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Auch mal ’ne Idee.

»wenn man also von den reichsten 10% der bevölkerung [Deutschlands] einen einmaligen solidaritätszuschlag von 15% einfordern würde, und dies würde sie beileibe nicht in die armut treiben, stünden mit einem schlag 810 milliarden € zur verfügung.
damit könnte die hälfte aller schulden deutschlands bezahlt werden« [reset.to]

Martin Gardner.

Dass Martin Gardner auch mathematisch orientierter Kolumnist (etc.) war, habe ich erst später erfahren. Zunächst mal war er derjenige, der mir in der Marginalienspalte von The Annotated Alice – 1986 für Ir£ 4.86 im Mercier Book Shop in Cork gekauft und inzwischen der fragwürdigen Klebebindung wegen mehrteilig – Lewis Carrolls Alice-Texte vorstellte als solche, die mehr waren als nur ein albernes Kinderbuch.

Nun ist er gestorben.

Für Kinder bleibt kein Geld mehr übrig.

35 Millionen Euro jährlich will die schwarzgelbe Regierung in Schleswig-Holstein einsparen, indem das gebührenfreie letzte Kindergartenjahr wieder gestrichen wird. Gut, dass wir theoretisch alle wissen, wie wichtig die Kindertagesstätten für die Kinder sind.

Mit dem kostenlosen dritten Kindergartenjahr sollte erreicht werden, dass die Kinder gemeinsam auf die Schule vorbereitet werden, gemeinsam experimentieren, spielen, vorgelesen bekommen, essen, Ausflüge machen etc.

Für den Halbtags (!)-Kindergartenplatz von Kind 2 haben wir um die 1500 Euro jährlich gezahlt. Das heißt, dass drei Viertel des Kindergeldes allein in die Kinderbetreuung flossen. Familien mit geringerem Einkommen müssen natürlich auch geringere Beiträge zahlen, allerdings ist der Wert jedes einzelnen Euros umso höher, je weniger die Familie insgesamt zur Verfügung hat. Die mögliche Folge: das Kind bleibt zur Vermeidung von Kosten zuhause. Und sieht fern.

Skizze: Unterrichtseinheit Medienphilosophie.

Das Feine am ansonsten von Schwächen nicht freien schleswig-holsteinischen Lehrplan Philosophie (BG) ist, dass er für den 13. Jahrgang keine verbindlichen Themen benennt. Und so ist dann auch jeder 13. Jahrgang anders. Im 2. Halbjahr haben wir uns diesmal um die Medienphilosophie vor allem im Hinblick auf das moderne Übermedium, das Internet, gekümmert.

Die Irritation über das jeweils neue Medium – »Bilderverbot im Alten Testament«, »Die wahrnehmbare Welt als Spiegel Gottes«, Schrift als Untergang mündlich tradierter Kultur – habe ich kontrastiert mit einer Utopie einer virtuellen Realität in Stephensons Snow Crash. Und so waren wir denn schon mitten in der Mediennutzung. (Bei der Auswahl älterer theoretischer Texte half mir der Band Helmes, Günter ; Köster, Werner: Texte zur Medientheorie. Stuttgart : Reclam, 2002 (RUB 18239)[Buch bei Amazon angucken])

Der Kurs erarbeitete einen Fragebogen zur Mediennutzung und beantwortete ihn mit Hilfe eines Online-Evaluationstools anonymisiert.

Er lernte mit dem »Medienkompaktbegriff« (Schmidt, Siegfried J.: Der Medienkompaktbegriff. In: Münker, Stefan (Hrsg.) ; Roesler, Alexander (Hrsg.): Was ist ein Medium? Frankfurt am Main : Suhrkamp Taschenbuch, 2008 (stw 1887), S. 144–157 [Buch bei Amazon angucken]) die Komplexität des Begriffs Medium und einen möglichen Zugriff auf unterschiedliche Ausgestaltungen des jeweiligen Mediums kennen – dies eröffnet auch Analysemöglichkeiten, die in späteren Phasen wichtig werden.

(Auf den Begriff des Mediums hätte ich gern mehr Zeit verwendet. Allein: die Zeit ...)

Walter Benjamins Kunstwerk-Aufsatz haben wir sehr ausführlich besprochen, weil der Umbruch zu den modernen Medien sich hier schon deutlich abzeichnet. Dank Web 2.0 liest man dann auch nicht nur den Text, sondern hat auch Zugriff auf die erläuternden Fußnoten: wenn Benjamin beispielsweise ausführt »Das reproduzierte Kunstwerk wird in immer steigendem Maße die Reproduktion eines auf Reproduzierbarkeit angelegten Kunstwerks« und dies erläutert mit »Die technische Reproduzierbarkeit der Filmwerke ist unmittelbar in der Technik ihrer Produktion begründet. Diese ermöglicht nicht nur auf die unmittelbarste Art die massenweise Verbreitung der Filmwerke, sie erzwingt sie vielmehr geradezu« – dann darf man durchaus hinweisen auf Kristian Köhntopps Satz »Das Wesen aller IT ist die Kopie.« – Wenn Benjamin das sowjetische Filmschaffen thematisiert, liegt Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin nur einen Mausklick weiter (und die S waren fast ebenso betroffen von der Szene wie es die ersten Zuschauer gewesen sein mögen, was Benjamins Aussagen bestätigt).

Die Brechtsche Radiotheorie und Enzensbergers »Baukasten zu einer Theorie der Medien« in der Exzerpt-Version von Jörg Kantel zeigten den Weg zum heutigen Mitmach-Web auf. (Enzensberger sollte später noch einmal eine Rolle spielen mit seinem Essay »Das digitale Evangelium«.)

Zwischendurch – jeweils, wenn die referierenden S fertig waren – haben wir (zum Teil recht lange) Kurzvorstellungen zu StudiVZ, World of Warcraft, Second Life etc. gehört.

Die Klausur [Korrekturbogen] ging aus von einem Text von Benjamin Birkenhake aus seinem geschätzten Blog anmut und demut.

Für die schriftliche Abiturprüfung hatte ich einen online nicht verfügbaren Text von Stefan Münker (aus Münker, Stefan: Philosophie nach dem Medial Turn. Beiträge zur Theorie der Mediengesellschaft. Bielefeld : Transcript Verlag, 2009 (Medienanalysen 4) [Buch bei Amazon angucken]) herausgesucht.

Google docs unterstützt uns derzeit in der Formulierung eigener »Bausteine zur Theorie des Netzes«, die dann als Ausblick auf die nächsten Jahre auch einen Abschluss bilden werden, denn das zweite Halbjahr des 13. Jahrgangs ist wegen der vielen Feiertage und der Abiturprüfung immer besonders kurz. Schade eigentlich.

Was mir beim Unterrichten besonders gefallen hat, ist die Verschränkung von Theorie und Praxis in Bezug auf ein aktuelles Thema, das des Durchdenkens noch bedarf und nicht schon fertig ist. Ich hoffe, den S hat es auch Freude bereitet. :-)

Wie stets unappetitlich: der Koch und seine Vorschläge.

»Wenn in den Schulen der Schimmel die Wände hochklettert, während in den Geldhäusern Gewinne und Tantiemen ins Absurde steigen, dann ist nicht Zeit für eine neue Wertedebatte, sondern für eine andere Politik: Es ist Zeit, dem Finanzmarkt die Rechnung zu präsentieren – die Rechnung für staatliche Milliardenbürgschaften und Nothilfen.« So Heribert Prantl in seinem Kommentar Friede den Palästen.

Gelesen. Gaiman / McKean

Neil Gaiman und Dave McKean: signal to noise. Nettetal-Kaldenkirchen: Panini, 2010.

Ein Regisseur weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. So entwirft er nicht nur einen letzten Film, sondern bewertet auch Signal und Rauschen neu. – Beeindruckende Bilder zu überzeugender persönlicher Endzeitgeschichte.

Buch bei Amazon angucken.