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Über den Wert von Reputation.

Zu Leander Wattigs gleichnamigem Artikel schrieb ich:

»Dann haben sie zwar nichts Negatives in der Hand. Allein schon das Fehlen von Positivem wirkt aber verdächtig.«

Mit viel Zustimmung habe ich Deine Unternehmungen im Hinblick auf die Vernetzung von Branchenteilnehmern beobachtet. Auch braucht die eine oder andere Buchhandlung sicher mal einen kleinen Kick, um ihr Potential im Netz zu erkennen. Mit dem Gedanken oben gehst Du jedoch einen Schritt zu weit.

Der – auch implizite – Zwang zur privaten Teilnahme am Netzleben ist fragwürdig, ein Verdachtsmoment aus dem Fehlen von Informationen zu konstruieren ist im technokratischen Denken sicher stimmig (auch eine Lücke ist eine Information), einer zivilen Gesellschaft aber alles andere als zuträglich.

Das Netz als Instrument gesellschaftlicher Teilhabe soll neue Möglichkeiten eröffnen, nicht neue Zwänge schaffen.

Gelesen. Peltzer.

Ulrich Peltzer: Teil der Lösung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 2009.

Christian trifft Nele, die ihm zunächst aggressiv begegnet; gleichwohl werden die beiden allmählich zu einem Liebespaar (was erfreulich ehrlich und unkitschig, gleichwohl gefühlvoll geschildert wird; bis zu diesem Punkt muss sich der Leser allerdings schon durch das halbe Buch voller belangloser Alltagssorgen Christians durcharbeiten). Da Nele allerdings einer zunehmend gewaltbereiten Gruppe von Systemgegnern angehört, verbirgt sie ihm einen Teil ihres Lebens.

Gegen Ende des Buches allerdings beginnt Christian zu ahnen, dass Nele – aus ihm unbekannten Gründen – von der Polizei einer Straftat verdächtigt wird. Wenn es nun – wie der Klappentext suggeriert – um die Frage geht, ob Christian, Protagonist der Geschichte, Teil der Lösung sein möchte oder Teil des Problems, warum wird diese Frage dann bestenfalls auf den letzten paar Seiten angedeutet?

[Spoiler, daher Rot13: Haq jvrfb vfg rf – trfpuvyqreg nhs qra yrgmgra orvqra Frvgra – Aryr, qvr qneüore orsvaqrg, qvr Ormvruhat jrvgremhsüuera, haq jvrfb yvrtg qvrfr Ragfpurvqhat avpug va Puevfgvnaf Irenagjbeghat, jnf nyyrva rvara qra Gvgry haq Xynccragrkg erpugsregvtraqra Xbasyvxg ragfgrura yvrßr?]

Trotz (oder wegen) gelungener Passagen: ärgerlich.

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Gelesen. Proulx.

»Wir haben überhaupt keine Kontrolle mehr übers Fischen. Wir treffen keine Entscheidungen, tun bloß, was sie uns sagen, und zwar wo und wann sie's uns sagen. Wir leben nach Regeln, die woanders gemacht werden, von Arschlöchern, die von der Gegend hier keine blasse Ahnung haben.« (341 in:)

E. Annie Proulx: Schiffsmeldungen. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch, 1997.

(Mehrfach wurde mir von dieser Lektüre schon beeindruckt erzählt; die Buchhandlungen verkauften es stapelweise. Lesen mochten es dann wohl wenige – mein gebraucht erworbenes Exemplar war denkbar billig.

Ich möchte die Lektüre ebenfalls empfehlen.)

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Meiner macht Philosophie.

Kein Philosophiestudent kommt an den grünen Bänden des Meiner-Verlags vorbei. Nun hat die Deutsche Welle einen Filmbeitrag über den Verlag gedreht, der auch über YouTube verfügbar ist.

Nett daran: auf die in Anbetracht der Tatsache, dass ihr gerade ein mehrbändiges Fachlexikon zur Philosophie vorgestellt wurde, dusselige Erkundigung der das Interview führenden Praktikantin »Ist das nicht sehr abstrakt – in der heutigen Zeit, in der man alles so instant-mäßig haben will?« meint Manfred Meiner nur »Ja, das sind Sie dann bei uns falsch, wenn Sie instant wollen, werden Sie in unserem Programm nicht fündig.« Sie vergewissert sich noch mal: »Das ist nicht Philosophie to go, das ist hardcore?« Er bestätigt: »Das ist hardcore

Himmel! Sie ist bei Meiner! Kann man sich da nicht vorher ein, zwei intelligente Fragen diktieren lassen?

Aus der Alten Gutsgärtnerei …

in Sierhagen (hier schon einmal erwähnt) sollte man immer etwas mitbringen. Ich habe heute gepflanzt, was ich gestern anlässlich einer Kaffeepause auf der familiären Radtour erwarb: Korsische Minze (Mentha requienii), Ysop (Hyssopus officinalis), Römische Kamille (Anthemis nobilis) und Katzenminze (Nepeta x faassenii).

Nanotechnologie im Philosophenstübchen.

Annette Schlemm widmet sich in einer Beitragsreihe (hier der erste Teil mit Inhaltsübersicht) verschiedenen Aspekten der Nanotechnologie.

(Annette ist ja schon seit Jahrhunderten im Netz und daher darf man die Gestaltung Ihres Philosophenstübchens mit nostalgischer Nachsicht betrachten. Lesenswertes findet sich allemal.)

Städtische und ländliche Provinzen.

Dörfer, in denen nichts passiert. Dörfer, in denen der Hundefriedhof und der Briefkasten die einzigen zentralen Einrichtungen sind. In einem anderen Dorf ein Puppentheater der einzige farbige Fleck. Dörfer, in denen die Gewerbebetriebe »Man schleppt sich so durch« heißen müssten. Dörfer mit einer Bushaltestelle, auf deren Bank ein Alter auf seinen Stock gestützt auf den Boden starrt. Schon lange. Noch lange. Dörfer, in denen die Verkaufswagen von Lebensmittelläden und Bäckereiketten vergeblich warten – wenn sie noch halten. Dörfer, in denen Gemüsegärten noch notwendig sind. Dörfer, in denen die Gardinen schon lange nicht mehr bewegt wurden, denn es gab nichts zu sehen auf der Straße. Dörfer, in die scheinfeine Geschäftsleute verborgene Luxusanwesen setzen. Dörfer, in denen der Verfall auch vor jenen kaum zögern wird.

(»Wenn ich hier stürzte und am Straßenrand liegenbliebe«, denke ich beim Lauf um den Carwitzer See, »fände mich so bald niemand; ›unbekannte Männerleiche‹ heißt das in den Kriminalromanen immer.«)

Vertreter zweier Personengruppen würde ich gern mal mitnehmen in die mecklenburger Provinz: Politiker aus Berlin und Großstadtblogger. Zum Neujustieren. Um ihnen begreiflich zu machen, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten sein können. Um Verantwortung zu verdeutlichen. Um Wesentliches zu erkennen.