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Blogs und Deutschunterricht.

Blogs im Deutschunterricht – kein Thema mehr. Denn jetzt gibt es das Blog, das Deutschunterricht ist: Das experimentelle Signifizierungslabor lädt zum Schreiben unter einem ab & an wechselnden Motto (deutschunterrichtlich: thematisch gebundene Schreibaufgabe, Schreiben nach Impuls) ein – diesmal »Dinge vor dem Fenster, die sich bewegen«. [Via Mosaikum 1.0]

Verlagswesen in den USA.

Der Krimileser verweist in seinem Artikel Das Ende des Verlagswesens, wie wir es kennen? auf ein Feature des New York Magazines zum amerikanischen Verlagswesen.

Zur Erinnerung: André Schiffrin schrieb schon im Jahr 2000 über Verlage ohne Verleger – letztendlich haben sich die dort beschriebenen Veränderungen vor allem im Management der Verlage nur fortgesetzt, andere Entwicklungen, vor allem im technischen Bereich (Internet, E-Books) haben das Geschehen beschleunigt.

Wohin das Ganze führt, wissen natürlich wieder nur die Götter.

Festspielunterstützung kostet.

Seinerzeit hatte ich hier und hier begründet, warum ich die weitere finanzielle Unterstützung der Eutiner Festspiele nicht für richtig halte. Leider befand ich mich bei der Abstimmung in der Stadtvertretung in der Minderheit: nur 5 Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter stimmten gegen die Zahlungen, 17 dafür, 12 waren befangen und durften daher an der Abstimmung nicht teilnehmen.

Nur kurze Zeit nach der Abstimmung sind erste Nachrichten über vorher natürlich nicht absehbare Haushaltslöcher und Kosten in anderen Etatbereichen durchgesickert – in den nächsten Wochen der Haushaltsberatungen werden wir sehen, was uns die Unterstützung der Festspiele kostet.

Der Ostholsteiner Anzeiger bringt sich zumindest schon einmal in Stellung und kritisiert die einstimmige (!) Entscheidung des von mir geleiteten Ausschusses für Schule, Jugend, Sport und Soziales, die Familienbildungsstätte künftig angemessen zu unterstützen, sodass aus 400-Euro-Jobs der Leiterinnen (deren bezahlte Stundenzahl in der Vergangenheit immer weit überschritten wurde) künftig sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze werden. Da ja so viel Geld für die Festspiele geflossen sei, müsse nun gespart werden – wenn nicht bei der Familienbildungsstätte, dann eben, indem man zum Beispiel die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten streicht.

Es ist dies nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Man hat es wissen können.

Linkes Onlinemarketing.

Die Blogosphäre ist aufgebracht über den Fall des Die Linke-Politikers Lutz Heilmann, der die Weiterleitung von Wikipedia.de auf die deutschsprachige Wikipedia mittels einstweiliger Verfügung sperren ließ.

Ich kenne Herrn Heilmann nicht und gehöre auch nicht zu seinen Wählern, habe aber durch diese Aktion erfahren, dass seine Netzkompetenz nur zurückhaltend entwickelt zu sein scheint.

Zwei Aspekte interessieren mich abseits des großen Getöses an dem Fall: zum einen Mark Seiberts Reaktion: »Ich muss mich schon wieder schämen für eine tumbe Aktion eines Genossen« – das größte Problem für die politischen Parteien scheint zu sein, dass Funktionsträger peinliche Aktionen vollführen, die man als Parteimitglied nicht wirklich gutheißen kann, für die man aber durch die gemeinsame Mitgliedschaft gerade stehen muss (ja, als SPD-Mitglied habe ich einige Übung darin). Dazu aber sind immer weniger Menschen bereit.

Der zweite Aspekt ist die Reaktion der Blogospäre selbst, die über Stasi-Methoden sowie bevorzugte Behandlung von Politikern bei Gerichten mutmaßt. Dazu: das Rechtswerkzeug einstweilige Verfügung steht potentiell jedem offen – nur steht eben nicht jeder in der Wikipedia. Die in diesem Fall ausgesprochene einstweilige Verfügung aber ist nicht nur unverhältnismäßig (das ist aber eher ein Problem der Justiz, nicht des Antragstellers), sondern auch – wie wir sehen – für die Absichten Heilmanns vollkommen kontraproduktiv: sie schadet ihm nun mehr, als beliebige Behauptungen in der Wikipedia es je geschafft hätten. Die Frage, wie man sich gegen möglicherweise falsche Anschuldigungen in der Onlineenzyklopädie wehren soll, stellt sich aber durchaus, denn die selbständige »Verbesserung« von Artikeln, die die eigene Person betreffen, würde vermutlich ebenso negative Schlagzeilen hervorrufen wie die jetzige Aktion.

Gehen wir also mal vom abstrakten Fall aus, über Person A, die im Licht der Öffentlichkeit steht, wird in der Wikipedia etwas behauptet, was A als wahrheitswidrig und damit rufschädigend ansieht: was kann A tun, was nicht zum kollektiven Aufschrei führt?

Die Situation des Betroffenen (und stelle er sich noch so tumb an) mit in den Blick zu nehmen würde so manchem Blogger gut anstehen.

[Update 14.17 Uhr] Lutz Heilmann hat eingesehen, dass sein Weg nicht der richtige war, und will nun doch keine rechtlichen Schritte gegen Wikimedia einleiten.

Gleichwohl bleibt die Frage, »wie Persönlichkeitsrechte geschützt werden können, ohne gleich die Keule rauszuholen« (Mark Seibert).

An Andersch erinnern.

Vor ein paar Tagen erst hielt einer meiner Schüler ein Kurzreferat über Andersch, heute lese ich in Die Zeit einen (nicht online verfügbaren) Artikel, der einen offenbar aufwendig gestalteten Erinnerungsband bespricht: Sansibar ist überall – Alfred Andersch: Seine Welt in Texten, Bildern, Dokumenten.

(Der Schüler brachte mehrere Bände aus der alten schwarzen Diogenes-Ausgabe seiner Eltern mit. Überlegen: wann habe ich das letzte Mal jemanden getroffen, der von Andersch aus eigenem Antrieb mehr gelesen hat als die Schullektüre?)

Vornehmen für in Kürze: ein paar seiner Texte mal wieder lesen.

Poparchiv YouTube.

Immer wieder fasziniert von den Fundstücken dort: B-52's in frühen Aufnahmen (1978), Björk, The Trashmen (1963), Foyer des Arts (1982), John Coltrane, Deutsch-Amerikanische Freundschaft (1981), Barney Mckenna, Dresden Dolls, ein Feature über Hamish Imlach, Laurie Anderson, Why?, Rainald Grebe, Pat Metheny, Tocotronic, Sigur Rós, …

… wo anfangen, wo aufhören?

Braucht Eutin die Festspiele?

Der Ostholsteiner Anzeiger hat in der heutigen Ausgabe einen langen (nicht online verfügbaren) Artikel veröffentlicht, in dem Stimmen von Eutinern und Nichteutinern zur Krise der Festspiele zusammengefasst werden. Den Tenor dieser Stimmen soll die Schlagzeile »›Eutin braucht die Festspiele‹« wiedergeben.

Tatsächlich aber sagt die überwiegende Mehrheit der Zitierten etwas anderes, nämlich, dass sie die Festspiele schätzten, aber …

(Hervorhebungen und Klammerbemerkungen von mir)

  • die Stadt solle kontrolliert Geld geben (dies ist bereits passiert und sollte zunächst nicht ausgeweitet werden)
  • die Festspiele sollten nicht (wie in den letzten Jahren) hochkarätige Künstler nach Eutin holen, die dann nicht bezahlt werden können (hier wird die auch von mir kritisierte Maßlosigkeit angesprochen)
  • die ungebremste Finanzierung aller Wünsche der Festspiele könne »unser Ruin« sein
  • die Festspiele müssten mit einem kleineren Budget auskommen, sie müssten bescheidener werden
  • die »Hochnäsigkeit« der Oper wird kritisiert
  • die Hilfe dürfe kein Fass ohne Boden werden (diese Formulierung wird von zwei Bürgern genutzt)
  • die Festspiele sollten »nicht zu Lasten der Eutiner« erhalten werden
  • irgendwann müsse (mit den finanziellen Leistungen) auch Schluss sein
  • es müsse mit Bedacht Hilfe geleistet werden (dies ist bereits passiert), denn »wir sind nicht Bayreuth« – an anderer Stelle wird ergänzt, dass wir auch nicht New York seien
  • es sei schon genügend Geld für die Festspiele geflossen, es fehle sonst an anderer Stelle (dieser Standpunkt wird zweimal vertreten)

Mithin haben auch die Bürgerinnen und Bürger ein gutes Augenmaß dafür, dass die Leistungen für die Festspiele nicht beliebig ausgeweitet werden können. Niemand möchte die Festspiele abschaffen. Aber es wird durchaus gesehen, dass die Stadt Eutin Pflichtaufgaben hat, die Priorität genießen, aber auch an anderer Stelle freiwillige Leistungen nötig sind, die einer weiteren Unterstützung der Festspiele zum Opfer fallen könnten.

Der Appell an die Festspiele lautet also, sich zu bescheiden, der Appell an die Politik, mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler verantwortlich umzugehen – dies ist im Sinne der Begrenzung von Ausgaben eben die Nichtgewährung weiterer Zahlungen. Ich bleibe also dabei: Nicht noch mehr Geld für die Eutiner Festspiele.