Skip to content

Corona in Schleswig-Holstein – Schulbeginn am Montag.

Die Zahlen zu neuen Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein sehen nicht gut aus, aber am Montag geht die Schule los. In Präsenz, denn die stets nur per Videokonferenz tagende Kultusministerkonferenz und vor allem unsere Ministerin will es so, und im Lüften sind wir Meister! Latürnich!

An dieser Stelle sei noch einmal resigniert erwähnt: unsere Schule könnte problemlos von jetzt auf gleich (also auch von heute auf Montag) auf Distanzunterricht umschalten. Der Stundenplan könnte 1:1 eingehalten werden. Es würde kein Unterricht nicht erteilt werden können.

Es wäre sicherer für Schüler*innen und Kolleg*innen. Auch milde Verläufe sind gefährlich. Von nicht milden ganz zu schweigen.

Unter den gegebenen Umständen mit dem Präsenzunterricht zu beginnen, halte ich für falsch.

Masken · Lyrik · Geschlechtergerechte Sprache · Salat.

Keine drei Wochen dauerte es, bevor das Ministerium das Tragen einer MNB im Klassenraum wieder empfahl, drei Wochen, bis es am kommenden Montag wieder zur Pflicht wird. Es war angenehm, die Gesichter der Schüler*innen für diese Zeit mal wieder oder gar zum ersten Mal in diesem Schuljahr ganz zu sehen, aber vor dem Hintergrund wahrlich außergewöhnlicher politischer Verantwortungslosigkeit in Berlin, wo die geschäftsführende Regierung zwar noch ihr Salär bezieht, aber sich schon eine ganze Weile nicht mehr zuständig fühlt, und ein künftiger Kanzler, weil noch ungewählt, seine Richtlinienkompetenz noch nicht erworben hat, sodass das Juristenseminar der FDP allein entscheiden kann, war schon vor Monaten absehbar, dass eine unnötige vierte Welle kommen würde, wie beispielsweise Samira El Ouassil hier in Erinnerung ruft, was dann wieder nach unangenehmen Maßnahmen verlangt …

Ein Stapel LyrikbändeErfreulich immerhin das neue Korridorthema für das Zentralabitur am BG: die in den letzten drei Jahren geübten »realistischen Tendenzen in der Lyrik des 19. Jahrhunderts« sind mit Beginn des Schuljahres für den 13. Jahrgang der »modernen Lyrik im deutschsprachigen Raum von 1945 bis 1989« gewichen, was so einige großartige Lyriker*innen (rechts: Ausschnitt aus der Vorbereitungs- und Begleitlektüre, aus der die Auswahl für die Schüler*innen entsteht) entdecken lässt. Dabei machen wir auch nicht Halt vor gesungener Lyrik von Singer-/Songwritern, die man damals noch Liedermacher*innen nannte, und die mit mit heutiger Coolness inkompatibler und daher Erstaunen evozierender Überzeugung ihre Verse schmetterten. (Mir neu in der Auswahl: dass Udo Jürgens nicht nur Schlager gemacht hat.) Auch wenn ich die Lyrikinterpretation eigentlich immer für ein recht gut beherrschbares Thema halte, weil mit dem nötigen Analysehandwerkszeug Formales recht sicher bestimmbar ist, ist sie für viele Schüler*innen eher suspekt, weil das Verstehen des Spiels mit Metaphern, die Frage nach der Deutung, das Einbeziehen des historischen Hintergrunds etc. in vielen Fällen schwer fallen muss: als Lehrkräfte vergessen wir häufig, wie viel wir erst im Laufe der Jahre erlebt, gelernt und begriffen haben, und selbst der zeitlich nahe Korridor liegt mit seinem Enddatum über ein Jahrzehnt vor der Geburt unserer Schüler*innen …

Sicher nur zufällig zeitlich mit dem Wahlkampf im Zukunftsteam Armin Laschets zusammenfallend hat unsere Ministerin im September in einem Erlass verdeutlicht, dass das sogenannte »Gendern« in schulischen Zusammenhängen nicht erlaubt sei. Dass schulische Unterlagen mit Benennungen wie »Schüler (w/m/d)« nun besser lesbar oder ästhetisch ansprechender würden als bisherige Varianten mit Genderstern, halte ich für eine falsche Annahme; zudem gebietet mindestens die Höflichkeit, sich als nichtbinär begreifende Personen und all die anderen erfreulich vielfältigen Erscheinungsarten des Menschen mitzudenken, zu -schreiben und zu -sprechen, aber möglicherweise bedarf es für diese Erkenntnis in bestimmten Kreisen noch ein paar Jahrzehnte. In einigen Schulen, hört man, soll es ja auch noch Overhead-Projektoren geben: sie hätten sich bewährt, hört man. (Interessanterweise hält selbst die Direktorinnen- und Direktorenvereinigung im Philologenverband Schleswig-Holstein – eher nicht die Speerspitze progressiver Revolution – das ministerielle Handeln in dieser Sache für nicht richtig.)

Nun Freitagabend-Salat und ein Büchlein von Lisa Kränzler.

Ach, und der Wanderer ist mal wieder unterwegs.

Japanisch mit LuaTeX.

Morgen werden wir in unserer Lyrik-Einheit Haiku behandeln (und schreiben). Im dazu überarbeiteten Arbeitsblatt musste ich noch einmal den Unterschied zwischen Silben und Moren verdeutlichen (nicht weil es die meisten Schüler*innen besonders interessierte (deshalb auch nur eine Fußnote), sondern weil ich bis dahin noch nicht begriffen hatte (und ich gehe ja zur Schule, um etwas zu lernen), warum das Japanische, von dem man als Nichtsprecher annimmt, dass es kurze, knackige Silben hat, siebzehn Silben für einen Eindruck braucht, den beispielsweise deutschsprachige Haijin in weniger fassen können, was zu der Erkenntnis führt, dass die vermeintliche Silbenzahl 5 / 7 / 5 tatsächlich die Anzahl der Moren bezeichnet) und habe dazu das Nippon-Beispiel aus der Wikipedia verwendet. Um die Wiedergabe in Hiragana unter LuaLaTeX zu ermöglichen, bedarf es nur der Einbindung eines Pakets – \usepackage{luatexja-fontspec} (Teil von luatexja) – und schon zeigen sich die Schriftzeichen aufs Schönste.

Obacht: einige Sonderzeichen reagieren allergisch: Auslassungsmarkierungen mit drei Punkten müssen im Quelltext tatsächlich drei Punkte enthalten und nicht das einzelne Zeichen »Horizontal Ellipsis«; dieses wird sonst fehlerhaft dargestellt.

Bewunderung in der Schule.

Ich bewundere meine Schüler*innen, die trotz ihrer Ängste jeden Tag zur Schule kommen und schon seit Wochen ohne zu murren mit ihren Masken am Unterricht teilnehmen, dabei akzeptieren, dass vieles, was ihren Schulalltag sonst versüßte (Theater- und Musik-Kurse, Kinobesuche, Besuche außerschulischer Lernorte …) nicht oder nur um einiges reduziert stattfinden kann, dicht an dicht nebeneinander sitzen, obwohl sie überall lesen, dass Abstand der wichtigste Schutz ist, immer wieder auch die Fenster aufreißen, obwohl sie frieren, weil sie wissen, es muss sein, denn Schulen versammeln zwar jeden Tag zum Teil Tausende Schüler*innen, haben aber traditionell keine Lüftungsanlagen.

Ich bewundere meine Kolleg*innen, die trotz ihrer Ängste jeden Tag die Schüler*innen bei Laune halten, unterrichten, was das Zeug hält, lachen & scherzen, aufbauen und unterstützen. Das alles mit Maske, bis zu zehn Unterrichtsstunden am Stück.

Da bleibt für das Ministerium, das sich nicht traut öffentlich zuzugeben, dass Schulen unter den Bedingungen einer Pandemie nicht dasselbe leisten können wie in normalen Zeiten, stattdessen aber jede Woche Durchhalteparolen immer dünneren Gehalts verbreitet, leider keine Bewunderung mehr übrig.

Mund-Nase-Schutz oder nicht Mund-Nase-Schutz oder Mund-Nase-Schutz.

Für die ersten beiden Wochen hat unser Schulleiter das Tragen eines MNS im Schulgebäude zur Verpflichtung gemacht. Also haben wir – Schüler*innen wie Lehrpersonen – auch im Unterricht einen MNS getragen. Ich hielt dies für eine vernünftige Regelung, weil Mindestabstände im Unterricht nicht zu gewährleisten sind. Wenn es mal nicht mehr ging, haben Schüler*innen mal kurz den Unterricht verlassen, um auf dem Schulhof ohne Maske frische Luft zu schnappen. Unterrichten mit Maske ist für alle Beteiligten unangenehm, aber, so haben wir uns gesagt, weniger unangenehm als eine Covid-19-Infektion.

Nun beglückt uns das Ministerium mit einer Neuregelung, die die Sache umkehrt: im Unterricht muss keine Maske mehr getragen werden (und daraus folgt auch, dass Schulleiter*innen keine Pflicht mehr anordnen dürfen), dafür aber auf dem Schulhof, wenn der Mindestabstand zu Schüler*innen anderer Kohorten nicht eingehalten werden kann. Auf dem Standardschulhof dürfte das bedeuten: immer. Ebenso besteht die Pflicht bei schulischen Veranstaltungen außerhalb des Schulgeländes – wohl auch bei Schulwanderfahrten, Klassenausflügen etc. Glücklich also, wer kurzfristig keine Personen anderer Kohorten in der Nähe wahrnimmt, denn nur »im Rahmen dieser Ausnahmen kann auch eine Nahrungsaufnahme erfolgen«.

Dass nun aber im Unterricht das Maskentragen vorbei ist, dürfte sich spätestens dann als nachteilig herausstellen, wenn die Fenster temperaturbedingt nicht mehr den ganzen Tag offen stehen (wie es derzeit der Fall ist) und die Aerosolbelastung entsprechend steigt. An keiner Stelle übrigens wird vom Land oder vom Schulträger darüber nachgedacht, wie die Belüftungssituation im Herbst und Winter optimiert werden kann. (dasnuf zum Thema).

Indes kündigt sich schon die nächste Volte an: Frau Kramp-Karrenbauer meint laut Tagesschau-Bericht: »Wenn das obligatorische Tragen von Masken im Unterricht dazu führe, die Schließung der Schulen zu umgehen, solle man darüber nachdenken.«

Nun, vielleicht führt das auch wieder dazu, dass man ohne MNS auf dem Schulhof frische Luft schnappen darf …

(Bei der Gelegenheit darf vielleicht erwähnt werden, dass wir bislang vom versprochenen neuen Lernmanagementsystem nichts sehen.)

Literaturliste Neue Sachlichkeit.

Noch weiß ich nicht genau, was ich damit mache (Anregung zur freiwilligen Lektüre? Verteilte Lektüren in Kleingruppen samt Kurzpräsentation durch Schüler*innen?), aber ich habe eine Literaturliste als Ergänzung zu Kästners Fabian aufgeschrieben, von der ich momentan ein paar Titel lese.

Schuljahresende und Ausblick.

Als ich meine neue Stelle, die Koordination des Beruflichen Gymnasiums, am 1. Februar des Jahres antrat, war mir durchaus klar, dass es schwierig sein würde, die in den Ruhestand wechselnde Kollegin zu ersetzen, die diese Funktionsstelle über zwei Jahrzehnte ausfüllte. Aber sie unterstützte mich nach Kräften, indem sie beispielsweise alle administrativen Aufgaben in Dateien, terminierten Abläufen und Formblättern vorbereitete, so wie ich es auch für meine Nachfolgerin in der Leitung der Außenstelle gehalten hatte.

Dann aber bekamen wir am Freitag, den 13. März die Nachricht, dass die Schule am folgenden Montag nicht wieder öffnen würde, und alle vorherige Planung war für die Katz.

Laufend bekam die Schulleitungsebene neue Vorgaben, einige waren nur wenige Stunden gültig, bevor sie von anderen überschrieben wurden. Die Ministerialebene oszillierte munter zwischen »Abitur absagen!« (bei vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen) und »Abitur durchführen!« (bei relativ hohen), es gab sehr hilfreiche und Ratlosigkeit hinterlassende Vorgaben.

Zeiten des reinen Online-Unterrichts (nein, das ist kein home schooling, sondern Notfallfernunterricht!) offenbarten uns nicht nur Mängel in der Vorbereitung auf einen solchen Fall, sondern auch nur schwierig mögliche Abhilfe, was zum Teil an den Punkten liegt, die Bob in der Aufzählungsliste nennt: wir haben ein ländliches Einzugsgebiet, nicht all unsere Schüler*innen leben auf Rosen gebettet, und ja: auch wir müssen Fähigkeiten, die wir normalerweise nicht brauchen, erst einmal lernen.

Vor diesem Hintergrund hat die ganze Sache (Abitur, Online-Unterricht, allmähliche Einführung von Präsenzzeiten etc.) doch erstaunlich gut geklappt. Klar ist auch: wenn wir wieder normal miteinander arbeiten können, müssen wir genauer untersuchen, an welchen Stellen Schüler*innen und Kolleg*innen Unterstützungsbedarf haben, damit sie im Falle weiterer Online-Phasen auch mit verbindlichem Anspruch lernen und lehren können: für die zurückliegende Zeit galt ja die Maßgabe, dass Engagement und gute Leistungen der Schüler*innen zwar positiv, Zurücklehnen und schlechte Leistungen aber nicht negativ wirken konnten.

Nach den Ferien nun folgt programmgemäß Unterricht nach Plan, mit Unterricht in »Kohorten« (vulgo: Jahrgängen), aber natürlich kohortenübergreifend tätigen Lehrer*innen; begleitet von einer Digitalinitiative, die ein neues Lernmanagementsystem annonciert. Interessiert darf man zur Kenntnis nehmen, dass laut Produktinformation Office 365, dessen Nutzung uns in Schleswig-Holstein bislang untersagt wurde, integriert ist, was der Open-Source-Strategie des Landes zuwiderläuft [Erinnerung von Timo]. Nur begrenzt innovativ wirkt die Ankündigung eines E-Mail-Systems, aber da das Ganze erklärtermaßen datenschutzkonform ablaufen soll, darf man ja eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erwarten. Es wäre überraschend, wenn dieser Zugang mit einem normalen Mail-Programm genutzt werden könnte, stattdessen wird es vermutlich eher auf eine fragwürdige Web-Oberfläche hinauslaufen. Auch auf die Videokonferenzlösung und andere Module bin ich gespannt.

Immerhin bewegt sich etwas.

Was so anliegt.

Verordnungen lesen, Abiturprüfungskommission, Zeugnisse unterschreiben, weitere Zensurenlisten erstellen, Telefonate mit Kollegen (auch von anderen Schulen) führen, viele E-Mails, Vertretungsplanung, Ablage.

Durfte heute nach dem 13.3. zum ersten Mal wieder – wenn auch leider nur die Hälfte des Kurses – präsenzunterrichten. Das war gut.

Hinterher Unterrichtsplanung für morgen.

Weiter mit CoViD-19.

Schule besteht in diesen Zeiten vor allem aus planen, die erarbeiteten Pläne umschmeißen lassen und neu planen.

So geschehen beim schriftlichen Abitur, das statt vor den Osterferien nach diesen geschrieben wurde, infektionsschutzbedingt statt in vier Räumen in dreizehn (mit entsprechend großem Bedarf an als Aufsichten fungierenden Lehrkräften), mit Desinfektionsschleuse und tiefem Blick in die (fiebrigen?) Augen, mit neu verklebtem Mittelstreifen in allen Fluren …

So auch bei der Wiederaufnahme des Unterrichts (was in unserem Falle heißt: ein Jahrgang statt derer drei und jeweils nur zwei Doppelstunden am Stück, weil keine unterschiedlichen Gruppen an Lernenden an einem Tag in einem Raum sitzen sollen, ohne dass eine Desinfektion stattgefunden hätte).

Bewertungsgrundlage für die Leistungen der Schüler*innen soll jeweils der Stand 13.3. (letzter Unterrichtstag vor Corona) sein – unmittelbar vor den zwei Wochen, in denen in den meisten Kursen Klausuren geschrieben worden wären. Leistungen danach sollen allenfalls eine Rolle spielen, wenn sie zugunsten der Schüler*innen berücksichtigt werden können.

Νach dem derzeit anwesenden 13. Jahrgang werden wir wohl den 12. einladen, aber ob das so kommt, wird erst gegen Ende dieser Woche entschieden werden können, denn die Vorgaben ändern sich immer wieder; zudem wollen wir in der Runde der Abteilungsleitenden die Erfahrungen aus den letzten beiden Wochen mit einfließen lassen. Werden wir noch Platz für den 11. Jahrgang finden?

Parallel zum Unterricht in meiner Abteilung finden in anderen nach wie vor Abschlussprüfungen statt; die ländliche Berufliche Schule als Angebotszentrum unterschiedlichster Bildungsgänge zeigt sich auch darin deutlich vielfältiger als allgemein bildende Schulen. Die Aktivitäten in anderen Abteilungen (die ja auch wieder aufwendig beaufsichtigt werden müssen) gehen aber auch nicht spurlos an Planungsmöglichkeiten in der eigenen vorbei, denn viele Kolleg*innen arbeiten beispielsweise sowohl im Voll- als auch im Teilzeitbereich.

Nicht vergessen dürfen wir die Schüler, die wir »nur« online beschulen, was sowohl für Schüler*innen als auch für Lehrkräfte deutlich anders fordernd ist: für Schüler*innen, die Aufgaben auf unterschiedlichsten Kanälen bekommen und diese und sich nun organisieren lernen müssen, aber auch für Lehrpersonen, die völlig neue Methoden des Lehrens, der Ansprache und der Beziehungspflege entwickeln müssen.

Zwei Wochen meiner Osterferien gehörten der Stundenplanung für das nächste Schuljahr (die dritte der Planung des Abiturs). Was davon Wirklichkeit werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Unter derzeitigen Bedingungen ist an normalen Unterricht noch nicht zu denken, weil das Kurssystem (und Vorgaben zur Personalbewirtschaftung) dazu führen, dass in jeder Stunde in jedem Raum anders zusammengesetzte Lerngruppen sitzen – was wir bislang positiv als Austauschmöglichkeit der Schüler*innen untereinander begreifen konnten, ist nun für an Infektionsschutz Interessierte eine mindestens unbehagliche Vorstellung.

Wir planen auf Sicht. Was heute richtig schien, kann morgen schon wieder eingerissen werden. Ich plane gern. Auch neu. Die Vorgaben oszillieren dabei aber ebenso zwischen zu viel und zu lax wie unser schülerbezogenes Handeln zwischen zu viel und zu wenig; die Möglichkeiten, die die Online-Beschulung böte, können wir nicht ausreichend wahrnehmen, weil die Zeit immer zu knapp ist. Eine Lehrperson hat je nach Fächerkombination und Einsatz zwischen 150 und 250 Schüler*innen, die alle gern einzeln in ihren je eigenen Bedingungen und ihrer je eigenen Persönlichkeit erkannt werden wollen und zum Beispiel per E-Mail betreut werden möchten und sollen, um ihre Lernprozesse optimal zu unterstützen. Dabei offenbart die Online-Beschulung nur ein grundsätzliches Handicap, das dem »normalen Unterricht« latent ebenso inhärent ist: die Vorstellung, dass 25 Schüler*innen gebannt dem Vortrag der Lehrperson folgen, ist ja auch abenteuerlich – nur eben vertraut.

Wir simulieren ein normal funktionierendes Schulsystem, fühlen uns aber insgeheim wie unbekleidete Kaiser.

Schule ohne Unterricht.

Nach einer guten Woche unterrichtsloser Schule schlug unsere Ministerin gestern vor, das Abitur auf der Grundlage der bisher erbrachten Leistungen ohne gesonderte Prüfungen zu erteilen. Die Argumentation scheint mir nach wie vor schlüssig, aber heute stellte sich offenbar heraus, dass die Länderkolleg*innen not amused waren über die Art der Bekanntgabe, sodass nun doch von der Durchführung des Abiturs unmittelbar nach den Osterferien ausgegangen wird.

Wenn die Prüfungen dann stattfinden werden, dann wird dies unter ungünstigeren Bedingungen sein als jetzt, denn die Wahrscheinlichkeit von Corona-Infektionen wird bis dahin eher zunehmen. Im Nachhinein weiß man nun auch, dass unser Wunsch, die Abschlussprüfungen letzte und diese Woche mit den Prüflingen plangemäß, aber in ansonsten leeren Schulen durchzuführen, die deutlich bessere Alternative gewesen wäre, weil die Schüler*innen dann nicht die fünfwöchige Pause vor den Prüfungen gehabt hätten. Auch werden die Korrekturen nun möglicherweise im wieder laufenden Schulbetrieb abgearbeitet werden müssen, was für die Kolleg*innen ungünstig ist.

Was also zu tun ist: Überarbeitung der Prüfungs-, Raum- und Vertretungspläne, weitere kleine Modifikationen. Ansonsten schon jetzt und ab morgen verstärkt: Stundenplanung für das nächste Schuljahr.

Unterrichtsfrei wegen CoViD-19-Gefahr.

Das hatten wir bisher auch noch nicht, aber heute war es gegen Mittag so weit: der Unterricht ab Montag für die zwei noch verbleibenden Wochen bis zu den in diesem Jahr dreiwöchigen Osterferien wurde abgesagt. Die gegenwärtige Stimmung hat ein bisschen was von Tove Janssons Komet im Mumintal.

In der Tat finde ich es auch interessant, was diese Ausnahmesituation mit den Menschen macht, und die Erfahrungen beim Wochenendeinkauf waren diesbezüglich nicht die besten, aber das sich nach Hause Zurückziehen hat ja auch seine Vorteile, da bin ich ganz bei Herrn Rau. Der Stapel ungelesener Bücher wächst immer nach …

Leider sind wir nicht ganz so gut wie die Bayern aufgestellt, was die Fernunterrichtstechnik anbelangt, was mit Ländereigenheiten zu tun hat, aber auch mit den spezifischen Bedingungen unserer Schule, die zwischen dem alten, im Grunde in Abwicklung befindlichen Moodle und einer in Bälde kommenden neue Software-Lösung steht. Aber besondere Situationen fordern ja heraus …

Gern hätte ich gesehen, dass die Abschlussprüfungen, in meiner Abteilung das schriftliche Abitur, noch durchgeführt werden können, während nur der normale Unterricht abgesagt worden wäre – doch eine solche Kompromisslösung ist für die Entscheidenden offenbar nicht vorstellbar gewesen. Den Schüler*innen hätte ich die Verschiebung gern erspart, denn sie sind jetzt optimal vorbereitet – in fünf unterrichtsfreien Wochen möglicherweise eher weniger. Und auch für die korrigierenden Kolleg*innen bedeutet diese Verschiebung der Prüfungen auf nach den Osterferien eine Mehrbelastung, denn dann sind die Korrekturen, die für die Osterferien geplant waren, neben dem Unterricht zu leisten …

Und das heißt auch: meine nächsten Tage gehören der Neuplanung des Abiturprüfungsbetriebs (ohne zu wissen, ob die Ausweich-, nämlich die ursprünglichen Nachschreibtermine, überhaupt wahrgenommen werden können). Nebenbei natürlich ein Treffen der erweiterten Schulleitung am Montagmorgen, um weitere Maßnahmen zu diskutieren und abzusprechen. Auch bereits geplante kleine Konferenzen (mit weniger als 50 Kolleg*innen und Kollegen, was bei uns im Kreis die derzeitige Genehmigungsgrenze ist) und andere Dienstgeschäfte finden statt.

Veränderungen II.

Seit dem 1.2.2016 leite ich nun die Außenstelle Malente unserer Schule, zum 1.2.2020 habe ich stattdessen die Koordination des Beruflichen Gymnasiums in Eutin übertragen bekommen.

Der Wechsel ist für mich ein echter Einschnitt, weil es schon noch einmal eine andere Verwurzelung in einer Abteilung bedeutet, wenn man sie leitet: fast alles Geschehende vollzieht sich auf die eine oder andere Art und Weise unter eigener Beteiligung, Verantwortung zu tragen heißt eben auch, über alles mindestens Bescheid zu wissen (sei es auch, indem man weiß, dass sich andere gute Leute darum kümmern).

Dass ich trotzdem noch einmal wechseln wollte, hat vor allem mit dem dann möglichen Unterrichtseinsatz mit dem Schwerpunkt auf meinen Fächern Deutsch und Philosophie zu tun, die in den letzten vier Jahren eine zu geringe Bedeutung bekamen, aber auch mit der Lust auf etwas Neues (ohne dabei das Alte zu missachten).

Die letzten Wochen und Monate bedeuteten daher – neben dem normalen Unterricht – Einlesen in neue Vorschriften, Einarbeitung in die neuen Aufgaben durch meine Vorgängerin im Amte, die in Pension geht, sowie Einarbeitung meiner Nachfolgerin. In beiden Fällen werden die alten Abteilungsleitenden nach dem Wechsel noch erreichbar sein, sodass es ein möglichst sanfter Übergang wird. Auch Kolleg*innen fühlen schon einmal vorsichtig vor, ob ihre Interessen denn unter der neuen Leitung weiterhin Berücksichtigung finden können.

Die Buchhändler*innen unterrichte im Umfang von 5 Stunden zunächst weiter, anderer Unterricht (EDV, Politik) entfällt aber. In Eutin treten zu meinen bisherigen Deutsch- und Philosophiekursen am BG weitere hinzu.

Es wird einmal wieder eine interessante Zeit – wie ohnehin Beteiligung an Schulleitung etwas ziemlich Großartiges ist.