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Laufen: 300.

Mit diesem Lauf um den Großen Eutiner See werden die 300 km voll – es ist noch warm, aber die abendliche Stimmung lässt den Herbst schon ahnen.

Gelesen. Eco.

Umberto Eco: Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana. München: Hanser, 2004.

Dieser Eco-Roman war mir bislang entgagen – nun stieß ich auf ihn, weil er in irgendeinem Sekundärtext zu Comics erwähnt wurde. Der Protagonist behandelt seinen unfallbedingten Gedächtnis- und Identitätsverlust, indem er durch die Lektüre seiner Kinder- und Jugendliteratur (mithin meistenteils Comics und Triviales) seine Erinnerung wiederzufinden versucht.

»In den nächsten Tagen fragte ich mich, wie gespalten das Ich eines Kindes gewesen sein mußte, das den Nachrichten von nationaler Glorie ausgesetzt war und gleichzeitig über den Londoner Nebel phantasierte, in dem es Fantomas begegnete, der sich mit Sandokan schlug, in einem Hagel von rostigen Nägeln, die den wohlerzogen-perplexen Landsleuten von Sherlock Holmes die Brust durchbohrten und die Arme und Beine abtrennten – und nun erfuhr ich, daß mir in denselben Jahren das Radio als Lebensideal einen wenig anspruchsvollen Buchhaltertyp präsentierte, der nur vom stillen Glück eines Häuschens im Grünen träumte.« (Ebd., 188)

Buch bei Amazon angucken.

Kleinkredite vergeben per KIVA.

Spätestens seit Muhammad Junus im Jahr 2006 den Friedennobelpreis bekam, hat jeder vom System der Kleinstkredite als Hilfe zur Selbsthilfe in weniger entwickelten Regionen der Erde gehört. In einem (leider vergessenen) Blog (wieder begegnet: es war Nach Dienstschluss) entdeckte ich in einer Randspalte eine Anzeige für KIVA (hier geht's zu KIVA Deutschland), eine gemeinnützige Organisation, die diese Systeme fördert, indem sie sie mit privaten Kreditgebern in der »ersten Welt« verbindet.

Das finde ich pfiffig, und deshalb habe ich das vor zwei Monaten auch ausprobiert. Ich habe mir in der Auswahl an Projekten einige ausgesucht, die mir besonders unterstützenswert erschienen.

Beispiel für ein solches Projekt: eine Frau in Nicaragua »works with much enthusiasm and the desire to get ahead. She makes and sells food. She sells the food herself at her site. She has been in this business for 20 long years, and she has gained a lot of experience making food. Therefore, she has a lot of people come to her site daily to buy the delicious food that she prepares.« Diese Frau erbat einen Kredit von US$ 525 »to buy raw materials to make food«. Dieses Geld wolle sie in 5 Monaten zurückzahlen.

Selbstverständlich könnte nun jemand, der 525 Dollar übrig hat, diesen Kredit komplett finanzieren. Stattdessen aber hat Kiva ein System aufgebaut, das es den Kreditgebern ermöglicht, in 25-Dollar-Schritten Geld zu verleihen. Ich habe also 25 Dollar verliehen, Kiva gibt diese (ohne Verluste!) an eine lokale Kleinkreditorganisation weiter, die das Geld vor Ort an die Kreditnehmerin vergibt und auch auf die Rückzahlung achtet. All dies wird im Einzelnen vorab beschrieben und dokumentiert.

Über den RSS-Feed des Projekts wird der Kreditgeber auf dem Laufenden gehalten – heute erfuhr ich, dass die Frau fristgerecht ihre zweite Rate bezahlt hat.

Zum ersten Mal auf dem Golfplatz!

2009-07-26_115638_P2Nicht etwa, weil wir spielen wollten, sondern weil der Public Footpath quer über den Platz führte.

Mit nebenstehendem Schild und Aufschriften wie »Danger! Golfballs from the Left!« wird der unbedarfte Wanderer dann vor den Tücken unkontrollierter Golferbemühungen gewarnt.

Gelesen. Warren/Robbins.

Larry Warren und Peter Robbins: Left at East Gate. Michael O'Mara, 1997.

Unser Cottage in Woodbridge (Suffolk, UK) war nicht nur vom Mobiliar her sehr wohnlich eingerichtet – vielmehr enthielt es auch ein Regal mit Büchern; diese waren durchaus angenehme (und nicht bloß zuhause aussortierte) Lektüre und des Durchstöberns wert.

Auch einige lokal bedeutsame Titel waren darunter, so beispielsweise The Dig von John Preston (noch nicht gelesen) um die Ausgrabungen von Sutton Hoo sowie das oben angeführte, das in unfreiwilliger Tragikomik die vermeintliche Verschwörung um das Rendlesham Forest Incident beschreibt, eine UFO-Sichtung im Jahr 1980. Gegenstand des Buches sind auch die späteren Versuche von Gehirnwäsche unter Beteiligung der Aliens, denen sich der Autor, ein junger US-Army-Sicherheitsbeamter, ausgesetzt sah, sowie die Vertuschungsversuche der britischen und amerikanischen Behörden.

Reisen und Lesen.

2009-08-05_165514Nun sind wir wieder zurück aus England.

Übers Netz hatten wir Fährfahrt, vier und drei Familienzimmer-Übernachtungen in Jugendherbergen sowie das Ferienhäuschen reserviert und bezahlt. Und erstaunlicherweise hat alles geklappt, die Engländer waren immer nett zu uns, und es war eine schöne Reise.

(Und wenn die Kinderbücher ausgehen und selbst die immer mitgeführten Reserven versiegen, muss man im Foreign Languages Department von Heffers in Cambridge einen Nick-Sammelband finden. (Das Foto zeigt die schon fortgeschrittene Lektüre eineinhalb Tage später vor dem Diana, Princess of Wales Memorial Playground in London, vor dessen Toren es Pizza und Orangensaft gab.))

Verfall.

Das Gedankenexperiment zählt ja zu den wichtigen Methoden der Philosophie, und S sind manchmal irritiert oder gar erschrocken, wenn sie Sachverhalte bedenken sollen, die man normalerweise lieber verdrängt.

Ab & zu denke ich mir, wie es wäre, wenn wir nicht schafften, immer weiter zu machen, und wenn – ganz friedlich, ohne jeden Konflikt – alles den Bach 'runter ginge ... wer sich das nicht vorstellen kann, möge doch mal im Fotoalbum von Yves Marchand und Romain Meffre blättern: sie photographierten Detroit.

Auf die S-Bahn angewiesene Berliner wissen, dass es auch anderenorts Zeichen für Verfall gibt.

Laufen: 200.

Als ich loslief, war fern am Horizont ein wenig Sonne zu sehen. Es tröpfelte nur sanft.

Die Wasserkühlung während des Laufs changierte mehrfach zwischen Niesel- und ergiebigem Landregen. Mit diesem Lauf wurden die 200 km voll – und ohne die drückende Wärme der letzten Tage läuft es sich auch gut.

Als ich gut durchnässt zuhause ankomme, teilen sich die Wolken und lassen die Abendsonne durch.