Skip to content

Gelesen. Hein.

Christoph Hein: Trutz. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch, 2018.

Konventionell erzählte Geschichte einfacher Leute, die in zwei Diktaturen zu leiden haben. Fallada meets Rybakow: nach der Gewalt der Nationalsozialisten nach der Machtergreifung fliehen die Protagonist*innen nach Moskau und erfahren dort über Jahre die Willkür des Stalin-Terrors.

Gelesen. Poschmann.

Marion Poschmann: Die Kieferninseln. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch, 2018.

Gefällt (deutlich besser als der Roman Muschgs, der ja eine ähnliche Ausgangslage – erfahrener Geisteswissenschaftler flieht vor Beziehungsgeröll zuhause nach Japan – hat und seinen Protagonisten ebenso vornehmlich literarisch, aber auch anderweitig kulturell vermittelte Weltwahrnehmung und soziale Interaktion betreiben lässt; insgesamt deutlich eleganter, weniger geschraubt und aufgesetzt).

Gelesen. Turgenjew.

Iwan Turgenjew: Aufzeichnungen eines Jägers. Übertragen von Herbert Wotte. Berlin: Aufbau, 1981.

Die Zeit veröffentlichte gerade die Rezension einer Neuübersetzung des 1852 erstmals als Buch erschienenen Werks und kurz bevor ich diese beim Buchhändler bestellte, fand ich das Buch in einer älteren Ausgabe bei uns im Regal, gedruckt noch im »Grafischen Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden«.

Als Weihnachtsbegleitlektüre eignete es sich hervorragend, weil Turgenjew den Erzähler – ein russischer Adliger, der sich seine Zeit mit dem Jagen vertreibt – von seinen Beobachtungen in inhaltlich meist abgeschlossenen Kapiteln berichten lässt, das Lesen in Abschnitten (wann immer ein paar Minuten Zeit bleiben) gut möglich ist. Beim Reisen übers Land, stets auf der Suche nach dem noch besseren Jagdgrund, begegnet er Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und zeigt ihre Art des Zusammenlebens im feudalistisch und durch die Leibeigenschaft geprägten System. Turgenjews Sympathie für die einfachen Leute ist dabei offensichtlich, seine Texte in ihrer realistisch schlichten Darstellung schon eine klare Anklage; allerdings zeigt er auch die Passivität und Ergebenheit in die vermeintlich gottgegebene Ordnung, die so etwas wie eine Rebellion gar nicht denkbar erscheinen lassen.

Eine bittere Lektüre, die zuweilen fast repetitiv das immer Gleiche zu zeigen scheint, doch gerade in der Variation, in den leicht verschobenen Verhältnissen immer noch eine Möglichkeit zeigt, wie Herrschende den Beherrschten das Leben schwer gemacht haben. Der offenbar werdende Gegensatz zwischen den genau dargestellten sozialen Ungerechtigkeiten auf der einen und den breiten, großartigen Naturschilderungen auf der anderen Seite verschärft die damalige politische Bedeutung des Textes noch.

Mindestens ein paar der kleinen Erzählungen sollte man gelesen haben.