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Datenkrake

Aaarrrrgh! Also, zur Abwechslung schreibt mal Kind 1, denn Kind 1 ist, wie es im Zeitmagazin mal so schön hieß, in seiner kommunistischen Phase. Deswegen liest Kind 1 seit einiger Zeit die taz und findet das meiste gut und berechtigt. Heute morgen las das Kind 1 in der sonntaz, dass die Mehrheit der EU-Staaten jetzt zur Sicherheit und Terrorismusbekämpfung die Daten aller Menschen, die in Flugzeugen europaweit herumfliegen wollen, bis zu FÜNF JAHRE "zu Sicherheitszwecken speichern und analysieren" möchten. Noch spricht sich Deutschland angeblich dagegen aus. Aber auf diese Art soll es also noch in fünf Jahren möglich sein, festzustellen, Wer-Wann-mit Wem-Wohin geflogen ist.

Um in Hanjos Art weiterzusprechen: Gelesen: Ilija Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit. Gut, die Autoren dieses Buches hauen kräftig und energisch in immer die gleiche Sparte, aber wenn man so etwas ausfiltert, bleiben genug erschreckene Details zurück.
Woher kommt das? Kann man mit Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen etwa Autounfälle verhindern? Und wieso meinen dann manche Menschen (Politiker), trotzdem so Anschläge verhindern zu können?

Als ich neulich meinen ersten Ausweis bekommen habe, habe ich all seine Internetfunktionen abschalten lassen. Auch den (noch) freiwilligen Fingerabdruck habe ich nicht abgegeben.

Mir ist das hier alles zuviel Datenspeicherung.

Sankelmark 2010.

Schon öfter erzählt habe ich ja, dass sich aktive Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer im Fachverband Deutsch zusammengetan haben. Auch die von der schleswig-holsteinischen / hamburgischen Sektion des Fachverbandes organisierte Fortbildung in Sankelmark erwähnte ich schon.

Dieses Mal durften wir zum ersten Mal nach langer Zeit wieder schon am Freitagvormittag mit der Fortbildung beginnen, sodass unser Programm zum Thema »Gegenwartsliteratur und Erzähltheorien« recht umfangreich geworden ist und wir neben Fachvorträgen und den obligatorischen Arbeitsgruppen (diesmal zu Werken von Karen Duve, Peter Stamm, Botho Strauß, Daniel Kehlmann und Herta Müller) auch eine Lesung mit Peter Stamm und ein Fishbowl-Gespräch mit ihm unterbringen konnten. Außerdem haben wir ein neues Format ausprobiert, bei dem vier bis fünf Referenten in einer Stunde aus subjektiver Sicht je einen Autor bzw. je ein Werk (diesmal zu Georg Klein, Hanns-Josef Ortheil, Julia Franck und Juli Zeh) vorstellen. Und so habe ich neben den Arbeiten im Hintergrund mit einem Kurzreferat zu Juli Zehs Corpus Delicti teilgenommen – hier das Papier für Zehn Minuten Zeh.

Nebenbei blieb natürlich auch bei dieser Fortbildung Zeit für viele informelle Gespräche rund um den Deutschuntericht, die Schule und das Leben.

Da ich die Vorstellung von Dillingen an der Donau interessiert gelesen habe (auch wenn ich mich dort nie fortbilden werde), auch hier ein paar Impressionen aus Sankelmark: am See sieht's so aus:

2010-11-13_125259

den Blick vom Seeufer auf Teile des Tagungsgebäudes zeigt dieses Bild –

2010-11-13_125238 –,

so präsentiert sich der Eingangsbereich:

2010-11-13_125741.

Die ganze Anlage liegt mitten in der Pampa, ist also für kontemplative Fortbildungen hervorragend geeignet. Das einzige nennenswerte Event außerhalb des zweitägigen Programms ist die Umrundung des Sankelmarker Sees in der Mittagspause.

Zu erwähnen sind vielleicht noch die (vor allem angesichts eines Schwungs von paarundachtzig Lehrerinnen und Lehrern) geradezu überirdische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Verwaltungs- und Servicekräfte und des technischen Personals. Die machen mich ganz stumm.

Gelesen. Zeh.

Juli Zeh: Alles auf dem Rasen. München: btb, 2008.

(Zwei lange Zugfahrten in den letzten Tagen: in die alte Bundeshauptstadt und zurück. Und was tut man im Zug (außer Schokolade essen)? – Richtig.)

In einer anderen Welt wird Juli Zeh mal Ministerin. Justiz oder Inneres. Mal sehen. Und sie wird sich nicht korrumpieren lassen.

Man freut sich ja immer, wenn man etwas Gutes liest – die kluge Juli Zeh zum Umgang mit der Terrorangst.

(Schon Cicero ist nicht mehr so klug – oder was soll man von einem Magazin halten, das ein Interview »›Bürgerrechte werden gezielt abgebaut‹« betitelt, in dem die Interviewte »Deswegen mag ich nicht so richtig sagen, Bürgerrechte werden gezielt abgebaut [...]« sagt?)

Gegenwartsliteratur im Deutschunterricht.

Meinem Deutsch-Grundkurs im 13. Jahrgang werde ich anempfehlen, die nächste Lektüre nicht im Klassenverband zu lesen, sondern stattdessen zu zweit oder zu dritt an einem Buch zu arbeiten und dieses dann den MitS zu präsentieren.

Halbjahresthema ist »Produktion, Rezeption und Wertung von Literatur und Medien«, daher werden wir im literarischen Teil Gegenwartsliteratur in den Blick nehmen.

Bislang habe ich (aus verschiedenen Gründen) folgende Texte ausgewählt:

Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst
Klaus Modick: Bestseller
Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
Markus Werner: Am Hang
Christoph Hein: Frau Paula Trousseau
Juli Zeh: Adler und Engel vermutlich doch eher Spieltrieb
Christoph Ransmayr: Der fliegende Berg
Monika Maron: Endmoränen
Steffen Kopetzky: Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication
Katja Lange-Müller: Die Letzten. Aufzeichnungen aus Udo Posbichs Druckerei
Frank Schätzing: Der Schwarm

Es sind also schwierige und weniger schwierige Texte, Bestseller und wenig massenkompatible, aber immer Texte von gewisser Qualität (wer noch Anregungen für interessante Taschenbücher hat: immer her damit!).

Nun geht's an die Planung der Erarbeitungsbegleitung: mehr oder weniger konkrete Aufträge? Mehr oder weniger Hilfen? Mehr oder weniger Kriterien für die Vorstellung im Kurs? Etc. (Macht Laune.)

[Update 2.2.2009: Streichungen und Ergänzungen der obigen Liste sind auf Gespräche hier und anderenorts zurückzuführen.]