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Gelesen. Turgenjew.

Iwan Turgenjew: Aufzeichnungen eines Jägers. Übertragen von Herbert Wotte. Berlin: Aufbau, 1981.

Die Zeit veröffentlichte gerade die Rezension einer Neuübersetzung des 1852 erstmals als Buch erschienenen Werks und kurz bevor ich diese beim Buchhändler bestellte, fand ich das Buch in einer älteren Ausgabe bei uns im Regal, gedruckt noch im »Grafischen Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden«.

Als Weihnachtsbegleitlektüre eignete es sich hervorragend, weil Turgenjew den Erzähler – ein russischer Adliger, der sich seine Zeit mit dem Jagen vertreibt – von seinen Beobachtungen in inhaltlich meist abgeschlossenen Kapiteln berichten lässt, das Lesen in Abschnitten (wann immer ein paar Minuten Zeit bleiben) gut möglich ist. Beim Reisen übers Land, stets auf der Suche nach dem noch besseren Jagdgrund, begegnet er Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und zeigt ihre Art des Zusammenlebens im feudalistisch und durch die Leibeigenschaft geprägten System. Turgenjews Sympathie für die einfachen Leute ist dabei offensichtlich, seine Texte in ihrer realistisch schlichten Darstellung schon eine klare Anklage; allerdings zeigt er auch die Passivität und Ergebenheit in die vermeintlich gottgegebene Ordnung, die so etwas wie eine Rebellion gar nicht denkbar erscheinen lassen.

Eine bittere Lektüre, die zuweilen fast repetitiv das immer Gleiche zu zeigen scheint, doch gerade in der Variation, in den leicht verschobenen Verhältnissen immer noch eine Möglichkeit zeigt, wie Herrschende den Beherrschten das Leben schwer gemacht haben. Der offenbar werdende Gegensatz zwischen den genau dargestellten sozialen Ungerechtigkeiten auf der einen und den breiten, großartigen Naturschilderungen auf der anderen Seite verschärft die damalige politische Bedeutung des Textes noch.

Mindestens ein paar der kleinen Erzählungen sollte man gelesen haben.

Gelesen. Gaiman.

Neil Gaiman: The Books of Magic. New York: DC, 2014.

Ein bebrillter Junge bekommt eine Eule als Gefährtin und wird mit der Möglichkeit konfrontiert, der größte Zauberer aller Zeiten zu werden.

Die Hefte der Serie erschienen 1990 – und da Books of Magic (wenngleich anspielungsreich und motivgesättigt) nicht zu den stärksten Titeln Gaimans gehört, denkt man heutzutage zu Recht bei der obigen Beschreibung an Harry Potter und nicht an Timothy Hunter.

Gelesen. Palzhoff.

Thomas Palzhoff: Nebentage. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2018.

Palzhoffs Roman beginnt:

Windstille. Weißer, von meiner Knastsonne beschienener Himmel, in den ich, damit sich was tut, einen fern vorüberziehenden Vogelschwarm werfe. [Ebd., 7]

Bei Grass konnte man seit 1961 lesen:

[…] und so lasse ich am Anfang die Maus über den Schraubenzieher hüpfen, werfe ein Volk vollgefressene Seemöwen hoch über Mahlkes Scheitel in den sprunghaften Nordost, […]. [Günter Grass: Katz und Maus. München: Deutscher Taschenbuch, 1993, 6]

Dass Palzhoff das Bild des in den Himmel Werfens, mit dem das poetische Element, die Gemachtheit von Kunst, signalisiert wird, zudem wiederholt, macht es nicht besser. (Gleichwohl gibt es Passagen, die gefallen.)