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Wuwl: Wahlen 2008.

Die Kommunalwahl 2008 in Schleswig-Holstein steht bevor. Für uns hier in der holsteinischen Provinz heißt das zum Beispiel, dass der Kreistag sowie die Stadtvertretung neu gewählt wird. Gleichzeitig wird ein neuer Bürgermeister gewählt oder der bisherige in seinem Amt bestätigt.

In Eutin hat die CDU bei der letzten Wahl, 2003, die absolute Mehrheit der Mandate bekommen. Seitdem hat sie stoisch Politik zu fragwürdigem Nutzen betrieben, verdiente Ehrenamtliche vor den Kopf gestoßen, dem Stadtmarketing Eutins die finanzielle Grundlage entzogen, sich in der Schulpolitik gegen eine Mehrheit der Lehrer, Schüler und Eltern gestellt, Kinder und Eltern um einen großen Spielplatz betrogen und so fort.

Mit der Eutiner SPD treten wir an, die absolute Mehrheit der CDU zu brechen. Auch ich werde wieder für ein Mandat als Stadtvertreter kandidieren – meine Gründe sind hier nachzulesen.

Dass die CDU allein steht, ist schon daran zu ermessen, dass sich selbst der amtierende Bürgermeister in entscheidenden Fragen gegen die eigene Partei stellen muss, weil deren Positionen kaum vernünftig sind. Darüber hinaus wird es auch an einem zweiten Kennzeichen deutlich:

SPD, FWE und Bündnis'90/Grüne stehen zusammen für einen neuen Bürgermeister.

Bei der letzten Wahl hatte ich bereits einmal unter dem Stichwort »Wuwl« (»Wählen und wählen lassen«) berichtet; wenn ich die Zeit finde, werde ich es auch diesmal tun.

E-Book als Werbeträger.

»Ich bin also nicht sehr besorgt, dass Leute ein eBook als Ersatz für ein gekauftes Buch nehmen könnten. Mein Problem ist nicht Piraterie, sondern Unbekanntheit: Wenn Leute meine Bücher nicht kaufen, liegt es wahrscheinlich daran, dass sie noch nie davon gehört haben und nicht daran, dass ihnen jemand eine elektronische Version umsonst gegeben hat.« (Cory Doctorow, boingboing; hier im Interview.)

... und noch ein Wiki.

Auf dem Hamburger Bildungsserver wird zur Mitarbeit am Bildungswiki zur Weltliteratur eingeladen. Fein. Es gibt ja noch keine Enzyklopädie in Wikiform.

Im Einleitungstext heißt es »Der Bildungswiki "Weltliteratur" ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie über wichtige Autoren und Werke der Weltliteratur zur Nutzung im Bildungsbereich.« Da die Wikipedia auch dem Bildungsbereich offen steht, ist das kein kluges Ansinnen. Wozu sollte man sich statt an der Verbesserung der Wikipediainhalte am neuen Bildungswiki beteiligen?

Warum sollte man lieber jenen heute herausgestellten Artikel statt diesen lesen? Und ist dieser tatsächlich um so viel besser als jener, dass es eine Wiederholung der Arbeit rechtfertigte?

Allein das im zweiten Satz des Einleitungstextes formulierte Vorhaben – »Außer Grundinformationen zu Autor und Werk sollten die Artikel daher auch Hinweise auf die Verwendung in der Bildung enthalten, von einfachen Fragestellungen bis hin zu ganzen Unterrichtskonzepten« – würde etwas Neues bieten. Genau das wird aber nicht eingelöst.

Statt erneut in langen (meist auf Wikipedia-Artikeln basierenden) Artikeln den Inhalt von Werken der Weltliteratur zusammenzufassen – hierfür kann auf bestehende Ressourcen verwiesen werden! – sollte im Zuge einer sinnvollen Konzeption sogleich die Sammlung didaktischen und methodischen Materials zu den Werken stattfinden.

Und das darf auch gern ergänzt werden um einen Artikel, der den kritischen Umgang mit externen Quellen beschreibt.

[Das Wikipedia-Projekt ist erfolgreich, weil viele Menschen persönliche Eitelkeiten zumindest zeitweise zurückstellen. Dass nun jede Institution meint, ihre eigene Wikipedia zu seinem eigenen (in der Wikipedia aber schon längst abgebildeten) Thema haben zu müssen, wie hier oder wenige Tage zuvor beschrieben, scheint mir ein grundlegendes, eitles Missverständnis zu sein. Ein neues offenes Wiki ist nur dann nützlich und sinnvoll, wenn es Neues bietet. Nur dann darf es auf Mitarbeit hoffen.]

Ganz neu!: ganz toll!: Buchhandels-Wiki.

Seit 2004 schreiben unsere Auszubildenden an der Landesberufsschule für Buchhändler ihre Besprechungen internationaler Literatur ganz selbstverständlich ins schuleigene Wiki; daneben haben wir im Jahr 2003 einen Unterrichtsversuch unternommen, bei dem Schüler ihr im Unterricht erworbenes Wissen in die Wikipedia eintrugen …

… nun aber ist es so weit und die Zentralinstanz des deutschen Buchhandels präsentiert stolz ihr Branchenwiki auf PmWiki-Basis.

Jeder könne mitmachen an der »freien« Online-Enzyklopädie unter der Ägide des Börsenblatts, das dann auch gleich den Vermerk »Copyright Börsenblatt online 2002-2008« unter die fremden Beiträge setzt.

Wenn den potentiellen Mitautor dies noch nicht abschreckt, sollte er ein wenig blättern im Fachwörterbuch des Buchhandels.

Unter Schulen gibt es natürlich nur eine, und zwar die börsenvereinseigene in Seckbach, diese zudem in einem verquasten Text vorgestellt, der hoffentlich nur aus Versehen irgendwoher kopiert und nicht tatsächlich so geschrieben wurde.

Wozu man unter dem Lemma Ausbildung einen lieblos kopierten Text der Bundesagentur für Arbeit, der offenbar nicht einmal überformatiert wurde, lesen wollen sollte, statt gleich bei der Quelle nachzuschlagen, erschließt sich mir nicht wirklich.

Wozu man in einem Medium, das Verweise zulässt, Inhalte 1:1 kopieren muss – sei es auch unter fragmentarischer Angabe der Quelle – ist mir ebenfalls rätselhaft und scheint mir von der Unkenntnis des Mediums herzurühren.

Eine Fachenzyklopädie ist nur dann sinnvoll, wenn sie über das Interesse einer »normalen« Enzyklopädie hinausgehendes Wissen ausführlicher präsentieren will. Unter Flachdruck – mit der industrialisierten Variante, dem Offsetdruck, das Standarddruckverfahren für Bücher – lesen wir vier spärliche Zeilen. Man vergleiche dies mit dem Grundlagenartikel der Wikipedia zu den Druckverfahren. Ähnliches gilt für andere Stichwörter grundlegender Bedeutung, zum Beispiel den Sortimentsbuchhandel.

Meine Empfehlung also: wer Profundes zum Themengebiet Buchhandel beizutragen hat, korrigiere und ergänze lieber die Wikipedia statt eine weitere Baustelle mit Zusammengeklaubtem zu unterstützen.

[Update: Auch Netbib und Archivalia berichten, sehen das Ganze aber erst mal ganz positiv.]

Bloggender Schweizerdegen.

Das Bloggen an sich ist ja nun schon ein alter Hut, und es braucht schon wahrlich Erstaunliches, um noch zu erstaunen: Martin Z. Schröders Schreiben ist Blei ist so etwas Erstaunenswertes, nämlich die Verbindung alter, weitgehend vergessener und zugunsten aus Tintenstrahldruckerdüsen gesprühter Worddateien verdrängter Handwerkskunst.

Was uns dabei verloren ging, verdeutlicht uns Laien der Schweizerdegen mit genauen und kenntnisreichen Überlegungen und Diskussionen.

(Unter anderem auch dort: eine verständliche Erklärung des Lichtdrucks, wie sie der Blana offenbar nicht liefern konnte.)

Unterrichtsbesuch der Schulleitung.

Die Schüler fragen hinterher: »Und, waren wir gut?« - und in der Tat, das waren sie; auch wenn sie sich genausowenig wohlfühlten wie ich, was der Tatsache des Beobachtetwerdens zum Zwecke der Beurteilung geschuldet war: die Beobachteten wissen, dass die Stunde für den L wichtig ist, sie wollen sich ins Zeug legen. L handelt vielleicht stärker zielorientiert als sonst, deshalb aber keineswegs besser, die Stunde ist vielleicht didaktisch-methodisch aufwendiger / besser durchdacht / gar ein Planungshighlight, deshalb aber nicht zwangsläufig lebendiger … (Eine Woche vorher besuchte ganz ungeplant ein Praktikant meinen Unterricht - das war wieder ganz anders, nämlich angenehm: es saß dort einer, der lernen und sich etwas abgucken wollte.)

Das Ergebnis des Unterrichtsbesuchs war also durchaus ein feines; die Durchführung von Schaustunden generell aber nicht optimal. Ich fände es interessant, einmal für jedermann offene Klassenraumtüren auszuprobieren. Ich würde manchen Unterricht von Kollegen gern einmal sehen, und so mancher vielleicht meinen. Die Haltung muss aber eine zugewandt-kollegiale sein, eine der Offenheit und dem gemeinsamen Ziel verpflichtete.

Positiv: ich musste (also: durfte) mir mal wieder Zeit für einen guten ausführlichen Unterrichtsentwurf nehmen - inklusive der Vorarbeit wie etwa einer ausführlichen Lektüre und einer in den Entwurf einfließenden Sachanalyse. Das bringt - bei aller Arbeit - richtig Spaß, passiert aber normalerweise zu selten, weil der pädagogische Alltag anderes verlangt.

»Ich will nicht Mr Pink sein« …

… ist der Titel der Kultur und Gespenster Nr. 6, darinnen zum Beispiel kundig Tarantino-Filme analysiert und interpretiert werden, der Antisemitismusvorwurf gegen Hergé entkräftet, Thin Lizzy gepriesen sowie Diskurspogo (!) entlarvt wird und andere interessante Dinge zwischen guten Photostrecken passieren – und das in vorbildlichem Layout und feiner Typographie.

Sehr empfehlenswert.