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Brecht und die Historie.

Im Deutsch-GK 12 werde ich morgen mit der Behandlung von Brechts Trommeln in der Nacht beginnen, einem frühen und in der Schule selten gelesenen Werk vor dem Hintergrund des Spartakusaufstandes.

Vielfältiges Material zum historischen Hintergrund liefert das Deutsche Historische Museum in seinem Lebendigen virtuellen Museum online (LeMo): unter vielem anderen einen Überblickstext zur Revolution von 1918/19 und einen speziellen zum Spartakusbund.

Von hohem Wert auch Ergänzungen wie die zum (hochinteressanten!) Kollektiven Gedächtnis gehörende Aufzeichnung aus dem Tagebuch des jüdischen Fabrikanten Oskar Münsterberg (1865-1920) zum Spartakusaufstand.

Erzählte Geschichte.

Ein faszinierendes Schulprojekt: Unsere Großeltern 1945. »Das Projekt entstand im Herbst 1999 recht spontan aus der gewöhnlichen Unterrichtssituation heraus als Hausaufgabe: Fragt doch mal Eure Großeltern über das Kriegsende 1945.« [Der Schockwellenreiter]

Meine Großmutter schrieb dazu in ihren Erinnerungen: »War [...] krank geschrieben und lag in meiner Unterkunft [in Neustadt in Holstein] im Bett; der Arzt kam 2 mal täglich. Vom Bett aus konnte ich die englischen Kriegsflugzeuge sehen, hörte sie schießen, und die Dachziegel fielen, ja rasselten runter. Man sah richtig den Piloten, so niedrig flogen die Biester.

Am 3. Mai hatten sie dann die Cap Arcona versenkt; die Menschen von überall her, die überlebten, kamen zu uns ins Krankenhaus. Unsere Patienten lagen auf Stroh, die Flüchtlinge lagen in Krankenbetten; es starben viele.

In Läden wurden geplündert, ganze Stoffballen mitgenommen, auch meine Arbeitskolleginnen deckten sich ein.

Am 6. Mai bin ich dann mit einer Arbeitskollegin zu Fuß den Bahngleisen nach zu ihrem Elternhaus nach Hasselburg gegangen. Den Koffer, der echt schwer war, ließ ich noch da, als ich am nächsten Tag zu Fuß nach Cismar weiterging. Den Koffer holte ich ein paar Tage später mit Pferd und Wagen vom Hof. Ich war noch so krank, daß ich buchstäblich mit der Tür ins Haus fiel.

Das war das Kriegsende: krank und ohne Arbeit.«