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Zum Krieg.

»Wir Deutschen sind nach dem von uns verschuldeten Zweiten Weltkrieg und nach unserer totalen Niederlage deutlich weniger kriegsbereit als manche jener Nationen, welche beide Weltkriege gewonnen haben. Diese Haltung resultiert nicht aus idealistischem Pazifismus, auch nicht aus verwerflicher Feigheit, sondern aus der Einsicht in die katastrophale militärische Fehlentwicklung Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Lehre gelernt zu haben ist weiß Gott keineswegs verwerflich!«

(Helmut Schmidt in der lesenswerten Einschätzung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr, zunächst gehalten vor dem SPD-Parteivorstand, nun gedruckt in Die Zeit.)

Wozu eigentlich geschlossene soziale Netzwerke?

[Seit Oktober 2009 liegt hier schon ein Artikelentwurf zu Facebook herum, den ich anlässlich des Artikels Die Privatisierung des virtuellen Raums von Jürgen Fenn beenden möchte. »Facebook« steht hier natürlich für alle ähnlichen Formen geschlossener sozialer Netzwerke.]

So langsam beginne ich zu verstehen, was Facebook ist: ein Bereich im Netz, der von den Nicht-Facebook-Nutzern in der Regel nicht eingesehen werden kann und der von den Facebook-Nutzern als sicheres Refugium verstanden wird, das Schutz bietet vor dem bösen, weil offenen Teil des Internet.

Für mich, der ich den offenen Teil des Internet immer interessanter fand als geschlossene (weil Offenheit einen der zentralen Werte des Netzes darstellt), ist nun die Frage: warum sollte man sich bewusst um die Teilnahme des größeren Teils der Netzgemeinde bringen, indem man sich in einer geschlossenen Gesellschaft bewegt?

Der in Facebook eröffnete Account wird mehr oder minder freizügig mit einer kleineren oder größeren Menge persönlicher Daten gespickt. Sodann geht man auf Suche nach in Facebook vertretenen Bekannten und Verwandten, die man – so gefunden – als »Freunde« markiert. Mehr oder minder regelmäßig beglückt man die »Freunde« mit mehr oder minder ausführlichen Updates zur gegenwärtigen Befindlichkeit, kommentiert im Gegenzug andere Updates. Der einzige Vorteil, den ich gegenüber selbstgeführten Blogs sehe, ist der der (vermeintlichen) Datensicherheit: der Nutzer glaubt, nur die »Freunde« (die ja, und hier fangen die Schwierigkeiten an, gar nicht alle Freunde sind) könnten Updates wahrnehmen, vor der Öffentlichkeit seien sie verborgen. Die angeblich einfache Benutzung relativiert sich, sobald man Standardeinstellungen verändern möchte.

Interessant ist bei Facebook zudem das Entstehen eines gemeinsamen Bewusstseinsstromes aller »Freunde«: alle Meldungen von »Freunden« erscheinen in einer langen Textspalte samt Kommentaren – ein Phänomen, das im freien Netz in dieser Form nicht üblich, wohl aber herstellbar ist, zum Beispiel in der Form eines Planeten: ich könnte meine Blogsoftware anweisen, auf einer Seite alle Einträge der RSS-Feeds der von mir gelesenen Blogs darzustellen. Wesentliche Gründe gegen die Darstellung eines solchen Planeten sind beispielsweise urheberrechtliche: nicht alle Autoren haben ihre Einwilligung zu Wiederveröffentlichung gegeben. Außerdem kann sich ja jeder in seinem Feedreader seine eigene Zusammenstellung herstellen – eine wiederholte Veröffentlichung ist im offenen Netz völlig unnötig.

Nun aber zu den Einschränkungen: den oben benannten Artikel hat Jürgen Fenn auch auf Facebook veröffentlicht. Wer nun aber nicht Mitglied von Facebook ist, kann diese Netzadresse nicht erreichen. Zwar kann der Interessierte Facebook-Nutzer werden, doch muss er hierfür mit seinen Daten bezahlen. Das würde ich (anders als einen Internetzugang) niemandem nahelegen wollen, der nicht ganz genau weiß, was er tut. Die im Anschluss an die Facebook-Veröffentlichung des Artikels stattfindende Diskussion ist für die Öffentlichkeit leider auch verloren. Das ist schade (und in der Masse und konsequenten Weiterentwicklung schädlich), denn möglicherweise ist diese Diskussion wichtig für andere.

(In der Diskussion wird übrigens unter anderem der Standpunkt vertreten, Usenet und Mailinglisten seien Kommunikationsformen mit ausgesprochen elitärem Charakter. Das Gegenteil ist der Fall. Zwar haben an diesen frühen Netzmedien weniger Menschen teilgenommen, weil das Netz an sich kaum jemandem zugänglich war, das Medium Usenet an sich allerdings setzt außer einem einmalig einzurichtenden Newsreader nichts voraus und ist allemal so einfach zu bedienen wie verschiedene Webforen mit jeweils unterschiedlichen Bedienoberflächen. Klickibunti ist nicht immer einfacher.

Und auch in Bezug auf Mailinglisten ist der technische Anspruch denkbar gering: wer eine E-Mail verschicken kann, kann an einer Mailingliste teilnehmen. Dass Mailinglisten teilweise auf bestimmte Nutzergruppen beschränkt sind, liegt in der Natur der Sache, hat aber mit »elitär« so gar nichts zu tun.)

Für mich heißt das in der Konsequenz: ich erhalte meine Facebook- und XING-Accounts, und sie mögen für den einen oder anderen auch eine Möglichkeit sein, Kontakt aufzunehmen (da eine Freundschaftsanfrage auf Facebook anscheindend als weniger störend privat angesehen wird als eine E-Mail), meine technisch gestützte Kommunikation wird aber bevorzugt immer über die alten, öffentlichen Kanäle E-Mail und Homepage bzw. Blog stattfinden. Auf Facebook findet sich daher auch nicht dieser ganze Artikel, sondern nur ein Hinweis darauf.

Alle sozialen Netzwerke haben einen Button, der Freunde in das betreffende Unternehmen einlädt. Ich würde lieber ausladen: traut Euch heraus aus der kuscheligen Facebookstube, bastelt Euch ein Blog, seht, wie förderlich Diskussion außerhalb von Webforen sein kann, seid Öffentlichkeit und nicht Teil einer ökonomischen Verfügungsmasse.

Literatur zur Medienphilosophie.

(Auf Nachfrage Lisa Rosas hin hier etwas ausführlicher:] Folgende Titel [BibTeX] habe ich mir besorgt:

[HK02] Helmes, Günter ; Köster, Werner: Texte zur Medientheorie. Stuttgart : Reclam, 2002 (RUB 18239)
[LL04] Lagaay, Alice ; Lauer, David: Medientheorien. Eine philosophische Einführung. Frankfurt am Main : Campus, 2004
[Mer06] Mersch, Dieter: Medientheorien zur Einführung. Hamburg : Junius, 2006
[Mün09] Münker, Stefan: Philosophie nach dem »Medial Turn«. Beiträge zur Theorie der Mediengesellschaft. Bielefeld : Transcript Verlag, 2009 (Medienanalysen 4)

[HK02] ist eine Sammmlung unverzichtbarer theoretischer Texte vom Alten Testament bis zu Ray Kurzweil und erspart damit einige Bibliotheksbesuche (auf der Suche nach nicht mehr lieferbaren Ausgaben wichtiger Autoren). Auf [LL04] bin ich noch gespannt; gegenwärtig lese ich [Mer06] (nicht schlecht, aber sehr knapp). [Mün09] enthält Aufsätze zu interessanten Themen, schwankt aber häufiger zwischen seicht und (zumindest für Schüler, und mit dem Blick auf die Verwertbarkeit erfolgt die Lektüre ja auch) unverständlich.

(Münker bringt auch eine hübsche Stelle aus Walter Benjamins »Berliner Kindheit um Neunzehnhundert«, die ich heute zur Einführung verwendet habe. Er schildert dort, wie er bei der Benutzung eines frühen Telefons »gnadenlos der Stimme ausgeliefert [gewesen sei], die da sprach. Nichts war, was die unheimliche Gewalt, mit der sie auf mich eindrang, milderte. Ohnmächtig litt ich, wie sie die Besinnung auf Zeit und Pflicht und Vorsatz mir entwand, die eigene Überlegung nichtig machte […]« Und so fort.)

Auf dem Tisch liegt auch Neal Stephensons Snow Crash (für eine der nächsten Stunden; Hinführung zur Virtualität und Second Life etc.).

Zur Vorbereitung hatte ich eine MindMap gebastelt, damit ich nichts vergesse. Außerdem habe ich noch ein paar Links gesammelt.

Die Schülereinfälle zum Thema aus der heutigen Stunde muss ich erst noch ordnen, gewichten, überdenken.

[Nachtrag:]

[MR08] Münker, Stefan (Hrsg.) ; Roesler, Alexander (Hrsg.): Was ist ein Medium? Frankfurt am Main : Suhrkamp Taschenbuch, 2008 (stw 1887)

habe ich zu erwähnen vergessen; war schon in einem anderen Bücherstapel verschwunden.

Zwischenmeldung.

Warum hier so selten Neues erscheint?

Für die Schule lese ich mich im Moment in das Thema Medienphilosophie ein, da mein Philosophiekurs im 13. Jahrgang von mir begleitet ausgehend von den neuen Medien (im Internet, aber z. B. auch Spiele etc.) genauer zu erfahren suchen wird, inwiefern das Geschehen auf diesem Gebiet etwas Besonderes ist.

Und auf der privaten Lektüreseite steht seit Weihnachten Thomas Pynchons Gegen den Tag – es ist schon erstaunlich, wenn man nach nicht ganz einfachen über 500 Seiten noch nicht einmal die Hälfte erreicht hat ...

Ich tauche wieder ab.

Anstand war gestern. Heute ist Schwarz-Gelb.

Wenn wir uns alle zusammentun, können wir uns vielleicht auch ein Gesetz nach Wunsch aussuchen. Man bekommt derlei bei der FDP schon ab 1,1 Millionen Euro. Das ist ja fast geschenkt.

(Das Auswärtige Amt stellt für Haiti übrigens 1 Million Euro Soforthilfe zur Verfügung. Zusammen mit den 500.000 Euro aus Dirk Niebels Versorgungsministerium ist das immerhin geringfügig mehr als eine Parteispende.)

(Und Roland Koch in einem auch aus anderen Gründen vielsagenden Interview: »Unabhängig von der Steuersenkung haben wir schon das Geld für höhere Bildungsanstrengungen gar nicht. Also müssen wir erst mal dafür Geld besorgen.«

Vielleicht sollte man mal bei denen suchen, die Millionenspenden aus der Portokasse leisten?)

Ach so: das Ganze läuft unter dem Label »geistig-politische Wende«.

[Update 18.1.2209:] Inzwischen entfernte eBay-Auktion.

Sachtextanalyse mit Vampire Weekend.

Einer der drei Texte, die ich meinem Deutsch-GK heute als Hausaufgabe wahlweise zur Analyse gegeben habe, war (im Rahmen des lobenswerten Projekts »Die Zeit für die Schule«) »Schlangenlinien« über die neue Platte von Vampire Weekend. Und damit auch die nie Musik Hörenden wissen, worum's geht: hier ist Vampire Weekend vs. Miike Snow – The Kids Don't Stand A Chance [speziell dieser Mix ist ein Tip von Franzi].

Gelesen. Abouet / Oubrerie.

Marguerite Abouet (Autorin) und Clement Oubrerie (Zeichner): Aya 1–3. Hamburg: Carlsen, 2006–2008.

Empfehlenswerte Comicreihe um eine kluge junge Frau und ihre normal verrückten Freunde, Verwandten und Bekannten. Um 1980 an der Elfenbeinküste spielend.

(Von Kind 1 ausgeliehen. Nun warten wir beide auf die in Frankreich schon erschienenen Bände 4 und 5.)

Bei Amazon angucken: Band 1, Band 2, Band 3.

Gelesen. Green.

Julien Green: Erinnerungen an glückliche Tage. München: Hanser, 2008.

Im Plauderton dargebotene Erinnerungen Greens an seine Kinder- und Jugendzeit in Paris sowie den Anfang seines künstlerischen Weges. Erstes Viertel des letzten Jahrhunderts.

Gelesen. George.

Elizabeth George: Am Ende war die Tat. München: Goldmann, 2009.

Kein Kriminalroman, sondern durchaus bewegende, weil vermutlich treffende Sozialstudie.