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Thomas Bader (1942–2014).

Thomas Bader ist tot.

Er war der Inhaber der – nein, er war die Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein, über die ich hier schon einmal schrieb. Ein Buchhändler vom alten Schlag. Der, der mich zum Buchhändlern brachte und nach wie vor das Idealbild der anderen, der Literatur und Ästhetik verpflichteten Buchhandlung prägte, fern dem Mainstream, in der eigenes Wissen und Können Sortiment wurde, stets klar und wach im Urteil, bei allem Traditionsbewusstsein auch immer wieder neugierig und daher für die Kunden anregend.

Danke, Herr Bader.

Zur Buchmesse nach Leipzig.

Vom 12.–14. März habe ich eine Fahrt einer Berufsschulklasse von Buchhandelsauszubildenden und eine Kollegin nach Leipzig zu einem Besuch der Buchmesse begleiten dürfen. Mit dem Quer-durchs-Land-Ticket haben wir beim Blick aus dem Zug nach draußen interessante stille Gegenden Deutschlands kennengelernt – zum Beispiel Bahnstationen, die fast den Ort drumherum missen ließen (dessen Zentrum aus einer Bratwurstbude zu bestehen schien) –, sind aber auch konkurrenzlos billig nach Leipzig gelangt.

Das Stern-Hotel garni war nicht luxuriös, aber sauber und ordentlich, das Personal freundlich, das Frühstücksbüffet reichhaltig, ist für den kleinen Geldbeutel also durchaus weiterzuempfehlen – wenn wir fürs nächste Mal auch eher eine der Messe näher gelegene Unterkunft suchen werden, weil wir diesmal zu Fuß und mit der Tram über eine Stunde unterwegs waren.

Was mich sehr beeindruckt hat: wie präsent die Messe in der ganzen Stadt ist. Damit meine ich nicht nur die Veranstaltungen allerorten – eben Leipzig liest –, sondern dass man überall in der Stadt Gespräche über die Messe hört, Plakate und Ankündigungen, Hinweisschilder und Trambeschilderungen mit Messehinweisen sieht, Menschen als Messebesucher identifizieren kann (viele Taschen, Cosplayer, schicker Anzug, Vertretertrolley o. ä. als Accessoires) und so fort. Durchaus bewundernswert dabei der Umgang der Leipziger Verkehrsbetriebe mit dem Besucherandrang durch Bereitstellung vieler zusätzlicher Tramwagen (auf eine reguläre Bahn kamen zwei bis drei Extrazüge) und Präsenz von Ordnungspersonal (auch des Lesens Kundige verlieren angesichts knapper Ressourcen ja gern mal die Contenance und würfen zivilisatorische Errungenschaften über Bord, wenn es um den Sitzplatz geht).

Besonders schön auf der Messe selbst: gefühlt sämtliche Schulklassen (ab etwa der fünften aufwärts) der leipziger Schulen sind vor Ort und wuseln durch die Gänge und zwischen den Ständen hindurch, teilweise mit Aufgaben (den Rallyebogen immer vor sich auf dem Klemmbrett), teilweise ohne – dies tut der Atmosphäre einer Buchmesse, die ich von Frankfurt her als ernst und eher zu steif in Erinnerung habe, sichtlich gut. Ebenso wie die Cosplayer, die von Mangafiguren und Doctor Who über Disneyadaptionen, grimmige Zwerge wie Anime-Charaktere und Superhelden alles nur Vorstellbare verkörpern, was aus Nicht-Literatur so bekannt ist; sie haben diesmal eine ganze Halle für sich bekommen (die Graphic-Novel-Verlage finden sich lieber zwischen den etablierten Belletristen, zu zerbrechlich noch die frisch erworbene Würde des Ernstgenommenwerdens von Feuilleton und Publikum).

Viele Kleinveranstaltungen – Lesungen, Podiumsdiskussionen, Preisverleihungen – inmitten der großen, immer wieder laufen einem aus Funk und Fernsehen Bekannte – Roger Willemsen, Martin Suter, Axel Hacke (der gerade, als wir vorübergingen, eine extrem dümmliche Bemerkung über Frauen und Abseitsregeln von sich gab, die eines Mario Barth würdig gewesen wäre), Ulrich Greiner, Dennis Scheck, Thomas Meyer, John von Düffel, Lukas Bärfuss, Jonas Lüscher usw. – über den Weg, stören aber nicht weiter, weil man sich auch ganz & gar nur den Büchern widmen darf. Die Auszubildenden natürlich stets auf der Suche nach Leseexemplaren (meist unkorrigierte Vorabexemplare, häufig in einfacherer Ausstattung und für Buchhändler vor dem eigentlichen Erscheinungstermin kostenlos abgegeben, auf dass diese sich trotz ihres niedrigen Gehaltes einen umfassenden Überblick über Neuerscheinungen verschaffen können), aber auch sonstigem Informationsmaterial der Verlage, gerade auch derjenigen, die man im Alltagsgeschäft zu wenig sieht.

Die in den Kommentaren schon erwähnte Begegnung mit Tanja, einer übers Netz schon lange bekannten Kollegin aus dem Gastland Schweiz, war natürlich besonders klasse.

Ebenso besonders auf den gesamten drei Tagen unserer Fahrt: die Auszubildenden, die zu begleiten eine Freude ist, weil jede Verabredung eingehalten wird, die Motivation hoch ist, die von einem anstrengenden Tag auf der Buchmesse völlig platt zurückkehren und trotzdem zuverlässig, fröhlich, sozial miteinander sind … danke!

Laufen kann man in Leipzig übrigens auch (Karte – beim nächsten Mal werde ich die Strecke ein wenig mehr grünbetont wählen; ich habe bei unbeschilderten Wegen meines nicht vorhandenen Orientierungssinnes nur immer die Befürchtung, mich zu verirren; auf Straßen hilft mir immerhin mein Stadtplan).

Auf dem Weg zum Bahnhof auf dem Abreisetag noch entdeckt: zum einen den Markt, auf dem man sich mit Käsebrötchen und Bananen für die Rückfahrt versorgen kann, fachbezogen aber viel wichtiger: die Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Specks Hof, einer Passage in der Innenstadt. Eine feine Buchhandlung vom alten Schlag, die zeigt, was am Buchhandel wichtig bleibt, wenn die Jungs aus dem BWL-Seminar die großen Filialisten kaputtberaten haben werden.

Buchhändler meines Vertrauens (1).

Timo Off hat mal zur Blogparade aufgerufen, und da gerade unterrichtsfreie Zeit ist war (Herbstferien haben nur Schülerinnen und Schüler, denn irgendwer muss ja die 19 Gedichtinterpretationen (Deutsch) und 39 Essays (Philosophie) durchsehen und benoten sowie sich auf die neue Unterrichtseinheit zu Christa Wolfs Medea. Stimmen vorbereiten), fühle ich mich gemeint.

Meine ersten Bücher wurden mir nicht in städtischen Buchhandlungen, sondern eher in dörflichen Schreibwarenläden gekauft. Es waren meist fragwürdige Inhalte, illustriert mit Bildern, deren dem Zeitgeschmack entsprechende wuchtige Niedlichkeit im Angesicht heutiger Kinderbücher kaum mehr vorstellbar ist. Nicht Oetinger, sondern Pestalozzi, Boje oder PEB stand auf den meisten dieser Bücher, wenn überhaupt ein Verlag genannt wurde; auch Pixi-Bücher gab es.

Meine liebste Buchhandlung war dann im Grundschul- und frühen Sekundarschulalter die Buchabteilung bei Karstadt (vor dem Aufkommen der Filialisten übrigens größte Buchhandlung Deutschlands), denn dort waren stets alle Reihen der Schneider-Bücher verfügbar, die Serie Geheimagent Lennet des geheimnisvollen Leutnant X ebenso wie Jo Pestums Kinderkrimis um Privatdetektiv Luc Lucas. Beratung war in dieser Zeit für mich nicht notwendig, alle für mich interessanten Reihen kannte ich, und da die für mich adäquaten Titel durch blaue Rückenbeschriftung (die Mädchenbücher trugen rosarot) gekennzeichnet waren, war die Gefahr des Fehlgriffs klein (die Mädchenserien Dolly, Tina und Tini, Trixie Belden, Hanni und Nanni las ich dann in den Sommerferien bei meiner Cousine).

Die Buchhandlungen meiner Schulzeit waren dann vor allem die Buchhandlung Schneider sowie Lipsius & Tischer in Kiel, die es inzwischen beide nicht mehr gibt – einer der Gründe für diese Entwicklung ist sicher die damalige Buchhandlung Weiland (heute Hugendubel), die den Filialbuchhandel nach Kiel brachte und es mit damals gänzlich ungewohnten Flächen am Alten Markt den alteingesessenen Buchhändlern schwer machte ... Beratung allerdings brauchte ich immer noch nicht, denn das Stöbern in einer Menge von Büchern ist das eine Entscheidende, Ratschläge von Freunden das andere.

Wie besonders eine Buchhandlung sein kann, habe ich in der Freiburger Buchhandlung zum Wetzstein erfahren, in der ich für meine Zeit im Süddeutschen Stammkunde war: eine Buchhandlung mit klar literarischer und allgemein geisteswissenschaftlicher Ausrichtung mit (für mich zu) hochpreisigem Antiquariat (aber ohne Kochbücher, medizinische Ratgeber und ähnliche Bereiche), in der ich Ransmayrs Die letzte Welt und Arno Schmidts Romane in den schönen Ausgaben bei S. Fischer entdeckte (hier ein paar fotografische Eindrücke). Was im Wetzstein in den Regalen stand, war lesenswert, dessen konnte man gewiss sein – und mehr als einmal habe ich erlebt, wie Kunden, die beispielsweise nach nicht ins Sortiment passenden Schmonzetten aus Bestsellerlisten fragten, freundlich, aber bestimmt an Rombach, Walthari und andere Mitbewerber verwiesen wurden. Auch hier schätzte ich in erster Linie die Zurückhaltung des Inhabers Thomas Bader, der zwar sehr genau wahrnahm und sich merkte (vor den Tagen von Warenwirtschaftssystemen und Kundendatenbanken), welche Vorlieben die letzten Lektüren prägten und durch gezieltes Vorlegen von ein, zwei Titeln diese Vorlieben stärken oder einen passenden Anstoß in eine andere Richtung geben konnte, im Regelfall aber schlicht durch die Auswahl des Sortiments, mithin die Bestückung der Regale und Auslagetische wirkte: der gute Buchhändler feilt mit jeder Bestellung fürs Sortiment an der Profilierung desselben; um aber dergestalt ein gutes Sortiment zusammenstellen zu können, braucht man ein profundes Wissen und großes Interesse an den jeweiligen Spezialthemen. Der Kunde kann in einer solchen Buchhandlung folglich ohne Beratung bleiben und stöbern, denn es gibt zwar Bücher, für die er sich derzeit nicht interessiert – aber keinen Mist. Übrigens wurde in dieser Buchhandlung Pfeife geraucht.

(Teil 2 folgt mal bei Gelegenheit, aber da die unterrichtsfreie Zeit – husch! – schon wieder vorbei ist, will ich vorm Einsendeschluss zumindest einen ersten Teil liefern.)

E-Books, DRM und die Sympathie für die Rechtsbrecher.

Wenn ich diese Maschine sehe, die mittels Lego und einem cloudbasierten OCR-Service den Text aus der DRM-geregelten Datei befreit, überkommt mich eine selbstverständlich ganz unangemessene Sympathie für den Erbauer – und dies nicht nur, weil es ein Kindle ist und sich die Aktion hier gegen das DRM des den klassischen Buchhandel bedrohenden Versandhauses Amazon richtet.

Warum es sich vermutlich bei vielen Betrachtern so verhält, erklärt vielleicht der Blick auf ein beteiligtes Produkt: Lego. Seit ein Patentschutz (o. ä., IANAL) abgelaufen ist, gibt es durchaus Nachbauten des Legosteins – allein: sie haben keine Chance auf dem Markt, weil sie wichtige Qualitätsansprüche offenbar nicht erfüllen. Deshalb kaufen Eltern ihren Kindern weiterhin echte Legosteine, obwohl die Konkurrenzprodukte billiger und die Preise für Lego erstaunlich hoch sind.

Es ist also die Aufgabe der Verlage (im Auftrag der Autorinnen und Autoren), ein im oben angeführten Sinne qualitativ gutes Produkt anzubieten, das die Kunden trotz der kostenlos verfügbaren Kopien kaufen. Nun könnte man sagen, dass die Lage verzweifelt sei, denn der Unterschied zwischen Lego und einem E-Book sei nun einmal die Kopierbarkeit – also müsse die mittels DRM verhindert werden, weil die Menschen sich sonst – es ist vom Musikmarkt her bekannt – haufenweise Festplatten mit kopierten E-Books befüllen könnten.

Dies aber ist der falsche Weg, weil DRM die Kunden gängelt. Als Kunde habe ich keine Lust, mich mit verschiedenen Formaten und Speichermöglichkeiten für E-Books auseinanderzusetzen, ich möchte mein E-Book auch in zwanzig Jahren (mehreren Gerätegenerationen) noch lesen können, ich möchte mit den Texten arbeiten und die E-Books verleihen, verschenken und verkaufen dürfen – kurz: aus der Sicht eines potentiellen Käufers muss ein E-Book alles können und erlauben, was ein klassisches Buch auch kann – nur mehr (hier beschrieb ich diesen Anspruch schon einmal für Schulbücher), denn mehr ist technisch möglich.

Im Bereich der Musik zeigt sich inzwischen Folgendes (und ich vermute, alles ist übertragbar auf den E-Book-Markt): über den legalen Weg der Privatkopie kann jeder Musiknutzer jede Datei über Umwege umsonst bekommen. DRM ist nutzlos, weil allenfalls störend, kann aber die Kopie nicht verhindern. YouTube ist trotz des Störfeuers von Seiten der GEMA eine Quelle für Musik, deren kultureller Wert als Archiv kaum zu überschätzen ist – und ersetzt darüber hinaus das Probehören im nicht mehr existierenden Plattenladen (der übrigens im Regelfall seine Pforten schloss, bevor man an MP3-Player dachte). Funktionierende (und übrigens sehr lukrative!) Verkaufsmodelle à la iTunes hingegen funktionieren über Bequemlichkeit (der Nutzer muss nicht fragen, ob jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, der eventuell die MP3-Datei kopieren könnte, sondern lädt sie einfach herunter) und niedrige finanzielle Hürden (99 ct sind eben relativ wenig und wirken nicht kaufhemmend). Was allerdings gekauft wird (wenn auch nur von einem kleinen Teil der Dateieigner), sind gute CDs – besondere, zum Beispiel limitierte oder aber anderweitig nicht austauschbare Ausgaben, solche mit früher selbstverständlichen Zugaben wie Texten in lesbarer Größe etc. Das große Geld verdient der Künstler jedoch dem Hörensagen nach mit Konzerten, für die Fans durchaus erkleckliche Summen zu zahlen bereit sind. Crowdfunding ist in diesem Bereich ebenfalls nicht mehr ganz neu – beispielsweise Amanda Palmer hat mit der Finanzierung über Kickstarter die zehnfache Summe dessen eingenommen, was sie für ein neues Projekt zu brauchen glaubte.

So ähnlich könnte es im Buchhandel auch kommen – und es wäre gegenüber dem durch den Wandel zum E-Book befürchteten großen Kahlschlag möglicherweise die bessere Alternative. Der Sortimentsbuchhandel muss die Verlage dazu drängen, dass der Standard für das verkaufte Buch die möglichst nicht per DRM geschützte kostenlos dreingegebene E-Book-Datei ist (die im crossmedialen Workflow ohnehin nebenbei entstehen kann), denn für das E-Book als Standard ist der Sortimentsbuchhandel überflüssig. (Amazon testet schon.) Ähnlich wie die MP3-Datei wird dieses E-Book kopiert werden – warum auch nicht? Es ist allerdings als Werbeträger (so Cory Doctorow, den ich aufgrund dieser Äußerung kennenlernte und von dem ich kürzlich ein papiernes Exemplar kaufte, obwohl es das Buch kostenlos auf seiner Seite gibt) zu verstehen – just so wie die Videos auf der Website einer Band, die gerade durch das kostenlose Zur-Verfügung-Stellen von Musik CDs/Konzertkarten/Weiteres zu verkaufen gedenkt. Wer von der Qualität des Buches (analog zum oben angeführten Lego-Beispiel) überzeugt ist, wird es – gleich dem CD- und Vinylsammler – zuhause stehen haben wollen: fadengeheftet, leinengebunden, auf feinem Papier, oder wohlfeil zwischen zwei Pappdeckel geklebt, weil man, am Strand liegend, mit dem Bleistift Anmerkungen anbringen will. Möglicherweise wird in der Buchhandlung der Zukunft auch der Veranstaltungsteil einer größere Bedeutung haben: wie der Musiker an seinen Konzerten, so verdient die Autorin an ihren Lesungen – die Buchhandlung wäre Veranstalter, erweiterter Büchertisch und ganz allgemein kulturelles Zentrum. Veränderungen, ja – aber nicht notwendigerweise Verschlechterungen.

DRM jedenfalls wird den Buchhandel nicht retten, sondern den Kunden nur Sympathie für diejenigen spüren lassen, die die Zeit und Energie aufbringen, die als lästig empfundenen Regeln durch mehr oder minder kreative Mittel zu überwinden.

Gelesen. Handke.

Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch, 1974.

Einen wahrlich guten Text Handkes las ich in meiner Schulzeit einmal, denn dieses Buch stand in der Bücherei, die ich meist mehrmals wöchentlich aufsuchte; ganz kurz war er, eine »Prüfungsfrage« für ein juristisches Examen imaginierend, und es lohnt sich für dich, nach ihm zu suchen, denn er steht für Einiges, was Literatur ausmacht und was ich in fast allen späteren und anderen Texten Handkes, die ich las, vermisste, obwohl andere Qualitäten nicht abzustreiten waren.

Hier: Re-Lektüre wegen eines der Erwähnung des Titels in der Beschreibung eines Bildes, das ich für eine Folie brauche, die die Buchhändler zur Unterfütterung warenkundlichen Wissens im Bereich Kunst zu sehen bekommen werden …

Wochenende.

Aufstehen reguliert auf 8.45 Uhr – später ruiniert den Alltagsrhythmus (man wird alt).

Am Samstag natürlich laufen (Karte), abends mit Freunden ein neues Spiel – Agricola – kennengelernt (gefällt!). Ansprechender Wein aus unserem Degustierservice-Paket: Roches d’Aric. Sonntag Pellkartoffeln mit Pfifferlingsrahm (mit Resten der zweiten Flasche Wein).

In freien Minuten: über Unterrichtseinheit Realismus (ff.) nachgedacht und Stichworte notiert. Fontanes Jenny Treibel würde ich gern weiterhin lesen, zudem Raabe? Otto Ludwigs Zwischen Himmel und Erde? Fanny Lewalds Jenny? (Nur noch als E-Book …) Gern hinterher Übergang zur Moderne – Buddenbrooks (aus der Zeit gefallen)? Hauptmanns Die Ratten (Schülervorschlag)? Zündende Idee für Schülerbeteiligung? (Schule will Europschule werden. Vielleicht einen Blick über die deutsche Literatur hinaus?)

Nebenbei die didaktische Jahresplanung für drei jetzt noch zwei weitere Lernfelder im Buchhandel (gemäß neuem Lehrplan) erledigen.

Klausurenplan fürs zweite Halbjahr entwerfen.

Das Kommunalwahlprogramm der SPD Eutin will auch geschrieben werden und der Entwurf für den nächsten Rundbrief des Fachverbandes Deutsch im Deutschen Germanistenverband ist ebenfalls fällig …

Zwischendurch mal einen Spaziergang durch den Schnee.

Urheberrecht und Deutschaufsätze.

Zu Herrn Raus Artikel Aus welchen Jahren stammen aktuell lieferbare Bücher (bei Amazon)? schrieb ich in etwa:

Dass sich die S mit diesem Thema gut genug auskennen, um Stellung nehmen zu können, kann man wohl nicht verlangen: dazu ist es zu komplex und – trotz der Bedeutung für alltägliche Sachverhalte – zu unwichtig (es ist ja nur Hintergrund für spürbare Auswirkungen). Deutschunterrichtlich wäre auch nicht die Sache im Vordergrund, sondern das Arbeiten mit Informationen in Texten.

Kompetenzorientiertes Arbeiten könnte demnach so aussehen, dass – wie Laura schon vorschlägt – eine Sammlung von Informationen gegeben wird, mit denen dann gearbeitet wird – Texterörterung eben.

Noch interessanter wäre: eine zeitliche Ausweitung der Abiturprüfung, die Hineingabe eines umfangreichen Konvoluts aus sehr unterschiedlichen Quellen (Lobby, Bürgerrechte, Politik, Technik, Juristen, unterschiedliche Betroffene etc.), die dann ausgewertet und auch im Hinblick auf ihre Verlässlichkeit, sachliche Richtigkeit, Argumentationsstrategie etc. beurteilt werden müssten.

Praxisnahe Alternative dazu: Rechner mit Netzzugang (ich sehe Ministerialbeamte schnappatmen) und die Aufforderung, sich in den nächsten drei Stunden umfangreich zu informieren, bevor dann der Aufsatz geplant und geschrieben wird … schwierig natürlich für die Korrigierenden, aber durch Vorarbeit und das Entwerfen eines kompetenzorientierten Korrekturbogens sicher machbar.

(Dass ich von Aufsätzen allgemein so rasch auf Abituraufsätze komme, liegt daran, dass diese Osterferientage der Korrektur derselben gehören.)

Wikis in der Schule.

Zu kubiwahns Artikel Wiki im Unterricht – ein paar Versuche schrieb ich:

Generell halte ich Wikis auch für das am deutlichsten unterschätzte (computergestützte) Werkzeug für die Schule. Dass ich weniger damit arbeite als ich möchte, hängt auch mit der noch zu verbessernden Verfügbarkeit zusammen: wenn man das Wiki zu einer das Lernen begleitenden Plattform machen möchte, bedarf es der dauernden Verfügbarkeit – um nur kurz etwas zu zeigen, möchte ich nicht in den Computerraum gehen (was in den meisten Stunden wegen Auslastung desselben auch gar nicht möglich ist), und ich möchte nicht 80 Minuten Unterricht im Computerraum machen, nur weil ich 10 Minuten ein Arbeitsergebnis zeigen/bearbeiten/was auch immer will.

Gerade das Überarbeiten finde ich als Deutschlehrer am interessantesten, denn der Prozess, der sonst vollkommen verborgen bleibt, wird durch die Versionsgeschichte transparent und nachvollziehbar.

Das einzige Wiki allerdings, das – abgesehen von frühen Versuchen – bei meinen S auch über Jahre genutzt wird, sind die Seiten des Schulwikis zur Internationalen Literatur (in kleinerem Maßstab zur Zukunft des Buchhandels), das meine Buchhandelsauszubildenden mit Inhalten befüllen – aber auch dort steht der diese Leistung fordernde Lehrer dahinter.«

Ende des Schuljahres.

Morgen ist der letzte Schultag vor der langen unterrichtsfreien Zeit im Sommer.

Etwa 300 Klausuren im Beruflichen Gymnasium (Deutsch und Philosophie, Oberstufe), ungefähr 200 Klassenarbeiten in der beruflichen Ausbildung (Buchhandelsbetriebslehre, aber auch EDV) habe ich in diesem Schuljahr korrigiert (wenn ich nicht welche vergessen habe). Gerade in den letzten Wochen und Monaten war dies wieder besonders zeitaufwendig – so zeitaufwendig, dass die Unterrichtsvorbereitung weniger intensiv als angemessen erledigt werden musste (und die private Regeneration mehr als nur sparsam stattfand). Das ist – wie immer wieder festgestellt – ärgerlich und belastend, auch, weil die Korrekturarbeit außer dem Ergebnis einer Schulnote kein weiteres zeitigt.

Und ja: auf die unterrichtsfreie Zeit freue ich mich wegen dieser Anstrengungen mindestens so sehr wie die Schülerinnen und Schüler auf ihre Ferien.

Aber wieder habe ich in diesem Schuljahr viele Stunden Unterrichts erteilt, die mindestens mir Freude bereiteten: das Lehren und gemeinsame Lernen ist nach wie vor eine ganz wertvolle Erfahrung, die oft einfach richtig Laune macht, manchmal zufrieden (und manchmal natürlich auch ein schales Gefühl hinterlässt): Lehrer zu sein ist im Unterrichtsgeschehen eine im Großen und Ganzen tolle Sache.

Solltet Ihr aber noch die Wahl haben: nehmt nicht die Fächer mit langen Aufsätzen.