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Gelesen. Kuang.

Rebecca F. Kuang: Yellowface. New York: Morrow, 2023.

Unbekannte weiße Autorin stiehlt das Manuskript ihrer erfolgreichen asiatisch gelesenen Kollegin, die neben ihr betrunken an einem Stück Pfannkuchen erstickte, und gibt es als ihr eigenes aus. Weil sie für die Veröffentlichung des sofort zum Bestseller werdenden Buches ihren Namen in einen, der als asiatisch verstanden werden kann, geändert hat, sieht sie ihre Auffassung bestätigt, dass man heutzutage nur noch als Mensch mit offenkundig ausländischen Wurzeln erfolgreich sein kann. Bald jedoch wird ihr Erfolg von Demaskierung bedroht …

Ein überzeugender Thriller, nur gegen Ende mit Längen, aber insgesamt ein unterhaltsames Spiel um die Eigenheiten des aktuellen amerikanischen Literaturbetriebs mit Erwartungen an Diversität – aber nicht zu viel! –, literarische Aufarbeitung von historischem Unrecht – aber nicht von den falschen Leuten! –, Alltagsrassismen – aber wir doch nicht! – etc. Dabei werden virtuos die Vorurteile der am inneramerikanischen Kulturkampf Beteiligten gegeneinander ins Spiel gebracht.

Gelesen. Kuang.

Rebecca F. Kuang: Babel. Übertragen von Heide Franck und Alexandra Jordan. Eichborn, 2023.

»Enlightening Urban Silverpunk Fantasy Campus Novel« könnte das Etikett sein, unter dem dieser gehaltvolle Schmöker zu verkaufen wäre: zwar spielt es in einer alternativen frühviktorianischen Welt und hat fantastische Elemente, doch das wesentliche Moment scheint mir – anders als bei einem Großteil anderer Fantasy – Aufklärung zu sein: über das Wesen des (Früh-) Kapitalismus und die Industrialisierung, aber vor allem über »Kolonialismus, Rassismus und Klassismus«, wie Denis Scheck sagt (wobei er Sexismus versehentlich auslässt), sowie über die Frage der Notwendigkeit von Gewalt gegen ein ungerechtes und seinerseits gewalttätiges System. Es ist ein kluger Roman, aus dem viel zu lernen ist – nicht zuletzt in Bezug auf das Wesen und Funktionieren von Sprache und Übersetzung.

Danke, liebe Anna, für den guten Tipp! – Ich gebe die Leseempfehlung gern weiter.