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Gelesen. Hettche.

Thomas Hettche: Die Liebe der Väter. München: btb, 2012.

Von der Mutter getrennt lebender Vater verbringt mit normalerweise bei der Mutter aufwachsender Tochter einen Silvesterurlaub mit Freunden auf Sylt. Hölzern und unangenehm väterbewegt die Auseinandersetzungen über die juristische Lage von Vätern in Konfliktfällen, besser in einigen Passagen die Unsicherheit zwischen Vater und Tochter, aber auch Naturbeschreibungen etc.

Irritiert ob der Intention dieses Buchs: ernst gemeinter Klagegesang (dann vollkommen unpassend die alles ändernde Ohrfeige, vor allem die Rechtfertigung derselben) oder distanzierende Zurschaustellung eines lamentierenden Gewalttätigen im unzuverlässigen Erzähler? – So wie so kein angenehmes Buch. Hettche ist nicht mein Autor.

Gelesen. Kracht.

Christian Kracht: Imperium. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2012.

Literarische Adaption des Lebens August Engelhardts: ein lebensreformerisch Tätiger, der die Kokosnuss in ihrer universalen Nutzbarkeit ins Zentrum seines kolonialen Insellebens stellte. Man lernt daher unter anderem das nützliche Wort »kokovor«.

Gelesen. Uhlman.

Fred Uhlman: Mit neuem Namen. Übertragen von Felix Berner. Stuttgart, DVA, 1985.

Geschichte einer Freundschaft zwischen Hans Schwarz, einem jüdischen, und Konradin Graf von Hohenfels, einem christlichen Jugendlichen, die trotz vermeintlich starker Bindung zwischen den beiden mit dem Beginn der Naziherrschaft scheitert: steht der eine als plötzlich verfemt den neuen Machthabern kritisch gegenüber, heißt der andere sie als Erneuerung deutschen Wesens willkommen. – Dreißig Jahre später – Hans konnte, anders als seine Eltern, noch rechtzeitig in die USA flüchten – erfährt er, dass Konradin als Gegner des Naziregimes hingerichtet wurde.

Dieser Band enthält zwei Erzählungen aus je einer Perspektive: die erste, bei Diogenes auch unter dem Titel Der wiedergefundene Freund, im englischen Original 1971 erschienen, erzählt das Geschehen aus Hans’ Sicht, die zweite, im Original 1983 veröffentlicht, offenbart Konradins Gedanken, die dieser vor seinem Tod im Tagebuch festhielt.

Insgesamt sehr romantisch jünglingsfreundschaftsselig und hölderlinsatt mit Hang zur Feier vermeintlicher adliger Überlegenheit. Teil I mag noch angehen, Teil II ist vollkommen unnötig und beseitigt im literarischen Sinne jede Offenheit des ersten Textes.

Der Diogenes-Band ist Schullektüre.

Gelesen. Van de Wetering.

Janwillem van de Wetering: Outsider in Amsterdam / Eine Tote gibt Auskunft / Der Tote am Deich. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 1995.

Tod eines Straßenhändlers. Übertragen von Hubert Deymann. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 1978.

Ticket nach Tokio. Übertragen von Hubert Deymann. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 1979.

(Wenn man schonmal in Amsterdam ist, muss man auch van de Wetering (teilweise wieder-) lesen.)

Gelesen. Tung.

Debbie Tung: Everything Is OK. Kansas City: Andrews McMeel, 2022.

Neueste Lieferung des Debbie-Tung-Abonnements – diesmal geht’s um Depression und Ängste.

Gelesen. Wiechert.

Ernst Wiechert: Der Totenwald. Berlin: Suhrkamp, 2007.

Genaue Schilderung des Geschehens im Konzentrationslager Buchenwald, in dem Wiechert inhaftiert war. Bittere Anklage.

Gelesen. Köhler.

 Karen Köhler: Miroloi. München: Hanser, 2019.

Überzeugender Ton, bedrückendes Setting, starke Typen. Das gefällt (auch wenn ich Köhlers Erzählungsband damals bald weggelegt habe).

Gelesen. Ohde.

Deniz Ohde: Streulicht. Berlin: Suhrkamp, 2020.

Nur wenige Marker genügen, um im Gymnasium nicht zu den Auserwählten zu gehören. Die Protagonistin findet andere Wege. – Nicht schlecht.

Gelesen. Ziegler.

Ulf Erdmann Ziegler: Nichts Weißes. Berlin: Suhrkamp, 2012.

Marleen ist Legasthenikerin. So entgeht ihr möglicherweise der Sinn des Geschriebenen, doch die Gestalt der Buchstaben und die Form der Wörter auf dem Weiß des Papiers werden ihre Profession. Strotzt vor Anspielungen auf Verlags- und Buchherstellungsbranche und zeichnet nebenbei ein Bild der Gesellschaft der letzten Jahrzehnte. Wenn auch nicht groß, gefällt es doch.

Gelesen. Wenzel.

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2020.

Inhaltlich nicht uninteressant, formal für mich nicht erträglich: zu viele auch längere Passagen in Majuskeln schrecken ab; zudem ist die Rollenverteilung in den Frage-Antwort-Passagen nicht konsistent. Nee, das fällt raus.

(Dies und ein paar andere Lektüren derzeit auf der Suche nach Titeln für eine Auswahllektüreliste für meine Deutschkurse im 11. Jahrgang.)