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Gelesen. Proulx.

»Wir haben überhaupt keine Kontrolle mehr übers Fischen. Wir treffen keine Entscheidungen, tun bloß, was sie uns sagen, und zwar wo und wann sie's uns sagen. Wir leben nach Regeln, die woanders gemacht werden, von Arschlöchern, die von der Gegend hier keine blasse Ahnung haben.« (341 in:)

E. Annie Proulx: Schiffsmeldungen. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch, 1997.

(Mehrfach wurde mir von dieser Lektüre schon beeindruckt erzählt; die Buchhandlungen verkauften es stapelweise. Lesen mochten es dann wohl wenige – mein gebraucht erworbenes Exemplar war denkbar billig.

Ich möchte die Lektüre ebenfalls empfehlen.)

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Meiner macht Philosophie.

Kein Philosophiestudent kommt an den grünen Bänden des Meiner-Verlags vorbei. Nun hat die Deutsche Welle einen Filmbeitrag über den Verlag gedreht, der auch über YouTube verfügbar ist.

Nett daran: auf die in Anbetracht der Tatsache, dass ihr gerade ein mehrbändiges Fachlexikon zur Philosophie vorgestellt wurde, dusselige Erkundigung der das Interview führenden Praktikantin »Ist das nicht sehr abstrakt – in der heutigen Zeit, in der man alles so instant-mäßig haben will?« meint Manfred Meiner nur »Ja, das sind Sie dann bei uns falsch, wenn Sie instant wollen, werden Sie in unserem Programm nicht fündig.« Sie vergewissert sich noch mal: »Das ist nicht Philosophie to go, das ist hardcore?« Er bestätigt: »Das ist hardcore

Himmel! Sie ist bei Meiner! Kann man sich da nicht vorher ein, zwei intelligente Fragen diktieren lassen?

Aus der Alten Gutsgärtnerei …

in Sierhagen (hier schon einmal erwähnt) sollte man immer etwas mitbringen. Ich habe heute gepflanzt, was ich gestern anlässlich einer Kaffeepause auf der familiären Radtour erwarb: Korsische Minze (Mentha requienii), Ysop (Hyssopus officinalis), Römische Kamille (Anthemis nobilis) und Katzenminze (Nepeta x faassenii).

Nanotechnologie im Philosophenstübchen.

Annette Schlemm widmet sich in einer Beitragsreihe (hier der erste Teil mit Inhaltsübersicht) verschiedenen Aspekten der Nanotechnologie.

(Annette ist ja schon seit Jahrhunderten im Netz und daher darf man die Gestaltung Ihres Philosophenstübchens mit nostalgischer Nachsicht betrachten. Lesenswertes findet sich allemal.)

Städtische und ländliche Provinzen.

Dörfer, in denen nichts passiert. Dörfer, in denen der Hundefriedhof und der Briefkasten die einzigen zentralen Einrichtungen sind. In einem anderen Dorf ein Puppentheater der einzige farbige Fleck. Dörfer, in denen die Gewerbebetriebe »Man schleppt sich so durch« heißen müssten. Dörfer mit einer Bushaltestelle, auf deren Bank ein Alter auf seinen Stock gestützt auf den Boden starrt. Schon lange. Noch lange. Dörfer, in denen die Verkaufswagen von Lebensmittelläden und Bäckereiketten vergeblich warten – wenn sie noch halten. Dörfer, in denen Gemüsegärten noch notwendig sind. Dörfer, in denen die Gardinen schon lange nicht mehr bewegt wurden, denn es gab nichts zu sehen auf der Straße. Dörfer, in die scheinfeine Geschäftsleute verborgene Luxusanwesen setzen. Dörfer, in denen der Verfall auch vor jenen kaum zögern wird.

(»Wenn ich hier stürzte und am Straßenrand liegenbliebe«, denke ich beim Lauf um den Carwitzer See, »fände mich so bald niemand; ›unbekannte Männerleiche‹ heißt das in den Kriminalromanen immer.«)

Vertreter zweier Personengruppen würde ich gern mal mitnehmen in die mecklenburger Provinz: Politiker aus Berlin und Großstadtblogger. Zum Neujustieren. Um ihnen begreiflich zu machen, wie unterschiedlich Lebenswirklichkeiten sein können. Um Verantwortung zu verdeutlichen. Um Wesentliches zu erkennen.

Empfehlung: Zippel's Läuferwelt.

Meine Adidas Marathon TR II sind nach langer Zeit verschlissen – der Kauf neuer Laufschuhe stand an. Schlechter Eindrücke von Verkaufsgesprächen wegen lasse ich mich ungern beraten. Weil aber Laufschuhe nicht per Versand gekauft werden können, habe ich doch den Weg in ein Fachgeschäft angetreten: Zippel's Läuferwelt in Kiel.

Fast eine Stunde geduldiger, kenntnisreicher, aufmerksamer Beratung (inklusive Laufbandanalyse und einem kurzen Testlauf vor der Tür) habe ich dort bekommen – und bin danach mit einem Paar neuer Mizuno Wave Inspire 6 (und einem Laufshirt) sehr zufrieden wieder gegangen.

Für Euren nächsten Kauf von Laufzubehör möchte ich den Laden unbedingt empfehlen. (Andere haben offenbar ähnliche Erfahrungen gemacht.)

Gelesen. Timm.

Uwe Timm: ROT. München: Deutscher Taschenbuch, 2003.

Eine Woche in Dänemark: das heißt außer in die Nordseewellen zu springen, auf der Terrasse ein Pfeifchen zu rauchen, durch Lemvig zu schlendern, in Hjerl Hede Vorstellungen vom Vergangenen zu betrachten, in Thyborøn Fisch zu kaufen und ein, zwei Runden zu laufen, auch: zu lesen.

Ob ROT nun tatsächlich ein so außergewöhnlicher Roman ist wie die Klappentexte versprachen, weiß ich nicht. Die Zeit der 68er samt ihrem Wandel, ihrer wohlbegründeten Widerständigkeit wie ihrer geschmeidigen Anpassungsfähigkeit, ist wohl ganz gut eingefangen – erscheint allerdings die Motivation für dieses Erzählen (der Auftrag für eine Grabrede für einen früheren Kombattanten, die überzeugendste Figur im Ensemble) gerade noch stimmig, ist es die Verknüpfung mit der abgeschmackten wie überflüssigen Altherrenliebesgeschichte des Protagonisten gewiss nicht mehr.

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Stattdessen Rainald Grebe zuhören.