Skip to content

Nanotechnologie im Philosophenstübchen.

Annette Schlemm widmet sich in einer Beitragsreihe (hier der erste Teil mit Inhaltsübersicht) verschiedenen Aspekten der Nanotechnologie.

(Annette ist ja schon seit Jahrhunderten im Netz und daher darf man die Gestaltung Ihres Philosophenstübchens mit nostalgischer Nachsicht betrachten. Lesenswertes findet sich allemal.)

Städtische und ländliche Provinzen.

Dörfer, in denen nichts passiert. Dörfer, in denen der Hundefriedhof und der Briefkasten die einzigen zentralen Einrichtungen sind. In einem anderen Dorf ein Puppentheater der einzige farbige Fleck. Dörfer, in denen die Gewerbebetriebe »Man schleppt sich so durch« heißen müssten. Dörfer mit einer Bushaltestelle, auf deren Bank ein Alter auf seinen Stock gestützt auf den Boden starrt. Schon lange. Noch lange. Dörfer, in denen die Verkaufswagen von Lebensmittelläden und Bäckereiketten vergeblich warten – wenn sie noch halten. Dörfer, in denen Gemüsegärten noch notwendig sind. Dörfer, in denen die Gardinen schon lange nicht mehr bewegt wurden, denn es gab nichts zu sehen auf der Straße. Dörfer, in die scheinfeine Geschäftsleute verborgene Luxusanwesen setzen. Dörfer, in denen der Verfall auch vor jenen kaum zögern wird.

(»Wenn ich hier stürzte und am Straßenrand liegenbliebe«, denke ich beim Lauf um den Carwitzer See, »fände mich so bald niemand; ›unbekannte Männerleiche‹ heißt das in den Kriminalromanen immer.«)

Vertreter zweier Personengruppen würde ich gern mal mitnehmen in die mecklenburger Provinz: Politiker aus Berlin und Großstadtblogger. Zum Neujustieren. Um ihnen begreiflich zu machen, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten sein können. Um Verantwortung zu verdeutlichen. Um Wesentliches zu erkennen.

Empfehlung: Zippel's Läuferwelt.

Meine Adidas Marathon TR II sind nach langer Zeit verschlissen – der Kauf neuer Laufschuhe stand an. Schlechter Eindrücke von Verkaufsgesprächen wegen lasse ich mich ungern beraten. Weil aber Laufschuhe nicht per Versand gekauft werden können, habe ich doch den Weg in ein Fachgeschäft angetreten: Zippel's Läuferwelt in Kiel.

Fast eine Stunde geduldiger, kenntnisreicher, aufmerksamer Beratung (inklusive Laufbandanalyse und einem kurzen Testlauf vor der Tür) habe ich dort bekommen – und bin danach mit einem Paar neuer Mizuno Wave Inspire 6 (und einem Laufshirt) sehr zufrieden wieder gegangen.

Für Euren nächsten Kauf von Laufzubehör möchte ich den Laden unbedingt empfehlen. (Andere haben offenbar ähnliche Erfahrungen gemacht.)

Gelesen. Timm.

Uwe Timm: ROT. München: Deutscher Taschenbuch, 2003.

Eine Woche in Dänemark: das heißt außer in die Nordseewellen zu springen, auf der Terrasse ein Pfeifchen zu rauchen, durch Lemvig zu schlendern, in Hjerl Hede Vorstellungen vom Vergangenen zu betrachten, in Thyborøn Fisch zu kaufen und ein, zwei Runden zu laufen, auch: zu lesen.

Ob ROT nun tatsächlich ein so außergewöhnlicher Roman ist wie die Klappentexte versprachen, weiß ich nicht. Die Zeit der 68er samt ihrem Wandel, ihrer wohlbegründeten Widerständigkeit wie ihrer geschmeidigen Anpassungsfähigkeit, ist wohl ganz gut eingefangen – erscheint allerdings die Motivation für dieses Erzählen (der Auftrag für eine Grabrede für einen früheren Kombattanten, die überzeugendste Figur im Ensemble) gerade noch stimmig, ist es die Verknüpfung mit der abgeschmackten wie überflüssigen Altherrenliebesgeschichte des Protagonisten gewiss nicht mehr.

Buch bei Amazon angucken.

Stattdessen Rainald Grebe zuhören.

Lesen.

Der Lesende ist potentiell verdächtig; er braucht – zumindest zeitweise – die anderen nicht, muss sich nicht fortwährend durch den Austausch netter Nichtigkeiten seiner selbst vergewissern.

Gelesen: Bradbury.

Ray Bradbury: Fahrenheit 451. München: Heyne, 2000. [Bra00]

Erstaunlich, wie sich dieses Buch hält. Klar, die Geschichte selbst ist sehr plakativ gehalten, sprachlich auch nicht aufregend. Aber wenn Mildred, die Frau des Protagonisten, sehnsüchtig-abhängig von ihrer »Familie« spricht – damals als interaktives, allzeit fröhliches Rundumfernsehen auf niedrigstem Soap-Niveau imaginiert –, dann ist der Schritt von heutigen technisch implementierten »Sozialen Netzwerken« nicht mehr weit.

Interessant auch, dass Faber, einer der Repräsentanten der Literaten (des Lesens Kundigen) nicht unbedingt das Buch als Objekt schätzt: stattdessen geht es um die Inhalte, das konservierte Denken:

»Was Sie brauchen, sind nicht Bücher, sondern einiges von dem, was einst in Büchern stand. Es könnte auch auf Fernsehwänden stehen. Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen, Sie finden es ebenso gut auf alten Schallplatten, in alten Filmen und in alten Freunden, Sie finden es in der Natur und in Ihrem Innneren. Bücher sind nicht die einzigen Behälter, in die wir Dinge einlagerten, die wir zu vergessen fürchteten.« [Bra00, 99]

Allerdings wird als einer der wesentlichen für die Machthaber furchteinflößenden Aspekte des Buches auch seine »Qualität« genannt. Unklar bleibt, ob sich Faber hier nur auf den Text oder aber auch auf das Buch-Objekt bezieht. Ist letzteres der Fall, wäre es die Haptik und dort insbesondere die Fehlerhaftigkeit (in der Übersetzung steht »Poren«; wieder so ein Fall, in dem ich gern das Original vergleichend heranzöge) des Buches, die das Besondere ausmacht. Ein Schelm, wer nun an die spiegelnden Oberflächen von iPad und Konsorten denkt …

Buch bei Amazon angucken.