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Gelesen. Muschg.

Adolf Muschg: Heimkehr nach Fukushima. München: Beck, 2018.

Der rote Ritter war damals (1993) so gut wie Pflicht nach zwei universitären Parzival-Lektürekursen und gefiel mir auch ganz gut, daher habe ich mir den Muschg aus der Liste der Buchpreis-Nominierten ausgewählt.

Und ja, es ist natürlich kein schlechtes Buch, aber es atmet mir zu sehr den Geist des emeritierten Literaturprofessors. Der alternde, seiner langjährigen Partnerin just entledigte Architekt, der in Fukushima eine Künstlerkolonie gründen soll, um die Überwindung des Atomunfalls zu signalisieren, und die junge Japanerin, beide vereint in ihrer tiefen Kenntnis von Stifters Schriften, über die sie zur gemeinsamen (auch explizit geschilderten) Liebe finden … das ist mir doch ein bisschen dick aufgetragen, wenngleich natürlich sorgfältig ausgeführt.

Gelesen. Brandt.

Jan Brandt: Gegen die Welt. Köln: Dumont, 2011.

Buchpreisträgerbücher wollte ich ja eigentlich nicht mehr lesen, seit Verlage mit so etwas wie der Mittagsfrau Geld verdienen wollen. Nun habe ich aber schon das zweite für den Buchpreis nominierte Buch gelesen und bin wiederum angetan.

Zunächst war ich ja ein wenig grantig: wie kann ein Jungautor einen Roman über ein Städtchen in der norddeutschen Provinz schreiben und die Frechheit besitzen, es Jericho zu nennen, wo doch zumindest der Klang des Wortes dem Jerichow Cresspahls gehört? Aber sei's drum; das Buch ist natürlich ein ganz anderes, das zudem den Anklang an das biblische (!) Jericho nachvollziehbar begründet, und in vielem sehr beeindruckend ist – nicht so sehr in den Referenzen an Schullektüren von Biedermann und die Brandstifter bis zum Besuch der alten Dame, sondern vielmehr in der Schilderung sehr unterschiedlicher Lebensweisen und Interessengebiete, die die vielen wichtigeren und unwichtigeren Figuren prägen. Der Autor kann erzählen – und der Werdegang des Protagonisten, der sich vom Mitläufer zum Ausgestoßenen entwickelt, ist eindrucksvoll grausig normal beschrieben ...

Mithin: eine Leseempfehlung.

Gelesen. Abonji.

Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf. Salzburg und Wien: Jung und Jung, 2010.

Der Beitrag zum Bachmannpreis schien nicht nur mir zu gewollt artifiziell – das oben genannte Buch Abonjis aber wurde verdient prämiert: nicht ganz leicht zu lesen, doch die Bemühungen lohnen sich in einem empathischen, dabei differenzierten Blick auf eine von der Aus- und Einwanderung gekennzeichnete Kindheit und Jugend eines Schwesternpaares, das nicht gefragt wird, als die Eltern die Idee leben, ein besseres Leben in einem anderen Land zu suchen.

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