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Gelesen. Eco.

Umberto Eco: Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers. Übertragen von Burkhart Kroeber. München: Hanser, 2011.

Hier jüngst auf den Titel gestoßen, der irgendwie meiner Aufmerksamkeit entgangen war. Rasch nachgeholt. Wie stets anregend und amüsant.

Gelesen. Flašar.

Ausschnitt aus BuchseiteMilena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie. Berlin: Wagenbach, 2018.

Hat mich leider nicht so überzeugt wie Ich nannte ihn Krawatte.

Das Leseerlebnis war auch getrübt durch fragwürdige Typografie: laut Impressum gesetzt in der »Janson BQ«, über die ich keine verlässlichen Informationen im Netz gefunden habe, wirkt die Druckseite unangenehm unruhig, was vor allem an der Form des kleinen e – des im Deutschen häufigsten Buchstaben – liegt: es wirkt in seiner breiten Ausgestaltung fast oval, was im Kontext der anderen Buchstaben, die eher schmal und hoch ausgerichtet sind, als unpassend stört (siehe nebenstehenden Ausschnitt, zum Beispiel mittig das Wort »verblasste«). Im Falle der »normalen« Janson scheint mir dieses Missverhältnis nicht zu bestehen.

G8 und G9.

Nachdem G8 in Schleswig-Holstein (wie anderswo) aus rein ökonomischen Gründen ohne Rücksicht auf pädagogische Bedenken eingeführt wurde, hat man in den letzten Jahren völlig überraschend erkennen dürfen, dass eine kürzere Schulzeit weniger Zeit zum Lernen (und weniger Zeit für gesellschaftlich erwünschte Nebentätigkeiten von Schülerinnen und Schülern) bedeutet.

Dass die gleiche CDU, die für die Einführung von G8 stand, nun die Rückkehr zu G9 organisiert (und auch für diesen Programmpunkt gewählt wurde), ist natürlich ein Witz; dass Lehrpersonen aber, die für die Organisation von derlei Hin & Her wertvolle, im Regelfall nicht gesondert vergütete Arbeitsstunden haben verwenden müssen, diese nun als verschwendet ansehen und bei der nächsten Reform vielleicht eher gebremst freudig agieren, dürfte sich von selbst verstehen. Dabei sind viele Neuerungen, die im Zuge der Einführung von G8 in den Schulen eingeführt wurden (Unterstützungskurse, Doppelstundensystem etc.), weiterhin sinnvoll – ebenso wie die Rückkehr an sich. Wenn aber Ministerien deutschlandweit so blind absehbare Probleme herbeiführten, spricht dies nicht für hervorragende Expertise. Der nun prognostizierte Lehrkräftemangel an Grundschulen ist ein weiterer Hinweis auf optimierbare Planung.

Demgegenüber bis ich immer wieder erstaunt, was vor diesem Hintergrund in den Schulen vor Ort an guter Praxis gedeiht.

Mal seh’n: Torpus & The Art Directors.

Set ich die Music For A Found Harmonium des Penguin Cafe Orchestra kenne, schätze ich das Instrument. Und wenn dann eines auf der Bühne steht, da man mit Freunden unpassenderweise aus den plüschigen Sesseln eines von einer Kulturinitiative geretteten ehemaligen Verzehrkinos auf die Bühne schaut, verzeiht man auch, dass einige Songs der Band in den Plattenaufnahmen ein wenig zu glatt daherkommen, denn in der Live-Darbeitung überzeugen die Fünf Freunde von Torpus & The Art Directors auf angenehme, ehrliche und friedliche Art & Weise, die auch durch gewagte Experimente mit Rückkopplungen, Rhythmusmaschinenrhythmen von Tonbandkassette in Radiorecorder und kraftvoll bäriger Mehrstimmigkeit in ihrer unschuldigen Freude an der Musik und unbestrittenen Musikalität nie in Frage gestellt wird. Neben dem Harmonium gibt es übrigens auch ein Schlagzeug und Perkussionsinstrumente, diverse Gitarren, einen E-Bass und einen Kontrabass, ein Glockenspiel, eine Mandoline, ein elektronisches Ding mit kleiner Klaviertastatur sowie Posaune und Trompete. (Das Banjo hat Ove leider nicht mitgebracht.) – Eine Empfehlung für den Rest ihrer gerade begonnenen Tour der unbestritten norddeutschen Combo.

Gelesen. Flašar.

Milena Michiko Flašar: Ich nannte ihn Krawatte. München: btb, 2014.

Hikikomori begegnet Salaryman und sie haben sich etwas zu erzählen.

Auch in diesem Buch habe ich etwas über Japan gelernt. Von einer Österreicherin.

Knapp und gut.

Gelesen. Natsume.

Natsume Sōseki: Kokoro. Übertragen von Oskar Benl. Zürich: Manesse, 2016.

Ein besonderes Buch in besonderem Ton: fast alle Lebensfakten bleiben unbestimmt, sodass die eigentliche Geschichte in einem universellen Schwebezustand zu verharren scheint. Figuren sind ein »Onkel«, eine »Frau«, ihre »Tochter«, ein »Freund« namens »K.« – und all diese Bezeichnungen stammen aus einem Brief des »Sensei«, der eben auch eine »Frau« hat wie der Erzähler einen »Vater« und eine »Mutter« … Relationen, Funktionen, nicht aber identifizierte Subjekte. Entsprechend wird ein »Spezialfach« einer »Fakultät« studiert – alle Benennungen bleiben so abstrakt wie die Diskussionen der Handelnden über die Liebe, die jeden Bezug auf konkrete Personen vorsichtig missen lassen, um nicht Empfindlichkeiten zu verletzen.

Umso deutlicher der Gegensatz zum erzählerischen Kern des Ganzen, auf den das Buch von der ersten Seite an zusteuert, eine Lebensschuld, die aufgrund emotionaler Irrungen, Wirrungen entstand und in jahrzehntelangem Leid ertragen wird, bis sie – analog zum Tod des Kaisers – wieder ausgeglichen wird.

Ein Wiener Doktor riet zur Lektüre. Ich schließe mich an.