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Bloggen und Leben.

Wer nur (noch) selten bloggt, wird von der Blogosphäre mit Missachtung gestraft. Die Einschaltquoten gehen runter, man wird nicht mehr verlinkt; nur noch zufällig finden Menschen per Suchmaschine auf die Seiten – zwar nicht immer die selben, aber in ihrer anonymen Quantität und ihren unterschiedlichen Anfragen verlässlicher als dem Avantgardismus verpflichtete Blogger.

Es gibt ja auch immer neue tolle Blogs: Zwilobit und die Riesenmaschine zum Beispiel, und so gibt's gar keinen Grund, den alten treu zu bleiben. Das regelmäßige Posten ist das Lebenszeichen, und wer keines mehr von sich gibt, ist halt dem virtuellen Ableben anheimgefallen: regelmäßig wird die Abonnementsliste des RSS-Readers auf Karteileichen durchgesehen – nur ein stets zappelnd um Aufmerksamkeit heischender Blogger ist ein guter Blogger.

(Herbst eben.)

Neues Blog.

Cyberplace ist ein neues Blog betitelt, das sich mit den philosophischen und kulturwissenschaftlichen Aspekten von Räumen und Orten befasst:

»Mögliche Diskussionsthemen (die Liste ist nicht erschöpfend und erweiterbar!):

  • Raum/Ort in politischer Hinsicht

  • Heterotopologie

  • Globalisierung

  • Raum/Ort und die Neuen Medien


Jeder, ob er nun auf diesem Gebiet forscht oder sich einfach nur dafür interessiert, ist herzlich eingeladen mitzumachen [...]. Beiträge können in Deutsch, Englisch oder Französisch abgefaßt sein.«

Das Bloggen und die Selbstwahrnehmung.

Die BlogTalk 2.0 ist zuende, allerorten sind interessante Zusammenfassungen (vielen Dank den Berichtenden!) und Bilder über interessante Vorträge zu sehen und zu lesen, und doch bleibt ein eigentümliches Gefühl zurück: war das denn nun alles so wichtig? Und vor allem: wurden die richtigen Fragen gestellt?


Ja und nein: natürlich ist die Selbstreflexion dessen, was man tut, und das Nachdenken über eine weitverbreitete Mode
legitim und wünschenswert, doch scheint mir das kritische Moment in diesem Nachdenken zu wenig Beachtung zu finden.

Das Phänomen Bloggen wurde (und wird?) vielfach überschätzt. Bloggen ist nicht mehr als von Zeit zu Zeit mit Hilfe einer dafür bestimmten Software chronologisch geordnete Einträge zu schreiben, die von anderen gelesen werden können. Das revolutionäre und in seinen (positiven wie negativen) Auswirkungen kaum zu überschätzende Phänomen ist nicht das Bloggen, sondern das Internet mit dem WWW, und, wenn ich noch weiter zurückgehe zu den Bedingungen der Möglichkeit des Bloggens, die offene Gesellschaft mit ihren demokratischen Strukturen: dass ich unbeeinflusst von Vorgaben und Einschränkungen schreiben darf, was ich will, dass ich technische Voraussetzungen dafür relativ wohlfeil erwerben bzw. nutzen kann, all das kommt vor dem Bloggen.

Nur relativ wohlfeil ist natürlich auch die Teilhabe am Geschehen: wer die Blogger lesen will, muss zunächst einiges an Geld (und Zeit) investieren, zudem ist es nach wie vor problemlos möglich, von Blogs nicht zu wissen ohne ein Ignorant zu sein.

Die meisten Blogschreiber begreifen sich als Teil einer politisch links stehenden Gegenöffentlichkeit, sehen sich teils als Aufklärer, Kämpfer für die wahre Wahrheit: wir sind die Guten! Stolz wird auf Sachverhalte hingewiesen, die zuerst im eigenen Blog und dann auf anderen, als Referenz angesehenen Seiten (etwa der Telepolis) standen. Das ist mal ganz lustig, aber auf Dauer langweilig: wie steht es denn mit der Wirksamkeit des eigenen geschriebenen Worts in anderen Medienbereichen, in Kreisen außerhalb des eigenen politischen Zirkels? Dass man sich im überschaubaren Bereich der eigenen Clique kennt, sich -- abgesehen von kleineren Scharmützeln -- auch schätzt und überdies auch gegenseitig zitiert, ist doch selbstverständlich! Über den Tellerrand der eigenen Subkultur hinaus jedoch ist der Erfolg nahe Null.

Hierin scheint mir auch der wesentlich Grund für die Enttäuschung der Blogautoren zu liegen, die sie zum Aufgeben ihres Blogs bringt: es ist die Wirkungslosigkeit des Ganzen. Es ist schön, sich technisch unterstützt seiner steten Solidarität zu versichern, aber eben nicht abendfüllend.