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Gelesen. Ishiguro.

Kazuo Ishiguro: Klara und die Sonne. Übertragen von Barbara Schaden. München: Blessing, 2021.

Uncanny ist der Begriff für das Unvertraute, bedrohlich Wirkende, das aus der leichten Verschiebung der Realität, des Gewohnten entstehen kann. Diese Verschiebung ist auch in diesem Buch Ishiguros erneut Gestaltungsprinzip.

In diesem Buch ist die Heldin, Klara, eine androide KI, moralisch zuverlässiger als die Mutter in ihrer Liebe, die stets nur das Beste für ihr Kind Josie will, dies jedoch mit fragwürdigen – gesellschaftlich aber längst akzeptierten, im Sinne der Optimierung von Lebenschancen fast geforderten – Gentherapien zu erreichen sucht. Als die Behandlung negative Folgen zeigt und Josie dem Tode nahe ist, scheint Klara eine weitere Aufgabe übertragen zu bekommen, die ihre Fähigkeit, Josie imitieren zu können, nutzen würde …

Erneut eine lohnende Lektüre, die mir deutlich besser gefallen hat als Der begrabene Riese.

Gelesen. Ishiguro.

Kazuo Ishiguro: Der begrabene Riese. Übertragen von Barbara Schaden. München: Blessing, 2015.

In der New York Times eine Rezension von Neil Gaiman, im New Statesman ein Gespräch desselben mit Ishiguro; in der FAZ sagt Daniel Kehlmann ein paar Worte, Wesentliches plappert Hannes Stein in der Welt aus (letztere, möglicherweise aber einfach alle Rezensionen am besten also hinterher lesen).

Ishiguro habe ich über die Jahre wirklich vermisst, sein neues Buch freudig entdeckt; meine Erwartung hat es dabei nicht erfüllt. Die Geschichte von Axl und Beatrice, einem älteren Paar, das sich, in seiner Dorfgemeinschaft nicht mehr willkommen, auf die Suche nach seinem Sohn macht, ist als Geschichte der Liebenden zärtlich fast. Die zeitlich vermeintlich exakte Situierung im nachrömischen Britannien wird gestört durch die Existenz von Menschenfressern und anderen Monstern als Bedrohungen archetypischer Art, die die historische Verortung dekonstruieren. Auch wenn der Ton des Romans ein melancholisch feiner ist, ist die Geschichte insgesamt leider – je nach Verständnis – entweder nur Fantasy (und das können andere überzeugender) oder aber geradezu schmerzhaft auffällig bedeutungsschwanger. Selbst wenn sie Wahres mitteilen sollen, halte ich Allegorien doch eher für Literatur von gestern.

Gelesen.

Ishiguro
Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten. München: Blessing, 2006.

Die Monstrosität des Menschen zeigt Ishiguro aufs Neue in großer und glaubwürdiger Unaufgeregtheit.

Lesen!

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