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Gelesen. Hornby.

Nick Hornby: Fever Pitch. London: Penguin, 2000.

Wie hier schon erwähnt: trotz anderslautender Reklamesprüche auf dem Bucheinband (»Utterly hilarious. Even football-haters will be beguiled.« (Elle)) ein Buch für Fußball-, nicht für Hornby-Fans.

Philosophische Konferenz

Angelehnt an die aus dem Deutschunterricht bekannte Schreibkonferenz habe ich heute im Philosophieunterricht des 11. Jahrgangs philosophische Konferenzen durchführen lassen. Zum Unterrichtsgang:

Thema ist die Auseinandersetzung um Willensfreiheit vs. Determinismus, ein Standardthema der philosophischen Ethik, weil die Entscheidung zwischen diesen Alternativen entscheidende Konsequenzen im Hinblick auf die Beurteilung von Handlungen (und damit potentiell auch für die Frage von Verbrechen und Strafe) hat.

Begonnen haben wir mit einem einführenden problematisierenden Zitat aus Thomas Nagels empfehlenswertem Büchlein Was bedeutet das alles?:

Nehmen wir an, Sie stehen Schlange in einem Selbstbedienungsrestaurant, und nun da Sie bis zu den Desserts vorgedrungen sind, können Sie sich nicht zwischen einem Pfirsich und einem riesigen Stück Schokoladentorte mit Buttercreme obendrauf entscheiden. Die Torte sieht gut aus, doch Sie wissen, daß sie dick macht. Dennoch nehmen Sie sie und essen sie mit Vergnügen auf. Am folgenden Tag schauen Sie in den Spiegel oder stellen sich auf die Waage und denken: »Hätte ich doch diese Schokoladentorte nicht gegessen. Ich hätte statt dessen einen Pfirsich essen können.«

»Ich hätte statt dessen einen Pfirsich essen können.« Was bedeutet das und ist es auch wahr?


Diese Texteinleitung habe ich per OHF an die Wand projiziert. Aufgabe für die S ist es, diese Frage schriftlich in Stillarbeit zu beantworten. Sie haben gut zehn Minuten Zeit.

[Solange die S arbeiten, kann ich rasch erläutern, dass die Unterrichtsversorgung an schleswig-holsteinischen beruflichen Gymnasien besser sein könnte; beispielsweise werden den Schulen planmäßig weniger Stunden zugewiesen als sie laut Stundentafel eigentlich bräuchten.

So erteilen wir Philosophieunterricht im 11. Jahrgang nur einstündig; da wir jeden Unterricht in Doppelstunden ohne Pausen unterrichten (also 90 Minuten am Stück), unterrichte ich zwei Parallelkurse im vierzehntägigen Wechsel. Und ja: Doppelstunden sind was Feines.]

Noch während die S arbeiten, schreibe ich die Aufgabenabfolge für die Gruppenarbeitsphase, die philosophische Konferenz, an die Tafel:

1 Lesephase: jeder liest jeden Text.
2 Aufgabe: Notieren Sie zu jedem Text eine weiterführende / erschließende Frage.
3 Wenn alle mit dem Lesen fertig sind, diskutieren Sie in Ihrer Gruppe das Problem der Willensfreiheit, wie es sich für Sie darstellt.
4 Küren Sie in Ihrer Gruppe einen vorlesenswerten Text.

Sind die S mit dem Schreiben fertig, erläutere ich ggf. noch einmal die Aufgaben und teile dann die S in Zufallsgruppen – heute per Skatspiel (verdecktes Verteilen gemischter Karten: je S eine Karte; sodann müssen sich alle Könige, alle Bauern etc. zu Vierergruppen zusammentun. Erinnerung: »Gruppen bildet man durch Aufstehen«).

Sind die Gruppen gebildet und haben die S ihre Plätze eingenommen, beginnt die oben skizzierte philosophische Konferenz. Während dieser höre ich immer wieder in die verschiedenen Gruppen 'rein.

Hinterher haben die S die besten Texte vorgelesen, mehr oder weniger ausführlich kommentiert.

Anschließend haben wir von mir auf einem Arbeitsblatt zusammengestellte Auszüge aus dem Kapitel gelesen und den von Nagel eingeführten Terminus Determinismus geklärt, sodass deutlich wird, dass es mindestens zwei grundsätzlich verschiedene Ansichten über das Problem der Willensfreiheit gibt, wobei deterministische Ansichten durch neuere Ergebnisse der Hirnforschung Rückenwind zu bekommen scheinen (siehe zum Beispiel hier und hier).

Effi.

Phlow verweist auf einen Rap für literaturunterricht-, mithin möglicherweise leidgeprüfte Schüler: Misanthrops Effi Briest: »Ich wehre mich gegen dich, elende Effi Briest. Nein, deine romantischen Seiten lese ich nicht! Ich wehre mich gegen dich, tragische Effi Briest. Deine charmanten Seiten lese ich nicht!«

Wuwl – Ergebnisse.

Die Würfel sind gefallen, die Ergebnisse sind da, leider hat es nicht gereicht für uns.

In meinem Wahlkreis hat die CDU-Kandidatin gewonnen, sie hat leider 33 Stimmen mehr als ich. Alle Wahlkreise gingen wie schon in der letzten Wahl direkt an die CDU, allerdings mit deutlich weniger Anteilen an abgegebenen Stimmen. Eine Ausnahme von dieser provinziellen Regel gibt es: die Grünen/Bündnis'90 (!) haben einen Wahlkreis direkt gewonnen.

Allen Wählerinnen und Wählern, die ihr Kreuz bei mir und der SPD gesetzt haben, danke ich ganz herzlich.

Dank gebührt aber auch den Wählern von CDU, Grüne/Bündnis'90, FDP und FWE: sie alle haben zwar versehentlich die falsche Partei gewählt, haben aber immerhin die Anstrengung des Wahlgangs auf sich genommen.

Und diese muss enorm sein: all die Kilometer, zu Fuß, unter widrigsten klimatischen Bedingungen, verfolgt und getreten, gehindert allerorten - nur so kann zu erklären sein, dass nur 48,89% aller Wahlberechtigten durchkamen auf ihrem Weg zum Wahllokal. (Denn es kann ja nicht sein, dass jemand bereitwillig eine Demokratie an die Wand fährt.)

Ich kenne die Argumente der Nichtwähler. »Mir hilft ja auch keiner«, »Is' doch alles die gleiche Soße«, »Die haben doch eh' nur ihre eigenen Interessen im Sinn« etc. – nein!: wenn jemand nur die eigenen Interessen im Kopf hat, dann ist es der Nichtwähler. Er schafft es nicht, sich alle paar Jahre mal aufzuraffen, um einmal nicht nur egozentrisch das eigene Wollen zu leben, sondern von diesem abzusehen und zu überlegen, was dem Ganzen nützen könnte.

[Nichtwählerbeschimpfung getilgt.]

Für mich stellt sich nun die Frage, ob ich weitermachen soll: direkt gewählt ist die Gegenkandidatin, ich rückte nur über die Liste in die Stadtvertretung ein. Des weiteren aber hat eine absolute Mehrheit der Wählerinnen und Wähler gegen die gesamte Stadtvertretung gestimmt, noch ehe diese überhaupt zusammentreten konnte – müssten wir nicht geschlossen alle unser Mandat ablehnen, das das Wahlrecht uns zuspricht?

Diese doppelte Infragestellung lässt mich zaudernd bedenken, ob eine weitere Beschäftigung mit der Kommunalpolitik überhaupt sinnvoll ist.

Wuwl – Informationen und Stimmungen.

Es ist geschafft!: alle Haushalte meines Wahlbezirks sollten nun meinen Kandidatenbrief bekommen haben (wenn nicht: ich habe noch ein paar übrig). Am nächsten Samstag gibt's noch mal einen Infostand in der Königsstraße, und dann liegt es an den Wählerinnen und Wählern in Eutin, die Verhältnisse zu ändern.

Der NDR sieht ja durchaus großes Interesse bei den Wählern, schafft durch unangemessene Fragen aber auch wieder Unsicherheit: es steht eine Kommunalwahl an – wieso wird dann nach der Zufriedenheit mit der Landesregierung gefragt? Selbst wenn man dies noch hinnimmt (denn natürlich spielen diese Stimmungen eine große Rolle, auch wenn dies sachlich nicht gerechtfertigt ist), sind Fragen nach den Spitzenpolitikern des Landes vollkommen unangemessen – und so geht es munter weiter. Die wirklich kommunalpolitisch interessanten Fragen sind deutlich in der Minderheit.