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Aus der letzten Woche …

Schule ist ein wenig fordernd momentan, weil bei einer dünnen Personaldecke auch kurze krankheitsbedingte Ausfälle von Kolleg*innen (von den langen zu schweigen) zu deutlichem Mehreinsatz führen. Das strengt die verbleibenden an, wenn sie auch – wie die Schüler*innen – guter Dinge zu bleiben suchen … Für mich bedeuten mehr Unterrichtsstunden, dass kaum Zeit für die Leitungsarbeit bleibt und das eine oder andere länger liegen bleibt, als es gut ist. –

Bei der Benotung im BG führen unter Lehrkräften nicht optimal abgestimmte Bewertungskriterien zu Enttäuschungen bei Schüler*innen, die noch im Jahr zuvor bei anderen Kolleg*innen bessere Noten erhielten als jetzt. –

Unzufriedenheit mit der technischen Ausstattung bestimmter Abteilungen der Schule, in denen zeitgemäßer Unterricht (zum Beispiel à la Blume) kaum möglich ist, und der Anbindung an Netz – daran soll sich zwar bald etwas ändern, doch ich glaube es erst, wenn’s soweit ist. In unserer Außenstelle liegt das Glasfaserkabel seit Anfang Juli 2018 (ein damals schon deutlich verzögerter Termin) und IQSH und Dataport wiederholen seitdem die immer gleichen unzureichenden Gründe, warum unser pädagogisches Netz nicht endgültig mit dem Kabel verbunden wird. –

Kürbis-Knödel mit MangoldEin Foodblogger wird aus mir nicht mehr, aber festhalten möchte ich doch zumindest, dass die angebratenen Kürbis-Knödel nach Salzkornküchenrezept vorzüglich schmecken. Zwar habe ich nur die Hälfte des Solawi-Butternusskürbisses (dafür alle Kartoffeln und die Mangoldlieferung) verarbeiten können, doch das Ergebnis waren trotz des verwendeten Vollkornmehls überraschend fluffige Klöße. Aufwendig, aber lohnenswert. –

Pilze im GartenIm Garten herbstet es vor sich hin und die Pilze sprießen beim Flieder und unterm Pflaumenbaum. –

Andauernde Lektüre von Sternes Tristram Shandy in Michael Walters Übersetzung bei Galiani. Zudem grafische Literatur für die Graphic-Novel-UE bei den Buchhändler*innen sowie die Philosophinnen-Sondernummer des Philosophie-Magazins.

Kommentar bei »Kreide fressen«.

Dortselbst schrieb ich in etwa:

Schulausflüge zu Demos sind eine Verletzung des Überwältigungsverbots und insofern nicht in Ordnung.

Verweise für FFF-demonstrierende Schüler*innen finde ich konsequent (und auch gar nicht problematisch für Schüler*innen): letztendlich geht es beim Schulstreik doch gerade darum, etwas zu tun, das rechtlich fragwürdig, aber aus Sicht der Demonstrierenden aufgrund der Faktenlage moralisch geboten ist.

Typinator und Griechisch mit LaTeX.

2006 und 2014 schrieb ich schon einmal etwas zum Thema »Griechisch mit LaTeX«.

Eine weitere Möglichkeit ohne Nutzung von betababel hat sich mir jetzt aufgetan, als ich von TextExpander zu Typinator wechselte, da mir das neue Abo-Modell des ersteren nicht gefällt. (Typinator ist auf diesen Fall vorbereitet und bietet den von einem Tool zum nächsten Umziehenden eine Importfunktion für alle Snippets an.)

Neben anderen nützlichen Sets von Abkürzungen gibt es auch das Set Ἑλληνική, das ein sehr weit gehendendes Lexikon des Altgriechischen enthält – immer mit der Zuordnung des Wortes in polytonischer Schreibweise (in die über das Tastaturmenü oder die Systemeinstellung Tastatur mit der Eingabequelle »Griechisch – Polytonisch« gewechselt werden kann) ohne diakritische Zeichen als Abkürzung, die dann zum Lemma mit diakritischen Zeichen erweitert wird – beispielsweise wird φιλοσοφοσ instantan zu φιλόσοφος. Dies erleichtert die Eingabe deutlich, denn wenn ich mir die Lage der griechischen Buchstaben auf der Tastatur noch einigermaßen merken kann, scheitere ich doch regelmäßig am Auffinden der diakritischen Zeichen (auch wenn sie über die Tastaturübersicht zu finden sind).

Diese Funktionalität ist in jedem Programm und daher auch im Editor der Wahl verfügbar, und da wir unsere LaTeX-Dateien inzwischen alle in UTF-8 codieren, ist die Notation in polytonischer Schreibweise mitten im Dokument kein Problem mehr – die Umwandlung ins PDF geschieht, wenn der Zeichensatz die Darstellung unterstützt, völlig problemlos.

Gute Laufschuhe · Rosenkohl · Zeit · Schulraummöblierung.

Heute zum ersten Mal mit meinen neuen Mizuno Wave Daichi 4 GTX durch den Nieselregen gelaufen. (Zwischendurch mal einen Blick in die Bräutigamseiche geworfen. Geheimnisvollen Brief aus Bulgarien wieder zurückgesteckt. Ist nicht für mich.) Erfreut festgestellt, dass der Halt auf matschigem Waldboden, glitschigem Lehmuntergrund und Standard-Feld-, Wald- & Wiesenmodder dank der abenteuerlich profilierten Michelin-Sohlen deutlich besser ist als bei den just nach knapp 1000 km Laufens dem Orkus anheimgegebenen vorherigen Schlechtwetterbotten Mizuno Wave Mujin 3 GTX, und zwar sowohl in Vorwärtsrichtung als auch im Falle drohenden seitlichen Abrutschens (das aber erfreulicherweise eben nicht eintrifft) auf unebenen, halb aufgelösten Wegen. – Richtig tolle Schuhe, die mich begeistern, während die Vorgänger nur so okay waren.

Am Wochenende Küchenlateins orientalisches Rosenkohl-Gemüse (mit Kohl und Zwiebeln (statt Schalotten) aus Ernteanteil) gekocht (E-Kind 1 war dankenswerterweise extra aus Marburg angereist, um die Orangenfilets zu fertigen), dazu gab’s Süßkartoffelpürree nach einem Rezept aus unbekannter Quelle (vergessen). Wohlschmeckend.

Über Unterrichtsbesuchen, Vorstellungsgesprächen, immerwährenden Breitbandproblemen, Aktenvernichtung, Stundenplan- und Einsatzfragen, allfälligem Bureaukrams, Unterricht etc. verfliegen Tage. iPads plus Beamer funktionieren tadellos, ärgerlich dabei unterschiedliche Beamergenerationen und -typen mit ebenfalls diversen Fernbedienungen, die immer mal wieder für Fragen bei Kolleg*innen sorgen. Ebenfalls sehr positive Neuerung: Stehpulte für die Lehrkräfte (und in einem Raum zusätzliche Stehtische für Schüler*innen, die sich zwischendurch mal strecken wollen).

Fridays for Future · Korrekturen · Dinesen · Topinambur · SET.

In der Woche immer mal wieder über die Fridays for Future nachgedacht, die ja auch in den Lehrerblogs unterschiedlich aufgenommen wurden. Für uns in der Außenstelle ist das Thema nicht existent, denn unsere Schüler*innen sind Auszubildende – unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht kann sie ihren Ausbildungsplatz kosten.

In anderen Schulen wird das anders sein, weil den Schüler*innen mögliche Konsequenzen nicht so deutlich sind oder diese als nicht so wahrscheinlich, vielleicht auch nicht so bedrohlich wahrgenommen werden. Indem sich Schulleitungen und Lehrkräfte – hierzulande per Brief aus dem Ministerium noch einmal an ihre Pflicht erinnert – Verhältnismäßigkeit wahrend, aber trotzdem eben disziplinierend gegen die Schüler*innen stellen müssen, handeln sie genau so, wie es ihnen von Greta Thunberg und ihren Mitstreiter*innen vorgeworfen wird: die Verhältnisse durchaus erkennend, aber nicht folgerichtig handelnd.

Es wird kritisch, wenn Schüler*innen sich auf Dauer von Ermahnungen nicht vom Schulstreik abhalten lassen, nicht mehr selbstverständlich akzeptieren, dass wir Lehrkräfte ihnen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Die Frage ist, ob Schulen, die ihre Schüler*innen ziehen lassen müssen, nicht eigentlich einen hervorragenden Job gemacht haben, weil die Schüler im Erkennen einer für sie fatalen Entwicklung Prioritäten anders setzen als zuvor.

What would Greta do? ist momentan eine nicht nur für das private Handeln entscheidende Frage, weil die an Gruppenbildung gar nicht interessierte Initiatorin einer größer werdenden Gruppe von meist Gleichaltrigen aus der Kenntnisnahme von Fakten eine moralisch sichere Haltung entwickelt hat, der schwer etwas entgegenzusetzen ist. –

Dieses Wochenende gehörte mal wieder den Korrekturen (Lernfelder 1 und 2 bei den Buchhändler*innen, Politik und EDV bei den Immobilienkaufleuten).

Nur kurz mal aufgetaucht, um bei Herrn Rau, der die Seven Gothic Tales von Isak Dinesen gelesen hat, zu kommentieren:

Habe mir das Buch vor einigen Jahren mal gekauft (und zwar anlässlich des Kopenhagen-Aufenthaltes), weil ich beim Stöbern im Angebot der Folio Society darauf stieß und derzeit keine Übersetzung lieferbar war. Die bislang gelesenen Geschichten (habe erst vier geschafft, wie mein Lesezeichen verrät) haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Das Lesen war anstrengend, denn ich habe viele englische Wörter nachschlagen müssen, weil ich sie nicht nur nicht 1:1 übersetzen konnte, sondern sie definitiv noch nie gesehen habe. – Was mich ganz naiv am meisten beeindruckt hat: dass sich jemand in einer Fremdsprache so artikulieren kann, dass tatsächlich Stilähnlichkeiten zu bestimmten Epochen bzw. Erzählweisen erkennbar werden. – Bemerkst Du als Anglist flaws in Dinesens Ausdruck? –

Außerdem habe ich natürlich den obligatorischen Wochenendlauf absolviert.

Sabine hat einen Topinambur-Gratin (aus Ernteanteil) nach einem Rezept aus Hugh Fearnley-Whittingstalls Täglich vegetarisch zubereitet; statt Thymian hat sie Zatar verwendet, dass ich letztens aus dem syrischen Laden mitbrachte, nachdem ich auf irgendeinem der vielen Kochblogs davon gelesen hatte.

Heute nachmittag dann letzte Vorbereitungen für den Schulentwicklungstag morgen, der unter dem Titel »Digitalisierung« steht und bei dem ich einen kleinen Workshop zu Wikis und Blogs leite.

Das iPad und ich.

In unserer Außenstelle haben wir den Beamern in den Klassenzimmern zu Weihnachten AirPlay-Fähigkeiten geschenkt, zudem sind wir Lehrkräfte eingeladen, uns mit den neuen schuleigenen iPads als Arbeits- und Präsentationswerkzeug auseinanderzusetzen.

Meinen echten Computer habe ich auch durch Rumprobieren bedienen gelernt, daher ist das auch mein Plan fürs iPad. Die Experimentierphase mit Gewöhnungsprozess möchte ich durch diesen (und möglicherweise folgende) Artikel begleiten und betone, dass es mir nicht um die grundsätzliche Eignung geht, sondern um die Eignung für mich (bzw. meine Eignung für die iPads; Moderne Zeiten etc.). Ich weiß, dass es eine Menge Kolleg*innen gibt, die mit dem iPad hervorragende Arbeitsergebnisse erzielen.

Als Stadtvertreter hatte ich schon einmal ein iPad (bis iOS 11) zur Ausleihe, dies diente der Stadt in erster Linie dazu, die Sitzungsunterlagen für Ausschüsse und die Stadtvertretung nicht mehr ausdrucken und per Bote in Papierform bringen lassen zu müssen; es sparte insofern Personalstunden, vor allem aber sehr viel Papier. Ich habe neben den Sitzungsunterlagen in der Allris-App beispielsweise Redebeiträge zunächst per Evernote, später per DS Note, andere Dokumente per Dropbox dabei gehabt. Ansonsten habe ich das iPad wenig genutzt; auch die genannten Dokumente habe ich auf meinem MacBook erstellt.

Was ich am iPad sehr schätze, ist die Qualität der Hardware und die Ästhetik der Benutzeroberfläche: hier bin ich aus dem Mac-Bereich an einen Standard gewöhnt, den ich nicht missen möchte. Allerdings handelt es sich gerade im letzteren Fall im Grunde um einen false friend, denn es ist trotz ähnlichen Aussehens vieles grundsätzlich anders, wenn man mit dem Apple-Tablet arbeiten will.

Jörg Kantel, der seit dem Jahr 2000 das Weblog Der Schockwellenreiter betreibt, schrieb 2010:

Das iPad ist […] kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss.

Acht Jahre später gibt es zwar viele Apps, die die Kreativität der Nutzer*innen auf vielfältige Weise befördern. Sie alle aber unterliegen den gesetzten Restriktionen der Plattform: und das ist eine geschlossene. Ist die Hardware geradezu erstaunlich leistungsfähig, bleibt das iPad software-, genauer: betriebssystembedingt im Vergleich zu einem echten Computer so etwas wie Facebook in Bezug auf das Internet: ein walled garden, der die Illusion von Nutzersouveränität erzeugt, wo doch nur in sehr engen Bahnen gestaltet werden kann. Das heißt nicht, dass das iPad ein schlechtes Gerät ist – es heißt nur, dass man sich bewusst sein muss, was möglich ist und was nicht. Wer beispielsweise mit dem Dateisystem eines klassischen Computers nicht zurecht kommt (und das ist in allen Generationen ein erstaunlich großer Anteil an Nutzer*innen), kann mit dem in Anwendungen organisierten System des iPad erleichtert tätig sein. Wer aber am Mac arbeitet, weil dieser einerseits eine schöne und funktionale Oberfläche hat, andererseits aber eben auch ein UNIX-Rechner mit all dessen Möglichkeiten ist, wird am iPad verzweifeln (oder muss ein für allemal akzeptieren, dass das iPad von echten Rechnern so verschieden ist wie die Waschmaschine).

Mit dem iPad neu zu lernen ist die Art der Interaktion. Dabei ist weniger wichtig, ob es der Finger oder der Stift ist, den man nutzt: wichtiger sind die Gesten und App-internen (nach meinem Gefühl nicht immer standardisierten) Befehle, beispielsweise um Multitasking auch auf dem Bildschirm sichtbar werden zu lassen.

Meine Folien erstelle ich in LaTeX, das Produkt sind PDFs, die ich bislang vom MacBook im Vollbildmodus der jeweiligen App (meist Skim) auf den Beamer bringe. Per iCloud oder Dropbox wird die Datei auf das iPad gebracht, wo ich in der Adobe-Reader-App auf dem iPad eine ganze Zeit lang nach einem Menübefehl gesucht habe, der mich die Datei im Vollbildmodus anzeigen lässt. Lange. Sehr lange. Nicht nur ich befürchtete inzwischen, dass ich alle PDFs ins Keynote-Format wandeln müsste (was man ja vielleicht automatisieren könnte, aber andere Nachteile mit sich bringt), um sie im Vollbild zeigen zu können. Mehr oder minder zufällig tippte ich in der Reader-App schließlich auf das Abbild der Folie selbst – schwupp: Vollbild.

Ja, ich hätte es wissen können: in der Foto-App funktioniert es genauso. Mir geht es hier darum, dass der Umgang mit dem iPad vermutlich umso einfacher ist, je weniger man vorher mit Rechnern zu tun hatte: denn was auf welche Weise funktioniert, ist grundsätzlich anders als unter macOS (oder Windows, geschweige denn Linux) und auch nach wie vor noch im Fluss: bestimmte Bedienelemente wurden noch in der vorigen Systemversion durch ein Wischen von unten nach oben aus der Mitte des Screens aufgerufen, nun bedarf es eines Wischens von oben nach unten in der rechten Ecke. Das muss gelernt und geübt werden.

Es gibt ein großes Angebot miteinander konkurrierender Programme für alle möglichen Zwecke, die aber alle eher nicht auf die Nutzung standardisierter nichtproprietärer Speicherformate hin optimiert sind. Zudem möchte jede App für sich eine eigene Hierarchie für die Ordnung der Dokumente erzeugen, was iPad-historisch auf das Fehlen eines sichtbaren Dateisystems zurückzuführen, seit iOS 12 aber nicht mehr notwendig ist. Auch hier zeigt sich der Drang, die Nutzer*innen eher an die eigene App zu binden als einen problemlosen Austausch über App-, Betriebssystem- oder Gerätegrenzen zu gewährleisten. Das missfällt mir, denn im Zweifelsfall kann ich auf dem iPad erarbeitete Inhalte so anderswo nicht (wieder) nutzen.

Völlig neu ist für mich das Nutzen von Handschrift in Apps wie Goodnote, deren Bildschirminhalt dann als Tafelersatz fungieren oder gar erkannt und in gedruckten Text umgewandelt werden kann. Ist die Handschriftenerkennung für das, was ich Druckschrift nenne, noch einigermaßen verlässlich, versagt sie im Falle tatsächlicher Handschrift. Auch das kann persönliche Gründe haben.

Laufen, Kramp-Karrenbauer, Digitalisierung.

Heute vormittag nach dem Frühstück durch den Regen gelaufen, windig war’s auch, und so mancher Weg von Forstmaschinen so aufgewühlt, dass ich die richtige Abzweigung verpasst habe, mich inmitten von Matsch, querliegenden Baumstämmen und einer Menge Astwerk wiederfand, zwischendurch stolpernd im Modder landete (zum Glück ja weich). All das ziemlich lahm und für einen Wochenendlauf auch eher zu kurz, was der geringen Erholungszeit seit dem letzten Lauf zuzurechnen ist, aber morgen ist keine Zeit zum Laufen, denn wir bereiten mit den Nachbarn das traditionelle gemeinsame Winteressen.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat es geschafftdas hatte ich nicht erwartet. Wenn die von Merkel als Generalsekretärin nominierte Kandidatin das Rennen um den Parteivorsitz macht, zeigt es, dass jene ihrer Partei offenbar nicht, wie zuweilen behauptet, davongeeilt ist, sondern dass sich die CDU mit ihr gewandelt hat. Umso erstaunlicher das relativ starke Abschneiden ihres Konkurrenten, der in den letzten Jahren zwar bewiesen hat, dass er für seine eigenen Interessen arbeiten kann, nicht aber, dass er auch nur im Geringsten Kompetenzen besitzt, die im politischen Geschäft von Belang sind. Für die SPD wäre Merz ein deutlicher Antipode gewesen; mit Kramp-Karrenbauer wird sie es schwerer haben (von den selbst gemachten Problemen ganz abgesehen).

In der Schule arbeiten wir an der Fortentwicklung der Digitalisierung: durch die Vorbereitung eines Schulentwicklungstages zum Thema, aber auch durch verbesserte technische Ausstattung in unserer Außenstelle. Wer Lehrkräften vorwirft, sie seien zu unbeweglich und zu unmodern und würden die Digitalisierung deshalb nicht vorantreiben, weiß nicht, welche Bedingungen das Ganze mit beeinflussen – von der Verzögerung bis hin zur Verhinderung. Da spielen sehr unterschiedliche Auslegungen des Datenschutzrechts in unterschiedlichen Ländern eine Rolle, verschiedene Maße an Unterstützung durch Ministerien und Lehrerbildungsinstitute, die durchs Land und durch die Schule beauftragten Dienstleister für EDV-Fragen, die Schulträger (und es gibt Schulen mit mehr als einem Träger, die selbstverständlich auch unterschiedliche Auffassungen über Notwendigkeiten haben können), fehlende nichtpädagogische technische Fachkräfte in der Schule und so fort. Vor diesem Hintergrund sinnvolle Konzepte zu erdenken und auch umzusetzen ist nicht einfach. All das machen Lehrkräfte übrigens nebenbei, weil das Ministerium annimmt, das könnten Schulen selbst am Besten. (Letzteres ist nicht immer so, und manches Mal bräuchte man mehr Möglichkeiten des Rückgriffs auf fertige Lösungen zur Auswahl; andererseits schätzen wir Selbständigkeit, wo sie gegeben ist. Es ist kompliziert.)

Buchhändler, Lernfeld 6b.

Wenn Buchhandelsauszubildende im Lernfeld 6 – ein Sortiment gestalten –, in dem es unter anderem um viele für Laien gar nicht so einfach erfassbare Warengruppen geht, zum Schluss noch ein wenig Zeit haben, sehen wir uns im Bereich der buchaffinen Non-Books auch mal Spiele an, vergleichen sie in praktischer Übung und kriteriengeleiteter Analyse: Azul, Der Palast von Alhambra, Tichu, Räuber der Nordsee, Wizard und Epic.

Weg zur Arbeit.

Weg im NebelAus Gründen wollte ich heute eigentlich nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren – aber der Nebel lockte dann doch.

Bäume im Nebel

Bäume im Nebel

Philosophische Seiten in der Zeit.

Die Zeit beginnt mit der Nummer vom 25.10.2018 eine »Sinn & Verstand« benannte Reihe von Artikeln, die sich mit philosophischen Fragen befassen soll. Neben anderen Beiträgen findet sich ein Gespäch mit Michael Sandel, in dem er unter anderem sagt:

Sandel: Das Denken braucht Zeit, wie die Politik. Schnell und einfach sind beide nicht zu haben. Sie verlangen Aufmerksamkeit und Anteilnahme für das, was Andersdenkende über ihre Prägungen, Überzeugungen und Lebensgeschichten zu sagen haben. Aber das ist kein Argument gegen die Demokratie, sondern gegen die technologisch bestimmte Zerstreuung und permanente Ablenkbarkeit, in der wir leben. Demokratie verträgt diese Flüchtigkeit nicht. Auch die Lehre und das Lernen vertragen die Ablenkbarkeit nicht.

Zeit: Was folgt daraus für Ihre eigene Lehre?

Sandel: Ich habe inzwischen alle Sorten Bildschirme aus meinen Vorlesungen und Seminaren verbannt. Man kann weder miteinander sprechen noch gemeinsam denken, wenn man ablenkbar ist. Dafür brauchen wir Räume, in denen wir ungestört sind. [Die Zeit 44 (2018), S. 47]

Notate.

Es wird so viel geredet. Und so hastig. Manch einer kommt mit dem Denken nicht hinterher.

                         *   

Sinn und Form.

                         *   

Unterhaltungen sind schwierig, wenn es schnell gehen soll. Wenn auf den geschilderten Eindruck des einen nur zu rasch der des anderen folgt, dem der eigene Gedanke wichtiger als der des einen ist, bevor der Gedanke des einen so recht zu Ende gebracht, von allen Seiten betrachtet, geprüft und nachgedacht wird.

                         *   

Wie schnell es versehentlich passiert, dass eine verklärte Vergangenheit besser scheint als die Gegenwart.

                         *   

Eine still großartige Schulklasse: sehr unterschiedliche Menschen, die sich in ihrer Variation nicht nur respektieren, sondern diese freundlich einander zugewandt schätzen und unterstützen, gemeinsam fordern und anstrengen, dabei wach und kritisch sind. Und albern. Lehrpersonen kommen lächelnd aus dem Unterricht.

                         *   

Die Spürbarkeit des Sommerendes in der Sonnenwärme: die erste Kirschmarmelade gekocht, die von den Amseln verschmähten Johannisbeeren reif, die Fruchtdolden der mährischen Eberesche zwar noch grün, aber schon groß. Der Geruch des vertrockneten Grases.

G8 und G9.

Nachdem G8 in Schleswig-Holstein (wie anderswo) aus rein ökonomischen Gründen ohne Rücksicht auf pädagogische Bedenken eingeführt wurde, hat man in den letzten Jahren völlig überraschend erkennen dürfen, dass eine kürzere Schulzeit weniger Zeit zum Lernen (und weniger Zeit für gesellschaftlich erwünschte Nebentätigkeiten von Schülerinnen und Schülern) bedeutet.

Dass die gleiche CDU, die für die Einführung von G8 stand, nun die Rückkehr zu G9 organisiert (und auch für diesen Programmpunkt gewählt wurde), ist natürlich ein Witz; dass Lehrpersonen aber, die für die Organisation von derlei Hin & Her wertvolle, im Regelfall nicht gesondert vergütete Arbeitsstunden haben verwenden müssen, diese nun als verschwendet ansehen und bei der nächsten Reform vielleicht eher gebremst freudig agieren, dürfte sich von selbst verstehen. Dabei sind viele Neuerungen, die im Zuge der Einführung von G8 in den Schulen eingeführt wurden (Unterstützungskurse, Doppelstundensystem etc.), weiterhin sinnvoll – ebenso wie die Rückkehr an sich. Wenn aber Ministerien deutschlandweit so blind absehbare Probleme herbeiführten, spricht dies nicht für hervorragende Expertise. Der nun prognostizierte Lehrkräftemangel an Grundschulen ist ein weiterer Hinweis auf optimierbare Planung.

Demgegenüber bis ich immer wieder erstaunt, was vor diesem Hintergrund in den Schulen vor Ort an guter Praxis gedeiht.

Chaos macht Schule – und die Schule.

Der CCC ist eine sehr verdienstvolle Einrichtung, viele der Talks auf seinem jährlichen Congress sind anregend, und wenn wir keinen CCC hätten, müssten wir ihn erfinden. Chaos macht Schule ist eine ehrenamtlich getragene Initiative von CCC-(nahen) Menschen, die in Schulen gehen und dort wichtige Arbeit leisten.

Hier nun beklagt sich der CCC über zweierlei: dass die Leute in der Schule und den Ministerien sehr beschränkt seien und auch im Jahr 2017 noch Hilfe des CCC brauchten.

Dazu ein paar Gedanken: als Lehrer halte ich es immer für wertvoll, echte Fachleute in der Schule zu haben. Das geht so ein bisschen in die Richtung, die Anne Roth (CCC!) hier anspricht und offenbar für richtig hält. Ein echter Informatikmensch (ein echter Imker, eine echte Mechatronikerin, ein echter Landschaftsgärtner, eine echte Astronomin) in der Schule hat eben noch einmal eine andere Bedeutung für Schüler_innen als wir Lehrkräfte, die als zur Einrichtung gehörend wahrgenommen werden.

(Lehrkräfte hätten bezüglich IT generell gern mehr Fachkompetenz in der Schule, beispielsweise bei der Installation und Wartung von IT-Einrichtungen. In der Regel wollen aber Schulträger das nicht zahlen. Hat mit Schule im Grunde gar nichts zu tun, ist aber Bedingung der Möglichkeit von Bildung für die digitale Welt.)

Dass inklusive Medienbildung seit Jahren in den Lehrplänen vieler (aller?) Bundesländer verankert ist, wird von den Vortragenden leider ebensowenig erwähnt wie dass es einen Beschluss der Kultusministerkonferenz gibt, der die Handlungsbedarfe und -strategien in Bezug auf Bildung in der digitalen Welt festschreibt. Wenn all das, was dort geschrieben steht, umgesetzt würde, wäre das im Sinne der Lehrkräfte, der Schulen und vermutlich auch des CCC. Statt allerdings auf diesen Grundlagen aufzubauen, wird als »Realität!« behauptet, an Schulen werde Internet vor Schülern verheimlicht. Ich bitte Euch.

Ich halte es weiterhin für wertvoll, voneinander lernen zu können. Hierfür ist es wenig zielführend, das Gegenüber pauschal als vertrottelt darzustellen.

An keiner Stelle wird erwähnt, dass es viele Lehrpersonen gibt, die zum Teil unter fragwürdigen Bedingungen ihren jeweiligen Teil zur digitalen Bildung beitragen. Dass Schulen und selbst Ministerien sich auf den Weg machen. Dass Schülerinnen und Schüler auch deshalb vieles haben lernen können, was ansonsten unterhalb ihres Horizontes geblieben wäre.

An keiner Stelle allerdings passiert etwas von allein. »Tuwat« halte ich deshalb für einen hervorragenden Leitspruch, love für einen besseren als hate.

Update: Chaos macht Schule weist auf diesen Talk hin – danke!