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Laufen: 200.

Als ich loslief, war fern am Horizont ein wenig Sonne zu sehen. Es tröpfelte nur sanft.

Die Wasserkühlung während des Laufs changierte mehrfach zwischen Niesel- und ergiebigem Landregen. Mit diesem Lauf wurden die 200 km voll – und ohne die drückende Wärme der letzten Tage läuft es sich auch gut.

Als ich gut durchnässt zuhause ankomme, teilen sich die Wolken und lassen die Abendsonne durch.

Gelesen: Seth.

Seth: Wimbledon Green: The Greatest Comic Book Collector in the World. Montreal: Drawn & Quarterly, 2005.

Das Netz und das (Lehrer-) Leben.

Kristian Köhntopp beschreibt eine Besonderheit des Internets: »Diese beiden Eckpunkte – subjektive Kostenlosigkeit und Fairness – erzeugen etwas, das in der Welt außerhalb des Netzes weithin unbekannt ist und sehr selten gesehen wird: Sie erzeugen Überfluß und aus dem Überfluß Kooperation, und dadurch noch mehr Überfluß: Wenn ich (erstens) von was auch immer genug für mich habe und ich (zweitens) durch das Teilen keinen Aufwand habe und ich (drittens) bemerke, daß ein anderer mein Teilen nicht zur persönlichen Bereicherung verwendet, dann greift ein Teil der menschlichen Natur, dem das Teilen eine Freude ist und es entsteht eine kooperative Kultur.«

Im nicht-virtuellen Lehrerleben ist es genau diese Kooperation, die unter Kolleginnen und Kollegen nicht immer ganz selbstverständlich ist: nehmen wir eine Menge von Materialtauschern an, so gibt es in dieser eine Teilmenge, die ausschließlich das Nehmen pflegt (ganz wie im Netz übrigens).

Aber das wird bestimmt noch: viele junge Kolleginnen und Kollegen (von denen in den letzten Jahren erfreulich viele nachkommen) geben Anlass zur Hoffnung, und auch unter den alten sind einige, die weniger Schwierigkeiten mit diesem Prinzip haben. Anders als im Netz haben wir diesbezüglich in der realen Welt jedoch einen Weg zu beschreiten. Aber: auch im Netz ist die von Kristian beschriebene Menge der Kreativen (und zu denen zähle ich schon auch die Chartzusammensteller) eine winzige Minderheit.

[Vgl. zum Publizieren des Wissens Lisa Rosas Artikel Sein Wissen ins Netz stellen.]

Abitur 2009.

An unserem Beruflichen Gymnasium haben wir am vergangenen Samstag mit einer langen, dabei kurzweiligen Entlassungsfeier unsere Abiturienten verabschiedet. Der Rahmen war vortrefflich gewählt (die Schlossterrassen), die Lehrer-/Schülerband spielte auf, Schülerinnen und Schüler führten auf der Bühne kurze Szenen vor, die Reden waren weitgehend schülerbezogen und verloren sich nur selten im Allgemein-Ungefähren, der Landrat amüsierte sich köstlich, die Verwandten zeigten sich bewegt ... alles so, wie es sein sollte.

Die mündlichen Prüfungen vorher waren sehr unterschiedlich: es gab einzelne Prüflinge, die sich offenbar vorher genau ausgerechnet hatten, wie viele Punkte sie noch brauchten, um eine Verbesserung des Abiturschnitts zu erreichen, sodass sie nicht viel Zeit auf die Vorbereitung verschwendet hatten, andere, die deutlich prüfungsgeängstigt, andere, die vom Geschehen gänzlich unbeeindruckt waren, wieder andere, die die Prüfung nutzten, um deutlich mehr Können zu zeigen als im Unterricht. Letzteres war schön zu sehen.

Der abendliche Abiball wurde musikalisch fragwürdigst gestaltet, sodass es sich empfahl, ihn von Peterson's Sherlock Holmes begleitet auf der dem Festsaal vorgelagerten Terrasse mit Blick auf den Großen See zu genießen – mit vielen Gesprächen mit verschiedenen nun ehemaligen Schülern.

Es ist der Moment, in dem der Blick der jetzt Ehemaligen auf die Schule zu kippen beginnt: zur Erinnerung, die verklärt oder verteufelt, was über Jahre unmittelbar erlebt und daher selten reflektiert wurde, die den Großteil der verbrachten Stunden vergisst, um anhand einiger weniger ein je eigenes Bild der Schulzeit zu formen.

Tastend entwickeln die Abiturienten Entwürfe für die nächste Zeit – einige wissen schon ganz genau, was sie erwarten soll (es gibt auch solche, die wollen Lehrer werden), andere sind noch gänzlich orientierungslos. Mögen sie alle ihren Weg finden.

Rundbrief 41.

Der »Fachverband Deutsch im Deutschen GermanistenverbandLandesverband Schleswig-Holstein« (es geht nichts über einprägsame und griffige Namen) gibt einmal jährlich den Rundbrief für seine Mitglieder heraus. Da ich die Ehre hatte, ihn zusammenzustellen und zu gestalten, ist er nun auch hier zu bekommen.

(Und ja: natürlich gesetzt in LaTeX – mit Unterstützung der LaTeX-Community (siehe auch Kolophon).)

Liebesmüh.

Ein wenig rührt es mich, wenn Google-Nutzer mit der Suchphrase »dankeshön an seinem lehrer« hier ankommen ...

»Das Wesen aller IT ist die Kopie.«

Lesenswerter Beitrag von Kristian Köhntopp zum Gespräch Scholz–Hillbrecht am 22.6.2009 auf Phoenix: »Ich lebe online.«

(Mir verschaffte das SupraFaxModem 144LC Zugang zur Maus KI im MausNet; älteste Postings verzeichnet Google aus dem Jahr 1995; allerdings wurden in dieser Zeit nur wenige Gruppen ins Internet geroutet.)

Internetsperren durchgewunken.

Auch die von mir bislang unterstützte Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn hat zugestimmt. Nur 3 SPD-Abgeordnete haben offenbar erkannt, worum es geht, und folglich dagegen gestimmt. Ansonsten finden sich auf der Seite der Vernunft nur Abgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, Die Linke und von der FDP.

Declare independence.