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Frühling gesucht.

Nach eineinhalbmonatiger schnee- und erkältungsbedingter Pause wieder gelaufen. Die Wege im Wald sind nach wie vor weiß, die von Holz transportierenden Forstfahrzeugen gezogenen Spuren wie Bobbahnen so glatt; zwischen den Spuren haben frühere Passanten verharschte Eindrücke hinterlassen, sodass jeder Schritt ein konzentrierter sein muss, um nicht auszurutschen oder wegzuknicken. Mindestens eine Woche wird es selbst bei Tauwetter brauchen, bis die Wege wieder Erde zeigen.

Weiche dann doch lieber auf geräumte Teerbahnen und Trottoirs neben der Straße aus, statt die Standardrunde zu drehen.

Das Laufen ist befreiend, wenn auch die Pause sich in mangelnder Kondition bemerkbar macht.

Inzwischen schneit es wieder.

Stephen Fry und die katholische Kirche.

Lief schon durch alle wichtigen Blogs – es sei also nur kurz hingewiesen auf dieses Video (das ich erst einmal in Ruhe hören musste, bevor ich's weitergebe) eines Vortrags von Stephen Fry im Rahmen der intelligence²-Debatte um die These »The Catholic Church is a force for good in the world«. [Via nerdcore]

Lanier lesen.

Alles mit Realnamen veröffentlichen (außer bei Gefahr für Leib & Leben). Eine Website aufziehen, die verdeutlicht, was man außer dem wenigen ist, was in die Raster »Sozialer Netzwerke« passt. Ein Blogpost schreiben, dessen nun notwendiger Veröffentlichung Wochen des Nachdenkens vorangingen …

… sinngemäß sind dies (und andere) »some of the things you can do to be a person instead of a source of fragments to be exploited by others« – gleich zu Beginn des Buches von Jaron Lanier: You Are Not a Gadget. New York : Alfred A. Knopf, 2010.

Buch bei Amazon angucken.

»Promi-Pauker«? – Nein, danke.

Das ZDF lädt mich in einer persönlich adressierten Spam-Mail ein, in meinem Blog die Sendereihe »Promi-Pauker« zu bewerben. Ich sehe davon lieber ab. Warum, steht in meiner Mail an den Absender:

Sehr geehrte […],

[Diese Mail wird in meinem Blog veröffentlicht. Mit Ihrer Antwort erteilen Sie mir die Genehmigung, die Antwort ganz oder in Auszügen zu veröffentlichen.]

[…]

einer der ersten Blogger dieses Landes bemerkt bei einer solchen Gelegenheit gern, man müsse den Kakao, durch den man gezogen wird, ja nicht auch noch trinken:

Lehrer sind »Pauker«? - Wenn Otto Normalverbraucher dies so formuliert, weil er in der Schule mal schlechte Erfahrungen gemacht hat, habe ich kein Problem damit. Würde ein Privatfernsehsender eine Sendung so nennen, sähe ich meine Vorurteile gegenüber diesen nur bestätigt. Wenn aber das auch durch meine Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen derlei Belustigungen millionenfach verbreitet, ist dies ein in seiner volkstümlich anbiedernden Dreistigkeit peinliches Schauspiel, das von mir ganz sicher nicht unterstützt wird.

Der zweite Bestandteil des Titels referiert auf C-Prominente, die sich im Bewusstsein ihres schwindenden Bekanntheitsgrades auf jede tumbe Show-Idee einlassen: auch schlechte Publicity sei immerhin Publicity.

Sie schreiben, die »Promis« seien durch ein »Kurzreferendariat« von einer Woche auf den Einsatz vorbereitet worden. Man fragt sich natürlich, warum echte Referendarinnen und Referendare eineinhalb bis zwei Jahre Referendariat absolvieren müssen, wenn das ZDF das doch in einer Woche organisieren kann.

Die Schülerinnen und Schüler werden dabei in Ihrer »Doku«-Soap in ihrem Eindruck bestätigt, dass das Fernsehen das wahre Leben mitbringe – ist es doch viel aufregender, vor einem Kamerateam wahlweise zu rebellieren oder zu parieren: Hauptsache, man schickt uns »Prominente«. Wenn sie dann aber wieder gehen, zieht der graue Alltag wieder ein. Was meinen Sie: haben die Lehrer der betreffenden Klassen es danach einfacher?

Sie instrumentalisieren die Schülerinnen und Schüler für die Quote. Ein wahres Bild von Schule interessiert Sie nicht. Es geht bei dieser wie bei allen »Doku«-Soaps um die Bestätigung bestehender Ressentiments, um die voyeuristische Freude am Misslingen.

Der Lehrerberuf ist ein ziemlich großartiger. Ich würde ihn gegen keinen anderen tauschen wollen. Aber es ist kein einfacher Beruf, keiner, den man mal so rasch zur Belustigung eines traurigen Publikums ausüben kann.

Ich täte keinem Auto Gutes, an das man mich nach einem einwöchigen Schnellkurs zum Kfz-Mechatroniker heranließe. Kein Autobesitzer hätte Vertrauen zu mir. Und er hätte recht in seinem Misstrauen. Kfz-Mechatroniker ist nämlich ein ziemlich kniffliger Beruf, in dem man viel können und wissen muss. Nichts von all dem wüsste ich nach einer Woche.

Und – jetzt verrate ich Ihnen vermutlich Neues - Schülerinnen und Schüler sind sogar noch empfindlicher, komplexer und wichtiger als jede S-Klasse. Ich sähe ungern C-Prominente stümperhaft an ihnen herumexperimentieren.

Haben Sie also bitte Verständnis dafür, dass ich in der Tat von diesem Kakao nicht trinken möchte.

Mit freundlichen Grüßen


Wer mehr lesen möchte, guckt bei Frau Freitag nach.

Zum Krieg.

»Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!«

(Helmut Schmidt in der lesenswerten Einschätzung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, zunächst gehalten vor dem SPD-Parteivorstand, nun gedruckt in Die Zeit.)