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Stephen Fry und die katholische Kirche.

Lief schon durch alle wichtigen Blogs – es sei also nur kurz hingewiesen auf dieses Video (das ich erst einmal in Ruhe hören musste, bevor ich's weitergebe) eines Vortrags von Stephen Fry im Rahmen der intelligence²-Debatte um die These »The Catholic Church is a force for good in the world«. [Via nerdcore]

Lanier lesen.

Alles mit Realnamen veröffentlichen (außer bei Gefahr für Leib & Leben). Eine Website aufziehen, die verdeutlicht, was man außer dem wenigen ist, was in die Raster »Sozialer Netzwerke« passt. Ein Blogpost schreiben, dessen nun notwendiger Veröffentlichung Wochen des Nachdenkens vorangingen …

… sinngemäß sind dies (und andere) »some of the things you can do to be a person instead of a source of fragments to be exploited by others« – gleich zu Beginn des Buches von Jaron Lanier: You Are Not a Gadget. New York : Alfred A. Knopf, 2010.

Buch bei Amazon angucken.

»Promi-Pauker«? – Nein, danke.

Das ZDF lädt mich in einer persönlich adressierten Spam-Mail ein, in meinem Blog die Sendereihe »Promi-Pauker« zu bewerben. Ich sehe davon lieber ab. Warum, steht in meiner Mail an den Absender:

Sehr geehrte […],

[Diese Mail wird in meinem Blog veröffentlicht. Mit Ihrer Antwort erteilen Sie mir die Genehmigung, die Antwort ganz oder in Auszügen zu veröffentlichen.]

[…]

einer der ersten Blogger dieses Landes bemerkt bei einer solchen Gelegenheit gern, man müsse den Kakao, durch den man gezogen wird, ja nicht auch noch trinken:

Lehrer sind »Pauker«? - Wenn Otto Normalverbraucher dies so formuliert, weil er in der Schule mal schlechte Erfahrungen gemacht hat, habe ich kein Problem damit. Würde ein Privatfernsehsender eine Sendung so nennen, sähe ich meine Vorurteile gegenüber diesen nur bestätigt. Wenn aber das auch durch meine Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen derlei Belustigungen millionenfach verbreitet, ist dies ein in seiner volkstümlich anbiedernden Dreistigkeit peinliches Schauspiel, das von mir ganz sicher nicht unterstützt wird.

Der zweite Bestandteil des Titels referiert auf C-Prominente, die sich im Bewusstsein ihres schwindenden Bekanntheitsgrades auf jede tumbe Show-Idee einlassen: auch schlechte Publicity sei immerhin Publicity.

Sie schreiben, die »Promis« seien durch ein »Kurzreferendariat« von einer Woche auf den Einsatz vorbereitet worden. Man fragt sich natürlich, warum echte Referendarinnen und Referendare eineinhalb bis zwei Jahre Referendariat absolvieren müssen, wenn das ZDF das doch in einer Woche organisieren kann.

Die Schülerinnen und Schüler werden dabei in Ihrer »Doku«-Soap in ihrem Eindruck bestätigt, dass das Fernsehen das wahre Leben mitbringe – ist es doch viel aufregender, vor einem Kamerateam wahlweise zu rebellieren oder zu parieren: Hauptsache, man schickt uns »Prominente«. Wenn sie dann aber wieder gehen, zieht der graue Alltag wieder ein. Was meinen Sie: haben die Lehrer der betreffenden Klassen es danach einfacher?

Sie instrumentalisieren die Schülerinnen und Schüler für die Quote. Ein wahres Bild von Schule interessiert Sie nicht. Es geht bei dieser wie bei allen »Doku«-Soaps um die Bestätigung bestehender Ressentiments, um die voyeuristische Freude am Misslingen.

Der Lehrerberuf ist ein ziemlich großartiger. Ich würde ihn gegen keinen anderen tauschen wollen. Aber es ist kein einfacher Beruf, keiner, den man mal so rasch zur Belustigung eines traurigen Publikums ausüben kann.

Ich täte keinem Auto Gutes, an das man mich nach einem einwöchigen Schnellkurs zum Kfz-Mechatroniker heranließe. Kein Autobesitzer hätte Vertrauen zu mir. Und er hätte recht in seinem Misstrauen. Kfz-Mechatroniker ist nämlich ein ziemlich kniffliger Beruf, in dem man viel können und wissen muss. Nichts von all dem wüsste ich nach einer Woche.

Und – jetzt verrate ich Ihnen vermutlich Neues - Schülerinnen und Schüler sind sogar noch empfindlicher, komplexer und wichtiger als jede S-Klasse. Ich sähe ungern C-Prominente stümperhaft an ihnen herumexperimentieren.

Haben Sie also bitte Verständnis dafür, dass ich in der Tat von diesem Kakao nicht trinken möchte.

Mit freundlichen Grüßen


Wer mehr lesen möchte, guckt bei Frau Freitag nach.

Zum Krieg.

»Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!«

(Helmut Schmidt in der lesenswerten Einschätzung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, zunächst gehalten vor dem SPD-Parteivorstand, nun gedruckt in Die Zeit.)

Wozu eigentlich geschlossene soziale Netzwerke?

[Seit Oktober 2009 liegt hier schon ein Artikelentwurf zu Facebook herum, den ich anlässlich des Artikels Die Privatisierung des virtuellen Raums von Jürgen Fenn beenden möchte. »Facebook« steht hier natürlich für alle ähnlichen Formen geschlossener sozialer Netzwerke.]

So langsam beginne ich zu verstehen, was Facebook ist: ein Bereich im Netz, der von den Nicht-Facebook-Nutzern in der Regel nicht eingesehen werden kann und der von den Facebook-Nutzern als sicheres Refugium verstanden wird, das Schutz bietet vor dem bösen, weil offenen Teil des Internet.

Für mich, der ich den offenen Teil des Internet immer interessanter fand als geschlossene (weil Offenheit einen der zentralen Werte des Netzes darstellt), ist nun die Frage: warum sollte man sich bewusst um die Teilnahme des größeren Teils der Netzgemeinde bringen, indem man sich in einer geschlossenen Gesellschaft bewegt?

Der in Facebook eröffnete Account wird mehr oder minder freizügig mit einer kleineren oder größeren Menge persönlicher Daten gespickt. Sodann geht man auf Suche nach in Facebook vertretenen Bekannten und Verwandten, die man – so gefunden – als »Freunde« markiert. Mehr oder minder regelmäßig beglückt man die »Freunde« mit mehr oder minder ausführlichen Updates zur gegenwärtigen Befindlichkeit, kommentiert im Gegenzug andere Updates. Der einzige Vorteil, den ich gegenüber selbstgeführten Blogs sehe, ist der der (vermeintlichen) Datensicherheit: der Nutzer glaubt, nur die »Freunde« (die ja, und hier fangen die Schwierigkeiten an, gar nicht alle Freunde sind) könnten Updates wahrnehmen, vor der Öffentlichkeit seien sie verborgen. Die angeblich einfache Benutzung relativiert sich, sobald man Standardeinstellungen verändern möchte.

Interessant ist bei Facebook zudem das Entstehen eines gemeinsamen Bewusstseinsstromes aller »Freunde«: alle Meldungen von »Freunden« erscheinen in einer langen Textspalte samt Kommentaren – ein Phänomen, das im freien Netz in dieser Form nicht üblich, wohl aber herstellbar ist, zum Beispiel in der Form eines Planeten: ich könnte meine Blogsoftware anweisen, auf einer Seite alle Einträge der RSS-Feeds der von mir gelesenen Blogs darzustellen. Wesentliche Gründe gegen die Darstellung eines solchen Planeten sind beispielsweise urheberrechtliche: nicht alle Autoren haben ihre Einwilligung zu Wiederveröffentlichung gegeben. Außerdem kann sich ja jeder in seinem Feedreader seine eigene Zusammenstellung herstellen – eine wiederholte Veröffentlichung ist im offenen Netz völlig unnötig.

Nun aber zu den Einschränkungen: den oben benannten Artikel hat Jürgen Fenn auch auf Facebook veröffentlicht. Wer nun aber nicht Mitglied von Facebook ist, kann diese Netzadresse nicht erreichen. Zwar kann der Interessierte Facebook-Nutzer werden, doch muss er hierfür mit seinen Daten bezahlen. Das würde ich (anders als einen Internetzugang) niemandem nahelegen wollen, der nicht ganz genau weiß, was er tut. Die im Anschluss an die Facebook-Veröffentlichung des Artikels stattfindende Diskussion ist für die Öffentlichkeit leider auch verloren. Das ist schade (und in der Masse und konsequenten Weiterentwicklung schädlich), denn möglicherweise ist diese Diskussion wichtig für andere.

(In der Diskussion wird übrigens unter anderem der Standpunkt vertreten, Usenet und Mailinglisten seien Kommunikationsformen mit ausgesprochen elitärem Charakter. Das Gegenteil ist der Fall. Zwar haben an diesen frühen Netzmedien weniger Menschen teilgenommen, weil das Netz an sich kaum jemandem zugänglich war, das Medium Usenet an sich allerdings setzt außer einem einmalig einzurichtenden Newsreader nichts voraus und ist allemal so einfach zu bedienen wie verschiedene Webforen mit jeweils unterschiedlichen Bedienoberflächen. Klickibunti ist nicht immer einfacher.

Und auch in Bezug auf Mailinglisten ist der technische Anspruch denkbar gering: wer eine E-Mail verschicken kann, kann an einer Mailingliste teilnehmen. Dass Mailinglisten teilweise auf bestimmte Nutzergruppen beschränkt sind, liegt in der Natur der Sache, hat aber mit »elitär« so gar nichts zu tun.)

Für mich heißt das in der Konsequenz: ich erhalte meine Facebook- und XING-Accounts, und sie mögen für den einen oder anderen auch eine Möglichkeit sein, Kontakt aufzunehmen (da eine Freundschaftsanfrage auf Facebook anscheindend als weniger störend privat angesehen wird als eine E-Mail), meine technisch gestützte Kommunikation wird aber bevorzugt immer über die alten, öffentlichen Kanäle E-Mail und Homepage bzw. Blog stattfinden. Auf Facebook findet sich daher auch nicht dieser ganze Artikel, sondern nur ein Hinweis darauf.

Alle sozialen Netzwerke haben einen Button, der Freunde in das betreffende Unternehmen einlädt. Ich würde lieber ausladen: traut Euch heraus aus der kuscheligen Facebookstube, bastelt Euch ein Blog, seht, wie förderlich Diskussion außerhalb von Webforen sein kann, seid Öffentlichkeit und nicht Teil einer ökonomischen Verfügungsmasse.

Literatur zur Medienphilosophie.

(Auf Nachfrage Lisa Rosas hin hier etwas ausführlicher:] Folgende Titel [BibTeX] habe ich mir besorgt:

[HK02] Helmes, Günter ; Köster, Werner: Texte zur Medientheorie. Stuttgart : Reclam, 2002 (RUB 18239)
[LL04] Lagaay, Alice ; Lauer, David: Medientheorien. Eine philosophische Einführung. Frankfurt am Main : Campus, 2004
[Mer06] Mersch, Dieter: Medientheorien zur Einführung. Hamburg : Junius, 2006
[Mün09] Münker, Stefan: Philosophie nach dem »Medial Turn«. Beiträge zur Theorie der Mediengesellschaft. Bielefeld : Transcript Verlag, 2009 (Medienanalysen 4)

[HK02] ist eine Sammmlung unverzichtbarer theoretischer Texte vom Alten Testament bis zu Ray Kurzweil und erspart damit einige Bibliotheksbesuche (auf der Suche nach nicht mehr lieferbaren Ausgaben wichtiger Autoren). Auf [LL04] bin ich noch gespannt; gegenwärtig lese ich [Mer06] (nicht schlecht, aber sehr knapp). [Mün09] enthält Aufsätze zu interessanten Themen, schwankt aber häufiger zwischen seicht und (zumindest für Schüler, und mit dem Blick auf die Verwertbarkeit erfolgt die Lektüre ja auch) unverständlich.

(Münker bringt auch eine hübsche Stelle aus Walter Benjamins »Berliner Kindheit um Neunzehnhundert«, die ich heute zur Einführung verwendet habe. Er schildert dort, wie er bei der Benutzung eines frühen Telefons »gnadenlos der Stimme ausgeliefert [gewesen sei], die da sprach. Nichts war, was die unheimliche Gewalt, mit der sie auf mich eindrang, milderte. Ohnmächtig litt ich, wie sie die Besinnung auf Zeit und Pflicht und Vorsatz mir entwand, die eigene Überlegung nichtig machte […]« Und so fort.)

Auf dem Tisch liegt auch Neal Stephensons Snow Crash (für eine der nächsten Stunden; Hinführung zur Virtualität und Second Life etc.).

Zur Vorbereitung hatte ich eine MindMap gebastelt, damit ich nichts vergesse. Außerdem habe ich noch ein paar Links gesammelt.

Die Schülereinfälle zum Thema aus der heutigen Stunde muss ich erst noch ordnen, gewichten, überdenken.

[Nachtrag:]

[MR08] Münker, Stefan (Hrsg.) ; Roesler, Alexander (Hrsg.): Was ist ein Medium? Frankfurt am Main : Suhrkamp Taschenbuch, 2008 (stw 1887)

habe ich zu erwähnen vergessen; war schon in einem anderen Bücherstapel verschwunden.

Zwischenmeldung.

Warum hier so selten Neues erscheint?

Für die Schule lese ich mich im Moment in das Thema Medienphilosophie ein, da mein Philosophiekurs im 13. Jahrgang von mir begleitet ausgehend von den neuen Medien (im Internet, aber z. B. auch Spiele etc.) genauer zu erfahren suchen wird, inwiefern das Geschehen auf diesem Gebiet etwas Besonderes ist.

Und auf der privaten Lektüreseite steht seit Weihnachten Thomas Pynchons Gegen den Tag – es ist schon erstaunlich, wenn man nach nicht ganz einfachen über 500 Seiten noch nicht einmal die Hälfte erreicht hat ...

Ich tauche wieder ab.

Anstand war gestern. Heute ist Schwarz-Gelb.

Wenn wir uns alle zusammentun, können wir uns vielleicht auch ein Gesetz nach Wunsch aussuchen. Man bekommt derlei bei der FDP schon ab 1,1 Millionen Euro. Das ist ja fast geschenkt.

(Das Auswärtige Amt stellt für Haiti übrigens 1 Million Euro Soforthilfe zur Verfügung. Zusammen mit den 500.000 Euro aus Dirk Niebels Versorgungsministerium ist das immerhin geringfügig mehr als eine Parteispende.)

(Und Roland Koch in einem auch aus anderen Gründen vielsagenden Interview: »Unabhängig von der Steuersenkung haben wir schon das Geld für höhere Bildungsanstrengungen gar nicht. Also müssen wir erst mal dafür Geld besorgen.«

Vielleicht sollte man mal bei denen suchen, die Millionenspenden aus der Portokasse leisten?)

Ach so: das Ganze läuft unter dem Label »geistig-politische Wende«.

[Update 18.1.2209:] Inzwischen entfernte eBay-Auktion.

Sachtextanalyse mit Vampire Weekend.

Einer der drei Texte, die ich meinem Deutsch-GK heute als Hausaufgabe wahlweise zur Analyse gegeben habe, war (im Rahmen des lobenswerten Projekts »Die Zeit für die Schule«) »Schlangenlinien« über die neue Platte von Vampire Weekend. Und damit auch die nie Musik Hörenden wissen, worum's geht: hier ist Vampire Weekend vs. Miike Snow – The Kids Don't Stand A Chance [speziell dieser Mix ist ein Tip von Franzi].

Gelesen. Abouet / Oubrerie.

Marguerite Abouet (Autorin) und Clement Oubrerie (Zeichner): Aya 1–3. Hamburg: Carlsen, 2006–2008.

Empfehlenswerte Comicreihe um eine kluge junge Frau und ihre normal verrückten Freunde, Verwandten und Bekannten. Um 1980 an der Elfenbeinküste spielend.

(Von Kind 1 ausgeliehen. Nun warten wir beide auf die in Frankreich schon erschienenen Bände 4 und 5.)

Bei Amazon angucken: Band 1, Band 2, Band 3.