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Wikingerlager an der Turmhügelburg.

2008-05-11_095232Die Turmhügelburg im Nienthal bei Lütjenburg war gestern und heute Treffpunkt für Wikinger von Nah und Fern. Natürlich fühlte ich mich gemahnt an Hob Gadlings fatalistische Sicht auf die Dinge in »Sunday Morning«, der ersten Geschichte in Neil Gaimans The Wake – aber amüsant war's trotzdem.

2008-05-11_100805Auch ohne ein solches besonderes Ereignis, bei dem große Besucherscharen anreisen, ist die Turmhügelburg natürlich besonders mit Kindern allemal einen Sonntagsausflug wert. Die Bauten, die dort entstanden sind – eine Motte, ein Ritterhaus, eine Schmiede, ein Wohn-/Stallgebäude, ein Brunnen und so fort, wurden nach alten Vorbildern mit alten Techniken neu erbaut und bilden ein kleines dörfliches Ensemble, das von verschiedenen Vereinen für ihre historisierenden Treffen genutzt wird.

2008-05-11_100131Das Nienthal, die Gegend um die Burg (zwischen L 165 und B 202), eignet sich für kürzere und längere Wanderungen (zum Beispiel zum Hessenstein, Richtung Panker etc.) in lieblich-hügeligem Gelände – es ist schön dort.

Gelesen. Gaiman.

Neil Gaiman: Worlds’ End. New York: DC Comic, 1994.
Neil Gaiman: The Kindly Ones. New York: DC Comic, 1994.
Neil Gaiman: The Wake. New York: DC Comic, 1994.

Wuwl – Infostand.

Als »Infostand« bezeichnen wir den Aufbau eines Zeltes mit Bistrotischen in der Königsstraße, vor dem wir dann unsere potentiellen Wähler über unsere Absichten zu informieren trachten.

(Die CDU nennt das auf ihrer Homepage »Canvassing-Stand«. Das klingt natürlich eine Spur exklusiver. Allerdings vermute ich, dass der größte Teil der Wähler die Vokabel to canvass entweder nie kennengelernt oder aber schon längst wieder vergessen hat, weshalb man die Bezeichnung trotz ihrer exklusiven Eleganz wohl in die Gruppe der semantisch dysfunktionalen Modeanglizismen einordnen muss.)

Bei dieser Gelegenheit bekommen wir viel zu hören. Ermunterungen sind dabei, Glückwünsche, aber auch – und das soll hier Thema sein – enttäuschte Stimmen und Feindseligkeiten. Wer auf kommunaler Ebene Politik für die SPD macht (und das wird in anderen Parteien entsprechend sein), wird in Haftung genommen für alles, was auf jeder anderen politischen Ebene passiert.

Vielfach fungiert der Kandidat, der sich doch nur ehrenamtlich dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen möchte, missbraucht als psychopolitischer Ascheimer: »Und ich sach Ihnen, das is doch alles eine Soße, und die, und was die da oben, und der Beck, und die Merkel, und schon mit Hartz IV! Und da brauchen Sie mir gar nicht zu kommen mit! Und die werden immer reicher. Und unsereiner weiß nicht, woher er die Butter aufm Brot nehmen soll. Benzin wird immer teurer! – Und ich sach Ihnen: die werden sich noch wundern!« … und so fort.

An solch einer Äußerung bedrückt mich Einiges: ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wer so spricht, hat ein Maß an Enttäuschung, an Frustration, an Aggression aufgestaut, das ein vernünftiges Gespräch gar nicht möglich macht. Ich würde gern sprechen mit einem solchen Menschen – allein: er hört mich aufgrund seiner emotionalen Gestimmtheit gar nicht. Das führt zum nächsten:

Wer so spricht, meint, dass er recht hat. Er will mich nicht hören. Im positiven Falle hat er sich nach fünf Minuten ausgeschimpft und fühlt sich nun besser. Im negativen Fall glaubt er, seine Meinung sei richtig, weil man ihr ja gar nicht recht etwas entgegensetze. Nur: wo anfangen bei einem solchen Konglomerat an Falschem, Halbrichtigem, Missverstandenem?

Wer wie der oben sinngemäß zitierte Mitbürger in die Auseinandersetzung geht mit dem festen Vorsatz, denen da oben mal die Meinung zu geigen, nicht aber realisiert, dass er vor sich einen ganz anderen Menschen als den gemeinten hat, dass es um all die genannten Probleme auch gar nicht gehen kann, weil sie auf ganz anderen Ebenen entschieden werden, ist schwer zu überzeugen.

Deshalb nochmal zum Mitschreiben: es geht um die Kommunalwahl. Um das, was vor Ort, in unserer Kleinstadt politisch entschieden werden kann. Das ist nicht viel. Aber es muss entschieden werden. Irgend jemand muss das machen. In der SPD Eutin sind wir der Meinung, dass die CDU ihre Verantwortung der absoluten Mehrheit nicht gut wahrgenommen hat. Deshalb treten wir an, es besser zu machen.

Es ist an der Zeit.

Alte Krimis.

Die Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts digitalisiert alte deutschsprachige Kriminalromane: »Der deutsche Kriminalroman, pflegt man zu sagen, besitze keine Tradition. Er sei nach den zumeist britischen Vorbildern geformt, also irgendwie epigonal, Aufguss, minderwertig eh wie die meisten ›Krimis‹. Nachzuweisen, dass all dies nicht zutrifft, ist die ›Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts‹ Ende 2005 angetreten.« [Via Hinternet.]

edition unseld.

In diesen Tagen sind die ersten Titel der neuen edition unseld (die Reihenbezeichnung in Kleinschreibung – so unmodern, das ist schon wieder retro) bei Suhrkamp erschienen: ich lese gerade im ersten Band, Sandra Mitchells Komplexitäten, der bislang einen guten Eindruck macht: überlegt und klar schildert sie die Entstehung verschiedener Welterklärungsmodelle und zeigt ihre jeweiligen Grenzen auf, verdeutlicht den Bedeutungswandel des Emergenzbegriffs, der in der Form »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« auf Aristoteles zurückgeführt wird, bis zu heutiger Form.

Wenn die anderen Bände ähnlich anregend sind (und ein weiterer harrt schon hier der Lektüre), ist diese Reihe (trotz der abschreckenden Unterstützung durch Spiegel Online) ein der Vernunft verpflichtetes Gegengewicht gegen die vorherige Neugründung »Verlag der Weltreligionen«.

[Update: Mehr über die Reihe bei der NZZ.]

Der Schäuble wieder.

Herr Schäuble rät jedem, ihn »nicht als permanenten Verfassungsbrecher zu verleumden«.

Wenn ein Innenminister, den wir bezahlen, damit er als Profi auf dem Gebiet des Verfassungsrechts agiert, regelmäßig Maßnahmen vorschlägt, die die Verfassung aushöhlten, würden sie Wirklichkeit, sowie Gesetze initiiert, die vom Verfassungsgericht als nicht verfassungskonform angesehen werden – wie soll man einen solchen Menschen wohl nennen?

Wäre der Mann nicht zufällig Innenminister, wäre es die Aufgabe der Verfassungsschutzbehörden, ihn unter Beobachtung zu halten.

Gelesen. Gaiman.

[Rasch ein paar Nachträge ...]

Neil Gaiman: The Doll’s House. New York: DC Comic, 1994.
Neil Gaiman: Dream Country. New York: DC Comic, 1994.
Neil Gaiman: Season of Mists. New York: DC Comic, 1994.
Neil Gaiman: A Game of You. New York: DC Comic, 1994.

(Nebenbei lese ich Mitchells Wolkenatlas, was zuweilen interessante Interferenzen ergibt, da auch dort das episodenhafte, zunächst vermeintlich zusammenhanglose Erzählen geübt wird.)