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Gelesen. Binet.

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion. Übertragen von Kristian Wachinger. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 2018.

Anspielungsreiche und häufig amüsante Räuberpistole um ein in den Wirren des Verkehrsunglücks Roland Barthes’ abhanden gekommenes Manuskript desselben im Milieu der Philosophie und Sprachwissenschaft, insbesondere der strukturalistischen Semiotik. Es treten auf: Michel Foucault, BHL (Bernard-Henri Lévy), Jean-Paul Sartre, Julia Kristeva, Philippe Sollers, Umberto Eco, John Searle, aber auch François Mitterrand und Giscard d’Estaing und andere; Themen sind neben der kriminalistischen Handlung die Auseinandersetzungen, eitlen Konflikte und Intrigen um die Modelle und Systeme der Beteiligten und der vorhergehenden Geistesgeschichte: Hermeneutik, Rhetorik, Epistemologie, Linguistik etc. Insgesamt aber überzeugt es mich weniger als das offensichtlich als Vorbild dienende Foucaultsche Pendel; es entbehrt nicht der Längen.

Gelesen. Bakewell.

Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktails. Übertragen von Rita Seuß. München: C. H. Beck, 2016.

Bakewells Montaigne-Monografie hatte ich seinerzeit in London nur halb lesen können, weil die Abreise dazwischen kam, und danach ganz aus den Augen verloren, obwohl das Gelesene gefiel; so war klar, dass ihre neue Publikation willkommene Lektürepflicht war: ein Sachbuch, aber so behaglich zu lesen wie so mancher Roman, dessen äußerliche Ausrichtung am Publikum (Titel, Untertitel) aufgrund der guten Synopsis inklusive differenzierten Darstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede derjenigen Philosoph_innen, die gemeinhin zum Existenzialismus gezählt werden (die Wichtigsten verzeichne ich in den tags), verziehen werden kann.

Macht Freude und ist auch Schüler_innen zu empfehlen, denen die Unterrichtseinheit zum Existenzialismus zu kurz erschien.

Mal wieder: Klassengrößen.

Zu Hokeys lesenswertem Artikel Die Klassengröße: Der Output ist’s, was zählt schrieb ich:

Danke für die ausführliche Gegendarstellung (zu der ich schon gar keine Lust mehr hatte), die ich so unterschreibe.

Auch wird in solchen Artikeln gern davon ausgegangen, dass Aussagen der Lehrkräfte unerheblich seien. Das Faktum, dass das Unterrichten in einer kleineren Klasse für Lehrkräfte meist angenehmer ist (mehr Zeit für die einzelnen S, allgemein geringerer Lärmpegel, weniger Störungen (die Vorrang haben), Möglichkeiten, methodisch zu variieren etc.), wird mit statistischen Aussagen beiseite gewischt, also ignoriert.

Die Aussage »l’enfer c’est les autres« (die Hölle, das sind die anderen) stammt aus dem Drama eines Lehrers, der möglicherweise seine S sehr genau beobachtet hat und wusste, was es für die introvertierteren Lernenden bedeutet, tagtäglich viele Stunden mit etlichen Gleichaltrigen eingesperrt zu sein.

Unter meinen S sind stetig mehr, die psychische Probleme haben (und auch das hat Gründe), auf die man sehr viel mehr als möglich eingehen müsste, für die der Unterschied beispielsweise zwischen gerade noch erträglichen 20 MitS und zu unerträglicher Enge führenden 30 MitS durchaus signifikant ist … für einen Landesrechnungshof, für eine Gesellschaft, für die Durchsetzungsvermögen eine Tugend ist, die Schwächen aber als Laster wertet, zählen derlei Argumente natürlich genau Null.