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Hella.

Vor einigen Monaten ist eine ferne Freundin gestorben, aus Gründen erst Ende November wurde ihre Urne begraben.

Wir hatten uns schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen, nur noch voneinander gehört, und ich war mir sicher, dieses Versäumnis bei Gelegenheit nachholen zu können.

Sie – queer lange vor der Prägung des Begriffs – war die vermutlich erstaunlichste Personalentscheidung des Firmenpatriarchen der damaligen Fa. Storm, Buchhandelsplatzhirsch in Bremen. Wir feierten gemeinsam den Bloomsday, stritten begeistert über Großartig- wie Pieseligkeiten von Arno Schmidt, hielten Thomas Mann hoch und verkauften danach die Muschelsucher und Utta Danella. Wir verbrachten viele Pausen vor dem eigentlichen Pausenraum (denn in diesem durfte man nicht rauchen, was sie aber unaufhörlich tat) im Flur der Versandetage und sie erzählte vom Entstehen ihrer Platte, die sie mit Dickie als Duo einspielte, weil der Rest der Band entschwunden war. Sie hat mit mir beiläufig erprobt, wie viel Whiskey (ja, es war Bushmills) man an einem Abend so trinken kann, und hat länger durchgehalten als ich. Sie spielte mir die Shaggs und Joy Division vor, wir sahen mit anderen Blowzabella, hörten Steeleye Span und Abseitiges aus den Sixties, natürlich auch die Beatles; bei Rammstein mochte ich ihr nicht folgen. Ihre ungewollten und doch engagiert unternommenen Exkurse in Höheren Welten der Liebe wegen hielten sie von guten Dingen ab.

Sie war ein wahrlich besonderer Mensch, in ihren zuweilen fragwürdigen absoluten Urteilen ebenso wie in ihrer kindlichen Herzlichkeit. – Auf Dein Wohl, Helli! – Sláinte! –

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