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Gelesen: Auster.

Paul Auster: Im Land der letzten Dinge. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 1992.

Gelesen: Izzo.

Izzo-CoverJean-Claude Izzo: Die Marseille-Trilogie. Zürich: Unionsverlag, 2007.

So farbig die Stadt Marseille in den drei zur Marseille-Trilogie zusammengefassten Kriminalromanen Total Cheops, Chourmo und Solea auch gezeichnet wird - die Romane an sich sind noir von der ersten bis zur letzten Zeile: noch jede Hoffnung wird im Keim erstickt, Gewalt und Verbrechen werden ungeschönt gezeigt, allein der Ermittler Fabio Montale steht noch gegen einen Verfall der Welt, die Marseille ist.

Es sind Krimis, die nach Mitternacht gezeigten illusionslosen französischen Filmen entsprechen, der grantige Belmondo dürfte ebenso eine Rolle spielen wie Alain Delon. Wer das mag, darüber hinaus aber auch noch einen Blick in die Gesellschaft Marseilles als – wie es sinngemäß im Buch gesagt wird – Außenposten Afrikas in Europa werfen will, wer neugierig ist auf eine für die meisten fremde Welt, wird Gefallen finden an den auch formal kantigen Krimis Izzos.

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Zu tun.

In den Sommerferien nach dem Urlaub dringend ansehen, falls noch Geld übrig ist: Anselm Lingnaus neue LaTeX Hacks bei O'Reilly.

Kanondiskussion und literarische Wertung.

Im Lehrplan (PDF) für die Auszubildenden im Buchhandel wird im Lernfeld 7 gefordert, die Schülerinnen und Schüler sollten nach der Behandlung des Themas im Unterricht »Kriterien zur Beurteilung von Literatur und die Problematik ihrer Anwendung« kennen.

Das hoffe ich auch immer, und so habe ich für diesen Durchgang als Merkhilfe eine kommentierte Literaturliste »Literatur beurteilen und die Kanondiskussion« zusammengestellt, die vielleicht auch dem einen oder der anderen außerhalb unserer Schule von Nutzen sein kann.

Sie ist hier herunterzuladen.

Epiphanie.

Der Achtjährige, der, noch allein an der Schulbushaltestelle, hastig und scheu nach allen Seiten sichernd seinen sichtlich durch viele Geschwisterhände gegangenen rosa Anorak in den Ranzen stopft, danach im T-Shirt in der kühlen Morgenwitterung fröstelt.

Noch.

Im Newsfeedreader »Polizei nimmt 200 Oppositionelle fest« lesen. Es im ersten Moment für eine selbstverständliche Entwicklung halten, da die Terroristen vor Heiligendamm stehen.

Dann war es aber doch nur Simbabwe.

My Generation.

Hier in der Provinz (und in einer landschaftlich etc. so reizvollen wie der ostholsteinischen allzumal) droht wegen des freudigen Zuzugs von Rentnern aus Castrop-Rauxel oder Wanne-Eickel und halsüberkopfer Flucht junger Menschen nach Berlin oder New York mittelfristig die Gefahr des überproportionalen Anstiegs des älteren Bevölkerungsanteils – »Gefahr« deshalb, weil Alter assoziativ gemeinhin mit gedanklicher Vergreisung und gesellschaftlichem Stillstand verbunden wird.

Der Schockwellenreiter indes hat noch ein Gegenprogramm aufgetan – The Zimmers mit My Generation:



(Einmal aufs Bild klicken, dann kommt's.)

Gelesen. Waltari.

Mika Waltari: Sinuhe der Ägypter. Zürich: Schweizer Verlagshaus, 1954.

Waltaris Roman wird erzählt aus der Sicht des Arztes (und späteren königlichen Schädelbohrers) Sinuhe, der im reichen Ägypten Amenophis III. aufwächst und nach dessen Tod den durch religiöse und soziale Neuerungen bedingten Verfall der alten Ordnung miterlebt. Angestoßen werden diese Neuerungen von Amenophis IV., der sich in Verehrung des von ihm geschauten Gottes Aton Echnaton nennt, alle alten Götter verbieten lässt, das vormalige Zentrum Ägyptens, Theben, verlässt, Frieden befiehlt und eine Gottesstadt gründet. Allerdings droht von allen Seiten Ungemach: sowohl von innen, wo machthungrige Verwandte an des Pharaos Doppelkrone rühren, als auch von außen, wo Hethiter und andere die Grenzen des Reiches bedrohen.

Sinuhe erlebt dies alles – zum Teil aus nächster Nähe – mit, reist lange aus wissenschaftlichem Interesse, aber auch als Agent seines Freundes Haremhab durch die angrenzenden Länder bis nach Kreta, wo er den Kult um den Minotaurus miterlebt, und schwankt zwischen abgeklärter Schau auf die Wirren der Menschheit und tragischen Fehltritten.

Was mich beeindruckt hat, ist das wohl weitgehend stimmige Bild der Zeit, das, anders als in heutigen historischen Romanen, in großer Ruhe ausgebreitet wird, ohne dass spektakuläre Geschehnisse in aufgeblasener Drastik erzählt würden. Auf den in meiner Ausgabe 600 Seiten des Romans geschieht vielerlei, doch es wird vom Protagonisten auch immer reflexiv verarbeitet, kommentiert, hinterfragt.

Ergänzend sollte man gerne lesen Jan Assmanns Moses der Ägypter, in dem es nicht in erster Linie um die im Titel angedeutete These geht, sondern um die »Gedächtnisgeschichte« (Assmann) der Initiierung und Tradierung des Mythos der bösen Götzen- bzw. Heidenreligionen sowie Ägyptens als Hort dieses Übels im Gegensatz zum guten Monotheismus, der die Innovation Echnatons war.

Sinuhe der Ägypter bei Amazon angucken. (Nein, die Siebziger-Jahre-Aufmachung durch Lübbe hat das Buch nicht verdient.)