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Gelesen. Arenz.

Ewald Arenz: Alte Sorten. Köln: DuMont, 2019.

Im Grunde die gleiche Geschichte wie in Myers’ Offene See: junger Mensch auf der Suche trifft ältere dezent ungewöhnliche Frau mit einem dunklen Geheimnis. In beiden Fällen hohe Kitschgefahr, aber gut gemacht.

Gelesen. Lemke.

Grit Lemke: Kinder von Hoy. Berlin: Suhrkamp, 2021.

Stand schon länger auf meiner Leseliste – nun aber hat Sophie mich mit ihrem Beitrag an die Lektüre erinnert. Für eine ausführliche Besprechung also bitte dort weiterlesen.

Grit Lemke beschreibt in ihrem Buch das Leben in den Wohnkomplexen von Hoyerswerdas Neustadt aus der Sicht der Kinder von der Konzeption und dem Aufbau in der DDR zur Endzeit derselben – die früheren Kinder sind nun Jugendliche und junge Erwachsene. Thematisiert wird schließlich das Ende der Konzeption mit dem Zusammenbruch der DDR. Das Buch stellt damit den Hintergrund zu Lemkes Dokumentarfilm Gundermann Revier dar.

Was mich erstaunt: die rückhaltlos positive Erinnerung an die Kinderzeit: die subjektiv erlebte Freiheit in staatlicher Gelenktheit, das Aufgehen in der Menge, das immer gemeinsame Tun. Ebenso der Freiraum, den eine entstehende deutlich nonkonformistische vielfältige Kunstszene in den letzten Jahren der DDR in Hoyerswerda offenbar genoss.

Was auch Lemke unerklärlich bleibt: die Entstehung der extremen Rechten und die damit verbundenen Angriffe auf Migrant*innen im Jahr 1991, schließlich auch das Versagen des Staates in der Situation. –

Zum eigentlichen Kern des Buches gibt es auf YouTube weitere Berichte: zum Beispiel Disko, Dada, DDR – Jugend in der Planstadt und die dreiteilige Serie Kindheit in der kinderreichsten Stadt der DDRTeil 1, Teil 2, Teil 3.

Der MDR hat eine Dokumentation erarbeitet: Hoyerswerda ’91: Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung.

Modem World.

Ein Artikel in der New York Review of Books lenkte meine Aufmerksamkeit auf Kevin Driscolls Buch The Modem World – A Prehistoric of Social Media, das für uns Alten, die wir in Mailbox-Netzen groß geworden sind, durchaus interessant zu lesen ist, weil es neben der Darstellung technischer Voraussetzungen und Entwicklungen immer auch auf die Nutzer*innen fokussiert und ihren Wunsch nach Austausch und Kommunikation zeigt.

Da die Gegebenheiten hierzulande doch deutlich anders waren (und alle Erscheinungen mit einigen Jahren Verspätung ankamen), wäre ein Titel auf ähnlichem Niveau für den deutschsprachigen Raum sehr wünschenswert. –

Auf der Website von The Well – hervorgegangen aus einer der größten BBS – wird die Teilnahme an der Diskussion mit dem Autor angeboten.

Gelesen. Draesner.

Ulrike Draesner: Schwitters. München: Penguin, 2020.

Hm. Seltsames Format, so eine Romanbiographie. Und seltsame Schwerpunktsetzung: Schilderung beginnt erst 1936, kurz vor der Flucht Schwitters’ vor den Nazis; alles Vorherige wird nur rückblickend sehr verkürzt dargestellt, die letzten Lebensjahre nehmen dafür unverhältnismäßig viel Platz ein. – Sprachlich nicht uninteressant.

Hm.

Gelesen. Dickens.

Charles Dickens: Bleak House. Übertragen von Richard Zoozmann. Frankfurt am Main: Insel, 2002.

Gleich auf den ersten Seiten wird der bereits lange Jahre dauernde Rechtsstreit »Jarndyce und Jarndyce« eingeführt, mit dessen schemenhafter, nie zu konkreter Darstellung Dickens das britische Rechtswesen und die von diesem Lebenden satirisch kritisiert. Wenn dann die Protagonistin Esther Summerson – scheinbar Waise – aus emotional bedrückenden Verhältnissen in das Haus (das titelgebende Bleak House) ihres Vormunds namens Jarndyce aufgenommen wird, ist noch nicht klar, was er dabei im Schilde führt. Dass Jarndyce jedoch stets nur gut & verständnisvoll sein kann (wenn auch seine Emotionalität, die sich in wechselnden Windrichtungen ausdrückt und zu Beginn zu äußerster Vorsicht in der Kommunikation führt, anfangs betont wird), zeigt sich auch in der Verantwortungsübernahme für zwei weitere Mündel, Richard und Ada. Im Laufe des Buches gewinnen letztere sich lieb, was Esther mütterlich begleitet. Richard aber verliert sich, während er unterschiedliche Ausbildungen und Stellungen für sich ausprobiert, immer stärker in den Sog des Gerichtsprozesses, von dem er sich, wenn er denn erst entschieden sein wird, eine große Erbschaft verspricht. »Jarndyce und Jarndyce« ist damit Anlass für den Verfall Richards und für das Unglück der Richard bis zum Schluss liebenden Ada. Esther hingegen brilliert in ihrer bescheidenen Großartigkeit, lernt Wichtiges über ihre Herkunft und wird Herrin auf Bleak House – wenn auch anders als gedacht.

Nicht ohne Grund verweist Marius in seiner Besprechung auf die interessanten Nebenfiguren – neben den von ihnen genannten beispielsweise noch der aufrechte ehemalige Soldat Mr. George, der dabei scheitert, im Zivilleben Fuß zu fassen, Mrs. Pardiggle, die ihre Kinder ihr Taschengeld aus freien Stücken für gute Zwecke spenden lässt, Mrs. Jellyby, die aus der Ferne Gutes für Afrika tut, darüber aber ihre eigene Haushaltung vernachlässigt, und viele mehr.

Ein Zitat von Maja Göpel …

…, nämlich »Alle Menschen, die ich kenne, wünschen sich Liebe, Frieden, die Überwindung von Armut und eine schöne und sichere Umwelt. Warum also machen wir das dann nicht einfach?« (S. 19 in ihrem Buch Unsere Welt neu denken), war für einige meiner Schüler*innen einer der Ausgangspunkte für einen philosophischen Essay.

Herr Rau hat von der re:publica einige Videotips mitgebracht, und Maja Göpels Vortrag ist ein guter.

Gelesen. Mann.

Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil. Frankfurt am Main: S. Fischer 1985.

Gelesen. Kesten.

Hermann Kesten: Josef sucht die Freiheit. Göttingen: Steidl, 1999.

Von der Entstehungszeit her ebenfalls der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen, stilistisch aber deutlich elaborierter und mit mehr Witz als Kästners Fabian, unsere derzeitige Korridorlektüre. – Gefällt.