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Schule ohne Unterricht.

Nach einer guten Woche unterrichtsloser Schule schlug unsere Ministerin gestern vor, das Abitur auf der Grundlage der bisher erbrachten Leistungen ohne gesonderte Prüfungen zu erteilen. Die Argumentation scheint mir nach wie vor schlüssig, aber heute stellte sich offenbar heraus, dass die Länderkolleg*innen not amused waren über die Art der Bekanntgabe, sodass nun doch von der Durchführung des Abiturs unmittelbar nach den Osterferien ausgegangen wird.

Wenn die Prüfungen dann stattfinden werden, dann wird dies unter ungünstigeren Bedingungen sein als jetzt, denn die Wahrscheinlichkeit von Corona-Infektionen wird bis dahin eher zunehmen. Im Nachhinein weiß man nun auch, dass unser Wunsch, die Abschlussprüfungen letzte und diese Woche mit den Prüflingen plangemäß, aber in ansonsten leeren Schulen durchzuführen, die deutlich bessere Alternative gewesen wäre, weil die Schüler*innen dann nicht die fünfwöchige Pause vor den Prüfungen gehabt hätten. Auch werden die Korrekturen nun möglicherweise im wieder laufenden Schulbetrieb abgearbeitet werden müssen, was für die Kolleg*innen ungünstig ist.

Was also zu tun ist: Überarbeitung der Prüfungs-, Raum- und Vertretungspläne, weitere kleine Modifikationen. Ansonsten schon jetzt und ab morgen verstärkt: Stundenplanung für das nächste Schuljahr.

Unterrichtsfrei wegen CoViD-19-Gefahr.

Das hatten wir bisher auch noch nicht, aber heute war es gegen Mittag so weit: der Unterricht ab Montag für die zwei noch verbleibenden Wochen bis zu den in diesem Jahr dreiwöchigen Osterferien wurde abgesagt. Die gegenwärtige Stimmung hat ein bisschen was von Tove Janssons Komet im Mumintal.

In der Tat finde ich es auch interessant, was diese Ausnahmesituation mit den Menschen macht, und die Erfahrungen beim Wochenendeinkauf waren diesbezüglich nicht die besten, aber das sich nach Hause Zurückziehen hat ja auch seine Vorteile, da bin ich ganz bei Herrn Rau. Der Stapel ungelesener Bücher wächst immer nach …

Leider sind wir nicht ganz so gut wie die Bayern aufgestellt, was die Fernunterrichtstechnik anbelangt, was mit Ländereigenheiten zu tun hat, aber auch mit den spezifischen Bedingungen unserer Schule, die zwischen dem alten, im Grunde in Abwicklung befindlichen Moodle und einer in Bälde kommenden neue Software-Lösung steht. Aber besondere Situationen fordern ja heraus …

Gern hätte ich gesehen, dass die Abschlussprüfungen, in meiner Abteilung das schriftliche Abitur, noch durchgeführt werden können, während nur der normale Unterricht abgesagt worden wäre – doch eine solche Kompromisslösung ist für die Entscheidenden offenbar nicht vorstellbar gewesen. Den Schüler*innen hätte ich die Verschiebung gern erspart, denn sie sind jetzt optimal vorbereitet – in fünf unterrichtsfreien Wochen möglicherweise eher weniger. Und auch für die korrigierenden Kolleg*innen bedeutet diese Verschiebung der Prüfungen auf nach den Osterferien eine Mehrbelastung, denn dann sind die Korrekturen, die für die Osterferien geplant waren, neben dem Unterricht zu leisten …

Und das heißt auch: meine nächsten Tage gehören der Neuplanung des Abiturprüfungsbetriebs (ohne zu wissen, ob die Ausweich-, nämlich die ursprünglichen Nachschreibtermine, überhaupt wahrgenommen werden können). Nebenbei natürlich ein Treffen der erweiterten Schulleitung am Montagmorgen, um weitere Maßnahmen zu diskutieren und abzusprechen. Auch bereits geplante kleine Konferenzen (mit weniger als 50 Kolleg*innen und Kollegen, was bei uns im Kreis die derzeitige Genehmigungsgrenze ist) und andere Dienstgeschäfte finden statt.

Veränderungen II.

Seit dem 1.2.2016 leite ich nun die Außenstelle Malente unserer Schule, zum 1.2.2020 habe ich stattdessen die Koordination des Beruflichen Gymnasiums in Eutin übertragen bekommen.

Der Wechsel ist für mich ein echter Einschnitt, weil es schon noch einmal eine andere Verwurzelung in einer Abteilung bedeutet, wenn man sie leitet: fast alles Geschehende vollzieht sich auf die eine oder andere Art und Weise unter eigener Beteiligung, Verantwortung zu tragen heißt eben auch, über alles mindestens Bescheid zu wissen (sei es auch, indem man weiß, dass sich andere gute Leute darum kümmern).

Dass ich trotzdem noch einmal wechseln wollte, hat vor allem mit dem dann möglichen Unterrichtseinsatz mit dem Schwerpunkt auf meinen Fächern Deutsch und Philosophie zu tun, die in den letzten vier Jahren eine zu geringe Bedeutung bekamen, aber auch mit der Lust auf etwas Neues (ohne dabei das Alte zu missachten).

Die letzten Wochen und Monate bedeuteten daher – neben dem normalen Unterricht – Einlesen in neue Vorschriften, Einarbeitung in die neuen Aufgaben durch meine Vorgängerin im Amte, die in Pension geht, sowie Einarbeitung meiner Nachfolgerin. In beiden Fällen werden die alten Abteilungsleitenden nach dem Wechsel noch erreichbar sein, sodass es ein möglichst sanfter Übergang wird. Auch Kolleg*innen fühlen schon einmal vorsichtig vor, ob ihre Interessen denn unter der neuen Leitung weiterhin Berücksichtigung finden können.

Die Buchhändler*innen unterrichte im Umfang von 5 Stunden zunächst weiter, anderer Unterricht (EDV, Politik) entfällt aber. In Eutin treten zu meinen bisherigen Deutsch- und Philosophiekursen am BG weitere hinzu.

Es wird einmal wieder eine interessante Zeit – wie ohnehin Beteiligung an Schulleitung etwas ziemlich Großartiges ist.

Küste · Marzipantorte · Spiel · Gedichte.

2020-01-11_120110Während der heutige Tag wieder mit Standardnieselwetter beginnt, schien am Samstag zeitweise die Sonne, daher sind wir rausgefahren nach Niendorf und von dort auf dem Höhenweg des Brodtener Ufers nach Travemünde spaziert. Dort waren wir tatsächlich vorher noch nie, weil wir, wenn uns nach Steilküste war, immer zwischen Rettin und Brodau wanderten.

2020-01-11_133822Wider Erwarten war die Küste gut besucht (hoffte, dass die Leute samstags noch mit Konsum beschäftigt sind), und im Café Marleen bekam man nur mit Glück noch einen Platz, was vor allem einer Geburtstagsgesellschaft im Saal zu verdanken war, die von der Wirtin und der Bedienung mit entschlossenem Frohsinn besungen wurde. Wir schufen indes auf unserem Tisch Platz für Flammkuchen und Tee, indem wir einen Teil der fragwürdigen Dekoration (siehe Bild) auf der Abtrennung aufreihten, was uns wiederum der Gefährlichkeit wegen einen Rüffel vom Kellner einbrachte, bevor er die wertvolle Deko anderswohin in Sicherheit brachte. Die Marzipantorte und der Espresso zum Nachtisch waren mächtig und stark.

2020-01-11_152558Zurück sind wir am Strand gewandert und haben die Wirkung der Ostsee auf die Küste bewundert.

Abends Alhambra (plus Wechselstuben und Diamanten) mit Freunden bei Tee und Weinen, Wurzeln und Haribo-Erzeugnissen.

Am Sonntag Laufen im Regen auf moddrigen Wegen, dann aus Gründen erneute Lektüre der BGVO und Entwurf eines Klausurenplans.

Das nächste Korridorthema für meinen Deutschkurs im 12. Jahrgang wird die Lyrik des 19. Jahrhunderts sein, was eine Fülle an Möglichkeiten eröffnet. Beginnen werde ich mit Goethes »Künstlerlied« und Holzens »Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne« (AB), die – entstanden am Anfang bzw. Ende des Zeitraums – über die inhaltliche Gegensätzlichkeit bei gleicher Thematik Anlass zur Problematisierung bieten sollten.

Aus der letzten Woche …

Schule ist ein wenig fordernd momentan, weil bei einer dünnen Personaldecke auch kurze krankheitsbedingte Ausfälle von Kolleg*innen (von den langen zu schweigen) zu deutlichem Mehreinsatz führen. Das strengt die verbleibenden an, wenn sie auch – wie die Schüler*innen – guter Dinge zu bleiben suchen … Für mich bedeuten mehr Unterrichtsstunden, dass kaum Zeit für die Leitungsarbeit bleibt und das eine oder andere länger liegen bleibt, als es gut ist. –

Bei der Benotung im BG führen unter Lehrkräften nicht optimal abgestimmte Bewertungskriterien zu Enttäuschungen bei Schüler*innen, die noch im Jahr zuvor bei anderen Kolleg*innen bessere Noten erhielten als jetzt. –

Unzufriedenheit mit der technischen Ausstattung bestimmter Abteilungen der Schule, in denen zeitgemäßer Unterricht (zum Beispiel à la Blume) kaum möglich ist, und der Anbindung an Netz – daran soll sich zwar bald etwas ändern, doch ich glaube es erst, wenn’s soweit ist. In unserer Außenstelle liegt das Glasfaserkabel seit Anfang Juli 2018 (ein damals schon deutlich verzögerter Termin) und IQSH und Dataport wiederholen seitdem die immer gleichen unzureichenden Gründe, warum unser pädagogisches Netz nicht endgültig mit dem Kabel verbunden wird. –

Kürbis-Knödel mit MangoldEin Foodblogger wird aus mir nicht mehr, aber festhalten möchte ich doch zumindest, dass die angebratenen Kürbis-Knödel nach Salzkornküchenrezept vorzüglich schmecken. Zwar habe ich nur die Hälfte des Solawi-Butternusskürbisses (dafür alle Kartoffeln und die Mangoldlieferung) verarbeiten können, doch das Ergebnis waren trotz des verwendeten Vollkornmehls überraschend fluffige Klöße. Aufwendig, aber lohnenswert. –

Pilze im GartenIm Garten herbstet es vor sich hin und die Pilze sprießen beim Flieder und unterm Pflaumenbaum. –

Andauernde Lektüre von Sternes Tristram Shandy in Michael Walters Übersetzung bei Galiani. Zudem grafische Literatur für die Graphic-Novel-UE bei den Buchhändler*innen sowie die Philosophinnen-Sondernummer des Philosophie-Magazins.

Kommentar bei »Kreide fressen«.

Dortselbst schrieb ich in etwa:

Schulausflüge zu Demos sind eine Verletzung des Überwältigungsverbots und insofern nicht in Ordnung.

Verweise für FFF-demonstrierende Schüler*innen finde ich konsequent (und auch gar nicht problematisch für Schüler*innen): letztendlich geht es beim Schulstreik doch gerade darum, etwas zu tun, das rechtlich fragwürdig, aber aus Sicht der Demonstrierenden aufgrund der Faktenlage moralisch geboten ist.

Eine Abteilung leiten.

Brain dump wie bei Thomas – ein gutes Format, weil stets zu viel passiert, um alles aufzuschreiben, aber nicht alles verloren gehen soll. In Anerkenntnis des Flüchtigen, Behelfsmäßigen, Unfertigen. –

Als wir einmal unseres Schulleiters verlustig gingen und daher nach einer*m Nachfolger*in suchten, überlegte ich schon mal, was denn eine Leitungsperson ausmache. Inzwischen habe ich selbst die Leitung einer Abteilung übertragen bekommen, was mich das schwer Fassbare des Leitens immer wieder reflektieren lässt – in gelungenen und auch in misslungenen Momenten. –

Zuweilen habe ich das Gefühl, leitend in der Schule tätig zu sein (und vielleicht trifft das auch auf andere Berufsbereiche zu) bestehe zumindest im Miteinander mit den Kolleg*innen im Wesentlichen daraus, es genau nicht zu sein. Sondern einfach präsent zu sein, die guten Vorschläge, die von allen Seiten kommen, aufzunehmen, die Umsetzung zu befördern und etwaige Hindernisse, so gut es geht, aus dem Weg zu räumen.

Ich habe in den jetzt etwas über drei Jahren in Abteilungsleitungsfunktion nur wenige Situationen erlebt, in denen ich – dann unter vier Augen – deutlicher werden musste als es dem üblichen Miteinander entspricht, und in den ausnehmend deutlichen Fällen war diese Kommunikation nach außen, nicht ins Kollegium gerichtet.

Wenn man dann aber mit den interessierten Kolleg*innen zusammensitzt, um ein Problem zu bearbeiten, und die Lösungsansätze wie von selbst entstehen, ist das ein ausgesprochen positives Erlebnis. Eine Abteilung zu leiten macht schon auch Laune.

(Und immer wieder die Ähnlichkeit zum Unterrichten.) –

Hinterher: Heiße Schmorpfanne mit Weißkohl, Möhren und leicht scharfen Rübchen aus der Solawi-Kiste, zudem Hackfleisch (prosaisch von Famila, sorry), wohlgewürzt mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Piment d’Espelette.

Aprikose · Theater · Laufen · Essen · Schule.



Die Aprikose (Prunus armeniaca »Bergeron«) blüht überreich und wird auch von Bienen besucht. Gute Aussichten!

Leimringe angebracht.

Gestern auf dem Weg zum Theater E-Kind 2 in seiner WG besucht. Gute Cookies und Brownies; Grundlage für Pizza-Appetit im Heinrich VIII. Hinterher aufgrund der Erkrankung einer wichtigen Rollenbesetzung statt Brechts Dreigroschenoper Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? gesehen. Nicht gut gealtert, das Stück.

Beim Laufen (Teil 1, Teil 2) mit den am Vortag bei Zippels in Kiel erworbenen Mizuno Wave Inspire 15 in potthässlichem Silbergrau an Wegkreuzung Halt gemacht: seltsame Grabstelle für Lammert Bruinenberg mitten im Wald, von dem Internet- und Dorflegenden erzählen, es sei ein niederländischer SS-Freiwilliger im Rang eines Rottenführers gewesen, der entweder beim Entschärfen einer beschädigten Panzerfaust oder aber bei einem Luftangriff verletzt worden und an diesen Verletzungen gestorben sei. Auf das Grabkreuz christlicher Tradition für einen Angehörigen einer nationalsozialistischen Organisation haben Besucher nach jüdischem Brauch kleine Steine gelegt.

Spechtklopfen auf seinen Ursprung untersuchen und lange in die Wipfel starren.

Sabine hat inzwischen vortreffliches Gemüseblech à la Anke Gröner bereitet, das nach der Dusche wartete:



Für morgen sind für die Buchhändler*innen der Teil »Einband« aus dem Modul »Herstellung« sowie Übungen zur verschachtelten Wenn-Funktion in Excel vorgesehen. Danach ein Vorstellungsgespräch einer potentiellen Quereinsteigerin sowie den Tag abrundend Stundenplanung.

Gute Laufschuhe · Rosenkohl · Zeit · Schulraummöblierung.

Heute zum ersten Mal mit meinen neuen Mizuno Wave Daichi 4 GTX durch den Nieselregen gelaufen. (Zwischendurch mal einen Blick in die Bräutigamseiche geworfen. Geheimnisvollen Brief aus Bulgarien wieder zurückgesteckt. Ist nicht für mich.) Erfreut festgestellt, dass der Halt auf matschigem Waldboden, glitschigem Lehmuntergrund und Standard-Feld-, Wald- & Wiesenmodder dank der abenteuerlich profilierten Michelin-Sohlen deutlich besser ist als bei den just nach knapp 1000 km Laufens dem Orkus anheimgegebenen vorherigen Schlechtwetterbotten Mizuno Wave Mujin 3 GTX, und zwar sowohl in Vorwärtsrichtung als auch im Falle drohenden seitlichen Abrutschens (das aber erfreulicherweise eben nicht eintrifft) auf unebenen, halb aufgelösten Wegen. – Richtig tolle Schuhe, die mich begeistern, während die Vorgänger nur so okay waren.

Am Wochenende Küchenlateins orientalisches Rosenkohl-Gemüse (mit Kohl und Zwiebeln (statt Schalotten) aus Ernteanteil) gekocht (E-Kind 1 war dankenswerterweise extra aus Marburg angereist, um die Orangenfilets zu fertigen), dazu gab’s Süßkartoffelpürree nach einem Rezept aus unbekannter Quelle (vergessen). Wohlschmeckend.

Über Unterrichtsbesuchen, Vorstellungsgesprächen, immerwährenden Breitbandproblemen, Aktenvernichtung, Stundenplan- und Einsatzfragen, allfälligem Bureaukrams, Unterricht etc. verfliegen Tage. iPads plus Beamer funktionieren tadellos, ärgerlich dabei unterschiedliche Beamergenerationen und -typen mit ebenfalls diversen Fernbedienungen, die immer mal wieder für Fragen bei Kolleg*innen sorgen. Ebenfalls sehr positive Neuerung: Stehpulte für die Lehrkräfte (und in einem Raum zusätzliche Stehtische für Schüler*innen, die sich zwischendurch mal strecken wollen).

Fridays for Future · Korrekturen · Dinesen · Topinambur · SET.

In der Woche immer mal wieder über die Fridays for Future nachgedacht, die ja auch in den Lehrerblogs unterschiedlich aufgenommen wurden. Für uns in der Außenstelle ist das Thema nicht existent, denn unsere Schüler*innen sind Auszubildende – unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht kann sie ihren Ausbildungsplatz kosten.

In anderen Schulen wird das anders sein, weil den Schüler*innen mögliche Konsequenzen nicht so deutlich sind oder diese als nicht so wahrscheinlich, vielleicht auch nicht so bedrohlich wahrgenommen werden. Indem sich Schulleitungen und Lehrkräfte – hierzulande per Brief aus dem Ministerium noch einmal an ihre Pflicht erinnert – Verhältnismäßigkeit wahrend, aber trotzdem eben disziplinierend gegen die Schüler*innen stellen müssen, handeln sie genau so, wie es ihnen von Greta Thunberg und ihren Mitstreiter*innen vorgeworfen wird: die Verhältnisse durchaus erkennend, aber nicht folgerichtig handelnd.

Es wird kritisch, wenn Schüler*innen sich auf Dauer von Ermahnungen nicht vom Schulstreik abhalten lassen, nicht mehr selbstverständlich akzeptieren, dass wir Lehrkräfte ihnen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Die Frage ist, ob Schulen, die ihre Schüler*innen ziehen lassen müssen, nicht eigentlich einen hervorragenden Job gemacht haben, weil die Schüler im Erkennen einer für sie fatalen Entwicklung Prioritäten anders setzen als zuvor.

What would Greta do? ist momentan eine nicht nur für das private Handeln entscheidende Frage, weil die an Gruppenbildung gar nicht interessierte Initiatorin einer größer werdenden Gruppe von meist Gleichaltrigen aus der Kenntnisnahme von Fakten eine moralisch sichere Haltung entwickelt hat, der schwer etwas entgegenzusetzen ist. –

Dieses Wochenende gehörte mal wieder den Korrekturen (Lernfelder 1 und 2 bei den Buchhändler*innen, Politik und EDV bei den Immobilienkaufleuten).

Nur kurz mal aufgetaucht, um bei Herrn Rau, der die Seven Gothic Tales von Isak Dinesen gelesen hat, zu kommentieren:

Habe mir das Buch vor einigen Jahren mal gekauft (und zwar anlässlich des Kopenhagen-Aufenthaltes), weil ich beim Stöbern im Angebot der Folio Society darauf stieß und derzeit keine Übersetzung lieferbar war. Die bislang gelesenen Geschichten (habe erst vier geschafft, wie mein Lesezeichen verrät) haben mich etwas ratlos zurückgelassen. Das Lesen war anstrengend, denn ich habe viele englische Wörter nachschlagen müssen, weil ich sie nicht nur nicht 1:1 übersetzen konnte, sondern sie definitiv noch nie gesehen habe. – Was mich ganz naiv am meisten beeindruckt hat: dass sich jemand in einer Fremdsprache so artikulieren kann, dass tatsächlich Stilähnlichkeiten zu bestimmten Epochen bzw. Erzählweisen erkennbar werden. – Bemerkst Du als Anglist flaws in Dinesens Ausdruck? –

Außerdem habe ich natürlich den obligatorischen Wochenendlauf absolviert.

Sabine hat einen Topinambur-Gratin (aus Ernteanteil) nach einem Rezept aus Hugh Fearnley-Whittingstalls Täglich vegetarisch zubereitet; statt Thymian hat sie Zatar verwendet, dass ich letztens aus dem syrischen Laden mitbrachte, nachdem ich auf irgendeinem der vielen Kochblogs davon gelesen hatte.

Heute nachmittag dann letzte Vorbereitungen für den Schulentwicklungstag morgen, der unter dem Titel »Digitalisierung« steht und bei dem ich einen kleinen Workshop zu Wikis und Blogs leite.

Das iPad und ich.

In unserer Außenstelle haben wir den Beamern in den Klassenzimmern zu Weihnachten AirPlay-Fähigkeiten geschenkt, zudem sind wir Lehrkräfte eingeladen, uns mit den neuen schuleigenen iPads als Arbeits- und Präsentationswerkzeug auseinanderzusetzen.

Meinen echten Computer habe ich auch durch Rumprobieren bedienen gelernt, daher ist das auch mein Plan fürs iPad. Die Experimentierphase mit Gewöhnungsprozess möchte ich durch diesen (und möglicherweise folgende) Artikel begleiten und betone, dass es mir nicht um die grundsätzliche Eignung geht, sondern um die Eignung für mich (bzw. meine Eignung für die iPads; Moderne Zeiten etc.). Ich weiß, dass es eine Menge Kolleg*innen gibt, die mit dem iPad hervorragende Arbeitsergebnisse erzielen.

Als Stadtvertreter hatte ich schon einmal ein iPad (bis iOS 11) zur Ausleihe, dies diente der Stadt in erster Linie dazu, die Sitzungsunterlagen für Ausschüsse und die Stadtvertretung nicht mehr ausdrucken und per Bote in Papierform bringen lassen zu müssen; es sparte insofern Personalstunden, vor allem aber sehr viel Papier. Ich habe neben den Sitzungsunterlagen in der Allris-App beispielsweise Redebeiträge zunächst per Evernote, später per DS Note, andere Dokumente per Dropbox dabei gehabt. Ansonsten habe ich das iPad wenig genutzt; auch die genannten Dokumente habe ich auf meinem MacBook erstellt.

Was ich am iPad sehr schätze, ist die Qualität der Hardware und die Ästhetik der Benutzeroberfläche: hier bin ich aus dem Mac-Bereich an einen Standard gewöhnt, den ich nicht missen möchte. Allerdings handelt es sich gerade im letzteren Fall im Grunde um einen false friend, denn es ist trotz ähnlichen Aussehens vieles grundsätzlich anders, wenn man mit dem Apple-Tablet arbeiten will.

Jörg Kantel, der seit dem Jahr 2000 das Weblog Der Schockwellenreiter betreibt, schrieb 2010:

Das iPad ist […] kein Computer im Sinne einer Universalmaschine mehr, sondern eine Abspielplattform für die Inhalte der Medienkonzerne. Das iPad macht aus dem Two-Way-Web wieder eine Einbahnstraße und zwar eine, für deren Nutzung gezahlt werden muss.

Acht Jahre später gibt es zwar viele Apps, die die Kreativität der Nutzer*innen auf vielfältige Weise befördern. Sie alle aber unterliegen den gesetzten Restriktionen der Plattform: und das ist eine geschlossene. Ist die Hardware geradezu erstaunlich leistungsfähig, bleibt das iPad software-, genauer: betriebssystembedingt im Vergleich zu einem echten Computer so etwas wie Facebook in Bezug auf das Internet: ein walled garden, der die Illusion von Nutzersouveränität erzeugt, wo doch nur in sehr engen Bahnen gestaltet werden kann. Das heißt nicht, dass das iPad ein schlechtes Gerät ist – es heißt nur, dass man sich bewusst sein muss, was möglich ist und was nicht. Wer beispielsweise mit dem Dateisystem eines klassischen Computers nicht zurecht kommt (und das ist in allen Generationen ein erstaunlich großer Anteil an Nutzer*innen), kann mit dem in Anwendungen organisierten System des iPad erleichtert tätig sein. Wer aber am Mac arbeitet, weil dieser einerseits eine schöne und funktionale Oberfläche hat, andererseits aber eben auch ein UNIX-Rechner mit all dessen Möglichkeiten ist, wird am iPad verzweifeln (oder muss ein für allemal akzeptieren, dass das iPad von echten Rechnern so verschieden ist wie die Waschmaschine).

Mit dem iPad neu zu lernen ist die Art der Interaktion. Dabei ist weniger wichtig, ob es der Finger oder der Stift ist, den man nutzt: wichtiger sind die Gesten und App-internen (nach meinem Gefühl nicht immer standardisierten) Befehle, beispielsweise um Multitasking auch auf dem Bildschirm sichtbar werden zu lassen.

Meine Folien erstelle ich in LaTeX, das Produkt sind PDFs, die ich bislang vom MacBook im Vollbildmodus der jeweiligen App (meist Skim) auf den Beamer bringe. Per iCloud oder Dropbox wird die Datei auf das iPad gebracht, wo ich in der Adobe-Reader-App auf dem iPad eine ganze Zeit lang nach einem Menübefehl gesucht habe, der mich die Datei im Vollbildmodus anzeigen lässt. Lange. Sehr lange. Nicht nur ich befürchtete inzwischen, dass ich alle PDFs ins Keynote-Format wandeln müsste (was man ja vielleicht automatisieren könnte, aber andere Nachteile mit sich bringt), um sie im Vollbild zeigen zu können. Mehr oder minder zufällig tippte ich in der Reader-App schließlich auf das Abbild der Folie selbst – schwupp: Vollbild.

Ja, ich hätte es wissen können: in der Foto-App funktioniert es genauso. Mir geht es hier darum, dass der Umgang mit dem iPad vermutlich umso einfacher ist, je weniger man vorher mit Rechnern zu tun hatte: denn was auf welche Weise funktioniert, ist grundsätzlich anders als unter macOS (oder Windows, geschweige denn Linux) und auch nach wie vor noch im Fluss: bestimmte Bedienelemente wurden noch in der vorigen Systemversion durch ein Wischen von unten nach oben aus der Mitte des Screens aufgerufen, nun bedarf es eines Wischens von oben nach unten in der rechten Ecke. Das muss gelernt und geübt werden.

Es gibt ein großes Angebot miteinander konkurrierender Programme für alle möglichen Zwecke, die aber alle eher nicht auf die Nutzung standardisierter nichtproprietärer Speicherformate hin optimiert sind. Zudem möchte jede App für sich eine eigene Hierarchie für die Ordnung der Dokumente erzeugen, was iPad-historisch auf das Fehlen eines sichtbaren Dateisystems zurückzuführen, seit iOS 12 aber nicht mehr notwendig ist. Auch hier zeigt sich der Drang, die Nutzer*innen eher an die eigene App zu binden als einen problemlosen Austausch über App-, Betriebssystem- oder Gerätegrenzen zu gewährleisten. Das missfällt mir, denn im Zweifelsfall kann ich auf dem iPad erarbeitete Inhalte so anderswo nicht (wieder) nutzen.

Völlig neu ist für mich das Nutzen von Handschrift in Apps wie Goodnote, deren Bildschirminhalt dann als Tafelersatz fungieren oder gar erkannt und in gedruckten Text umgewandelt werden kann. Ist die Handschriftenerkennung für das, was ich Druckschrift nenne, noch einigermaßen verlässlich, versagt sie im Falle tatsächlicher Handschrift. Auch das kann persönliche Gründe haben.

Klassenarbeiten, Kriechen, Hoffnung.

Am Wochenende 56 Klassenarbeiten korrigiert. Waren nur so wenige, weil ich 24 schon in der Woche geschafft habe. Einziger Eintrag auf dem Weihnachtswunschzettel: Korrekturautomat. (Aber sollte irgendwann einmal eine Künstliche Intelligenz klug genug werden, um diese Aufgabe ausführen zu können, wird sie sie an Menschen delegieren, weil die Korrekturtätigkeit die Fähigkeiten ihrer Superintelligenz beleidige.) –

Zwischendurch war ich auch einmal laufen:


Aber wer sonst immer nur am Schreibtisch sitzt, dem fällt Bewegung schwer. –

Auf dem Klimagipfel in Katowice wird wieder viel zu wenig Wirksames beschlossen. Wir werden es unter anderem daran feststellen können, dass sich an unserer Art zu leben nichts ändert.

Greta Thunberg hielt dort eine Rede:

Ja, man kann davon ausgehen, dass die Rede bei den Entscheidenden nichts bewirken wird. Ich bewundere Thunberg gleichwohl vorbehaltlos für ihre Souveränität und das, was sie schon jetzt erreicht hat: im Alter von 15 Jahren spricht sie als Umweltaktivistin auf einer internationalen Konferenz. Die meisten Anwesenden werden sie mitleidig und von oben herab beurteilen. Dagegen aber zeigt sie sich bereits immun. Es ist zu hoffen, dass sie viele Fünfzehnjährige (und Ältere! Und Jüngere!) überzeugt, in dieser Sache Sand im Getriebe zu sein, und so Veränderungen bewirkt. Gelbe Westen stehen eher für ein »Weiter so!« Greta Thunberg nicht.

Laufen, Kramp-Karrenbauer, Digitalisierung.

Heute vormittag nach dem Frühstück durch den Regen gelaufen, windig war’s auch, und so mancher Weg von Forstmaschinen so aufgewühlt, dass ich die richtige Abzweigung verpasst habe, mich inmitten von Matsch, querliegenden Baumstämmen und einer Menge Astwerk wiederfand, zwischendurch stolpernd im Modder landete (zum Glück ja weich). All das ziemlich lahm und für einen Wochenendlauf auch eher zu kurz, was der geringen Erholungszeit seit dem letzten Lauf zuzurechnen ist, aber morgen ist keine Zeit zum Laufen, denn wir bereiten mit den Nachbarn das traditionelle gemeinsame Winteressen.

Annegret Kramp-Karrenbauer hat es geschafftdas hatte ich nicht erwartet. Wenn die von Merkel als Generalsekretärin nominierte Kandidatin das Rennen um den Parteivorsitz macht, zeigt es, dass jene ihrer Partei offenbar nicht, wie zuweilen behauptet, davongeeilt ist, sondern dass sich die CDU mit ihr gewandelt hat. Umso erstaunlicher das relativ starke Abschneiden ihres Konkurrenten, der in den letzten Jahren zwar bewiesen hat, dass er für seine eigenen Interessen arbeiten kann, nicht aber, dass er auch nur im Geringsten Kompetenzen besitzt, die im politischen Geschäft von Belang sind. Für die SPD wäre Merz ein deutlicher Antipode gewesen; mit Kramp-Karrenbauer wird sie es schwerer haben (von den selbst gemachten Problemen ganz abgesehen).

In der Schule arbeiten wir an der Fortentwicklung der Digitalisierung: durch die Vorbereitung eines Schulentwicklungstages zum Thema, aber auch durch verbesserte technische Ausstattung in unserer Außenstelle. Wer Lehrkräften vorwirft, sie seien zu unbeweglich und zu unmodern und würden die Digitalisierung deshalb nicht vorantreiben, weiß nicht, welche Bedingungen das Ganze mit beeinflussen – von der Verzögerung bis hin zur Verhinderung. Da spielen sehr unterschiedliche Auslegungen des Datenschutzrechts in unterschiedlichen Ländern eine Rolle, verschiedene Maße an Unterstützung durch Ministerien und Lehrerbildungsinstitute, die durchs Land und durch die Schule beauftragten Dienstleister für EDV-Fragen, die Schulträger (und es gibt Schulen mit mehr als einem Träger, die selbstverständlich auch unterschiedliche Auffassungen über Notwendigkeiten haben können), fehlende nichtpädagogische technische Fachkräfte in der Schule und so fort. Vor diesem Hintergrund sinnvolle Konzepte zu erdenken und auch umzusetzen ist nicht einfach. All das machen Lehrkräfte übrigens nebenbei, weil das Ministerium annimmt, das könnten Schulen selbst am Besten. (Letzteres ist nicht immer so, und manches Mal bräuchte man mehr Möglichkeiten des Rückgriffs auf fertige Lösungen zur Auswahl; andererseits schätzen wir Selbständigkeit, wo sie gegeben ist. Es ist kompliziert.)

Serienbriefe mit KOMA-Script und datatool.

Ein Schulverwaltungszweck hatte mir die Aufgabe beschert, einen Serienbrief an Kolleg*innen zu versenden. Ästhetische Gründe sprachen (wie immer) für die Verwendung von LaTeX. Früher hatte ich für eine ähnliche Aufgabe Nicola Talbots csvtools verwendet; da dies als durch data­tool von derselben Autorin ersetzt gekennzeichnet ist (und außerdem keine Bedingungen à la if … then … kennt), wollte ich letzteres ausprobieren.

Leider wurde stets nur ein einziger Brief statt derer viele erzeugt. Einige Stunden habe ich am Wochenende mit der Suche nach dem Fehler verbracht, hatte wahlweise Excels csv-Export, seine Zeichensatzkonvertierung (wer weiß, was Excel unter UTF-8 versteht) oder die Zeilenendendeklaration in Verdacht (CR? LF? CRLF?). Schließlich habe ich aus purer, tief empfundener Verzweiflung doch nochmal Word angeschmissen und das Ganze dort nachgebaut.

Als das dann lief, konnte ich in Ruhe weiterforschen – getrieben vom für Word/Excel akzeptablen, an TeX-Standards gemessen aber ungenügenden Ergebnis. Den entscheidenden Hinweis (nach vielen weiteren nicht zielführenden) gab mir dann dieser Eintrag auf Stack Exchange: hier wurde ich auf die Umgebung DTLenvforeach (statt DTLforeach) hingewiesen, die in korrekter Verschachtelung mit der letter-Umgebung aus KOMAscript dann so aussieht:

[…]

\usepackage{datatool}
\DTLsetseparator{;}
\DTLloaddb[noheader=false]{adressen}{dbname.csv}


\begin{document}

\begin{DTLenvforeach}{adressen}
{\Name=Name,%
\Vorname=Vorname,%
\Geschlecht=Geschlecht,%
\EMail=EMail,%
\Passwort=Passwort}

[…]


{\begin{letter}{\Vorname\ \Name}
\enlargethispage{4cm}
\opening{\ifstr{\Geschlecht}{w}{Liebe \Vorname,}{Lieber \Vorname,}}

[…]

\closing{\leftline{Mit freundlichem Gruß –}}
\end{letter}}
\end{DTLenvforeach}

[…]


Und schon ist alles wieder schön.