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Buchhändlerblog II.

... und noch eins: das der Fachbuchhandlung Lehmanns.

Wenn ich Spaghetti brauche, kaufe ich Spaghetti. Bei Büchern ist das anders: zwar brauche ich sie grundsätzlich auch, jedoch ist meine Vorratskammer so gut gefüllt, dass ich problemlos mehrere Monate ohne Nachschub existieren könnte.

Individuell geprägte Empfehlungen aus unterschiedlichsten Quellen können dieser an sich vernünftigen asketischen Seinsart jedoch ruckzuck den Garaus machen und ich erwerbe doch wieder ein Buch, zu dem eine Empfehlung mir den Weg bereitete: jede Buchhandlung wäre gut beraten, lüde sie ihre Kunden dergestalt ein zum Kauf und zum Dialog.

Ein Vorteil des Internetkaufhauses (inkl. -buchhandlung) Amazon sind die vielen Kundenrezensionen, auch, weil sie mehr oder minder ungefiltert persönliche Meinungen über Bücher vorstellen, die nicht zwangsläufig objektiven Wert haben müssen, jedoch einen Zugang zu dem mir zunächst ja vollkommen fremden Buch bieten. Eine normale Sortimentsbuchhandlung kann über ein Weblogsystem zur Kommentierung ihrer Empfehlungen einladen und schafft so möglicherweise einen virtuellen (fach-) literarischen Zirkel.

Die in Kundenrezensionen übliche begrenzte Objektivität ist auch der Vorteil des Weblogs an sich: einer Veröffentlichungsform, die die je eigene Sicht auf Welt darstellt – ohne Anspruch auf Gültigkeit über gewisse Grenzen hinweg.

Buch und Blog zusammenzubringen kann jeder schreibfähigen Buchhändlerin mit Mut zum Urteil gelingen. Es kann ein Baustein in einer Strategie gegen größere und/oder überregional tätige Mitbewerber sein.

(In Kürze stelle ich die Homepage unserer Schule auf ein hinter den Kulissen werkelndes Weblogsystem (vemutlich Serendipity (irgendwelche Einwände ob dieser Wahl? – Ggf. bitte in die Kommentare damit!)) um; ich brauche dann wohl auch ein Übungsblog für künftige Buchhändlerinnen und Buchhändler – das schon bestehende Wiki hat andere Funktionen.)

Gelesen.

Austin Mitchelson und Nicholas Utechin: Sherlock Holmes: Die Erdbebenmaschine. München: Xenos, 1977.

»Fanfiction« würde man diese Art von Literatur heute wohl nennen: neue Geschichten um alte Helden.

Gelesen.

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Axel Brauns: Kraniche und Klopfer. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2004.

Die Geschichte eines kleinen Mädchens – zu Beginn gerade eingeschult –, Adina, die in einer von der Mutter zunehmend vermüllten Wohnung voller »Das will ich mir noch angucken«, »Das kann man doch nicht wegwerfen« und »O ist das wichtig« leben muss, begleitend eingeschärft bekommt, diesen Zustand – außen die smarte Fassade der Geschäftsfrau, innen das Scheitern am Alltag – so gut es geht zu verheimlichen.

Hierzu gehört, dass sich das Mädchen vor den »Klopfern« in Acht zu nehmen hat: vor den normalen Menschen, die nicht ahnen dürfen, dass es zu Hause bei Adina nicht so aussieht wie anderswo, sondern dass sie sich erst über Kistenberge einen Weg ins Kinderzimmer bahnen muss.

Irgendwann wandeln sich diese Berge vom Abenteuerspielplatz zur tödlichen Gefahr und Adina verliert ihren letzten Vertrauten. In der Folge schottet sie sich noch mehr ab, entwickelt Schuldgefühle, verfestigt nolens volens ihren Außenseiterstatus ...

Ein beeindruckendes Buch von einem beeindruckenden Axel Brauns.

Buch bei Amazon angucken.

Gelesen.

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Arno Geiger: Es geht uns gut. München: Hanser, 2005.

Wenn Arno Geiger die Familiengeschichte des Protagonisten bis in die Dreißiger Jahre hinein episodenhaft nachvollzieht, gelingt das teilweise sehr gut – teilweise aber auch wenig überzeugend. Einzelne Konstellationen von Figuren sind überzeugend, die Charaktere in bestimmten Situationen hervorragend erfasst – insgesamt aber fügt sich das Ganze nicht in einen Roman einer Familie, sondern eher in eine Erzählungssammlung, von denen einige gelungen sind, andere aber schal bleiben.

Insgesamt nicht wirklich überzeugend.

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Korrekturen und wie man damit umgeht II.

Lila verweist auf das System der Rubrics, um Korrekturen zumindest einfacher und gleichzeitig transparenter zu gestalten.

Ähnliches praktiziere ich auf Anregung meiner damaligen Ausbilderin Almut Hoppe schon seit Beginn meiner Lehrerzeit, weil es nicht nur für die S sehr detaillierte Rückmeldungen ermöglicht, sondern auch für mich selbst ein willkommenes Mittel zur Eigenkontrolle ist.

Ein Beispiel eines solchen Korrekturbogens, den die S mit Ihrer korrigierten Arbeit zurückbekommen, ist hier herunterzuladen – zusammen mit der Klausuraufgabe.

Vergleichbares ist vereinfacht – nämlich in einer Ankreuzskala – auch für Referate denkbar. Hier ein Beurteilungsbogen für ein Gruppenreferat.

Korrekturen und wie man damit umgeht.

Die Kaltmamsell denkt bezüglich der Korrekturbelastung von Lehrerinnen und Lehrern über das Outsourcen von Korrekturaufgaben nach.

Wunderbarer Vorschlag, würde ich gern tun – allein, es ist (wie in der Diskussion ja auch deutlich wird) rechtlich nicht möglich. Abgesehen davon jedoch auch finanziell nicht:

Nehmen wir an, die Korrektur eines einzelnen Deutschaufsatzes dauert eine halbe Stunde (es gibt Aufsätze, für die ich länger brauche). Habe ich einen kleinen Deutsch-Grundkurs, sind das 20 S, also 10 Stunden reines Korrigieren, zuzüglich nochmaliges Vergleichen etc., Notenfindung, Abwägen usw.

Schlägt Frau Kaltmamsell nun vor, dass der outgesourcte Korrektor einen Pauschallohn von (ich nehme mal den Höchstfall an) 100 EUR bekommt, bedeutet das einen Stundenlohn von unter 10 EUR. Ich bezweifle, dass ich für diesen Preis eine qualifizierte Kraft bekomme (nein, Korrigieren ist nicht so eben mal schnell so'n bisschen da & dort 'rumstreichen).

Outsourcen ließe sich aus verschiedenen Gründen allenfalls eine kleine Erstkorrektur, beispielsweise das Markieren aller Rechtschreibfehler. Diese ist zwar zeitraubend, aber nur ein Bereich innerhalb des Elementarbereiches, der wiederum nur eines von vier Bewertungsfeldern (Inhalt, Aufbau, Sprache und Elementarbereich) ist, in denen ein Deutschaufsatz bewertet werden muss. Und dafür sollte jemand 100 EUR zahlen?

Bei Gelegenheit hatte ich darauf hingewiesen, dass gerade mal wieder eine Zeit des Klausurenstaus gekommen war: acht zu korrigierende Arbeiten binnen 4 Wochen. Die würden dann also 400 bis 800 EUR kosten. In ruhigen Monaten wären also vielleicht mal 100 bis 200, in üblen Monaten 400 bis 800 EUR fällig, die der Lehrer zu zahlen hätte. – Wovon? (Nein, wir L verdienen nicht nichts – aber auch nicht so viel, dass man nebenbei noch eine weitere Arbeitskraft finanzieren könnte.)

Wenn es Interesse an guter Bildungsarbeit gibt, heißt das, dass auch die Korrekturarbeiten auf hohem Niveau erfolgen müssen und daher nicht von Praktikanten erledigt werden können. Es müssen für den zukünftigen Unterricht nutzbare Ergebnisse vom Korrektor an den L übergeben werden. Das wäre nicht möglich zwischen Tür & Angel, sondern erforderte ein genaues Berichtswesen. Klingt kompliziert – und letztlich teuer. Wenn ein Outsourcing angedacht wäre, müsste der Arbeitgeber (die Länder) für die Leistungen aufkommen. Dies ist angesichts klammer Länderfinanzen ausgeschlossen.