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Terry Pratchett: Choosing to Die.

Wer jung ist, wer in der Mitte seines Lebens, mag möglicherweise nicht nachdenken über das Ende bzw. die Beendigung desselben. Terry Pratchett (Sir Terry Pratchett (so viel Zeit muss sein)!) hat einen Grund, darüber nachzudenken: seine Alzheimer-Erkrankung.

In einer Dokumentation berichtet die BBC über Pratchetts Umgang mit dem Thema: Choosing to Die. [Via]

»Königin der Wikipedia«: die Philosophie.

Warum man (wenn nicht) immer (, so doch zumindest sehr oft) beim Eintrag über die Philosophie landet, wenn man in beliebigen Wikipedia-Artikeln »auf den ersten Link im Text klickt, der nicht in Klammern steht oder kursiv ist, und das ganze immer wieder wiederholt«, erklärt Anatol Stefanowitsch in Die Philosophie, Königin der Wikipedia.

Zum digitalen Schulbuch, ...

einem Vorschlag von gleich8, schrieb ich

Die sozialen Probleme, die Du schilderst, sind Realität. Andererseits habe ich auch schon viel von Ideen und Anregungen aus (Lehrer- und anderen) Blogs profitiert und selbst auch das eine oder andere öffentlich gemacht. Es gibt also – wenn auch bei einer Minderheit – durchaus die Bereitschaft, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten.

Dass ich selbst nicht häufiger Unterrichtsdinge, die ich ja sowieso produziere, verfügbar mache, hat einen einfachen Grund: kaum eine meiner Stunden funktioniert ohne urheberrechtliches geschütztes und insofern nicht einfach weitergebbares Material – ob’s nun für einen stummen Impuls durch ein projiziertes Photo oder einen zu bearbeitenden Text oder was auch immer ist (Schulbücher in meinen Fächern Deutsch und Philosophie funktionieren genauso). Und während ich durchaus Motivation verspüre, Unterrichtspraxis in Teilen öffentlich zu machen, verspüre ich so gar keine Motivation, mich mit diesen rechtlichen Regelungen auseinandersetzen zu müssen und / oder gar wegen Nichtbeachtung mit finanziellen Forderungen konfrontiert zu sehen.

Dummerweise sind Skripte wie meines zur Metaphysik nur wenig hilfreich, wenn die darin angeführten Texte erst wieder aus allen möglichen Quellen zusammengesucht werden müssen …


(Leicht redigiert.)

Google Art Project.

In einem Kommentar drüben bei DeutschKunst schrieb ich:

»Ich finde es großartig, über das Google Art Project die spezielle Art einer Pinselführung, Farbgebung oder andere Details nicht mehr nur behaupten, sondern auch zeigen zu können, dabei so weit ans Bild heranzuzoomen wie es kein Museumspersonal der Welt erlaubte.

Aber nein: natürlich ersetzt das nicht den echten Museumsbesuch. Der Wow!-Effekt, den auch Schüler verspüren, wenn sie die ihnen als Abbildung ausreichend bekannte Nachtwache dann mal in Amsterdam im großen Original sehen, ist durch nichts zu ersetzen.

Daher: ›Noch bei der höchstvollendeten Reproduktion fällt eines aus: das Hier und Jetzt des Kunstwerks – sein einmaliges Dasein an dem Orte, an dem es sich befindet.‹ [Benjamin, ebd.] Anders als Benjamin dann aber ausführt, erlebe ich (nicht nur bei mir) den Fortbestand der von ihm beschriebenen Aura über alle Reproduktionen hinweg, die eben doch nur sind, was sie sind.«

Beim abendlichen Blättern und Falten.

Nicht vergessen sollte, wer die Zeit nicht im Abonnement bezieht, beim morgigen Wochenendeinkauf die Besorgung derselben, denn die aktuelle Nummer beinhaltet im Feuilleton (nicht im Ressort »Wissen«: eine feine Spitze) einen Schwerpunkt über die Bedeutung der Philosophie.

Adorno, Busch, Camus, Lohbeck, Epiktet, Rammstein: Philosophie-Essays als Klausurersatz.

Da bei uns am Beruflichen Gymnasium das Fach Philosophie im 12. Jahrgang nur mit zwei Wochenstunden unterrichtet wird, ist kaum Zeit für die sinnvolle Unterbringung zweier Klausuren pro Halbjahr. Seit zweieinhalb Jahren schreiben die S bei mir daher ein philosophisches Essay, für deren Anfertigung sie drei bis vier Wochen Zeit haben und das sie in getippter und ausgedruckter Form bei mir abgegeben, als Klausurersatzleistung.

Die ersten Male bin ich ausgegangen von den Vorschlägen zum Bundeswettbewerb philosophischer Essay, inzwischen bediene ich mich da mit Aufgaben, ändere aber auch ab, da mir die Vorschläge zuweilen zu langweilig sind, und ergänze aus eigener Lektüre.

Anders als bei herkömmlichen Klausuren, bei denen alle S einen identische Aufgabe bekommen, haben die S in diesem Fall sechs verschiedene Schreibanlässe, von denen sie eines auswählen. Zu diesem schreiben sie anhand einer selbstentwickelten These zum Thema ein philosophisches Essay.

Die Themen waren diesmal diese:

1. »Taubstummenanstalt – Während die Schulen die Menschen im Reden drillen wie in der ersten Hilfe für die Opfer von Verkehrsunfällen […], werden die geschulten immer stummer. Sie können Vorträge halten, jeder Satz qualifiziert sie fürs Mikrofon, vor das sie als Stellvertreter des Durchschnitts gestellt werden, aber die Fähigkeit miteinander zu sprechen erstickt.« [Ado51, 179 (Nr. 90)]

2. »Oh, hüte dich vor allem Bösen! / Es macht Pläsier, wenn man es ist, es macht Verdruß, / wenn man’s gewesen.« [Bus72, 67]

3. Evelien Lohbeck: Noteboek

4. Ȇber den Luxus
Als Maß für den Besitz soll jedem das leibliche Bedürfnis gelten wie der Fuß für den Schuh. Bleibst du dessen eingedenk, so wirst du Maß halten. Andernfalls geht es ohne Aufhalten die abschüssige Bahn hinab. Es ist wie mit dem Schuh: gehst du über das Bedürfnis des Fußes hinaus, so wird er zuerst vergoldet, danach mit Purpur verbrämt, endlich gar gestickt. Ist einmal das Maß überschritten, so gibt es keine Grenze mehr.« [Epi84, 44 (Nr. 39)]

5. »Wenn man zu denken anfängt, beginnt man untergraben zu werden.« [Cam42, 10]

6. Rammstein: Ich will [Ram01]

Für den Korrigierenden sind diese Ersatzleistungen immer angenehmer als Klausuren, weil sie formal und inhaltlich wenig standardisiert sind. Sie können mit Interesse gelesen werden – auch wenn das Essay als Form beim ersten Mal nur wenigen hinreichend gelingt. Beim zweiten Durchgang geht's schon besser. (Übrigens ein Grund dafür, dass ich so gut wie nie Benotungsskalen vorab festlege, sondern immer erst mal die Ergebnisse ansehe.)

Beim Korrigieren benutze ich – wie immer bei Aufsätzen – einen Rückmeldebogen.

Unter den S gibt es übrigens zwei Gruppen: solche, die sich durch die recht offene Form herausgefordert sehen, sich freuen, dass sie mal über längere Zeit (oder aber auch einfach nachts, wenn es sich besser schreibt) zuhause an einer Aufgabe arbeiten können und (mindestens relativ) beachtliche Leistungen erbringen und solche, die die herkömmliche Klausur schätzen, weil man da weiß, was man hat …

Literatur:

[Ado51] Adorno, Theodor W.: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1951 (Bibliothek Suhrkamp 236)
[Bus72] Busch, Wilhelm: Die fromme Helene. In: Das dicke Busch-Buch. Leipzig : Eulenspiegel, 1983 (EA 1872)
[Cam42] Camus, Albert: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Taschenbuch, 1991 (EA 1942) (rororo 12375)
[Epi84] Epiktet ; Schmidt, Heinrich (Hrsg.) ; Metzler, Karin (Hrsg.): Handbüchlein der Moral und Unterredungen. Stuttgart : Kröner, 1984 (KTA 2)
[Ram01] Rammstein: Mutter. Motor Music, 2001

Wikileaks und Kant.

Julian Nida-Rümelin zeigt im Artikel »Demokratie will Öffentlichkeit«, dass Kant in Zum ewigen Frieden die Transparenz (die, so die Anwendung auf die heutige Situation, beispielsweise Wikileaks herstellt) Bedingung der Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders von Staaten sei: »Es gebe keine geheimen Nebenabsprachen zu internationalen Verträgen, alles sei für alle Staatsbürger jederzeit transparent und kontrollierbar, die Regierenden vermieden jede Doppelzüngigkeit und verzichteten auf Geheimstrategien«, referiert Nida-Rümelin Kants Standpunkt.

Netz und Denken.

»Wenn wir mit dem Web das persönliche Gedächtnis zu ersetzen beginnen, wenn wir dadurch nicht mehr zulassen, dass sich das Wissen konsolidiert, dann riskieren wir, unser Gehirn seines Reichtums zu berauben«, zitiert Uwe Jean Heuser Nicholas Carr aus dessen Buch Wer bin ich, wenn ich online bin ...: und was macht mein Gehirn solange? – Wie das Internet unser Denken verändert im Zeit-Artikel Denken, wie das Netz es will.

Phaidros reloaded.

Meiner macht Philosophie.

Kein Philosophiestudent kommt an den grünen Bänden des Meiner-Verlags vorbei. Nun hat die Deutsche Welle einen Filmbeitrag über den Verlag gedreht, der auch über YouTube verfügbar ist.

Nett daran: auf die in Anbetracht der Tatsache, dass ihr gerade ein mehrbändiges Fachlexikon zur Philosophie vorgestellt wurde, dusselige Erkundigung der das Interview führenden Praktikantin »Ist das nicht sehr abstrakt – in der heutigen Zeit, in der man alles so instant-mäßig haben will?« meint Manfred Meiner nur »Ja, das sind Sie dann bei uns falsch, wenn Sie instant wollen, werden Sie in unserem Programm nicht fündig.« Sie vergewissert sich noch mal: »Das ist nicht Philosophie to go, das ist hardcore?« Er bestätigt: »Das ist hardcore

Himmel! Sie ist bei Meiner! Kann man sich da nicht vorher ein, zwei intelligente Fragen diktieren lassen?

Nanotechnologie im Philosophenstübchen.

Annette Schlemm widmet sich in einer Beitragsreihe (hier der erste Teil mit Inhaltsübersicht) verschiedenen Aspekten der Nanotechnologie.

(Annette ist ja schon seit Jahrhunderten im Netz und daher darf man die Gestaltung Ihres Philosophenstübchens mit nostalgischer Nachsicht betrachten. Lesenswertes findet sich allemal.)

Skizze: Unterrichtseinheit Medienphilosophie.

Das Feine am ansonsten von Schwächen nicht freien schleswig-holsteinischen Lehrplan Philosophie (BG) ist, dass er für den 13. Jahrgang keine verbindlichen Themen benennt. Und so ist dann auch jeder 13. Jahrgang anders. Im 2. Halbjahr haben wir uns diesmal um die Medienphilosophie vor allem im Hinblick auf das moderne Übermedium, das Internet, gekümmert.

Die Irritation über das jeweils neue Medium – »Bilderverbot im Alten Testament«, »Die wahrnehmbare Welt als Spiegel Gottes«, Schrift als Untergang mündlich tradierter Kultur – habe ich kontrastiert mit einer Utopie einer virtuellen Realität in Stephensons Snow Crash. Und so waren wir denn schon mitten in der Mediennutzung. (Bei der Auswahl älterer theoretischer Texte half mir der Band Helmes, Günter ; Köster, Werner: Texte zur Medientheorie. Stuttgart : Reclam, 2002 (RUB 18239) [Buch bei Amazon angucken])

Der Kurs erarbeitete einen Fragebogen zur Mediennutzung und beantwortete ihn mit Hilfe eines Online-Evaluationstools (LimeSurvey) anonymisiert.

Er lernte mit dem »Medienkompaktbegriff« (Schmidt, Siegfried J.: Der Medienkompaktbegriff. In: Münker, Stefan (Hrsg.) ; Roesler, Alexander (Hrsg.): Was ist ein Medium? Frankfurt am Main : Suhrkamp Taschenbuch, 2008 (stw 1887), S. 144–157 [Buch bei Amazon angucken]) die Komplexität des Begriffs Medium und einen möglichen Zugriff auf unterschiedliche Ausgestaltungen des jeweiligen Mediums kennen – dies eröffnet auch Analysemöglichkeiten, die in späteren Phasen wichtig werden.

(Auf den Begriff des Mediums hätte ich gern mehr Zeit verwendet. Allein: die Zeit ...)

Walter Benjamins Kunstwerk-Aufsatz haben wir sehr ausführlich besprochen, weil der Umbruch zu den modernen Medien sich hier schon deutlich abzeichnet. Dank Web 2.0 liest man dann auch nicht nur den Text, sondern hat auch Zugriff auf die erläuternden Fußnoten: wenn Benjamin beispielsweise ausführt »Das reproduzierte Kunstwerk wird in immer steigendem Maße die Reproduktion eines auf Reproduzierbarkeit angelegten Kunstwerks« und dies erläutert mit »Die technische Reproduzierbarkeit der Filmwerke ist unmittelbar in der Technik ihrer Produktion begründet. Diese ermöglicht nicht nur auf die unmittelbarste Art die massenweise Verbreitung der Filmwerke, sie erzwingt sie vielmehr geradezu« – dann darf man durchaus hinweisen auf Kristian Köhntopps Satz »Das Wesen aller IT ist die Kopie.« [Update: Inzwischen hier: Google+] – Wenn Benjamin das sowjetische Filmschaffen thematisiert, liegt Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin nur einen Mausklick weiter (und die S waren fast ebenso betroffen von der Szene wie es die ersten Zuschauer gewesen sein mögen, was Benjamins Aussagen bestätigt).

Die Brechtsche Radiotheorie und Enzensbergers »Baukasten zu einer Theorie der Medien« in der Exzerpt-Version von Jörg Kantel zeigten den Weg zum heutigen Mitmach-Web auf. (Enzensberger sollte später noch einmal eine Rolle spielen mit seinem Essay »Das digitale Evangelium«.)

Zwischendurch – jeweils, wenn die referierenden S fertig waren – haben wir (zum Teil recht lange) Kurzvorstellungen zu StudiVZ, World of Warcraft, Second Life etc. gehört.

Die Klausur [Korrekturbogen] ging aus von einem Text von Benjamin Birkenhake aus seinem geschätzten Blog anmut und demut.

Für die schriftliche Abiturprüfung hatte ich einen online nicht verfügbaren Text von Stefan Münker (aus Münker, Stefan: Philosophie nach dem Medial Turn. Beiträge zur Theorie der Mediengesellschaft. Bielefeld : Transcript Verlag, 2009 (Medienanalysen 4) [Buch bei Amazon angucken]) herausgesucht.

Google docs unterstützt uns derzeit in der Formulierung eigener »Bausteine zur Theorie des Netzes«, die dann als Ausblick auf die nächsten Jahre auch einen Abschluss bilden werden, denn das zweite Halbjahr des 13. Jahrgangs ist wegen der vielen Feiertage und der Abiturprüfung immer besonders kurz. Schade eigentlich.

Was mir beim Unterrichten besonders gefallen hat, ist die Verschränkung von Theorie und Praxis in Bezug auf ein aktuelles Thema, das des Durchdenkens noch bedarf und nicht schon fertig ist. Ich hoffe, den S hat es auch Freude bereitet. :-)

Stephen Fry und die katholische Kirche.

Lief schon durch alle wichtigen Blogs – es sei also nur kurz hingewiesen auf dieses Video (das ich erst einmal in Ruhe hören musste, bevor ich's weitergebe) eines Vortrags von Stephen Fry im Rahmen der intelligence²-Debatte um die These »The Catholic Church is a force for good in the world«. [Via nerdcore]