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Sparen an Bildung.

Die Telepolis schreibt über Bildungspolitik mit dem Rotstift.

Seit Jahren schon ist jede Veränderung im früheren Einflussbereich der Kultusministerien nicht mehr durch pädagogische Einsicht, sondern durch den Finanzminister quasi nebenbei bestimmt worden. Dass dies Schülern, Lehrer und dem Schulsystem insgesamt nur schaden kann, stört kaum jemanden, schon gar nicht die politisch Verantwortlichen.

Bedingungsloses Grundeinkommen.

Bei Lisa entdeckt: die Seiten zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE; die FAQ gibt's hier).

(Nein, ich weiß nicht, ob es funktioniert. Aber die Entwicklung der letzten Jahrzente zeigt, dass es mit einem steten "Weiter so!" auch nicht geht. Und die Argumente der Befürworter eines BGE scheinen mir mindestens so schlüssig wie die derjenigen, die nochmals Löhne und Unternehmenssteuern senken sowie soziale Leistungen abbauen wollen und bei alledem auch immer noch das Lied von der Vollbeschäftigung singen, die komme, sobald der potentielle Arbeitnehmer sich nur angemessen angepasst habe ... kaum ein Argument ist stärker als die Realität.)

Wendland.

Als wir letztens auf der Rückfahrt von Freunden durchs Wendland kamen, wunderten sich die Kinder, was diese großen Kreuze da in der Landschaft sollten, und wir erklärten es ihnen.

Das wirklich Eigentümliche und Besondere daran allerdings ist schwierig erklärbar, nämlich, wie es sich tatsächlich verhält mit den Castor-Behältern und dem Zwischenlager und warum es häufig nicht gewusst wird. Dankenswerterweise hat das Qualitätsblog es aufgeschrieben. Zum (gern auch wiederholten) Nachlesen für uns Nicht-Wendländer.

(Wer's gern literarisch hätte, liest den von Quality auch referenzierten Artikel von Andreas Maier.)

Gelesen.

Christa Wolf: Medea. Stimmen. München: dtv, 2004.

Nein, Christa Wolfs Bücher mochte ich nur selten: sie schienen mir zu gewollt bedeutsam, ihr Ton sprach mich nicht an. Es waren zu sehr Bücher einer Zeit, in der zwischen den Zeilen gelesen werden wollte, in der Autoren dieses Bedürfnis erfüllten, indem sie dunkel raunten. – Unfair? Klar, aber ein paar Vorurteile darf man pflegen.

Da ich nun heute noch eine Fortbildung zum künftigen Zentralabitur besuchen werden, in dem das Buch eine der Pflichtlektüren darstellt, bin ich gestern mit wenig Begeisterung ans Lesen gegangen. Was soll ich sagen?: es ist ein großes Buch, ein wirklich Gutes. Es geht um den Wert des Einzelnen in der Gesellschaft, die Zumutungen des Machtgeschäfts, die Macht der vermeintlich stillen Masse, Ehrlichkeit, Hellsichtigkeit, die hier wörtlich verstandene Leiche im Keller – und das alles vor dem Hintergrund des hier gründlich gewendeten Medea-Mythos. Es ist ein Schauerroman und Politkrimi, eine Darstellung der Funktion des Außenseiters gegenüber den Etablierten, ein schmerzlich deutliches Buch. – Lesen!

Buch bei Amazon angucken.

WKK: Klavierunterricht.

Gebührenbescheid der Musikschule des Kreises Ostholstein: 315 € pro Quartal (zwei Kinder, je einmal wöchentlich eine halbe Stunde).

[Update 25.11.2006: Um's vielleicht noch einmal deutlich zu machen: mir geht es hier nicht darum, das Einkommen von Musiklehrerinnen zu kürzen. WKK bezieht sich auf das Vatertagebuch von Klaus Modick, in dem ebenfalls derlei Einträge getätigt werden, um zu verdeutlichen, welche Kosten entstehen, wenn man Kinder aufzieht (letzte Woche zum Beispiel: einmal rabaukentaugliche (i. e. wind-, wasser- und schneedichte) Winterstiefel - 75 EUR). Eher gedacht zur Information für Kinderlose, die sich immer mal wieder wundern, dass Eltern seltener aus Langeweile samstags shoppen gehen und mit noch einem unnötigen elektronischen Gimmick oder noch einer unnötigen Handtasche für ein paar hundert Euro nach Hause kommen, und als Beleg dafür, dass das Kindergeld nicht zur Polsterung umfangreicher Aktienportfolios genutzt wird.]

Beispielinterpretation im Deutschunterricht.

Für die S des 11. Jahrgangs habe ich eine Beispielinterpretation (zum Kapitel „Fahnen“ in Horváths Jugend ohne Gott) nach einem vorher besprochenen Muster aus einem Schulbuch geschrieben.

(Ausgangspunkt war eine HA, in der genau das von den S verlangt wurde. In einer Schreibkonferenz haben die S dann in Dreier- und Vierergruppen ihre Arbeiten verglichen, mithilfe eines sich genau am Muster orientierenden Korrekturbogens ihren MitS Rückmeldung gegeben sowie hervorragende S-Arbeiten verlesen. Ganz zum Schluss habe ich die Beispielinterpretation verteilt. – Ich stelle immer wieder fest, dass S erstaunt sind, wenn L genau dieselben HA wie sie selbst auch erledigen.)

Lesen 2.0?

Der Lehrerfreund verweist auf den ZAP Reader, ein online verfügbares Werkzeug, das per URI oder Kopieren aus der Zwischenablage angegebene Texte Wort für Wort einblendet und so – da Saccaden, die sprunghaften Blickbewegungen zwischen einzelnen Fixationen beim veralteten Lesen 1.0, wegfallen – eine erhöhte Leseleistung verspricht.

Der Selbstversuch zeigt, dass dies nicht möglich ist: der geübte Leser wird immer mehr als nur ein einzelnes Wort erfassen; so wie er nicht mehr analytisch jeden einzelnen Buchstaben wahrnimmt, um die zu einem Wort gehörigen zu synthetisieren, sondern stattdessen das ganze Wort erkennt, liest er auch nicht jedes einzelne Wort, sondern nimmt einen größeren Zusammenhang wahr, aus dem der Sinn erschlossen wird. Diese Beschleunigung ist durch das genannte Tool schlicht nicht aufzuholen.

Beim Überfliegen von Texten ist dies besonders deutlich, dass dies aber auch für andere – zum Beispiel einfache belletristische Texte – gilt, zeigt ein einfacher Versuch mit widerständigen, zum Beispiel wissenschaftlichen oder schwierigeren literarischen Texten, in denen in der Tat zuweilen Wort für Wort, zuweilen auch gegen die Leserichtung zurückgesprungen und wiederholt gelesen werden muss.

Lesen ist nicht maschinelle Wortverarbeitung, sondern ein komplexer Vorgang, der nur durch tägliche Übung beschleunigt werden kann: wird sind eben nicht Lt. Cmdr. Data, der auf dem Bildschirm dargestellte Texte scannt und in immer gleichbleibender Geschwindigkeit verarbeitet, sondern analog Zusammenhänge erfassende und potentiell chaotisch lesende sinnverstehende und -gebende Menschen.

Gelesen.

Sue Townsend: Adrian Mole and the Weapons of Mass Destruction. London: Penguin, 2005.

Vor etwa zwanzig Jahren las ich in Cambridge das erste Buch der Adrian-Mole-Serie. Auch das neueste, das – neben vielen neuen privaten Verstrickungen des Protagonisten – den Krieg Bushs und Blairs gegen den Irak begeitet, ist ein getreuliches Spiegelbild britischen Lebens dieser Tage. Voller Witz und gleichwohl von großer Ernsthaftigkeit: Sue Townsend gelingt auch mit diesem Buch etwas Besonderes.

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Mehr über das Buch zum Beispiel hier.