiel per E-Mail betreut werden möchten und sollen, um ihre Lernprozesse optimal zu unterstützen. Dabei offenbart die Online-Beschulung nur ein grundsätzliches Handicap, das dem »normalen Unterricht« latent ebenso inhärent ist: die Vorstellung, dass 25 Schüler*innen gebannt dem Vortrag der Lehrperson folgen, ist ja auch abenteuerlich – nur eben vertraut.

Wir simulieren ein normal funktionierendes Schulsystem, fühlen uns aber insgeheim wie unbekleidete Kaiser.

Schule ohne Unterricht.

Nach einer guten Woche unterrichtsloser Schule schlug unsere Ministerin gestern vor, das Abitur auf der Grundlage der bisher erbrachten Leistungen ohne gesonderte Prüfungen zu erteilen. Die Argumentation scheint mir nach wie vor schlüssig, aber heute stellte sich offenbar heraus, dass die Länderkolleg*innen not amused waren über die Art der Bekanntgabe, sodass nun doch von der Durchführung des Abiturs unmittelbar nach den Osterferien ausgegangen wird.

Wenn die Prüfungen dann stattfinden werden, dann wird dies unter ungünstigeren Bedingungen sein als jetzt, denn die Wahrscheinlichkeit von Corona-Infektionen wird bis dahin eher zunehmen. Im Nachhinein weiß man nun auch, dass unser Wunsch, die Abschlussprüfungen letzte und diese Woche mit den Prüflingen plangemäß, aber in ansonsten leeren Schulen durchzuführen, die deutlich bessere Alternative gewesen wäre, weil die Schüler*innen dann nicht die fünfwöchige Pause vor den Prüfungen gehabt hätten. Auch werden die Korrekturen nun möglicherweise im wieder laufenden Schulbetrieb abgearbeitet werden müssen, was für die Kolleg*innen ungünstig ist.

Was also zu tun ist: Überarbeitung der Prüfungs-, Raum- und Vertretungspläne, weitere kleine Modifikationen. Ansonsten schon jetzt und ab morgen verstärkt: Stundenplanung für das nächste Schuljahr.

Unterrichtsfrei wegen CoViD-19-Gefahr.

Das hatten wir bisher auch noch nicht, aber heute war es gegen Mittag so weit: der Unterricht ab Montag für die zwei noch verbleibenden Wochen bis zu den in diesem Jahr dreiwöchigen Osterferien wurde abgesagt. Die gegenwärtige Stimmung hat ein bisschen was von Tove Janssons Komet im Mumintal.

In der Tat finde ich es auch interessant, was diese Ausnahmesituation mit den Menschen macht, und die Erfahrungen beim Wochenendeinkauf waren diesbezüglich nicht die besten, aber das sich nach Hause Zurückziehen hat ja auch seine Vorteile, da bin ich ganz bei Herrn Rau. Der Stapel ungelesener Bücher wächst immer nach …

Leider sind wir nicht ganz so gut wie die Bayern aufgestellt, was die Fernunterrichtstechnik anbelangt, was mit Ländereigenheiten zu tun hat, aber auch mit den spezifischen Bedingungen unserer Schule, die zwischen dem alten, im Grunde in Abwicklung befindlichen Moodle und einer in Bälde kommenden neue Software-Lösung steht. Aber besondere Situationen fordern ja heraus …

Gern hätte ich gesehen, dass die Abschlussprüfungen, in meiner Abteilung das schriftliche Abitur, noch durchgeführt werden können, während nur der normale Unterricht abgesagt worden wäre – doch eine solche Kompromisslösung ist für die Entscheidenden offenbar nicht vorstellbar gewesen. Den Schüler*innen hätte ich die Verschiebung gern erspart, denn sie sind jetzt optimal vorbereitet – in fünf unterrichtsfreien Wochen möglicherweise eher weniger. Und auch für die korrigierenden Kolleg*innen bedeutet diese Verschiebung der Prüfungen auf nach den Osterferien eine Mehrbelastung, denn dann sind die Korrekturen, die für die Osterferien geplant waren, neben dem Unterricht zu leisten …

Und das heißt auch: meine nächsten Tage gehören der Neuplanung des Abiturprüfungsbetriebs (ohne zu wissen, ob die Ausweich-, nämlich die ursprünglichen Nachschreibtermine, überhaupt wahrgenommen werden können). Nebenbei natürlich ein Treffen der erweiterten Schulleitung am Montagmorgen, um weitere Maßnahmen zu diskutieren und abzusprechen. Auch bereits geplante kleine Konferenzen (mit weniger als 50 Kolleg*innen und Kollegen, was bei uns im Kreis die derzeitige Genehmigungsgrenze ist) und andere Dienstgeschäfte finden statt.

Küste · Marzipantorte · Spiel · Gedichte.

2020-01-11_120110Während der heutige Tag wieder mit Standardnieselwetter beginnt, schien am Samstag zeitweise die Sonne, daher sind wir rausgefahren nach Niendorf und von dort auf dem Höhenweg des Brodtener Ufers nach Travemünde spaziert. Dort waren wir tatsächlich vorher noch nie, weil wir, wenn uns nach Steilküste war, immer zwischen Rettin und Brodau wanderten.

2020-01-11_133822Wider Erwarten war die Küste gut besucht (hoffte, dass die Leute samstags noch mit Konsum beschäftigt sind), und im Café Marleen bekam man nur mit Glück noch einen Platz, was vor allem einer Geburtstagsgesellschaft im Saal zu verdanken war, die von der Wirtin und der Bedienung mit entschlossenem Frohsinn besungen wurde. Wir schufen indes auf unserem Tisch Platz für Flammkuchen und Tee, indem wir einen Teil der fragwürdigen Dekoration (siehe Bild) auf der Abtrennung aufreihten, was uns wiederum der Gefährlichkeit wegen einen Rüffel vom Kellner einbrachte, bevor er die wertvolle Deko anderswohin in Sicherheit brachte. Die Marzipantorte und der Espresso zum Nachtisch waren mächtig und stark.

2020-01-11_152558Zurück sind wir am Strand gewandert und haben die Wirkung der Ostsee auf die Küste bewundert.

Abends Alhambra (plus Wechselstuben und Diamanten) mit Freunden bei Tee und Weinen, Wurzeln und Haribo-Erzeugnissen.

Am Sonntag Laufen im Regen auf moddrigen Wegen, dann aus Gründen erneute Lektüre der BGVO und Entwurf eines Klausurenplans.

Das nächste Korridorthema für meinen Deutschkurs im 12. Jahrgang wird die Lyrik des 19. Jahrhunderts sein, was eine Fülle an Möglichkeiten eröffnet. Beginnen werde ich mit Goethes »Künstlerlied« und Holzens »Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne« (AB), die – entstanden am Anfang bzw. Ende des Zeitraums – über die inhaltliche Gegensätzlichkeit bei gleicher Thematik Anlass zur Problematisierung bieten sollten.

Gelesen. Carr.

J. L. Carr: Die Lehren des Schuldirektors George Harpole. Übertragen von Monika Köpfer. Köln: DuMont, 2019.

Carr wusste offenbar aus eigener Erfahrung, von was er schrieb, als er in einem in den 1950er Jahren spielenden Schulroman die Auseinandersetzung mit Schuladministration und Umfeld thematisierte. Die erwähnten Eigentümlichkeiten, die fragwürdigen Hierarchien und behäbigen Entscheidungswege, die in Funktionen erstarrten Theoretiker, all das, was Außenstehende unbegreiflich fänden – all das ist heute selbstverständlich ganz anders.

Aus der letzten Woche …

Schule ist ein wenig fordernd momentan, weil bei einer dünnen Personaldecke auch kurze krankheitsbedingte Ausfälle von Kolleg*innen (von den langen zu schweigen) zu deutlichem Mehreinsatz führen. Das strengt die verbleibenden an, wenn sie auch – wie die Schüler*innen – guter Dinge zu bleiben suchen … Für mich bedeuten mehr Unterrichtsstunden, dass kaum Zeit für die Leitungsarbeit bleibt und das eine oder andere länger liegen bleibt, als es gut ist. –

Bei der Benotung im BG führen unter Lehrkräften nicht optimal abgestimmte Bewertungskriterien zu Enttäuschungen bei Schüler*innen, die noch im Jahr zuvor bei anderen Kolleg*innen bessere Noten erhielten als jetzt. –

Unzufriedenheit mit der technischen Ausstattung bestimmter Abteilungen der Schule, in denen zeitgemäßer Unterricht (zum Beispiel à la Blume) kaum möglich ist, und der Anbindung an Netz – daran soll sich zwar bald etwas ändern, doch ich glaube es erst, wenn’s soweit ist. In unserer Außenstelle liegt das Glasfaserkabel seit Anfang Juli 2018 (ein damals schon deutlich verzögerter Termin) und IQSH und Dataport wiederholen seitdem die immer gleichen unzureichenden Gründe, warum unser pädagogisches Netz nicht endgültig mit dem Kabel verbunden wird. –

Kürbis-Knödel mit MangoldEin Foodblogger wird aus mir nicht mehr, aber festhalten möchte ich doch zumindest, dass die angebratenen Kürbis-Knödel nach Salzkornküchenrezept vorzüglich schmecken. Zwar habe ich nur die Hälfte des Solawi-Butternusskürbisses (dafür alle Kartoffeln und die Mangoldlieferung) verarbeiten können, doch das Ergebnis waren trotz des verwendeten Vollkornmehls überraschend fluffige Klöße. Aufwendig, aber lohnenswert. –

Pilze im GartenIm Garten herbstet es vor sich hin und die Pilze sprießen beim Flieder und unterm Pflaumenbaum. –

Andauernde Lektüre von Sternes Tristram Shandy in Michael Walters Übersetzung bei Galiani. Zudem grafische Literatur für die Graphic-Novel-UE bei den Buchhändler*innen sowie die Philosophinnen-Sondernummer des Philosophie-Magazins.

Kommentar bei »Kreide fressen«.

Dortselbst schrieb ich in etwa:

Schulausflüge zu Demos sind eine Verletzung des Überwältigungsverbots und insofern nicht in Ordnung.

Verweise für FFF-demonstrierende Schüler*innen finde ich konsequent (und auch gar nicht problematisch für Schüler*innen): letztendlich geht es beim Schulstreik doch gerade darum, etwas zu tun, das rechtlich fragwürdig, aber aus Sicht der Demonstrierenden aufgrund der Faktenlage moralisch geboten ist.

Typinator und Griechisch mit LaTeX.

2006 und 2014 schrieb ich schon einmal etwas zum Thema »Griechisch mit LaTeX«.

Eine weitere Möglichkeit ohne Nutzung von betababel hat sich mir jetzt aufgetan, als ich von TextExpander zu Typinator wechselte, da mir das neue Abo-Modell des ersteren nicht gefällt. (Typinator ist auf diesen Fall vorbereitet und bietet den von einem Tool zum nächsten Umziehenden eine Importfunktion für alle Snippets an.)

Neben anderen nützlichen Sets von Abkürzungen gibt es auch das Set Ἑλληνική, das ein sehr weit gehendendes Lexikon des Altgriechischen enthält – immer mit der Zuordnung des Wortes in polytonischer Schreibweise (in die über das Tastaturmenü oder die Systemeinstellung Tastatur mit der Eingabequelle »Griechisch – Polytonisch« gewechselt werden kann) ohne diakritische Zeichen als Abkürzung, die dann zum Lemma mit diakritischen Zeichen erweitert wird – beispielsweise wird φιλοσοφοσ instantan zu φιλόσοφος. Dies erleichtert die Eingabe deutlich, denn wenn ich mir die Lage der griechischen Buchstaben auf der Tastatur noch einigermaßen merken kann, scheitere ich doch regelmäßig am Auffinden der diakritischen Zeichen (auch wenn sie über die Tastaturübersicht zu finden sind).

Diese Funktionalität ist in jedem Programm und daher auch im Editor der Wahl verfügbar, und da wir unsere LaTeX-Dateien inzwischen alle in UTF-8 codieren, ist die Notation in polytonischer Schreibweise mitten im Dokument kein Problem mehr – die Umwandlung ins PDF geschieht, wenn der Zeichensatz die Darstellung unterstützt, völlig problemlos.

Gute Laufschuhe · Rosenkohl · Zeit · Schulraummöblierung.

Heute zum ersten Mal mit meinen neuen Mizuno Wave Daichi 4 GTX durch den Nieselregen gelaufen. (Zwischendurch mal einen Blick in die Bräutigamseiche geworfen. Geheimnisvollen Brief aus Bulgarien wieder zurückgesteckt. Ist nicht für mich.) Erfreut festgestellt, dass der Halt auf matschigem Waldboden, glitschigem Lehmuntergrund und Standard-Feld-, Wald- & Wiesenmodder dank der abenteuerlich profilierten Michelin-Sohlen deutlich besser ist als bei den just nach knapp 1000 km Laufens dem Orkus anheimgegebenen vorherigen Schlechtwetterbotten Mizuno Wave Mujin 3 GTX, und zwar sowohl in Vorwärtsrichtung als auch im Falle drohenden seitlichen Abrutschens (das aber erfreulicherweise eben nicht eintrifft) auf unebenen, halb aufgelösten Wegen. – Richtig tolle Schuhe, die mich begeistern, während die Vorgänger nur so okay waren.

Am Wochenende Küchenlateins orientalisches Rosenkohl-Gemüse (mit Kohl und Zwiebeln (statt Schalotten) aus Ernteanteil) gekocht (E-Kind 1 war dankenswerterweise extra aus Marburg angereist, um die Orangenfilets zu fertigen), dazu gab’s Süßkartoffelpürree nach einem Rezept aus unbekannter Quelle (vergessen). Wohlschmeckend.

Über Unterrichtsbesuchen, Vorstellungsgesprächen, immerwährenden Breitbandproblemen, Aktenvernichtung, Stundenplan- und Einsatzfragen, allfälligem Bureaukrams, Unterricht etc. verfliegen Tage. iPads plus Beamer funktionieren tadellos, ärgerlich dabei unterschiedliche Beamergenerationen und -typen mit ebenfalls diversen Fernbedienungen, die immer mal wieder für Fragen bei Kolleg*innen sorgen. Ebenfalls sehr positive Neuerung: Stehpulte für die Lehrkräfte (und in einem Raum zusätzliche Stehtische für Schüler*innen, die sich zwischendurch mal strecken wollen).

Fridays for Future · Korrekturen · Dinesen · Topinambur · SET.

In der Woche immer mal wieder über die Fridays for Future nachgedacht, die ja auch in den Lehrerblogs unterschiedlich aufgenommen wurden. Für uns in der Außenstelle ist das Thema nicht existent, denn unsere Schüler*innen sind Auszubildende – unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht kann sie ihren Ausbildungsplatz kosten.

In anderen Schulen wird das anders sein, weil den Schüler*innen mögliche Konsequenzen nicht so deutlich sind oder diese als nicht so wahrscheinlich, vielleicht auch nicht so bedrohlich wahrgenommen werden. Indem sich Schulleitungen und Lehrkräfte – hierzulande per Brief aus dem Ministerium noch einmal an ihre Pflicht erinnert – Verhältnismäßigkeit wahrend, aber trotzdem eben disziplinierend gegen die Schüler*innen stellen müssen, handeln sie genau so, wie es ihnen von Greta Thunberg und ihren Mitstreiter*innen vorgeworfen wird: die Verhältnisse durchaus erkennend, aber nicht folgerichtig handelnd.

Es wird kritisch, wenn Schüler*innen sich auf Dauer von Ermahnungen nicht vom Schulstreik abhalten lassen, nicht mehr selbstverständlich akzeptieren, dass wir Lehrkräfte ihnen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Die Frage ist, ob Schulen, die ihre Schüler*innen ziehen lassen müssen, nicht eigentlich einen hervorragenden Job gemacht haben, weil die Schüler im Erkennen einer für sie fatalen Entwicklung Prioritäten anders setzen als zuvor.

What would Greta do? ist momentan eine nicht nur für das private Handeln entscheidende Frage, weil die an Gruppenbildung gar nicht interessierte Initiatorin einer größer werdenden Gruppe von meist Gleichaltrigen aus der Kenntnisnahme von Fakten eine moralisch sichere Haltung entwickelt hat, der schwer etwas entgegenzusetzen ist. –

Dieses Wochenende gehörte mal wieder den Korrekturen (Lernfelder 1 und 2 bei den Buchhändler*innen, Politik und EDV bei den Immobilienkaufleuten).

Nur kurz mal aufgetaucht, um bei Herrn Rau, der die Seven Gothic Tales von Isak Dinesen gelesen hat, zu kommentieren:

Habe mir das Buch vor einigen Jahren mal gekauft (und zwar anlässlich des Kopenhagen-Aufenthaltes), weil ich beim Stöbern im Angebot der Folio Society darauf stieß und derzeit keine Übersetzung lieferbar war. Die bislang gelesenen Geschichten (habe erst vier geschafft, wie mein Lesezeichen verrät) haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Das Lesen war anstrengend, denn ich habe viele englische Wörter nachschlagen müssen, weil ich sie nicht nur nicht 1:1 übersetzen konnte, sondern sie definitiv noch nie gesehen habe. – Was mich ganz naiv am meisten beeindruckt hat: dass sich jemand in einer Fremdsprache so artikulieren kann, dass tatsächlich Stilähnlichkeiten zu bestimmten Epochen bzw. Erzählweisen erkennbar werden. – Bemerkst Du als Anglist flaws in Dinesens Ausdruck? –

Außerdem habe ich natürlich den obligatorischen Wochenendlauf absolviert.

Sabine hat einen Topinambur-Gratin (aus Ernteanteil) nach einem Rezept aus Hugh Fearnley-Whittingstalls Täglich vegetarisch zubereitet; statt Thymian hat sie Zatar verwendet, dass ich letztens aus dem syrischen Laden mitbrachte, nachdem ich auf irgendeinem der vielen Kochblogs davon gelesen hatte.

Heute nachmittag dann letzte Vorbereitungen für den Schulentwicklungstag morgen, der unter dem Titel »Digitalisierung« steht und bei dem ich einen kleinen Workshop zu Wikis und Blogs leite.

Das iPad und ich.

In unserer Außenstelle haben wir den Beamern in den Klassenzimmern zu Weihnachten AirPlay-Fähigkeiten geschenkt, zudem sind wir Lehrkräfte eingeladen, uns mit den neuen schuleigenen iPads als Arbeits- und Präsentationswerkzeug auseinanderzusetzen.

Meinen echten Computer habe ich auch durch Rumprobieren bedienen gelernt, daher ist das auch mein Plan fürs iPad. Die Experimentierphase mit Gewöhnungsprozess möchte ich durch diesen (und möglicherweise folgende) Artikel begleiten und betone, dass es mir nicht um die grundsätzliche Eignung geht, sondern um die Eignung für mich (bzw. meine Eignung für die iPads; Moderne Zeiten etc.). Ich weiß, dass es eine Menge Kolleg*innen gibt, die mit dem iPad hervorragende Arbeitsergebnisse erzielen.

Als Stadtvertreter hatte ich schon einmal ein iPad (bis iOS 11) zur Ausleihe, dies diente der Stadt in erster Linie dazu, die Sitzungsunterlagen für Ausschüsse und die Stadtvertretung nicht mehr ausdrucken und per Bote in Papierform bringen lassen zu müssen; es sparte insofern Personalstunden, vor allem aber sehr viel Papier. Ich habe neben den Sitzungsunterlagen in der Allris-App beispielsweise Redebeiträge zunächst per Evernote, später per DS Note, andere Dokumente per Dropbox dabei gehabt. Ansonsten habe ich das iPad wenig genutzt; auch die genannten Dokumente habe ich auf meinem MacBook erstellt.

Was ich am iPad sehr schätze, ist die Qualität der Hardware und die Ästhetik der Benutzeroberfläche: hier bin ich aus dem Mac-Bereich an einen Standard gewöhnt, den ich nicht missen möchte. Allerdings handelt es sich gerade im letzteren Fall im Grunde um einen false friend, denn es ist trotz ähnlichen Aussehens vieles grundsätzlich anders, wenn man mit dem Apple-Tablet arbeiten will.

Jörg Kantel, der seit dem Jahr 2000 das Weblog Der Schockwellenreiter betreibt, schrieb 2010:

Das iPad ist […] kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss.

Acht Jahre später gibt es zwar viele Apps, die die Kreativität der Nutzer*innen auf vielfältige Weise befördern. Sie alle aber unterliegen den gesetzten Restriktionen der Plattform: und das ist eine geschlossene. Ist die Hardware geradezu erstaunlich leistungsfähig, bleibt das iPad software-, genauer: betriebssystembedingt im Vergleich zu einem echten Computer so etwas wie Facebook in Bezug auf das Internet: ein walled garden, der die Illusion von Nutzersouveränität erzeugt, wo doch nur in sehr engen Bahnen gestaltet werden kann. Das heißt nicht, dass das iPad ein schlechtes Gerät ist – es heißt nur, dass man sich bewusst sein muss, was möglich ist und was nicht. Wer beispielsweise mit dem Dateisystem eines klassischen Computers nicht zurecht kommt (und das ist in allen Generationen ein erstaunlich großer Anteil an Nutzer*innen), kann mit dem in Anwendungen organisierten System des iPad erleichtert tätig sein. Wer aber am Mac arbeitet, weil dieser einerseits eine schöne und funktionale Oberfläche hat, andererseits aber eben auch ein UNIX-Rechner mit all dessen Möglichkeiten ist, wird am iPad verzweifeln (oder muss ein für allemal akzeptieren, dass das iPad von echten Rechnern so verschieden ist wie die Waschmaschine).

Mit dem iPad neu zu lernen ist die Art der Interaktion. Dabei ist weniger wichtig, ob es der Finger oder der Stift ist, den man nutzt: wichtiger sind die Gesten und App-internen (nach meinem Gefühl nicht immer standardisierten) Befehle, beispielsweise um Multitasking auch auf dem Bildschirm sichtbar werden zu lassen.

Meine Folien erstelle ich in LaTeX, das Produkt sind PDFs, die ich bislang vom MacBook im Vollbildmodus der jeweiligen App (meist Skim) auf den Beamer bringe. Per iCloud oder Dropbox wird die Datei auf das iPad gebracht, wo ich in der Adobe-Reader-App auf dem iPad eine ganze Zeit lang nach einem Menübefehl gesucht habe, der mich die Datei im Vollbildmodus anzeigen lässt. Lange. Sehr lange. Nicht nur ich befürchtete inzwischen, dass ich alle PDFs ins Keynote-Format wandeln müsste (was man ja vielleicht automatisieren könnte, aber andere Nachteile mit sich bringt), um sie im Vollbild zeigen zu können. Mehr oder minder zufällig tippte ich in der Reader-App schließlich auf das Abbild der Folie selbst – schwupp: Vollbild.

Ja, ich hätte es wissen können: in der Foto-App funktioniert es genauso. Mir geht es hier darum, dass der Umgang mit dem iPad vermutlich umso einfacher ist, je weniger man vorher mit Rechnern zu tun hatte: denn was auf welche Weise funktioniert, ist grundsätzlich anders als unter macOS (oder Windows, geschweige denn Linux) und auch nach wie vor noch im Fluss: bestimmte Bedienelemente wurden noch in der vorigen Systemversion durch ein Wischen von unten nach oben aus der Mitte des Screens aufgerufen, nun bedarf es eines Wischens von oben nach unten in der rechten Ecke. Das muss gelernt und geübt werden.

Es gibt ein großes Angebot miteinander konkurrierender Programme für alle möglichen Zwecke, die aber alle eher nicht auf die Nutzung standardisierter nichtproprietärer Speicherformate hin optimiert sind. Zudem möchte jede App für sich eine eigene Hierarchie für die Ordnung der Dokumente erzeugen, was iPad-historisch auf das Fehlen eines sichtbaren Dateisystems zurückzuführen, seit iOS 12 aber nicht mehr notwendig ist. Auch hier zeigt sich der Drang, die Nutzer*innen eher an die eigene App zu binden als einen problemlosen Austausch über App-, Betriebssystem- oder Gerätegrenzen zu gewährleisten. Das missfällt mir, denn im Zweifelsfall kann ich auf dem iPad erarbeitete Inhalte so anderswo nicht (wieder) nutzen.

Völlig neu ist für mich das Nutzen von Handschrift in Apps wie Goodnote, deren Bildschirminhalt dann als Tafelersatz fungieren oder gar erkannt und in gedruckten Text umgewandelt werden kann. Ist die Handschriftenerkennung für das, was ich Druckschrift nenne, noch einigermaßen verlässlich, versagt sie im Falle tatsächlicher Handschrift. Auch das kann persönliche Gründe haben.