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Gegen einen Gottesbezug in der Landesverfassung Schleswig-Holsteins.

Anlässlich der Diskussion um die Reform der Landesverfassung Schleswig-Holstein wurde vorgeschlagen, mit einer Formulierung wie »Der Landtag hat in Vertretung der schleswig-​​holsteinischen Bürgerinnen und Bürger in Verantwortung vor Gott und den Menschen auf der Grundlage der unver­letz­li­chen und unver­äu­ßer­li­chen Menschenrechte […]« explizit einen Gottesbezug in die Verfassung einzuschreiben. Der ursprüngliche überfraktionelle Vorschlag hingegen sieht eine solche Formulierung nicht vor.

Die Gründe für und wider werden im Landesblog recht verständlich aufgeführt – und so bleibt dem Bürger noch, (ggf. nach Lektüre der Begründung) die Petition gegen den Gottesbezug zu unterschreiben.

[Update nach Ende der Zeichnungsfrist:] 413 Mitzeichnende.

[Update 8.10.2014:] Neue Landesverfassung ohne Gottesbezug beschlossen. Geht doch.

Virtuelles Museum der deutsch-dänischen Grenzregion.

Nach Renovierung neu eröffnet wurde das Virtuelle Museum der deutsch-dänischen Grenzregion, das nach Zielgruppen (z. B. Touristen, Schülerinnen und Lehrkräfte) und thematisch geordnet (z. B. Gesellschaft oder Kultur) den Zugriff auf informierende Texte und digitalisierte historische Zeugnisse eines früher zwischen Dänemark und Deutschland umkämpften Landstrichs erlaubt.

Das Ganze gibt’s natürlich auch auf Dänisch.

Schleswig-Holstein im Bildungsmonitor.

Den letzten Platz hat Schleswig-Holstein zugewiesen bekommen beim Bildungsmonitor 2012 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Naturgemäß hat dies in Schleswig-Holstein für gelinden Aufruhr gesorgt – allerdings sollte man bei der Analyse und Wertung der Ergebnisse stets bedenken, dass der Auftraggeber der Studie keineswegs ein neutraler Bildungsbeobachter, sondern Lobbyverein ist.

Genaueres berichtet Melanie Richter im Landesblog. Auch die Kommentare sind lesenswert.

Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel bedroht: »Nordstrand hat keine Landesbibliothek – also braucht Kiel auch keine.«

Die schwarzgelbe Landesregierung plant offenbar, kurz vor ihrem Ende verbrannte Erde zu produzieren: nach den Überlegungen des für Kultur zuständigen Ministeriums soll die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel aufgelöst werden. [Via netbib]

Überhaupt nur in Betracht zu ziehen, eine solche Einrichtung zu schließen, die auf vorbildliche Weise die widerstrebenden Momente in Einklang bringt, für die Nachwelt zu bewahren und für die Mitwelt verfügbar zu machen, zeigt, dass die Regierenden in Schleswig-Holstein nichts verstanden haben.

Der Verein Historische Landeshalle hat einen Protestbrief an den Minsterpräsidenten geschrieben, von dem man sich inspirieren lassen kann.

Lehrer sein.

Und auf einige Bemerkungen aus dem eben genannten Artikel, der ein Protokoll einer Diskussion auf dem 16. ZEIT FORUM der Wissenschaft am 8. April 2005 darstellt, möchte ich dann doch noch eingehen.

Philipp-Christian Wachs zum Wunschbild des Lehrers, das in krassem Widerspruch stehe zum tatsächlichen Bild der Gesellschaft von den Lehrern:

»Ein deutscher Lehrer muss alles können. Er muss erziehen, sein Fach mit Leidenschaft und Fachkunde unterrichten und soziale Konflikte schlichten. Er muss mit immer größeren Leistungsunterschieden in immer größeren Klassen klar kommen, Schulbetrieb und Klassenfahrten organisieren, den Kontakt mit Betrieben und Jugendeinrichtungen des Umfeldes pflegen. Dazu muss er eigene Defizite und die seiner Kollegen aufzeigen, mit Eltern über Erziehungsaufgaben reden, jedes Kind individuell fördern, Nachhilfe geben, immer ansprechbar und natürlich freundlich sein – so weit die Bewertung.«


Ein paar weitere Punkte, die zu meinem Alltag gehören, habe ich in den Aufgaben eines Lehrers zusammengestellt. Dies soll verdeutlichen, dass die Aufgabe zunächst einmal eine vielfältige und hochkomplexe ist – umso mehr, wenn man in die Einzelheiten geht, Ergebnisse der Hirn- und Lernforschung berücksichtigen will etc.

Enja Riegel bestätigt in anderen Worten die Ausführungen Ihres Vorredners und ergänzt

»Der durchschnittliche deutsche Lehrer, von dem ich auch immer gerne rede – und ich weiß, wovon ich rede, weil ich viel im Land rumkomme –, sagt immer: Och, wenn ich die Fünf los wäre, dann könnte ich Unterricht machen. Dann ist er die Fünf los und dann kommen wieder fünf andere und die hindern ihn wieder an einem guten Unterricht.«


Diese Exkulpationsstrategie kenne ich sowohl von mir als auch von anderen Kolleginnen und Kollegen. Sie ist aber nicht auf den Lehrerberuf beschränkt, sondern in allen anderen Bereichen ebenso anzutreffen. Auch Bibliothekarinnen wären viel glücklicher, wenn nicht immer wieder Leser die Bücher unordentlich verstellten, die Verkäuferin an der Fleischtheke arbeitete gern in ihrem Job, wenn sie nicht immer wieder erklären müsste, worin der Unterschied zwischen gemischtem Hack und Thüringer Mett besteht und so fort.

Im Lehrerberuf allerdings ist diese in Jahrzehnten antrainierte Haltung deshalb fatal, weil der Lehrer mit den Schüler arbeiten zu können hat, die da sind. Gerade Gymnasiallehrer müssen sich an den Gedanken erst gewöhnen, dass die früher selbstverständlich zur Aufgabe gehörende Auslese (»X ist aber eigentlich kein gymnasialer Schüler«) nun relativ plötzlich nicht mehr gewollt wird, weil zu den Ergebnissen der einschlägigen Bildungsstudien auch gehört, dass im Vergleich zu anderen Staaten nicht zu viele, sondern zu wenig hochschulreife Menschen unsere Sekundarstufen verlassen.

Wenn dieser Paradigmenwechsel aber gewollt ist (und ich halte ihn für sinnvoll), müssen entsprechende Ressourcen bereitgestellt und die Lehrerschaft von Politik und Gesellschaft deutlicher als bisher unterstützt werden.

Zur Grundthese zeigt Andreas Schleicher auf, dass sie eine analog angelegte Schuldzuweisung vornimmt wie die Lehrer selbst:

»Neue Lehrer braucht das Land? Ich denke, Sie finden keinen guten Unternehmensleiter, der sagen würde, ich muss erst mal neue Leute bekommen, bevor ich irgendwas anders machen kann.«


Und genau so ist es. Wir Lehrer, mit denen die Minsterien nolens volens gute Schule organisieren sollen, wollen uns zum Beispiel fortbilden dürfen, damit wir besser werden. Nur wenn dies stets auf Kosten der unterrichtsfreien Zeit geht, ist die Motivation gering. Wenn die Fortbildungen auch noch selbst bezahlt werden müssen, ist die Motivation noch geringer. Und wenn ein Institut für Qualitätssicherung, das hier in Schleswig-Holstein für die Lehrerbildung zuständig ist, kaum für mich sinnvolle Fortbildungen anbietet, kann die Motivation noch so gering sein - sie ist immer noch höher als das Angebot.

Koch und der SSW.

Andrea Diener entschuldigt sich für ihren Minusterpräsidenten (Tippfehler nicht beabsichtigt, passt aber - ein Etym! ein Etym!) und dessen brutalstmögliche Dummdreistigkeit.

Als Durchschnittsschleswigholsteiner nehme ich diese Entschuldigung mal an – denn wenn S-H in einer Angelegenheit beispielhaft wirken kann, dann ist es bei der heute selbstverständlichen Anerkennung der dänischen Minderheit, die sich in der Sonderregelung für den SSW manifestiert (egal, für wen er sich nun bei der Tolerierung entscheidet).

Qualitätsmanagement in der Schule: Projekt QM.

Aufgeschreckt von verschiedensten Studien über die unzureichenden Ergebnisse deutscher Schulbildung arbeiten Kultusministerien aller Bundesländern an Konzepten zur Bestandsanalyse und zur Verbesserung von Unterricht.

In Schleswig-Holstein zählen zu den entwickelten Konzepten zum Beispiel Vergleichsarbeiten in der Grundschule (VERA) und die externe Evaluation im Team (EVIT). Letztere war bislang auf allgemeinbildende Schulen beschränkt, doch ist die Anwendung dieses oder eines anderen Systems auf die berufsbildenden Schulen – an einer solchen unterrichte ich – nur eine Frage der Zeit.

Aufgabe einer Projektgruppe an unserer Schule ist auch aus diesem Grund das Nachdenken über ein Qualitätsmanagement-System.

Fragen, die sich uns stellen, lauten unter anderem:



  • Was heißt »Qualität« in der Schule?


  • Wie ist die definierte Qualität zu sichern und zu verbessern?


  • Wie ist unter den spezifischen Bedingungen, die der Lehrerberuf mit sich bringt, die Installation eines QM-Systems denkbar?




Ich lese mich in das Gebiet zur Zeit ein; ein paar Verweise sollen genügen:

Klaus F. Maas: »Qualitätsmanagement in der Schule«
QM an beruflichen Schulen Baden-Württembergs
QM: Bindeglied zur Schulentwicklung
Albert Ritter: »Mitarbeiterpartizipation als Baustein eines wirkungsvollen Qualitätsmanagements«
QIS – Qualität in Schulen (Österreichs)
Peter Thiel (VLB): »Qualitätsmanagement als Voraussetzung für eine eigenverantwortliche Schule«