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Gelesen. Gaiman.

Neil Gaiman: The Books of Magic. New York: DC, 2014.

Ein bebrillter Junge bekommt eine Eule als Gefährtin und wird mit der Möglichkeit konfrontiert, der größte Zauberer aller Zeiten zu werden.

Die Hefte der Serie erschienen 1990 – und da Books of Magic (wenngleich anspielungsreich und motivgesättigt) nicht zu den stärksten Titeln Gaimans gehört, denkt man heutzutage zu Recht bei der obigen Beschreibung an Harry Potter und nicht an Timothy Hunter.

Gelesen. Palzhoff.

Thomas Palzhoff: Nebentage. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2018.

Palzhoffs Roman beginnt:

Windstille. Weißer, von meiner Knastsonne beschienener Himmel, in den ich, damit sich was tut, einen fern vorüberziehenden Vogelschwarm werfe. [Ebd., 7]

Bei Grass konnte man seit 1961 lesen:

[…] und so lasse ich am Anfang die Maus über den Schraubenzieher hüpfen, werfe ein Volk vollgefressene Seemöwen hoch über Mahlkes Scheitel in den sprunghaften Nordost, […]. [Günter Grass: Katz und Maus. München: Deutscher Taschenbuch, 1993, 6]

Dass Palzhoff das Bild des in den Himmel Werfens, mit dem das poetische Element, die Gemachtheit von Kunst, signalisiert wird, zudem wiederholt, macht es nicht besser. (Gleichwohl gibt es Passagen, die gefallen.)

Gelesen. Taylor.

Dennis E. Taylor: We are Legion. (We are Bob). Worldbuilders, 2016.

Selbstreplizierende virtuelle Entität in Raumschiff (brain in a flying vat) entdeckt fremde Welten, hilft nach dem großen Showdown übrig gebliebenem kleinen Teil der Menschheit beim Finden einer Ersatzwelt, spielt anderswo Gott für eine Horde frühhumanoider Wesen … amüsante Science-fiction mit ausführlichen popkulturellen Referenzen.

Mal wieder Herrndorf.

Ich halte diese neumodisch funktionierenden Websites, die aus einer einzigen langen Seite bestehen, die in einem fort nach oben weggewischt werden muss, ja für wirklich doof und für einen Rückschritt in die Zeit, als man noch nicht wusste, dass man mehrere HTML-Seiten zu unterschiedlichen Aspekten eines Themas mittels Links zu einer Site verknüpfen kann, aber die Inhalte der neuen Autorengedenkseite sind gut, und daher gehört sie hier trotz der gestalterischen Bedenken erwähnt: Über Wolfgang.

(Immerhin hat es mich per altmodischem, aber funktionierendem RSS-Feed dorthin verschlagen.)

Gelesen. Binet.

Laurent Binet: Die siebte Sprachfunktion. Übertragen von Kristian Wachinger. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 2018.

Anspielungsreiche und häufig amüsante Räuberpistole um ein in den Wirren des Verkehrsunglücks Roland Barthes’ abhanden gekommenes Manuskript desselben im Milieu der Philosophie und Sprachwissenschaft, insbesondere der strukturalistischen Semiotik. Es treten auf: Michel Foucault, BHL (Bernard-Henri Lévy), Jean-Paul Sartre, Julia Kristeva, Philippe Sollers, Umberto Eco, John Searle, aber auch François Mitterrand und Giscard d’Estaing und andere; Themen sind neben der kriminalistischen Handlung die Auseinandersetzungen, eitlen Konflikte und Intrigen um die Modelle und Systeme der Beteiligten und der vorhergehenden Geistesgeschichte: Hermeneutik, Rhetorik, Epistemologie, Linguistik etc. Insgesamt aber überzeugt es mich weniger als das offensichtlich als Vorbild dienende Foucaultsche Pendel; es entbehrt nicht der Längen.