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Ein frohes neues Jahr ...

... wünsche natürlich auch ich allen Leserinnen und Lesern hier, für die ich gern mehr schriebe; jedoch sind nach Familienfesten und ausgiebigen Feiern mit Freunden in Winsen anne Aller und auch bei uns zuhause derzeit zwei Stapel Klausuren und ein sehr (!) hoher (!) Stapel philosophischer Essays von Schülerinnen und Schülern Gewähr dafür, dass ich nicht mehr weiß, wo ich meinen Kopf zuletzt abgelegt; und die kurze Zeit, die spätabends frei zur Verfügung steht, ist Uwe Tellkamps Der Turm gewidmet.

Gelesen. Schleichert.

CoverHubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken. München: C. H. Beck, 1997. (bsr 1344)

Schleicherts Buch hat leider einen wenig ansprechenden Titel, der die Ernsthaftigkeit seines Vorhabens eher in Frage stellt, dazu wurde das Buch lieblos und im Ergebnis hässlich gestaltet – Beck beabsichtigt möglicherweise, diese Perle lieber für sich zu behalten als sie zu verkaufen. Warum solltest du das Buch trotzdem erwerben – und lesen?

Schleichert stellt in seinem Buch kurzweilig, aber auf hohem Reflexionsniveau »Elemente der Argumentierens«, »Fallgruben«, »Ideologie, Fanatismus und Argumentation« und »Subversives Argumentieren« (so einige Kapiteltitel) vor, wobei der Leser anhand mannigfacher Exempel viel über Funktionsweise und Gültigkeit unterschiedlicher Argumentationsweisen lernt.

Er verdeutlicht anhand von Beispielen hauptsächlich aus unserem Kulturkreis (die Fundamentalisten sind keineswegs immer woanders), dass es wenig Sinn hat, mit Fundamentalisten direkt zu argumentieren, da sie sich aus rationalen Diskurs meist längst verabschiedet haben. Stattdessen solle in der Tradition Voltaires eine subversive Aufklärung betrieben werden, die eher auf die (potentiellen) Anhänger der Fundamentalisten zielt und ihnen die Folgen fundamentalistischen Denkens verdeutlicht.

Ein empfehlenswertes Buch.

Ein schöner Keks!

2008-11-29_143734Finns Weihnachtsbutterplätzchen – bunt verziert. Der Profilkeks übrigens ist – ich bitte das zu beachten, denn dies ist auch ein literaturbezogener Eintrag –, wie das geübte Auge trotz der Maskerade leicht erkennt, Johann Christoph Friedrich von Schiller, gestochen mit einer original weimaraner Plätzchenform.

Elke Heidenreich: weiterlesen! im Netz.

Wer Elke Heidenreich vermisst hat, kann sie jetzt wiederfinden: da das Fernsehen sie nicht mehr nötig zu haben glaubt, weicht sie auf das Medium aus, das das Fernsehen sowieso über kurz oder lang ersetzen wird: das Internet.

Auf litcolony.de ist Elke Heidenreich jetzt monatlich mit neuen Sendungen zu sehen (diesmal mit Campino von Die Toten Hosen).

Blogs und Deutschunterricht.

Blogs im Deutschunterricht – kein Thema mehr. Denn jetzt gibt es das Blog, das Deutschunterricht ist: Das experimentelle Signifizierungslabor lädt zum Schreiben unter einem ab & an wechselnden Motto (deutschunterrichtlich: thematisch gebundene Schreibaufgabe, Schreiben nach Impuls) ein – diesmal »Dinge vor dem Fenster, die sich bewegen«. [Via Mosaikum 1.0]

Verlagswesen in den USA.

Der Krimileser verweist in seinem Artikel Das Ende des Verlagswesens, wie wir es kennen? auf ein Feature des New York Magazines zum amerikanischen Verlagswesen.

Zur Erinnerung: André Schiffrin schrieb schon im Jahr 2000 über Verlage ohne Verleger – letztendlich haben sich die dort beschriebenen Veränderungen vor allem im Management der Verlage nur fortgesetzt, andere Entwicklungen, vor allem im technischen Bereich (Internet, E-Books) haben das Geschehen beschleunigt.

Wohin das Ganze führt, wissen natürlich wieder nur die Götter.

Festspielunterstützung kostet.

Seinerzeit hatte ich hier und hier begründet, warum ich die weitere finanzielle Unterstützung der Eutiner Festspiele nicht für richtig halte. Leider befand ich mich bei der Abstimmung in der Stadtvertretung in der Minderheit: nur 5 Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter stimmten gegen die Zahlungen, 17 dafür, 12 waren befangen und durften daher an der Abstimmung nicht teilnehmen.

Nur kurze Zeit nach der Abstimmung sind erste Nachrichten über vorher natürlich nicht absehbare Haushaltslöcher und Kosten in anderen Etatbereichen durchgesickert – in den nächsten Wochen der Haushaltsberatungen werden wir sehen, was uns die Unterstützung der Festspiele kostet.

Der Ostholsteiner Anzeiger bringt sich zumindest schon einmal in Stellung und kritisiert die einstimmige (!) Entscheidung des von mir geleiteten Ausschusses für Schule, Jugend, Sport und Soziales, die Familienbildungsstätte künftig angemessen zu unterstützen, sodass aus 400-Euro-Jobs der Leiterinnen (deren bezahlte Stundenzahl in der Vergangenheit immer weit überschritten wurde) künftig sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze werden. Da ja so viel Geld für die Festspiele geflossen sei, müsse nun gespart werden – wenn nicht bei der Familienbildungsstätte, dann eben, indem man zum Beispiel die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten streicht.

Es ist dies nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Man hat es wissen können.

Linkes Onlinemarketing.

Die Blogosphäre ist aufgebracht über den Fall des Die Linke-Politikers Lutz Heilmann, der die Weiterleitung von Wikipedia.de auf die deutschsprachige Wikipedia mittels einstweiliger Verfügung sperren ließ.

Ich kenne Herrn Heilmann nicht und gehöre auch nicht zu seinen Wählern, habe aber durch diese Aktion erfahren, dass seine Netzkompetenz nur zurückhaltend entwickelt zu sein scheint.

Zwei Aspekte interessieren mich abseits des großen Getöses an dem Fall: zum einen Mark Seiberts Reaktion: »Ich muss mich schon wieder schämen für eine tumbe Aktion eines Genossen« – das größte Problem für die politischen Parteien scheint zu sein, dass Funktionsträger peinliche Aktionen vollführen, die man als Parteimitglied nicht wirklich gutheißen kann, für die man aber durch die gemeinsame Mitgliedschaft gerade stehen muss (ja, als SPD-Mitglied habe ich einige Übung darin). Dazu aber sind immer weniger Menschen bereit.

Der zweite Aspekt ist die Reaktion der Blogospäre selbst, die über Stasi-Methoden sowie bevorzugte Behandlung von Politikern bei Gerichten mutmaßt. Dazu: das Rechtswerkzeug einstweilige Verfügung steht potentiell jedem offen – nur steht eben nicht jeder in der Wikipedia. Die in diesem Fall ausgesprochene einstweilige Verfügung aber ist nicht nur unverhältnismäßig (das ist aber eher ein Problem der Justiz, nicht des Antragstellers), sondern auch – wie wir sehen – für die Absichten Heilmanns vollkommen kontraproduktiv: sie schadet ihm nun mehr, als beliebige Behauptungen in der Wikipedia es je geschafft hätten. Die Frage, wie man sich gegen möglicherweise falsche Anschuldigungen in der Onlineenzyklopädie wehren soll, stellt sich aber durchaus, denn die selbständige »Verbesserung« von Artikeln, die die eigene Person betreffen, würde vermutlich ebenso negative Schlagzeilen hervorrufen wie die jetzige Aktion.

Gehen wir also mal vom abstrakten Fall aus, über Person A, die im Licht der Öffentlichkeit steht, wird in der Wikipedia etwas behauptet, was A als wahrheitswidrig und damit rufschädigend ansieht: was kann A tun, was nicht zum kollektiven Aufschrei führt?

Die Situation des Betroffenen (und stelle er sich noch so tumb an) mit in den Blick zu nehmen würde so manchem Blogger gut anstehen.

[Update 14.17 Uhr] Lutz Heilmann hat eingesehen, dass sein Weg nicht der richtige war, und will nun doch keine rechtlichen Schritte gegen Wikimedia einleiten.

Gleichwohl bleibt die Frage, »wie Persönlichkeitsrechte geschützt werden können, ohne gleich die Keule rauszuholen« (Mark Seibert).

An Andersch erinnern.

Vor ein paar Tagen erst hielt einer meiner Schüler ein Kurzreferat über Andersch, heute lese ich in Die Zeit einen (nicht online verfügbaren) Artikel, der einen offenbar aufwendig gestalteten Erinnerungsband bespricht: Sansibar ist überall – Alfred Andersch: Seine Welt in Texten, Bildern, Dokumenten.

(Der Schüler brachte mehrere Bände aus der alten schwarzen Diogenes-Ausgabe seiner Eltern mit. Überlegen: wann habe ich das letzte Mal jemanden getroffen, der von Andersch aus eigenem Antrieb mehr gelesen hat als die Schullektüre?)

Vornehmen für in Kürze: ein paar seiner Texte mal wieder lesen.