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Klammerbemerkung.

Eine solche macht man, wenn man nicht weiß, wohin man gucken soll vor lauter Arbeit. Ich hatte das ja vorher schon einmal angesprochen, aber dieser Januar ist insgesamt wirklich kein erholsamer.

Nach den Essays kamen die Zensuren: ja, Zensuren geben (in diesem Fall für die Halbjahreszeugnisse am Beruflichen Gymnasium) macht richtig Arbeit und dauert wirklich lange, wenn man nicht vergessen will, dass eine Zahl für ein halbes Jahr Anstrengung stehen soll. Nebenbei habe ich drei halbe Klassensätze EDV-Arbeiten (Textverarbeitung) korrigiert und begonnen, die Vorschläge für das schriftliche Abitur vorzubereiten, die am Montag in einer Woche fertig sein sollen.

Ich habe dieses Jahr Prüflinge (P3) sowohl in Deutsch als auch in Philosophie. Pro Fach müssen drei Vorschläge ans Ministerium geschickt werden, das diese dann begutachtet und zwei zurückschickt, von denen die S sich am Tag ihrer Prüfung dann einen aussuchen dürfen.

Diese Vorschläge müssen den Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) entsprechen, mithin neben der eigentlichen Aufgabe und im Regelfall einem Textauszug, über den geprüft wird, auch noch ausformulierte Erwartungen enthalten, die dann zum Beispiel verdeutlichen sollen, worin der Unterschied zwischen »hinreichend differenzierten« und »umfassend differenzierten« Leistungen der S liegt.

Heute habe ich deshalb nicht – wie eigentlich geplant – die neue Buddenbrooks-Verfilmung gesehen, sondern stattdessen eine (!) der Aufgaben geschrieben.

Ach so: und all das steht hier nur, damit ihr wisst, warum auch ich momentan wenig blogge, obwohl es viel zu sagen gibt.

Gelesen. Modick.

Klaus Modick: Die Schatten der Ideen. Berlin: Eichborn, 2008.

Geschickte Verschachtelung dreier Ebenen: die des Protagonisten (Moritz Carlsen), der als writer in residence an eine amerikanische Universität in Vermont geht, dort ein Manuskript entdeckt

eines jüdischen Historikers, der, vor den Nazis geflohen und später an eben jener Universität etabliert, in die Fänge McCarthys gerät, weil er nicht nur mit Gewerkschaftern, Linken und Anarchisten bekannt war, sondern auch

über Giordano Bruno lehrte, der wiederum der Inquisition zum Opfer fiel.

Carlsen verfolgt die im Manuskript erzählte Geschichte, stellt Nachforschungen an, stößt auf Ungereimtheiten, vertuschte Informationen und Gegner ...

Das ganze ist – auch wenn man Modick ab & an ein beherzteres Lektorat wünscht – spannend und unterhaltsam erzählt.

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Excel2LaTeX

Nö, ich habe gar keine Lust auszuprobieren, warum das hier erwähnte schon etwas ältere VBA-Makro zur Konvertierung von Excel-Tabellen in LaTeX-Quelltext in der neuesten Word für Mac-Version nicht mehr funktioniert – es gibt ja Excel2LaTeX, ein einfaches Ruby-Script, das tut, was man will: Excel-Tabelleninhalte kopieren, Skript aufrufen – und schon ist der LaTeX-Code in der Zwischenablage.

Neuer Flyer des Fachverbandes Deutsch.

Der Fachverband Deutsch ist eine der beiden Untergliederungen des Deutschen Germanistenverbandes (die andere bilden die Hochschulgermanisten), in der sich die aktiven Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer organisieren. Wir Schleswig-Holsteiner haben gemeinsam mit den Hamburgern einen der umtriebigsten und den größten der Landesverbände.

Nun haben wir auch ein neues (natürlich in LaTeX gesetztes) Informationsblatt, das über die wesentlichen Gründe für den Eintritt informiert und hoffentlich auch noch den kleinen Rest der Nichtmitglieder überzeugt. Da es für das Verteilen an Informationsständen etc. gedacht ist, müsst ihr es nach dem Herunterladen (PDF, 1,3 MB) noch zweiseitig ausdrucken und zweimal falten.

Gelesen. Tellkamp.

Uwe Tellkamp: Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008.

Zuvor: dieses Buch wird nicht zu meinen Lieblingsbüchern zählen. Aber es ist auch keines, dessen Lektüre den Leser unberührt entlässt.

Die Geschichte einer bürgerlichen Gegengesellschaft im Dresden der 1980er Jahre erzählt Tellkamp, indem er verschiedene Reflektorfiguren ihren Ausschnitt aus der Wirklichkeit erleben lässt. Dabei scheint der Turm, das über der Stadt liegende Wohnviertel der Protagonisten, zunächst heimeliges Refugium vor den Zumutungen des real existierenden Sozialismus. Diese Sicht allerdings wird rasch zerstört: die vermeintliche Oppositionshaltung wird nur im privaten Rahmen gelebt, nach außen ist Schauspielerei angesagt. Der Staat hat Zugriff auf jeden, der sich ihm nicht durch Flucht entzieht.

Uwe Tellkamp äußert sich in einem Interview überrascht über die Tatsache, dass sein Buch auch im Westen gelesen wird. Tatsächlich ist es vermutlich für im Westen Aufgewachsene wichtiger als für ehemalige DDR-Bürger.

Trotz allfälliger Nörgeleien literarisch geübter Leser (andere überstehen die ersten 100 Seiten ohnehin nicht) ein lohnendes und wichtiges Buch.

(Und nein: mit den Buddenbrooks hat es natürlich nicht viel zu tun.)

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Gelesen: Chwin.

[Ein paar Nachträge aus den Weihnachtstagen:]

Stefan Chwin: Tod in Danzig. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch, 1999.

Noch von der Polen-Leseliste: wie aus Danzig Gdánsk wurde. Der Literaturwissenschaftler Stefan Chwin hat ein berührendes und ehrliches Buch über den Wechsel einer Stadtbevölkerung und die Folgen des Krieges geschrieben.

Der Originaltitel lautet Hanemann, denn Hanemann ist die verbindende Figur des Wechsels: er bleibt nach der Flucht der Deutschen 1945 in Polen, auch wenn er sich Angriffen der neuen polnischen Mitbewohner ausgesetzt sieht. Der dramatisierende deutsche Titel des Buches indessen ist missverständlich, denn weder handelt es sich um einen Kriminalroman noch wird ausschließlich die dunkle Seite beschrieben: was für Deutsche auf der Flucht Verlust und Tod bedeutete, war auf der anderen Seite eben auch Neuanfang und Leben. Beides mitfühlend und unsentimental zu zeigen, darin liegt Chwins Verdienst.

In einer Amazon-Kundenrezension heißt es: »Auch die Originalversion ist ermüdend, denn es wird immer auf die Personen die vorher da waren eingegangen. [...] Wer will so etwas lesen?« – Das erfrischende an den Leserrezensionen ist, dass man genau weiß, einem könnte ein solches Buch gefallen, wenn etwas weniger sensible Zeitgenossen es verreißen: gerade die Verschränkung von Vorher und Nachher zeigt die Bedeutung der Geschichte für die Stadt Gdánsk und ihrer Bewohner.

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Ein frohes neues Jahr ...

... wünsche natürlich auch ich allen Leserinnen und Lesern hier, für die ich gern mehr schriebe; jedoch sind nach Familienfesten und ausgiebigen Feiern mit Freunden in Winsen anne Aller und auch bei uns zuhause derzeit zwei Stapel Klausuren und ein sehr (!) hoher (!) Stapel philosophischer Essays von Schülerinnen und Schülern Gewähr dafür, dass ich nicht mehr weiß, wo ich meinen Kopf zuletzt abgelegt; und die kurze Zeit, die spätabends frei zur Verfügung steht, ist Uwe Tellkamps Der Turm gewidmet.