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Linkes Onlinemarketing.

Die Blogosphäre ist aufgebracht über den Fall des Die Linke-Politikers Lutz Heilmann, der die Weiterleitung von Wikipedia.de auf die deutschsprachige Wikipedia mittels einstweiliger Verfügung sperren ließ.

Ich kenne Herrn Heilmann nicht und gehöre auch nicht zu seinen Wählern, habe aber durch diese Aktion erfahren, dass seine Netzkompetenz nur zurückhaltend entwickelt zu sein scheint.

Zwei Aspekte interessieren mich abseits des großen Getöses an dem Fall: zum einen Mark Seiberts Reaktion: »Ich muss mich schon wieder schämen für eine tumbe Aktion eines Genossen« – das größte Problem für die politischen Parteien scheint zu sein, dass Funktionsträger peinliche Aktionen vollführen, die man als Parteimitglied nicht wirklich gutheißen kann, für die man aber durch die gemeinsame Mitgliedschaft gerade stehen muss (ja, als SPD-Mitglied habe ich einige Übung darin). Dazu aber sind immer weniger Menschen bereit.

Der zweite Aspekt ist die Reaktion der Blogospäre selbst, die über Stasi-Methoden sowie bevorzugte Behandlung von Politikern bei Gerichten mutmaßt. Dazu: das Rechtswerkzeug einstweilige Verfügung steht potentiell jedem offen – nur steht eben nicht jeder in der Wikipedia. Die in diesem Fall ausgesprochene einstweilige Verfügung aber ist nicht nur unverhältnismäßig (das ist aber eher ein Problem der Justiz, nicht des Antragstellers), sondern auch – wie wir sehen – für die Absichten Heilmanns vollkommen kontraproduktiv: sie schadet ihm nun mehr, als beliebige Behauptungen in der Wikipedia es je geschafft hätten. Die Frage, wie man sich gegen möglicherweise falsche Anschuldigungen in der Onlineenzyklopädie wehren soll, stellt sich aber durchaus, denn die selbständige »Verbesserung« von Artikeln, die die eigene Person betreffen, würde vermutlich ebenso negative Schlagzeilen hervorrufen wie die jetzige Aktion.

Gehen wir also mal vom abstrakten Fall aus, über Person A, die im Licht der Öffentlichkeit steht, wird in der Wikipedia etwas behauptet, was A als wahrheitswidrig und damit rufschädigend ansieht: was kann A tun, was nicht zum kollektiven Aufschrei führt?

Die Situation des Betroffenen (und stelle er sich noch so tumb an) mit in den Blick zu nehmen würde so manchem Blogger gut anstehen.

[Update 14.17 Uhr] Lutz Heilmann hat eingesehen, dass sein Weg nicht der richtige war, und will nun doch keine rechtlichen Schritte gegen Wikimedia einleiten.

Gleichwohl bleibt die Frage, »wie Persönlichkeitsrechte geschützt werden können, ohne gleich die Keule rauszuholen« (Mark Seibert).

An Andersch erinnern.

Vor ein paar Tagen erst hielt einer meiner Schüler ein Kurzreferat über Andersch, heute lese ich in Die Zeit einen (nicht online verfügbaren) Artikel, der einen offenbar aufwendig gestalteten Erinnerungsband bespricht: Sansibar ist überall – Alfred Andersch: Seine Welt in Texten, Bildern, Dokumenten.

(Der Schüler brachte mehrere Bände aus der alten schwarzen Diogenes-Ausgabe seiner Eltern mit. Überlegen: wann habe ich das letzte Mal jemanden getroffen, der von Andersch aus eigenem Antrieb mehr gelesen hat als die Schullektüre?)

Vornehmen für in Kürze: ein paar seiner Texte mal wieder lesen.

Poparchiv YouTube.

Immer wieder fasziniert von den Fundstücken dort: B-52's in frühen Aufnahmen (1978), Björk, The Trashmen (1963), Foyer des Arts (1982), John Coltrane, Deutsch-Amerikanische Freundschaft (1981), Barney Mckenna, Dresden Dolls, ein Feature über Hamish Imlach, Laurie Anderson, Why?, Rainald Grebe, Pat Metheny, Tocotronic, Sigur Rós, …

… wo anfangen, wo aufhören?

Braucht Eutin die Festspiele?

Der Ostholsteiner Anzeiger hat in der heutigen Ausgabe einen langen (nicht online verfügbaren) Artikel veröffentlicht, in dem Stimmen von Eutinern und Nichteutinern zur Krise der Festspiele zusammengefasst werden. Den Tenor dieser Stimmen soll die Schlagzeile »›Eutin braucht die Festspiele‹« wiedergeben.

Tatsächlich aber sagt die überwiegende Mehrheit der Zitierten etwas anderes, nämlich, dass sie die Festspiele schätzten, aber …

(Hervorhebungen und Klammerbemerkungen von mir)

  • die Stadt solle kontrolliert Geld geben (dies ist bereits passiert und sollte zunächst nicht ausgeweitet werden)
  • die Festspiele sollten nicht (wie in den letzten Jahren) hochkarätige Künstler nach Eutin holen, die dann nicht bezahlt werden können (hier wird die auch von mir kritisierte Maßlosigkeit angesprochen)
  • die ungebremste Finanzierung aller Wünsche der Festspiele könne »unser Ruin« sein
  • die Festspiele müssten mit einem kleineren Budget auskommen, sie müssten bescheidener werden
  • die »Hochnäsigkeit« der Oper wird kritisiert
  • die Hilfe dürfe kein Fass ohne Boden werden (diese Formulierung wird von zwei Bürgern genutzt)
  • die Festspiele sollten »nicht zu Lasten der Eutiner« erhalten werden
  • irgendwann müsse (mit den finanziellen Leistungen) auch Schluss sein
  • es müsse mit Bedacht Hilfe geleistet werden (dies ist bereits passiert), denn »wir sind nicht Bayreuth« – an anderer Stelle wird ergänzt, dass wir auch nicht New York seien
  • es sei schon genügend Geld für die Festspiele geflossen, es fehle sonst an anderer Stelle (dieser Standpunkt wird zweimal vertreten)

Mithin haben auch die Bürgerinnen und Bürger ein gutes Augenmaß dafür, dass die Leistungen für die Festspiele nicht beliebig ausgeweitet werden können. Niemand möchte die Festspiele abschaffen. Aber es wird durchaus gesehen, dass die Stadt Eutin Pflichtaufgaben hat, die Priorität genießen, aber auch an anderer Stelle freiwillige Leistungen nötig sind, die einer weiteren Unterstützung der Festspiele zum Opfer fallen könnten.

Der Appell an die Festspiele lautet also, sich zu bescheiden, der Appell an die Politik, mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler verantwortlich umzugehen – dies ist im Sinne der Begrenzung von Ausgaben eben die Nichtgewährung weiterer Zahlungen. Ich bleibe also dabei: Nicht noch mehr Geld für die Eutiner Festspiele.

Nicht noch mehr Geld für die Festspiele.

Seit fast sechzig Jahren gehören die Festspiele zu Eutins kulturellem Leben. Seit einigen Tagen beherrscht die Lokalpresse die Frage nach der Zukunft der Festspiele, weil diese einen hohen Finanzbedarf zeigen, dem die Stadtvertreter Eutins nicht so ohne weiteres nachgeben können. Auch ich werde meine Hand nicht für die Gewährung weiterer Gelder heben. Warum nicht, wenn doch die Festspiele so wichtig sind für Eutin?

355.000 € hat die Stadt im Jahr 2008 den Festspielen schon als Darlehen gewährt - unter hohem zeitlichen Druck, mit der Begründung von Seiten der Festspiele, anderenfalls müsse die Spielzeit 2008 abgesagt werden, was mit einem hohen Imageschaden verbunden wäre, auf Seiten der Stadtvertreter schon mit Unwohlsein, denn wann sollte ein Musiktheater je einen solchen Gewinn einspielen können, dass die Rückzahlung dieses Kredites möglich wäre?

105.000 € hatte die Stadt Eutin den Festspielen nur kurzfristig zur Verfügung gestellt, ihre Rückzahlung ist jetzt fällig. Die Festspiele können nicht zahlen und bitten um eine Verlängerung. Diese Verlängerung müsse vor dem 31.10.2008 gewährt werden, um noch Optionen auf Künstlerverträge wahrnehmen zu können. Wieder also werden die Stadtvertreter unter zeitlichem Druck und dem vermeintlichen Zwang der Verhältnisse gedrängt, eine Entscheidung zu fällen, die die Eutiner Bürgerinnen und Bürger viel Geld kosten wird.

Außerdem brauchen die Festspiele weitere 140.000 € (laut Herrn Brandes, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Festspiele, gern auch 200.000 €, damit die Festspiele auch wieder ein bisschen Wasser unterm Kiel hätten) für die Finanzierung der Vorverkaufskampagne. Allein die bis jetzt genannten Beträge würden im Haushalt 2009 zu von der Stadt Eutin zu tragenden Zinsen in Höhe von 27.000 € führen.

Weiter wird gebeten um die Gewährung einer Ausfallbürgschaft für 2009 in Höhe von 200.000 €. Diese wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Anspruch genommen werden, weil Rücklagen für schlechtes Wetter etc. (die Aufführungen auf der Freilichtbühne müssten abgesagt, die Eintrittsgelder etc. zurückgezahlt werden) nicht mehr bestehen und das ostholsteiner Wetter recht zuverlässig durchwachsen ist.

Ich halte es für falsch, weitere Gelder zu gewähren: wir können nicht einfach so eine halbe Million € (plus x im sechsstelligen Bereich) ausgeben, die vorher überhaupt nicht berücksichtigt waren – die Stadt Eutin ist selbst verschuldet, hat also eigene Kredite zu bedienen. Ich sehe zudem die Möglichkeit der Rückzahlung durch die Festspiele als eher unwahrscheinlich an – wir haben bereits erfahren, wie die Festspiele mit kurzfristigen Krediten umgehen.

Allenthalben wird die Möglichkeit der Insolvenz diskutiert. Darüber beschließen wir Stadtvertreter nicht. Wir beschließen darüber, ob den Festspielen weiterhin Gelder in kaum absehbarem Umfang zur Verfügung gestellt werden sollen. Ich spreche dagegen. Ob eine Insolvenz die Folge sein muss oder ob es andere Möglichkeiten gibt – dies sind Überlegungen, vor denen die Festspiele stehen, nicht die Eutiner Bürgerinnen und Bürger, die wir vertreten. Aber auch diese sehen längst, dass ein Jahr Pause den Festspielen die nötige Zeit verschaffen würde für einen Neuanfang, der, solide und bodenständig geplant, sicher auch die budgetierte finanzielle Unterstützung durch die Stadt finden würde.

Wenn wir über Ausstattungen von Kindergärten, Schulen, Sportstätten, Altenbegegungsstätten oder über die Unterstützung von Vereinen und Verbänden sprechen, streiten wir uns in Haushaltsberatungen übrigens manche Male über wenige hundert Euro, die der eine gewährt sehen möchte, die andere für überflüssig hält. Die Festspiele haben das Maß verloren. Die Stadt sollte nicht dafür einstehen.

Handlungsreisen: Literatur unterwegs.

Vor einiger Zeit hatte ich hier ja schon einmal das Problem beschrieben, sich für Länder mit weniger bekannter Literatur literarisch einzustimmen. Nun habe ich das richtige Werkzeug dafür gefunden (es ist alles da, man muss nur wissen, wo's liegt): handlungsreisen.de versammelt in seinem Atlas Zugangsmöglichkeiten zu literarischen Schauplätzen in mehr oder weniger fernen Ländern.