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ChatGPT und philosophische Essays.

Die »künstliche Intelligenz« ChatGPT schreibt Texte. Sie erledigt diese Aufgabe besser als frühere Chatprogramme – trotzdem hat sie natürlich ebenso wenig Verständnis für das Geschriebene wie ihre Vorgänger. Die Leistungen imponieren gleichwohl.

Für die Schule kann man sich viele interessante Einsatzmöglichkeiten vorstellen. Die plakative Frage Tötet ChatGPT das Lernen? ist damit zwar sehr werbewirksam, aber natürlich Unfug. Schade ist gleichwohl, dass bestimmte Arten von Aufgaben nicht mehr möglich sein werden, weil sie mithilfe von ChatGPT gelöst werden können. Wie weit dies geht (und ChatGPT ist ja nur der Anfang), haben wir wahrscheinlich noch gar nicht durchdrungen.

Natürlich kann es beispielsweise in einer Unterrichtseinheit zum Thema Aufklärung sinnvoll sein, Schüler*innen aus verschiedenen Quellen Kennzeichen dieser Epoche sammeln und in Stichworten erklären zu lassen – wenn aber ChatGPT das in zwei Minuten erledigt, ist es für die Schüler*innen nicht unbedingt ersichtlich, wieso sie das per Kopf und Hand selbst erledigen sollen. Ein integrierender Ansatz, wie ihn Christian Spannagel vertritt, ist vor dem Hintergrund bestehender Lehrpläne mit darin benannten zu erlernenden / zu vertiefenden Kompetenzen kaum umzusetzen. Wenn von der Kompetenz »Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten, analysieren und bewerten zentrale Motive einer literarischen Epoche« der erste und zweite Aspekt jederzeit mithilfe von ChatGPT geleistet werden kann, wird die Übung schwierig. Wenn Schüler*innen aber die Übungsphase nicht durchlaufen, ist auch der dritte Aspekt »Bewertung« schwer zu leisten.

(Und natürlich kann ich mir die Gestaltung von Phasen vorstellen, in denen Schüler*innen ohne die Nutzung des Internets auskommen müssen. Aber in Gruppenarbeitsphasen, bei Projektaufgaben etc., also vielen offeneren und interessanteren Organisationsformen, ist das Netz immer präsent.) –

Für meinen letzten Durchgang der philosophischen Essays habe ich der terminlichen Passung wegen die Aufgaben des Philosophiewettbewerbs genutzt. Die am häufigsten bearbeitete Aufgabe lautete »Darf man Menschen zu ihrem Glück zwingen?«

Erteilt man ChatGPT die Augabe »Schreibe einen Essay von 1500 Wörtern zum Thema "Darf man Menschen zu ihrem Glück zwingen?", dann wird folgender Text ausgeworfen:

Es ist eine alte Frage, ob es möglich oder sogar moralisch vertretbar ist, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Es gibt dafür sowohl argumente pro als auch contra.

Ein Argument dafür wäre, dass Menschen manchmal schlechte Entscheidungen treffen, die ihr Glück auf lange Sicht sabotieren. Zum Beispiel könnten sie sich für einen Beruf entscheiden, der sie unglücklich macht, oder in einer Beziehung bleiben, die schädlich für sie ist. In solchen Fällen könnte es sinnvoll sein, Menschen zu ihrem eigenen Glück zu zwingen, indem man sie dazu bringt, ihre Entscheidungen zu überdenken oder sogar zu ändern.

Ein Argument dagegen ist, dass das Glück eine subjektive Erfahrung ist und jeder Mensch seine eigene Vorstellung davon hat, was ihn glücklich macht. Wenn man Menschen zu ihrem Glück zwingen würde, wäre dies eine Einschränkung ihrer Freiheit und ihres Selbstbestimmungsrechts. Sie sollten selbst entscheiden dürfen, was sie glücklich macht, auch wenn diese Entscheidungen anderen Menschen vielleicht unverständlich oder sogar unangebracht erscheinen.

Ein weiteres Argument gegen das Zwingen zum Glück ist, dass es unmöglich ist, den Glückszustand eines Menschen zu verändern, indem man ihm Vorschriften macht oder ihn dazu zwingt, bestimmte Dinge zu tun. Glück ist eine emotionale Reaktion auf die Umstände des Lebens und hängt von vielen Faktoren ab, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Es ist daher unwahrscheinlich, dass man Menschen zu ihrem Glück zwingen kann, indem man sie dazu bringt, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen.


Der Text ist nicht lang genug, weil das Programm den Task wegen Überlastung abgebrochen hat, aber deutlich wird schon anhand dieses Fragments: es ist kein origineller Text, er wird die Philosophie nicht um den entscheidenden Schritt voranbringen, er hat diverse Schwächen, er arbeitet mit Allgemeinplätzen und so fort. Aber: das lesen wir in Schüleraufsätzen (übrigens genauso wie in Zeitungsartikeln, politischen Kommentaren etc.) auch. Aus den Schwächen, die dieser Text hat, zu folgern, er müsse von einer KI geschrieben worden sein, ist nicht möglich. Da der Text aber on the fly generiert und nicht allgemein verfügbar abgespeichert wird, kann ich als korrigierender Lehrer vielleicht den Verdacht haben, er sei nicht selbst geschrieben, dies aber nie belegen. Und nein: es würde sicher keine hervorragende Note vergeben. Aber für Schüler*innen, die ohnehin nur ein »befriedigend« oder »ausreichend« brauchen und / oder glauben, nicht mehr erreichen zu können, wäre die Nutzung von ChatGPT eine Handlungsmöglichkeit.

Daher, befürchte ich, kann ein philosophischer Essay in der bisherigen Form keine Klausurersatzleistung mehr sein. Das finde ich ausgesprochen schade, denn es war eine freiere Form der Leistungserbringung, die immer wieder außergewöhnliche Aufsätze entstehen ließ.

Hm. Noch nicht fertig mit dem Nachdenken.

Bücher lesen in der Schule.

In Schleswig-Holstein werden die Schüler*innen in der Oberstufe der Beruflichen Gymnasien (ähnlich, meine ich, in den allgemeinbildenden) im Fach Deutsch auf das Abitur vorbereitet, indem sie in der Qualifikationsphase (12. und 13. Jahrgang) in Korridorthemen unterrichtet werden, die jeweils einem Halbjahr zugeordnet sind, wenn sie dieses auch nicht allein bestimmen sollen; im letzten Durchgang waren diese Themen beispielsweise bestimmt durch Schillers Die Jungfrau von Orleans, Kästners Fabian und Lyrik aus den Jahren von 1945 bis 1989. Darf man den Erfahrungen und Berichten trauen, hat dies im Allgemeinen zur Reduzierung gelesener Bücher geführt, weil die Kolleginnen und Kollegen ihre Schüler*innen möglichst gut vorbereiten wollen – und da wird im Zweifelsfalle mehr vom Gleichen (also auf das Korridorthema Bezogenem) als besser angesehen als früher zuweilen geübte Variation.

Für den 11. Jahrgang gilt dies noch nicht, und daher werden wir – nach einer Einheit zu Kurzprosa samt Klausur (deren Korrektur die letzten Wochenenden gehörten) einige unterschiedliche Bücher lesen: aus einer Liste von Vorschlägen deutschsprachiger Literatur, die zumindest über Umwege (ähem) einen Bezug zu den Lehrplanthemen »Literatur des 20. Jahrhunderts am Beispiel epischer und lyrischer Texte« und »Texte zu Identität und jugendlicher Lebenswelt« haben und aus welchen Gründen auch immer literarisch interessant sind, bitte ich die Schüler*innen, sich im optimalen Falle zu dritt ein Buch auszusuchen, das sie dann gemeinsam lesen, bearbeiten und den anderen Schüler*innen präsentieren.

Aufgabe wird sein, das Buch in einem halbstündigen Event vorzustellen (dann schaffen wir in der Vorstellungsrunde zwei pro 90-Minuten-Stunde, da ja auch ein bisschen über die Bücher und die Präsentation parliert werden soll). Es soll eine lebendige Präsentation, kein Bla-Referat sein.

Für die Inhalte wird es gelenkt gemeinsam entwickelte Kriterien geben, die die Schüler*innen beachten sollen.

Die Arbeit wird mindestens teilweise in den Unterrichtsstunden stattfinden, sodass auch Unterstützung und kritische Begleitung durch die Lehrperson möglich sind.

Die Präsentation plus Begleitpapier stellen eine Klausurersatzleistung dar; sie werden in dem letzten Stunden des Kurses vor den Weihnachtsferien stattfinden.

Ich würde das Ganze nicht mehr »Buchvorstellung« nennen wollen, sondern irgendeine Bezeichnung suchen, die auf den Kern des Ganzen eingeht, so à la »Gruppendynamische Lektüreexegese«, nur in hübsch.

Im eA-Kurs werde ich, weil wir mehr Unterricht und damit mehr Zeit haben, vorher noch die gemeinsame kursorische Lektüre von Wedekinds Frühlings Erwachen einschieben.

Die Auswahlliste ist hier; ich freue mich über Vorschläge weiterer Titel, gerade auch für die Jahrzehnte, in denen noch nicht so viele Bücher verzeichnet sind.

»Osterferien«, Teil 1.

Nach einer Woche: Der Stundenplan für das Berufliche Gymnasium (Schuljahr 2022/23) ist fertig.

(Ich darf immer anfangen, weil der Plan aufgrund des Kurssystems, vieler gegenseitiger Abhängigkeiten und Parallelkurse und letztlich eines umfangreichen Fächerkanons wegen kompliziert ist. Nehme dafür, dass ich anfangen darf, aber eine Menge Wünsche von Kolleginnen und Kollegen mit … Die Komplikationen wie auch die Wünsche verhindern zudem, dass ein automatisches Erstellen durch Untis möglich schiene. Es handelt sich also um softwareunterstützte Hand- und Kopfarbeit.

Nun sind die anderen Abteilungsleiter*innen an der Reihe. Und bei mir die Korrektur der Abiturklausuren.)

Schulbau und Verkehr in Eutin.

Noch immer ringt die Eutiner Politik um die notwendige Erweiterung der Wisser-Schule.

Nachdem eine Mehrheit von CDU und Grünen eine Wahlperiode lang für eine Sporthalle fernab der Schule stritt, dann kommentarlos von dem Vorhaben abrückte (das den Schulbau damit unnötig um fünf Jahre verzögerte), soll nun auf dem zu kleinen Bestandsgelände im Wesentlichen neu gebaut werden.

Auch dies ist verkehrt, und ich wünsche dem Bürgerbegehren der Eltern der Wisser-Schule, das einen Neubau auf genau dafür vorgehaltenem Bauland neben der Gustav-Peters-Schule vorsieht, viel Erfolg: nur dort kann eine zukunftsgerichtete Schule entstehen.

Dass es auf dem bestehenden Gelände nicht geht, zeigt an einem Beispiel die Stellplatzplanung, wie Constanze Emde hier berichtet.

Dabei ist es ganz richtig, dass mit zu wenig Stellplätzen für Autos geplant wird: es muss unbequem sein, mit dem Auto zu kommen, damit weniger Lehrkräfte das Auto als Verkehrsmittel wählen. Dass aber vor dem Hintergrund des von der Stadtvertretung festgestellten Klimanotstands für Fahrräder gegenüber den in der Stellplatzsatzung, die ja nur ein notwendiges Minimum (!) darstellt, geforderten 290 Plätzen 100 Plätze zu wenig ausgewiesen werden sollen, sollte jedem Stadtvertreter verdeutlichen, dass diese Planung falsch ist. Das Ziel müsste sein, die 290 Plätze zu übertreffen, um den zunehmenden Radverkehr aufzunehmen!

Für Fahrräder wird in den nächsten Jahren bei jeder Baumaßnahme Angebotsplanung das Mittel der Wahl sein müssen, um dem Klimanotstand entgegenzuwirken: es muss bequem und sicher sein, mit dem Fahrrad zu kommen. Schüler*innen wie Lehrer*innen müssen sich auf einen sauberen und trockenen Fahrradabstellplatz verlassen können – dann steigen sie aufs Fahrrad um bzw. bleiben dabei. Und wenn die Politik unbedingt am ungeeigneten Standort festhalten will, ist als Minimallösung ein Fahrradparkhaus, wie es die Initiative des Schulleiters Sven Ulmer vorsieht, vollkommen richtig, damit kein Kind, das mit dem Fahrrad kommen will, stattdessen mit dem Auto chauffiert werden muss.

Grüne Kommunalpolitiker*innen, die ein Unterlaufen der Stellplatzsatzung für Fahrräder mittragen, statt im oben genannten Sinne ein Übererfüllen anzumahnen, haben diese Farbe zu tragen nicht verdient. Sie sind in Eutin – so leid es mir tut – unwählbar.

Corona in Schleswig-Holstein – Schulbeginn am Montag.

Die Zahlen zu neuen Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein sehen nicht gut aus, aber am Montag geht die Schule los. In Präsenz, denn die stets nur per Videokonferenz tagende Kultusministerkonferenz und vor allem unsere Ministerin will es so, und im Lüften sind wir Meister! Latürnich!

An dieser Stelle sei noch einmal resigniert erwähnt: unsere Schule könnte problemlos von jetzt auf gleich (also auch von heute auf Montag) auf Distanzunterricht umschalten. Der Stundenplan könnte 1:1 eingehalten werden. Es würde kein Unterricht nicht erteilt werden können.

Es wäre sicherer für Schüler*innen und Kolleg*innen. Auch milde Verläufe sind gefährlich. Von nicht milden ganz zu schweigen.

Unter den gegebenen Umständen mit dem Präsenzunterricht zu beginnen, halte ich für falsch.

Masken · Lyrik · Geschlechtergerechte Sprache · Salat.

Keine drei Wochen dauerte es, bevor das Ministerium das Tragen einer MNB im Klassenraum wieder empfahl, drei Wochen, bis es am kommenden Montag wieder zur Pflicht wird. Es war angenehm, die Gesichter der Schüler*innen für diese Zeit mal wieder oder gar zum ersten Mal in diesem Schuljahr ganz zu sehen, aber vor dem Hintergrund wahrlich außergewöhnlicher politischer Verantwortungslosigkeit in Berlin, wo die geschäftsführende Regierung zwar noch ihr Salär bezieht, aber sich schon eine ganze Weile nicht mehr zuständig fühlt, und ein künftiger Kanzler, weil noch ungewählt, seine Richtlinienkompetenz noch nicht erworben hat, sodass das Juristenseminar der FDP allein entscheiden kann, war schon vor Monaten absehbar, dass eine unnötige vierte Welle kommen würde, wie beispielsweise Samira El Ouassil hier in Erinnerung ruft, was dann wieder nach unangenehmen Maßnahmen verlangt …

Ein Stapel LyrikbändeErfreulich immerhin das neue Korridorthema für das Zentralabitur am BG: die in den letzten drei Jahren geübten »realistischen Tendenzen in der Lyrik des 19. Jahrhunderts« sind mit Beginn des Schuljahres für den 13. Jahrgang der »modernen Lyrik im deutschsprachigen Raum von 1945 bis 1989« gewichen, was so einige großartige Lyriker*innen (rechts: Ausschnitt aus der Vorbereitungs- und Begleitlektüre, aus der die Auswahl für die Schüler*innen entsteht) entdecken lässt. Dabei machen wir auch nicht Halt vor gesungener Lyrik von Singer-/Songwritern, die man damals noch Liedermacher*innen nannte, und die mit mit heutiger Coolness inkompatibler und daher Erstaunen evozierender Überzeugung ihre Verse schmetterten. (Mir neu in der Auswahl: dass Udo Jürgens nicht nur Schlager gemacht hat.) Auch wenn ich die Lyrikinterpretation eigentlich immer für ein recht gut beherrschbares Thema halte, weil mit dem nötigen Analysehandwerkszeug Formales recht sicher bestimmbar ist, ist sie für viele Schüler*innen eher suspekt, weil das Verstehen des Spiels mit Metaphern, die Frage nach der Deutung, das Einbeziehen des historischen Hintergrunds etc. in vielen Fällen schwer fallen muss: als Lehrkräfte vergessen wir häufig, wie viel wir erst im Laufe der Jahre erlebt, gelernt und begriffen haben, und selbst der zeitlich nahe Korridor liegt mit seinem Enddatum über ein Jahrzehnt vor der Geburt unserer Schüler*innen …

Sicher nur zufällig zeitlich mit dem Wahlkampf im Zukunftsteam Armin Laschets zusammenfallend hat unsere Ministerin im September in einem Erlass verdeutlicht, dass das sogenannte »Gendern« in schulischen Zusammenhängen nicht erlaubt sei. Dass schulische Unterlagen mit Benennungen wie »Schüler (w/m/d)« nun besser lesbar oder ästhetisch ansprechender würden als bisherige Varianten mit Genderstern, halte ich für eine falsche Annahme; zudem gebietet mindestens die Höflichkeit, sich als nichtbinär begreifende Personen und all die anderen erfreulich vielfältigen Erscheinungsarten des Menschen mitzudenken, zu -schreiben und zu -sprechen, aber möglicherweise bedarf es für diese Erkenntnis in bestimmten Kreisen noch ein paar Jahrzehnte. In einigen Schulen, hört man, soll es ja auch noch Overhead-Projektoren geben: sie hätten sich bewährt, hört man. (Interessanterweise hält selbst die Direktorinnen- und Direktorenvereinigung im Philologenverband Schleswig-Holstein – eher nicht die Speerspitze progressiver Revolution – das ministerielle Handeln in dieser Sache für nicht richtig.)

Nun Freitagabend-Salat und ein Büchlein von Lisa Kränzler.

Ach, und der Wanderer ist mal wieder unterwegs.

Japanisch mit LuaTeX.

Morgen werden wir in unserer Lyrik-Einheit Haiku behandeln (und schreiben). Im dazu überarbeiteten Arbeitsblatt musste ich noch einmal den Unterschied zwischen Silben und Moren verdeutlichen (nicht weil es die meisten Schüler*innen besonders interessierte (deshalb auch nur eine Fußnote), sondern weil ich bis dahin noch nicht begriffen hatte (und ich gehe ja zur Schule, um etwas zu lernen), warum das Japanische, von dem man als Nichtsprecher annimmt, dass es kurze, knackige Silben hat, siebzehn Silben für einen Eindruck braucht, den beispielsweise deutschsprachige Haijin in weniger fassen können, was zu der Erkenntnis führt, dass die vermeintliche Silbenzahl 5 / 7 / 5 tatsächlich die Anzahl der Moren bezeichnet) und habe dazu das Nippon-Beispiel aus der Wikipedia verwendet. Um die Wiedergabe in Hiragana unter LuaLaTeX zu ermöglichen, bedarf es nur der Einbindung eines Pakets – \usepackage{luatexja-fontspec} (Teil von luatexja) – und schon zeigen sich die Schriftzeichen aufs Schönste.

Obacht: einige Sonderzeichen reagieren allergisch: Auslassungsmarkierungen mit drei Punkten müssen im Quelltext tatsächlich drei Punkte enthalten und nicht das einzelne Zeichen »Horizontal Ellipsis«; dieses wird sonst fehlerhaft dargestellt.

Bewunderung in der Schule.

Ich bewundere meine Schüler*innen, die trotz ihrer Ängste jeden Tag zur Schule kommen und schon seit Wochen ohne zu murren mit ihren Masken am Unterricht teilnehmen, dabei akzeptieren, dass vieles, was ihren Schulalltag sonst versüßte (Theater- und Musik-Kurse, Kinobesuche, Besuche außerschulischer Lernorte …) nicht oder nur um einiges reduziert stattfinden kann, dicht an dicht nebeneinander sitzen, obwohl sie überall lesen, dass Abstand der wichtigste Schutz ist, immer wieder auch die Fenster aufreißen, obwohl sie frieren, weil sie wissen, es muss sein, denn Schulen versammeln zwar jeden Tag zum Teil Tausende Schüler*innen, haben aber traditionell keine Lüftungsanlagen.

Ich bewundere meine Kolleg*innen, die trotz ihrer Ängste jeden Tag die Schüler*innen bei Laune halten, unterrichten, was das Zeug hält, lachen & scherzen, aufbauen und unterstützen. Das alles mit Maske, bis zu zehn Unterrichtsstunden am Stück.

Da bleibt für das Ministerium, das sich nicht traut öffentlich zuzugeben, dass Schulen unter den Bedingungen einer Pandemie nicht dasselbe leisten können wie in normalen Zeiten, stattdessen aber jede Woche Durchhalteparolen immer dünneren Gehalts verbreitet, leider keine Bewunderung mehr übrig.

Mund-Nase-Schutz oder nicht Mund-Nase-Schutz oder Mund-Nase-Schutz.

Für die ersten beiden Wochen hat unser Schulleiter das Tragen eines MNS im Schulgebäude zur Verpflichtung gemacht. Also haben wir – Schüler*innen wie Lehrpersonen – auch im Unterricht einen MNS getragen. Ich hielt dies für eine vernünftige Regelung, weil Mindestabstände im Unterricht nicht zu gewährleisten sind. Wenn es mal nicht mehr ging, haben Schüler*innen mal kurz den Unterricht verlassen, um auf dem Schulhof ohne Maske frische Luft zu schnappen. Unterrichten mit Maske ist für alle Beteiligten unangenehm, aber, so haben wir uns gesagt, weniger unangenehm als eine Covid-19-Infektion.

Nun beglückt uns das Ministerium mit einer Neuregelung, die die Sache umkehrt: im Unterricht muss keine Maske mehr getragen werden (und daraus folgt auch, dass Schulleiter*innen keine Pflicht mehr anordnen dürfen), dafür aber auf dem Schulhof, wenn der Mindestabstand zu Schüler*innen anderer Kohorten nicht eingehalten werden kann. Auf dem Standardschulhof dürfte das bedeuten: immer. Ebenso besteht die Pflicht bei schulischen Veranstaltungen außerhalb des Schulgeländes – wohl auch bei Schulwanderfahrten, Klassenausflügen etc. Glücklich also, wer kurzfristig keine Personen anderer Kohorten in der Nähe wahrnimmt, denn nur »im Rahmen dieser Ausnahmen kann auch eine Nahrungsaufnahme erfolgen«.

Dass nun aber im Unterricht das Maskentragen vorbei ist, dürfte sich spätestens dann als nachteilig herausstellen, wenn die Fenster temperaturbedingt nicht mehr den ganzen Tag offen stehen (wie es derzeit der Fall ist) und die Aerosolbelastung entsprechend steigt. An keiner Stelle übrigens wird vom Land oder vom Schulträger darüber nachgedacht, wie die Belüftungssituation im Herbst und Winter optimiert werden kann. (dasnuf zum Thema).

Indes kündigt sich schon die nächste Volte an: Frau Kramp-Karrenbauer meint laut Tagesschau-Bericht: »Wenn das obligatorische Tragen von Masken im Unterricht dazu führe, die Schließung der Schulen zu umgehen, solle man darüber nachdenken.«

Nun, vielleicht führt das auch wieder dazu, dass man ohne MNS auf dem Schulhof frische Luft schnappen darf …

(Bei der Gelegenheit darf vielleicht erwähnt werden, dass wir bislang vom versprochenen neuen Lernmanagementsystem nichts sehen.)

Literaturliste Neue Sachlichkeit.

Noch weiß ich nicht genau, was ich damit mache (Anregung zur freiwilligen Lektüre? Verteilte Lektüren in Kleingruppen samt Kurzpräsentation durch Schüler*innen?), aber ich habe eine Literaturliste als Ergänzung zu Kästners Fabian aufgeschrieben, von der ich momentan ein paar Titel lese.

Schuljahresende und Ausblick.

Als ich meine neue Stelle, die Koordination des Beruflichen Gymnasiums, am 1. Februar des Jahres antrat, war mir durchaus klar, dass es schwierig sein würde, die in den Ruhestand wechselnde Kollegin zu ersetzen, die diese Funktionsstelle über zwei Jahrzehnte ausfüllte. Aber sie unterstützte mich nach Kräften, indem sie beispielsweise alle administrativen Aufgaben in Dateien, terminierten Abläufen und Formblättern vorbereitete, so wie ich es auch für meine Nachfolgerin in der Leitung der Außenstelle gehalten hatte.

Dann aber bekamen wir am Freitag, den 13. März die Nachricht, dass die Schule am folgenden Montag nicht wieder öffnen würde, und alle vorherige Planung war für die Katz.

Laufend bekam die Schulleitungsebene neue Vorgaben, einige waren nur wenige Stunden gültig, bevor sie von anderen überschrieben wurden. Die Ministerialebene oszillierte munter zwischen »Abitur absagen!« (bei vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen) und »Abitur durchführen!« (bei relativ hohen), es gab sehr hilfreiche und Ratlosigkeit hinterlassende Vorgaben.

Zeiten des reinen Online-Unterrichts (nein, das ist kein home schooling, sondern Notfallfernunterricht!) offenbarten uns nicht nur Mängel in der Vorbereitung auf einen solchen Fall, sondern auch nur schwierig mögliche Abhilfe, was zum Teil an den Punkten liegt, die Bob in der Aufzählungsliste nennt: wir haben ein ländliches Einzugsgebiet, nicht all unsere Schüler*innen leben auf Rosen gebettet, und ja: auch wir müssen Fähigkeiten, die wir normalerweise nicht brauchen, erst einmal lernen.

Vor diesem Hintergrund hat die ganze Sache (Abitur, Online-Unterricht, allmähliche Einführung von Präsenzzeiten etc.) doch erstaunlich gut geklappt. Klar ist auch: wenn wir wieder normal miteinander arbeiten können, müssen wir genauer untersuchen, an welchen Stellen Schüler*innen und Kolleg*innen Unterstützungsbedarf haben, damit sie im Falle weiterer Online-Phasen auch mit verbindlichem Anspruch lernen und lehren können: für die zurückliegende Zeit galt ja die Maßgabe, dass Engagement und gute Leistungen der Schüler*innen zwar positiv, Zurücklehnen und schlechte Leistungen aber nicht negativ wirken konnten.

Nach den Ferien nun folgt programmgemäß Unterricht nach Plan, mit Unterricht in »Kohorten« (vulgo: Jahrgängen), aber natürlich kohortenübergreifend tätigen Lehrer*innen; begleitet von einer Digitalinitiative, die ein neues Lernmanagementsystem annonciert. Interessiert darf man zur Kenntnis nehmen, dass laut Produktinformation Office 365, dessen Nutzung uns in Schleswig-Holstein bislang untersagt wurde, integriert ist, was der Open-Source-Strategie des Landes zuwiderläuft [Erinnerung von Timo]. Nur begrenzt innovativ wirkt die Ankündigung eines E-Mail-Systems, aber da das Ganze erklärtermaßen datenschutzkonform ablaufen soll, darf man ja eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erwarten. Es wäre überraschend, wenn dieser Zugang mit einem normalen Mail-Programm genutzt werden könnte, stattdessen wird es vermutlich eher auf eine fragwürdige Web-Oberfläche hinauslaufen. Auch auf die Videokonferenzlösung und andere Module bin ich gespannt.

Immerhin bewegt sich etwas.

Was so anliegt.

Verordnungen lesen, Abiturprüfungskommission, Zeugnisse unterschreiben, weitere Zensurenlisten erstellen, Telefonate mit Kollegen (auch von anderen Schulen) führen, viele E-Mails, Vertretungsplanung, Ablage.

Durfte heute nach dem 13.3. zum ersten Mal wieder – wenn auch leider nur die Hälfte des Kurses – präsenzunterrichten. Das war gut.

Hinterher Unterrichtsplanung für morgen.