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Comics bei Ben.

Und dann lest mal rasch die Graphic-Novel-Empfehlungen bei Ben – nicht alles unbedingt mein Geschmack (allein von Gung Ho weiß ich, dass es mir gefiel), aber andere mögen das anders sehen, nachdem sie die Titel so enthusiastisch ans Herz gelegt bekommen haben.

Gelesen. Typex.

Typex: Rembrandt. Hamburg: Carlsen, 2019.

Opulent ausgestatteter Band vorzüglicher Herstellungsqualität.

Gelesen. Janka.

Walter Janka: Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 1989.

Das Buch habe ich in meiner Buchhandelszeit zwar verkauft, aber nicht gelesen (wo anfangen, wo aufhören, wenn man täglich eine vortrefflich sortierte Buchhandlung um sich hat?). – Jetzt nachgeholt: die Geschichte des Leiters des Aufbau-Verlags, der im Zuge spätstalinistischer Säuberungen dem Staat zum Opfer fällt. Nach wie vor schauderhaft zu lesen.

Gelesen. Solstad.

Dag Solstad: Scham und Würde. Zürich: Dörlemann, 2019.

Besser (formal gelungener, stimmiger) als das andere, aber zum Lieblingsautor wird Solstad nicht.

Denn wenn ein Autor in gleich zwei Büchern Die Wildente verwurstet, dazu im zuletzt gelesenen vermeintlich großartige eigene Erkenntnisse über die Dramenfigurenkonstellation einem traurigen und scheiternden Norwegischlehrer unterjubelt, nimmt man ihm das vielleicht krumm und liest lieber gleich (wieder) Ibsen.

Gelesen. Hein.

Christoph Hein: Gegenlauschangriff. Anekdoten aus dem letzten deutsch-deutschen Kriege. Berlin: Suhrkamp, 2019.

Nicht immer ganz bescheiden erzählte, aber doch interessante Erinnerungen des Autors aus DDR- und Wendezeiten. Einige Glanzstücke, so beispielsweise die Betrachtungen über Funktionsweisen des Kulturbetriebs oder über das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, von dem man annehmen sollte, dass es über die Jahre Pläne für die Wiedervereinigung hätte ausarbeiten können, aber …

Die Schubladen waren leer.

Da die Arbeit dieser Behörde mittlerweile hinfällig geworden war, wurde sie im Januar 1991, vierzig Jahre nach ihrer Gründung, mit einem pompösen Staatsakt aufgelöst, bei dem man den Mitarbeitern des Ministeriums für Fragen der Wiedervereinigung dafür dankte, dass sie zwar nichts für diese Vereinigung getan hatten, aber dies unermüdlich. [Ebd., 72]

Kurzweilig.

Gelesen. Solstad.

Dag Solstad: Elfter Roman, achtzehntes Buch. Übertragen von Ina Kronenberger. Zürich: Dörlemann, 2019.

Man soll dieser Tage ja mehr Norweger*innen lesen und der Solstad-Titel lag gerade in der Buchhandlung rum und so banal der Vorgang des Sehens, Auswählens, Mitnehmens, Bezahlens, Einsteckens, so banal das im Buch erzählte Geschehen, das man als radikal nihilistisch, aber auch als zusammenhangs- und formlos ansehen kann, möglicherweise die Kontingenz und damit die Unerheblichkeit des Alltagslebens als überraschende Erkenntnis präsentieren will, mit einer Pointe, die möglicherweise bedeutsam sein soll, tatsächlich aber dem insgesamt Unerfreulichen nur ein Plastediadem reicht, auf dass es sich krönen möge.

Eine Chance bekommt Solstad noch.

Gelesen. Yoshimura.

Manichi Yoshimura: Kein schönerer Ort. Übertragen von Jürgen Stalph. Löhne: Cass, 2018.

Ein Titel aus einer interessanten Verlagsvorstellung von Schüler*innen.

Wenig Handlung – und diese eher in den Gedanken einer Inhaftierten, die sich an ihre Kindheit erinnert. In einer Gesellschaft, die etwas nicht expliziertes Böses im Hintergrund nicht aussprechen möchte. Viele Rezensent*innen wollen dies auf die Folgen des Atomunfalls von Fukushima bezogen sehen, möglicherweise ist das Buch tatsächlich eine Reaktion darauf. Wie aber schon der Klappentext viel zu viel verrät und in der Ausdeutung festlegt (ein Drittel des Textes wäre auch ausreichend gewesen), scheint mir auch dies eine zu weit gehende Einengung zu sein. Das bedrohlich nicht Fassbare ist es aber gerade, das in der Schilderung Ausdruck findet: wie es dem Kind nicht verständlich war, ist es die Herausforderung an die Lesenden, die Ungewissheit auszuhalten.