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Gelesen. Warren/Robbins.

Larry Warren und Peter Robbins: Left at East Gate. Michael O'Mara, 1997.

Unser Cottage in Woodbridge (Suffolk, UK) war nicht nur vom Mobiliar her sehr wohnlich eingerichtet – vielmehr enthielt es auch ein Regal mit Büchern; diese waren durchaus angenehme (und nicht bloß zuhause aussortierte) Lektüre und des Durchstöberns wert.

Auch einige lokal bedeutsame Titel waren darunter, so beispielsweise The Dig von John Preston (noch nicht gelesen) um die Ausgrabungen von Sutton Hoo sowie das oben angeführte, das in unfreiwilliger Tragikomik die vermeintliche Verschwörung um das Rendlesham Forest Incident beschreibt, eine UFO-Sichtung im Jahr 1980. Gegenstand des Buches sind auch die späteren Versuche von Gehirnwäsche unter Beteiligung der Aliens, denen sich der Autor, ein junger US-Army-Sicherheitsbeamter, ausgesetzt sah, sowie die Vertuschungsversuche der britischen und amerikanischen Behörden.

Reisen und Lesen.

2009-08-05_165514Nun sind wir wieder zurück aus England.

Übers Netz hatten wir Fährfahrt, vier und drei Familienzimmer-Übernachtungen in Jugendherbergen sowie das Ferienhäuschen reserviert und bezahlt. Und erstaunlicherweise hat alles geklappt, die Engländer waren immer nett zu uns, und es war eine schöne Reise.

(Und wenn die Kinderbücher ausgehen und selbst die immer mitgeführten Reserven versiegen, muss man im Foreign Languages Department von Heffers in Cambridge einen Nick-Sammelband finden. (Das Foto zeigt die schon fortgeschrittene Lektüre eineinhalb Tage später vor dem Diana, Princess of Wales Memorial Playground in London, vor dessen Toren es Pizza und Orangensaft gab.))

Verfall.

Das Gedankenexperiment zählt ja zu den wichtigen Methoden der Philosophie, und S sind manchmal irritiert oder gar erschrocken, wenn sie Sachverhalte bedenken sollen, die man normalerweise lieber verdrängt.

Ab & zu denke ich mir, wie es wäre, wenn wir nicht schafften, immer weiter zu machen, und wenn – ganz friedlich, ohne jeden Konflikt – alles den Bach 'runter ginge ... wer sich das nicht vorstellen kann, möge doch mal im Fotoalbum von Yves Marchand und Romain Meffre blättern: sie photographierten Detroit.

Auf die S-Bahn angewiesene Berliner wissen, dass es auch anderenorts Zeichen für Verfall gibt.

Laufen: 200.

Als ich loslief, war fern am Horizont ein wenig Sonne zu sehen. Es tröpfelte nur sanft.

Die Wasserkühlung während des Laufs changierte mehrfach zwischen Niesel- und ergiebigem Landregen. Mit diesem Lauf wurden die 200 km voll – und ohne die drückende Wärme der letzten Tage läuft es sich auch gut.

Als ich gut durchnässt zuhause ankomme, teilen sich die Wolken und lassen die Abendsonne durch.

Gelesen: Seth.

Seth: Wimbledon Green: The Greatest Comic Book Collector in the World. Montreal: Drawn & Quarterly, 2005.

Das Netz und das (Lehrer-) Leben.

Kristian Köhntopp beschreibt eine Besonderheit des Internets: »Diese beiden Eckpunkte – subjektive Kostenlosigkeit und Fairness – erzeugen etwas, das in der Welt außerhalb des Netzes weithin unbekannt ist und sehr selten gesehen wird: Sie erzeugen Überfluß und aus dem Überfluß Kooperation, und dadurch noch mehr Überfluß: Wenn ich (erstens) von was auch immer genug für mich habe und ich (zweitens) durch das Teilen keinen Aufwand habe und ich (drittens) bemerke, daß ein anderer mein Teilen nicht zur persönlichen Bereicherung verwendet, dann greift ein Teil der menschlichen Natur, dem das Teilen eine Freude ist und es entsteht eine kooperative Kultur.«

Im nicht-virtuellen Lehrerleben ist es genau diese Kooperation, die unter Kolleginnen und Kollegen nicht immer ganz selbstverständlich ist: nehmen wir eine Menge von Materialtauschern an, so gibt es in dieser eine Teilmenge, die ausschließlich das Nehmen pflegt (ganz wie im Netz übrigens).

Aber das wird bestimmt noch: viele junge Kolleginnen und Kollegen (von denen in den letzten Jahren erfreulich viele nachkommen) geben Anlass zur Hoffnung, und auch unter den alten sind einige, die weniger Schwierigkeiten mit diesem Prinzip haben. Anders als im Netz haben wir diesbezüglich in der realen Welt jedoch einen Weg zu beschreiten. Aber: auch im Netz ist die von Kristian beschriebene Menge der Kreativen (und zu denen zähle ich schon auch die Chartzusammensteller) eine winzige Minderheit.

[Vgl. zum Publizieren des Wissens Lisa Rosas Artikel Sein Wissen ins Netz stellen.]

Abitur 2009.

An unserem Beruflichen Gymnasium haben wir am vergangenen Samstag mit einer langen, dabei kurzweiligen Entlassungsfeier unsere Abiturienten verabschiedet. Der Rahmen war vortrefflich gewählt (die Schlossterrassen), die Lehrer-/Schülerband spielte auf, Schülerinnen und Schüler führten auf der Bühne kurze Szenen vor, die Reden waren weitgehend schülerbezogen und verloren sich nur selten im Allgemein-Ungefähren, der Landrat amüsierte sich köstlich, die Verwandten zeigten sich bewegt ... alles so, wie es sein sollte.

Die mündlichen Prüfungen vorher waren sehr unterschiedlich: es gab einzelne Prüflinge, die sich offenbar vorher genau ausgerechnet hatten, wie viele Punkte sie noch brauchten, um eine Verbesserung des Abiturschnitts zu erreichen, sodass sie nicht viel Zeit auf die Vorbereitung verschwendet hatten, andere, die deutlich prüfungsgeängstigt, andere, die vom Geschehen gänzlich unbeeindruckt waren, wieder andere, die die Prüfung nutzten, um deutlich mehr Können zu zeigen als im Unterricht. Letzteres war schön zu sehen.

Der abendliche Abiball wurde musikalisch fragwürdigst gestaltet, sodass es sich empfahl, ihn von Peterson's Sherlock Holmes begleitet auf der dem Festsaal vorgelagerten Terrasse mit Blick auf den Großen See zu genießen – mit vielen Gesprächen mit verschiedenen nun ehemaligen Schülern.

Es ist der Moment, in dem der Blick der jetzt Ehemaligen auf die Schule zu kippen beginnt: zur Erinnerung, die verklärt oder verteufelt, was über Jahre unmittelbar erlebt und daher selten reflektiert wurde, die den Großteil der verbrachten Stunden vergisst, um anhand einiger weniger ein je eigenes Bild der Schulzeit zu formen.

Tastend entwickeln die Abiturienten Entwürfe für die nächste Zeit – einige wissen schon ganz genau, was sie erwarten soll (es gibt auch solche, die wollen Lehrer werden), andere sind noch gänzlich orientierungslos. Mögen sie alle ihren Weg finden.