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Urheberrecht und Gemeininteresse.

Michael Menard, Geschäftsführer des Börsenvereins Region Nord, hat sich im Börsenblatt zur Urheberrechtsdebatte geäußert und dabei festgestellt, dass die Argumente der Büchhändler heute die selben (und auch genauso gültig) seien wir vor fast zweihundert Jahren.

Grundsätzlich hat er Recht – gleichwohl gibt es Bereiche, in denen der Nutzen der Allgemeinheit zumindest mitbedacht werden muss: niemand wird fordern, dass ein Buchhandelskunde vom just gekauften Bestseller gewerblich Kopien verkaufen darf. Wohl aber muss gewährleistet sein, dass Lehrer ihren Schülerinnen und Schülern beispielsweise im Unterricht Teile aus Werken in Kopie zur Verfügung stellen können. Ob diese Kopien dabei Papierform haben oder digital verteilt werden, muss unerheblich sein. Hier geht Gemeinnutz vor Eigennutz. Inwiefern die Verlage (und damit auch die Autoren) hierfür pauschalisierte Vergütungen erhalten, muss zwischen Staat und Buchbranche ausgehandelt werden, es darf die Unterrichtspraxis (in der die künftigen Kunden ausgebildet werden) nicht tangieren – auch wenn diese medial unterstützt wird.

Dass nebenbei auch die Forderung nach ganz freiem Zugang zu Quellen beispielsweise der Forschung auftaucht, hat indes seinen Grund nicht in erster Linie in einer "Geiz ist geil"-Mentalität, sondern in exorbitanten, nicht zu rechtfertigenden Preisen bestimmter Fachliteratur, die mit der Knappheit der Ressource bzw. der Abhängigkeit der Forschung von derlei Publikationen wuchert. (Hierzu weiteres im Open Access-Artikel.)

Die besten Buchhändler der Welt …

… sollen sie natürlich werden, die Auszubildenden im Buchhandel, denen ich einen Teil ihrer speziellen Betriebslehre nahezubringen suche.

Was zählt dazu?: zum Beispiel (Ergänzungen gern in die Kommentare)
  • Offenheit, Aufgeschlossenheit und Interesse,

  • Fähigkeit zur Differenzierung,

  • Bewusstheit der ökonomischen Funktion des Handelns,

  • Freude am Umgang mit dem Kunden, aber eben auch

  • Wissen – über Fachkundliches und über möglichst viele Gebiete, die in einer Buchhandlung eventuell gefragt sein könnten.

Wenn sie dann in der Berufsschule, wie der Lehrplan sagt, »weitere Warengruppen erschließen« sollen, müssen diejenigen unter ihnen, die in kleinen Sortimenten arbeiten, viel lernen. Am Beispiel der Warengruppe EDV ist dies zu erkennen: der Merkzettel ist umfangreich – wer aber in einer Fachbuchhandlung arbeitet, weiß, dass die genannten Themen nur die allerwichtigsten sind.

Hausaufgaben per E-Mail.

Von Zeit zu Zeit gebe ich Hausaufgaben, die per E-Mail abgegeben werden sollen. Im Fach Philosophie geht es im 12. Jahrgang zum Beispiel um die Unzuverlässigkeit unserer Erfahrung und die Selbstverständlichkeit, mit der wir unser Bild von Welt als absolut hinnehmen.

Die S lesen also beispielsweise einen Text von Bertrand Russell (Auszug über das Sehen eines Tisches in Probleme der Philosophie), die anschließende Frage (»Beschreiben Sie in mindestens einem, höchstens zwei Sätzen das Prinzip der Wahrnehmung von Dingen, wie Sie es erfahren haben und wie Russell es beschreibt.«) knüpft einerseits an die vorhergehende Unterrichtsphase (Optische Illusionen) an, erschließt andererseits bereits den Text Russells. Sie sollte diese Unterrichtsstunde beenden (Hausaufgaben sind besonders dann langweilig, wenn sie immer der Übung dienen; auch das Weiterdenken sollte erlaubt sein).

Die Antworten werden per E-Mail an mich geschickt, ich stelle sie dann zu einem Arbeitsblatt zusammen. Die S bekommen den Auftrag, in Gruppen in Einzelarbeit bestimmte Texte zu lesen, Markierungen vorzunehmen und Randnotizen anzufertigen und die Texte im Gruppengespräch im Hinblick auf die Erfassung des Problems und der Güte der Antwort zu beurteilen.

Ein (anonymisierter) Beispielbogen liegt hier. (Im Unterricht habe ich die Texte mit den Namen der Verfasser versehen; diese Praxis kann natürlich je nach Klasse und Einsatzzweck überdacht werden.) Er zeigt deutlich die Bereitschaft der S, sich auf das Thema einzulassen. Die quantitative Einschränkung auf zwei Sätze wird nicht immer ernst genommen, meist stellt sie aber die größte Herausforderung dar.

Gemeinsam verdeutlich werden kann für jeden einzelnen Text, wo Stärken und Schwächen liegen - einzelne Formulierungen, Erfassung des Problems etc. Anders als in Besprechungen nach einer Klausur steht hier nicht die Notengebung im Vordergrund, sondern die am Detail herauszuarbeitende Verbesserungsmöglichkeit. Idealerweise sollten die Verbesserungsvorschläge zumindest in der Mehrheit von den S kommen, die damit gleichzeitig unter Beweis stellen, dass sie den Kern des Problems erfasst haben.

Große Koalition: bitte nach Hause gehen II.

Erst Ronald Pofalla, der Peter Hintze Angela Merkels, dann Peer Steinbrück: es ist eine große Koalition der kalkulierten Frechheit, die zu siegen hofft. Man könnte lachen, wenn es nicht so tragisch wäre.

Es gibt Alte, die solcherlei Meldungen morgens in der Zeitung lesen und aus Fassungslosigkeit ob dieser kaltschnäuzigen Dummdreistigkeiten weinen.

||: Große Koalition ist so, wie sie derzeit geübt wird, die schlechteste der politischen Alternativen. Es wäre allerhöchste Zeit, dieses Experiment zu beenden. :||

[Update 220806:] Der Schockwellenreiter verweist auf einen Bericht, nach dem diese Aussage die SPD 650 Genossen gekostet habe. Wer zuviele Mitglieder hat, vertreibt eben ein paar ...

Kinderhaus VI.

Auf den vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame sind hier nun zwei neue Fotos unseres Kinderhauses zu sehen: nachdem wir zunächst ein provisorisches Flachdach eingezogen hatten, das sich aber nicht bewährt hat, haben wir nun ein vernünftiges Dach auf das Häuschen gesetzt (ja, es ist asymmetrisch).

Es fehlen noch:
  • die Farbe im Giebelbereich

  • die Abschlussleisten zwischen Giebelwand und Dachvorstand

  • ein Fenster für die Tür

  • zwei Fischbänder (ein Fenster ist schon mithilfe inzwischen organisierter Fischbänder befestigt worden)

  • die Zierleisten und die Dichtungen um die Fenster


Hier sind die alten Beiträge: Kinderhaus Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V.


Gelesen.

Frank Schätzing: Der Schwarm. Frankfurt am Main: Fischer TB, 2006.

Etwa die erste Hälfte gefiel mir gut: Schwerpunkte liegen auf der Entfaltung eines Plots, der von seiner Idee her originell ist und sehr überzeugend aufgebaut wird, sowie auf der Wissensvermittlung, um das Geschehen auch als Nicht-Naturwissenschaftler verstehen zu können. Je weiter jedoch die Geschichte voranschreitet, desto klischeehafter bewegt sie sich in das durch das Schielen des Autors Richtung Hollywood vorgegebene Schema immergleicher Thrillerabläufe. Dass die Figuren dabei explizit immer wieder auf die Ähnlichkeit des Geschehens zu aus Filmen bekannten Topoi hinweisen, befreit Schätzing nicht vom Vorwurf der gekonnten Montage aus der Musterkiste. Gekonnt aber ist es: ein gutes Statt-Spielfilm-Buch.

Zwei wichtige Bestseller – Sakrileg und Der Schwarm – habe ich mir jetzt mal angesehen. Es gewinnt: Schätzing.

Buch bei Amazon angucken.

Sachbücher.

Bei der Vorbereitung für das Buchhändler-Lernfeld "Weitere Warengruppen erschließen" bin ich auf das Forschungsprojekt „Das populäre deutschsprachige Sachbuch im 20. Jahrhundert“ gestoßen. Neben einer umfangreichen Datenbank finden sich dort auch programmatische Arbeitsblätter für die Sachbuchforschung sowie eine kleine Geschichte des Sachbuchs.

Salbader.

»[...] Wache auf wegen Bauchschmerzen. Schlimme Bauchschmerzen. So ein Drücken. Stoßartiges Drücken. Mal links, mal rechts, mal in der Mitte. Kaum auszuhalten. Denke, wenn das noch schlimmer wird, muss ich was dagegen tun. Womöglich aufstehen oder so. Die Aussicht macht mich müde. Schaue an mir runter und sehe mein Kind auf meinem Bauch herumhüpfen. Das Kind sagt, ich soll aufstehen. Kommen sonst zu spät in den Kinderladen. [...]« (Horst Evers)

Es ist allerhöchste Zeit, mal wieder auf den Salbader (und die Möglichkeit des Abonnements desselben) hinzuweisen.