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Gelesen. Flašar.

Ausschnitt aus BuchseiteMilena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie. Berlin: Wagenbach, 2018.

Hat mich leider nicht so überzeugt wie Ich nannte ihn Krawatte.

Das Leseerlebnis war auch getrübt durch fragwürdige Typografie: laut Impressum gesetzt in der »Janson BQ«, über die ich keine verlässlichen Informationen im Netz gefunden habe, wirkt die Druckseite unangenehm unruhig, was vor allem an der Form des kleinen e – des im Deutschen häufigsten Buchstaben – liegt: es wirkt in seiner breiten Ausgestaltung fast oval, was im Kontext der anderen Buchstaben, die eher schmal und hoch ausgerichtet sind, als unpassend stört (siehe nebenstehenden Ausschnitt, zum Beispiel mittig das Wort »verblasste«). Im Falle der »normalen« Janson scheint mir dieses Missverhältnis nicht zu bestehen.

Gelesen. Flašar.

Milena Michiko Flašar: Ich nannte ihn Krawatte. München: btb, 2014.

Hikikomori begegnet Salaryman und sie haben sich etwas zu erzählen.

Auch in diesem Buch habe ich etwas über Japan gelernt. Von einer Österreicherin.

Knapp und gut.

Gelesen. Natsume.

Natsume Sōseki: Kokoro. Übertragen von Oskar Benl. Zürich: Manesse, 2016.

Ein besonderes Buch in besonderem Ton: fast alle Lebensfakten bleiben unbestimmt, sodass die eigentliche Geschichte in einem universellen Schwebezustand zu verharren scheint. Figuren sind ein »Onkel«, eine »Frau«, ihre »Tochter«, ein »Freund« namens »K.« – und all diese Bezeichnungen stammen aus einem Brief des »Sensei«, der eben auch eine »Frau« hat wie der Erzähler einen »Vater« und eine »Mutter« … Relationen, Funktionen, nicht aber identifizierte Subjekte. Entsprechend wird ein »Spezialfach« einer »Fakultät« studiert – alle Benennungen bleiben so abstrakt wie die Diskussionen der Handelnden über die Liebe, die jeden Bezug auf konkrete Personen vorsichtig missen lassen, um nicht Empfindlichkeiten zu verletzen.

Umso deutlicher der Gegensatz zum erzählerischen Kern des Ganzen, auf den das Buch von der ersten Seite an zusteuert, eine Lebensschuld, die aufgrund emotionaler Irrungen, Wirrungen entstand und in jahrzehntelangem Leid ertragen wird, bis sie – analog zum Tod des Kaisers – wieder ausgeglichen wird.

Ein Wiener Doktor riet zur Lektüre. Ich schließe mich an.

Gelesen. Rinke.

Moritz Rinke: Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2017.

Für mich interessant aufgrund der Geschichte um den in den Figuren wirksamen Zusammenhang von Vergangenheit (Verhalten im »Dritten Reich«) und Gegenwart sowie aufgrund der regionalen Bezüge: der Handlungsort Worpswede, kurz vor Bremen, wo ich meine Buchhandelszeit verbrachte; Beschwerden über die Sumpfluft der Gegend, Erwähnungen von Kuchen der Firma Knigge … ansonsten schwer erträglicher heiterer Erzählton.

Gelesen. Melville.

Herman Melville: Moby-Dick. Übertragen von Matthias Jendis. München: Hanser. 2001.

Natürlich könnte man das Buch auf vielleicht 30 statt der tatsächlich 135 Kapitel einkürzen, wenn es einem nur um die Geschichte der Jagd auf den weißen Wal ginge – für Jugendbucheditionen und Kinderhörspiele ist ja genau das geschehen, und Verfilmungen verfuhren im Grunde genauso. Heute wäre es auch möglich, in einer Doppelfolge einer der neun Staffeln von Moby Dick – die Serie beispielsweise die »cetologogischen« (zum teil arg hanebüchenen) Ausführungen zum Wal schlechthin zu illustrieren, die bislang zu den weggestrichenen Inhalten gehörten, doch der Erfolg dürfte gering sein. Dem Lesevergnügen allerdings schaden die vermeintlich überflüssigen Kapitel nicht, und auch wenn man dem Buch die hastige Arbeit des Autors anmerkt (und durch das kundige Nachwort entsprechend unterrichtet wird), kann die Lektüre empfohlen werden, denn mit dem Buch bekommt die Leserin einen umfassenden Einblick in eine Zeit und ihr Denken, in der der Walfang eine bedeutende, hoch spezialisierte Industrie darstellte.

Die Neuübersetzungen des Klassikers um das Jahr 2000 herum waren für mich die erste Begegnung mit der Auseinandersetzung um das beste Übersetzungskonzept im Belletristikbereich (für mittelhochdeutsche Texte und ihre Übertragungen habe ich Entsprechendes schon vorher studieren dürfen), und die Frage, ob denn Friedhelm Rathjens wagemutige Übersetzung mehr als nur tollkühn, sondern vielleicht maßlos und gar untauglich sei, oder ob Matthias Jendis zu sehr massenkompatibel geglättet habe, erregte das Feuilleton und seine Leser_innen. (Dargestellt beispielsweise in einem Artikel Dieter Zimmers in der Zeit – leider nicht online; dafür hier immerhin ein Vergleich anhand einiger Absätze.)

Ausführliche Blogartikel zum Beispiel bei Ben und bei Marius.

Gelesen. Westerfeld / Puvilland.

Scott Westerfeld / Alex Puvilland: Spill Zone. 1. New York: First Second, 2017.

Ein einige Zeit zurückliegender Unfall in der spill zone unter der Beteiligung von Atom- und Nanotechnik lässt Dinge dort seitdem seltsam sein, weshalb das Areal auch vor der Öffentlichkeit abgeschottet wird. Addison lässt sich jedoch nicht davon abhalten, von Zeit zu Zeit dort einzubrechen und Fotos von den eigentümlichen Veränderungen zu machen – auch um jene zu verkaufen, was ihr und ihrer kleinen Schwester, beide seit dem Unfall verwaist und im Verborgenen allein lebend, das finanzielle Auskommen sichert. Plötzlich allerdings kommt ungewöhnlich viel Geld und eine fremde Macht ins Spiel, und die Aufgabe wird gefährlicher …

Gelesen. McGuire.

Richard McGuire: Here. New York: Pantheon, 2014.

Die in einer Ecke eines mehr oder minder zufälligen (und damit exemplarischen) Wohnzimmers stattfindenden Geschehnisse werden ungeachtet der tatsächlichen Chronologie in Andeutungen entweder allein gezeigt oder in Kombination mit Ausschnitten anderer Zeiten kombiniert – von der Entstehung der Welt bis hin zu Zukunftsvorstellungen (die wiederum heute Gegenwärtiges aufnehmen).

Gelesen. Vollenweider.

Nacha Vollenweider: Fußnoten. Berlin: Avant, 2017.

In autobiografischen anmutenden Episoden erkundet die Protagonistin ihre Herkunft (Argentinien der späten 1970er Jahre) und Identität (heutige Wirklichkeit in Hamburg). Verschränkung der Ebenen durch die im Titel benannte Verweisstruktur. Einfache realistische Zeichnungen; nur selten – etwa in der Abbildung beschnittener Kastanienbäume – abstrakt wirkend.