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Reflexion im Schulalltag.

Herr Larbig lädt ein zur Blogparade »Reflektierende Praktiker« – »Frage an LehrerInnen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus?« und alle, alle kommen.

Nein, kein Arbeitsjournal, das geführt wird, nein, keine Reflexionsroutine im Sinne eines etablierten Rituals.

Ab & zu anlässlich der Halbjahreszäsur entscheide ich mich mal wieder, einen der vielen Rückmeldebögen zu verwenden, die sich bei mir inzwischen angesammelt haben. Allerdings habe ich aus den Ergebnissen noch nie etwas Erstaunliches erfahren – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht: sind mir bestimmte Aspekte der unterrichtlichen Gestaltung nicht so gut gelungen wie ich es mir vorgestellt habe, bekomme ich doch im Alltag eine ganz unmittelbare Rückmeldung, wenn ich in die Gesichter der S sehe, wenn ich beobachte, wie sie ihre Arbeit aufnehmen (z. B. unwillig-genervt statt freudig-motiviert). Und wenn’s klasse läuft, bemerke ich es auch ohne Bogen (für die dem Zählen Verhafteten unter Euch: natürlich sind es belegbare Indizien, die eine gute Stimmung, förderliche Lernatmosphäre etc. erkennen lassen. Es ist zu hoffen, dass der L sich die notwendige Sensibilität erhält, diese wahrzunehmen). Die Nivellierung durch Betrachtung längerer Zeiträume in Rückmeldebogen lässt wichtige Einzelbeobachtungen ganz verschwinden, eine wichtige Außenseiterrückmeldung wird zum statistisch nicht signifikanten Ausreißerwert. Eine Rückmeldung durch S nach einem Halbjahr sagt möglicherweise mehr über die S als über den Unterricht aus. Mir scheint die unmittelbare Kommunikation, das alltägliche Sichvergewissern durch Nachfragen im Unterricht und die Etablierung einer Kultur des offenen Dialogs zielführender als Rückmeldebogen.

Auf meinen Festplatten gibt es inzwischen selbst erstellte Arbeitsbogen zu vielen Unterrichtsreihen mit vielen verschiedenen Wegen des Abbiegens in unterschiedliche Richtungen. Die handschriftlichen Notizen allerdings, die ich zu einigen Stunden vorab anfertige, verschwinden meist wieder mit dem sommerferienbeginninitiierten Aufräumwahn. Schade, eigentlich. Muss besser werden.

Zur Überarbeitung von Unterrichtsreihen jedoch: was beim letzten Mal nicht gut lief, kann beim nächsten Mal trotzdem das Richtige sein. Zuweilen unterrichte ich zwei Lerngruppen mit identischen Unterrichtsvorhaben – steuert die eine bereitwillig und zufrieden auf einen Stillarbeitsauftrag zu, will die andere lange im UG diskutieren; in der einen Lerngruppe gelingt ein Unterrichtsvorhaben, in der anderen scheitert es (wobei »scheitern« bei langjährig tätigen Lehrkräften ja nicht bedeutet, dass S über Tisch & Bänke gehen, sondern dass man selbst das parallel zur Unterrichtsausführung entstehende ad-hoc-Reflexion evozierende Gefühl hat, es laufe nicht so gut wie es sollte). Auch insofern ist das unmittelbare und aktuelle Erspüren des richtigen Weges eher das Ziel als die vermeintlich in Vorausplanung zu optimierende Überstunde (glücklicherweise habe ich zur Zeit keinen Referendar, der anderes glauben soll).

Ein Grund, warum es passieren kann, dass ich im Lehrerzimmer in mich versunken vor mich hin ins Leere starre: ich denke noch mal drüber nach (manchmal bin ich natürlich auch einfach müde).

Seit einiger Zeit laufe ich zweimal pro Woche (öfter klappt aus Zeitgründen nicht). Die Stunden, die ich beim Laufen zubringe, sind mir auch für die Arbeit wichtig. Nicht nur bemerke ich Zipperlein an/in diesem oder jenem Teil vornehmlich des Bewegungsapparates, die sich durch Weiterlaufen auf diese oder jene Art weiterentwickeln und schließlich meist verschwinden, nicht nur sehe ich Rehe, Fruchtstände des Aronstabs und genieße die Bewegung in frischer Luft und im Freien, in Wald und Feld, sondern auch so manche Begebenheit aus dem schulischen Alltag wird noch einmal durchdacht und eingeordnet. Ganz in Ruhe und ohne Ablenkung.

Hm. Wenig Systematisches, was als Tipp weiter gegeben werden könnte. Aber Philosophielehrer sind ja ohnehin schon fachspezifisch geschädigt in steter Reflexion befangen …

Neue Laufschuhe.

Heute im Nieselregen die neuen jahreszeitlich passenden und feuchtigkeitsgradadäquaten Laufschuhe ausprobiert: Mizuno Wave Cabrakan 3.

Allerdings beim Laufen vor eitel Freude vergessen, dass die Pulsuhr nicht auf Zudenk reagiert, sondern nach wie vor per Tastendruck aktiviert werden möchte …

Laufen im Herbst.

Allein durch neblichte Felder, auf denen ich bereits gegen 16.30 Uhr Rehe aufstöre; es dämmert schon früh. Weiteres Wild im Prinzenholz. Stelle fest, dass meine bevorzugten Wege zum großen Teil nicht beleuchtet sind, weiche zuletzt vom Deefstieg auf die Ahornstraße aus, weil die Verletzungsgefahr, sieht man den Boden (und Senken) gar nicht mehr, steigt. –

Merken: die 3/4-Tight ist die richtige Bekleidung für einen entspannten und nicht überhitzten Lauf bei feuchten 7°C.

Gelaufen. Und Pulsmessfehler.

Ein paar Tage bin ich nun aus unterschiedlichen Gründen (Regen, Keinezeit, Kopfschmerz, …) nicht mehr gelaufen, so waren meine Beine froh, sich heute mal wieder bewegen zu dürfen. Bei frischen 11°C – aber nahezu windstill – lief ich noch einmal in kurzen Klamotten, vielleicht zum letzten Mal – wer weiß, wie schnell der Winter kommt …

Die Waldwege sind herbstlich übersät mit Eicheln, Kastanien, Bucheckern, und überall schweben Blätter. Die Spaziergänger sind schon fest vermummt, lange Strecken meines Weges sind menschenleer. Die Seen – Dieksee und Kellersee – sind klar und wirken kalt, die Färbung der Bäume an entfernter liegenden Ufern spiegelt sich in den sanften Bewegungen des Wassers.

(Ja, ich würde gern ein Foto zeigen oder auch zwei. Aber Laufen heißt für mich, nicht mehr zu tragen als Laufkleidung und -schuhe. So wie Musikabspielgeräte nicht zum Laufen passen, sind auch mobile Telefone mit Fotofunktion nicht angemessen. Ihr müsst also Eure Vorstellungskraft nutzen. Falls das nicht mehr funktioniert, Google.)

Ob es der Menge an Lakritz und Gummibärchen, die wir bei der gestrigen Spielrunde (Elfenland plus Erweiterung) konsumierten, zu verdanken war, oder eher der langen Pause, weiß ich nicht; das Laufen jedenfalls war eine Freude, und so wählte ich einen Umweg nach dem anderen.

Zuhause, wusste ich, wurde Gulasch gekocht, und auch die Aussicht auf ein feines Mahl nach dem Lauf verlieh Kräfte … –

Die Pulsmessfehler meiner Uhr, die ich bei den letzten Läufen feststellte (unerklärliche Peaks, unglaubhafte (vermutlich nicht zu überlebende) Werte), nachdem ich einen Batteriewechsel im Brustgurt vorgenommen hatte, waren wohl tatsächlich, wie in diversen Laufforen diskutiert, auf eindringende Feuchtigkeit zurückzuführen. In einem Forenbeitrag las ich den Tipp, den Batteriefachdeckel mit Silikonfett abzudichten – dies gibt es allerdings in unserem Haushalt nicht. Da ungewiss war, ob mein tauchender Nachbar schon wach war (Silikonfett wird, wie ich beim Nachlesen erfuhr, auch zum Abdichten von Tauchutensilien genutzt), habe ich stattdessen Neutrogena Handcreme (jaja, mit der norwegischen Formel und so) genutzt, die mir von der Konsistenz und Haptik her immer schon wie ein technisches Schmiermittel erschien. Und was soll ich sagen?: Es funktioniert.

Hier die Laufdaten und die Karte.

Eindrücke aus Paris.

Paris: eine Stadt der Touristenmassen – kaum fassbar, dass noch eine weitere hier existieren soll.

montmartre

Als ich frühmorgens von der Jugendherberge kommend durch die Straßen des 20., 11. und 12. Arrondissements laufe, um einen raschen Blick auf die Seine zu werfen, begegnen mir nicht nur sechs andere Läufer, sondern auch ebenso viele Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts, die Inhalte von Abfalleimern nach Brauchbarem untersuchen. Die Suchenden sind nicht mehr zu sehen, wenn gegen 10 Uhr die Touristen auf die Straßen strömen …

Auf dem Friedhof Père Lachaise, den ich umrunde, liegen viele bekannte Menschen begraben. –

Später steigen wir in Trocadéro aus der Métro, und schon bald begegnen wir den Schwarzen, die an Ringen, großen Schlüsselbunden ähnlich, Repliken des Eiffelturms in verschiedenen Größen feilbieten. Immer neue Konkurrenten der ersten Straßenhändler ersetzen während unseres Spaziergangs zum Turm die alten, und sie alle murmeln, flüstern, rufen, beten die gleiche Litanei der Preise und Rabattmodelle.

Unterm Turm dürfen sie nicht verkaufen, sie werden wahlweise von Polizisten oder von Militärs vom Platz gejagt. Unterm Turm dürfen nur die Touristen anstehen.

Der Weg zum Montmartre hinauf und der Blick über die Dächer.

schornsteine

Nirgendwo anders in Frankreich wurde das Geld für die Café-Rechnung so rasch vom Tisch gerafft wie hier in Paris.

Städtische und ländliche Provinzen.

Dörfer, in denen nichts passiert. Dörfer, in denen der Hundefriedhof und der Briefkasten die einzigen zentralen Einrichtungen sind. In einem anderen Dorf ein Puppentheater der einzige farbige Fleck. Dörfer, in denen die Gewerbebetriebe »Man schleppt sich so durch« heißen müssten. Dörfer mit einer Bushaltestelle, auf deren Bank ein Alter auf seinen Stock gestützt auf den Boden starrt. Schon lange. Noch lange. Dörfer, in denen die Verkaufswagen von Lebensmittelläden und Bäckereiketten vergeblich warten – wenn sie noch halten. Dörfer, in denen Gemüsegärten noch notwendig sind. Dörfer, in denen die Gardinen schon lange nicht mehr bewegt wurden, denn es gab nichts zu sehen auf der Straße. Dörfer, in die scheinfeine Geschäftsleute verborgene Luxusanwesen setzen. Dörfer, in denen der Verfall auch vor jenen kaum zögern wird.

(»Wenn ich hier stürzte und am Straßenrand liegenbliebe«, denke ich beim Lauf um den Carwitzer See, »fände mich so bald niemand; ›unbekannte Männerleiche‹ heißt das in den Kriminalromanen immer.«)

Vertreter zweier Personengruppen würde ich gern mal mitnehmen in die mecklenburger Provinz: Politiker aus Berlin und Großstadtblogger. Zum Neujustieren. Um ihnen begreiflich zu machen, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten sein können. Um Verantwortung zu verdeutlichen. Um Wesentliches zu erkennen.

Empfehlung: Zippel's Läuferwelt.

Meine Adidas Marathon TR II sind nach langer Zeit verschlissen – der Kauf neuer Laufschuhe stand an. Schlechter Eindrücke von Verkaufsgesprächen wegen lasse ich mich ungern beraten. Weil aber Laufschuhe nicht per Versand gekauft werden können, habe ich doch den Weg in ein Fachgeschäft angetreten: Zippel's Läuferwelt in Kiel.

Fast eine Stunde geduldiger, kenntnisreicher, aufmerksamer Beratung (inklusive Laufbandanalyse und einem kurzen Testlauf vor der Tür) habe ich dort bekommen – und bin danach mit einem Paar neuer Mizuno Wave Inspire 6 (und einem Laufshirt) sehr zufrieden wieder gegangen.

Für Euren nächsten Kauf von Laufzubehör möchte ich den Laden unbedingt empfehlen. (Andere haben offenbar ähnliche Erfahrungen gemacht.)

Gelesen. Timm.

Uwe Timm: ROT. München: Deutscher Taschenbuch, 2003.

Eine Woche in Dänemark: das heißt außer in die Nordseewellen zu springen, auf der Terrasse ein Pfeifchen zu rauchen, durch Lemvig zu schlendern, in Hjerl Hede Vorstellungen vom Vergangenen zu betrachten, in Thyborøn Fisch zu kaufen und ein, zwei Runden zu laufen, auch: zu lesen.

Ob ROT nun tatsächlich ein so außergewöhnlicher Roman ist wie die Klappentexte versprachen, weiß ich nicht. Die Zeit der 68er samt ihrem Wandel, ihrer wohlbegründeten Widerständigkeit wie ihrer geschmeidigen Anpassungsfähigkeit, ist wohl ganz gut eingefangen – erscheint allerdings die Motivation für dieses Erzählen (der Auftrag für eine Grabrede für einen früheren Kombattanten, die überzeugendste Figur im Ensemble) gerade noch stimmig, ist es die Verknüpfung mit der abgeschmackten wie überflüssigen Altherrenliebesgeschichte des Protagonisten gewiss nicht mehr.

Buch bei Amazon angucken.

Stattdessen Rainald Grebe zuhören.

Laufen: 800.

Das Thermometer zeigte 14°C, zudem war ich gerade mit einem Leihfahrrad vom Mechaniker zurückgekehrt, der mir zugesagt hatte, bis morgen die Ursache für das Klacken des Tretlagers herauszufinden (nein, ich habe den Ständer weit genug hochgeklappt gehabt), sodass ich schon vor dem Start erhitzt genug war, um zum ersten Mal in diesem Jahr in kurzer Laufkleidung zu laufen. Da es auf dem schon erwähnten Rückweg vereinzelt getröpfelt hatte und der Himmel eher grau verhangen war, wollte ich mich nicht zu weit von schützenden Dächern entfernen und lief einen verschlungenen Parcours, der die 800 km komplettierte.

Frühling gesucht.

Nach eineinhalbmonatiger schnee- und erkältungsbedingter Pause wieder gelaufen. Die Wege im Wald sind nach wie vor weiß, die von Holz transportierenden Forstfahrzeugen gezogenen Spuren wie Bobbahnen so glatt; zwischen den Spuren haben frühere Passanten verharschte Eindrücke hinterlassen, sodass jeder Schritt ein konzentrierter sein muss, um nicht auszurutschen oder wegzuknicken. Mindestens eine Woche wird es selbst bei Tauwetter brauchen, bis die Wege wieder Erde zeigen.

Weiche dann doch lieber auf geräumte Teerbahnen und Trottoirs neben der Straße aus, statt die Standardrunde zu drehen.

Das Laufen ist befreiend, wenn auch die Pause sich in mangelnder Kondition bemerkbar macht.

Inzwischen schneit es wieder.