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Sankelmark 2010.

Schon öfter erzählt habe ich ja, dass sich aktive Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer im Fachverband Deutsch zusammengetan haben. Auch die von der schleswig-holsteinischen / hamburgischen Sektion des Fachverbandes organisierte Fortbildung in Sankelmark erwähnte ich schon.

Dieses Mal durften wir zum ersten Mal nach langer Zeit wieder schon am Freitagvormittag mit der Fortbildung beginnen, sodass unser Programm zum Thema »Gegenwartsliteratur und Erzähltheorien« recht umfangreich geworden ist und wir neben Fachvorträgen und den obligatorischen Arbeitsgruppen (diesmal zu Werken von Karen Duve, Peter Stamm, Botho Strauß, Daniel Kehlmann und Herta Müller) auch eine Lesung mit Peter Stamm und ein Fishbowl-Gespräch mit ihm unterbringen konnten. Außerdem haben wir ein neues Format ausprobiert, bei dem vier bis fünf Referenten in einer Stunde aus subjektiver Sicht je einen Autor bzw. je ein Werk (diesmal zu Georg Klein, Hanns-Josef Ortheil, Julia Franck und Juli Zeh) vorstellen. Und so habe ich neben den Arbeiten im Hintergrund mit einem Kurzreferat zu Juli Zehs Corpus Delicti teilgenommen – hier das Papier für Zehn Minuten Zeh.

Nebenbei blieb natürlich auch bei dieser Fortbildung Zeit für viele informelle Gespräche rund um den Deutschuntericht, die Schule und das Leben.

Da ich die Vorstellung von Dillingen an der Donau interessiert gelesen habe (auch wenn ich mich dort nie fortbilden werde), auch hier ein paar Impressionen aus Sankelmark: am See sieht's so aus:

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den Blick vom Seeufer auf Teile des Tagungsgebäudes zeigt dieses Bild –

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so präsentiert sich der Eingangsbereich:

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Die ganze Anlage liegt mitten in der Pampa, ist also für kontemplative Fortbildungen hervorragend geeignet. Das einzige nennenswerte Event außerhalb des zweitägigen Programms ist die Umrundung des Sankelmarker Sees in der Mittagspause.

Zu erwähnen sind vielleicht noch die (vor allem angesichts eines Schwungs von paarundachtzig Lehrerinnen und Lehrern) geradezu überirdische Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Verwaltungs- und Servicekräfte und des technischen Personals. Die machen mich ganz stumm.

Über das Lesen.

Schon im Februar las ich im Lanier. Erst jetzt – da die deutsche Ausgabe erschienen ist – habe ich die Lektüre beendet. Warum so spät?

Das Buch besteht aus fünf Teilen mit bis zu fünf Kapiteln; die einzelnen Kapitel sind überdies in kleine Abschnitte unterteilt, die meist weniger als eine Seite ausmachen. Der Stil Laniers ist – obwohl seine Grundthese klar wird – eher assoziativ, und so passiert es dem Leser leicht, dass er (und ich sehe das nicht negativ) abschweift und das Buch auch mal in Gedanken zur Seite legt, um der Hecke beim Wachsen oder dem Kaminfeuer beim Flackern zuzusehen. So geschieht es allerdings nicht nur dem Lanier (wenn auch Sachbüchern generell eher als Romanen).

Zeitungen, Zeitschriften und andere Bücher kommen hinzu und so bildet sich neben dem Lesesessel (und/oder im Arbeitszimmer) ein Kultursediment, das nur unter Schwierigkeiten wieder gänzlich aufzulösen ist. Manchmal gerät ein Buch auf diese Weise längere Zeit in Vergessenheit, neue Lektüren nehmen den Platz der alten ein; überraschend tauchen zuweilen die vernachlässigten wieder auf. Manchmal wird man an die Lektüre erinnert, angestoßen, sie doch fortzusetzen. Und so ganz gemächlich geschieht es dann auch.

An unterschiedlichen Orten im Haus liegen begonnene Lektüren. Einige werden bald, andere irgendwann, wenige vielleicht nie wieder zur Hand genommen.

Es gibt Menschen, die lesen immer ein Buch zur Zeit. Ist die Lektüre beendet, darf das nächste Buch begonnen werden. Für so etwas bin ich zu undiszipliniert.

Gelesen. Abonji.

Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf. Salzburg und Wien: Jung und Jung, 2010.

Der Beitrag zum Bachmannpreis schien nicht nur mir zu gewollt artifiziell – das oben genannte Buch Abonjis aber wurde verdient prämiert: nicht ganz leicht zu lesen, doch die Bemühungen lohnen sich in einem empathischen, dabei differenzierten Blick auf eine von der Aus- und Einwanderung gekennzeichnete Kindheit und Jugend eines Schwesternpaares, das nicht gefragt wird, als die Eltern die Idee leben, ein besseres Leben in einem anderen Land zu suchen.

Buch bei Amazon angucken.

Gelesen. Reeve.

Philip Reeve: Großstadtjagd. Weinheim: Beltz & Gelberg.

Von Kind 1 in der Bücherei gefunden. Postapokalyptischer Steampunk für ältere Kinder und jüngere Jugendliche. – Vor 30 Jahren hätte ich das Buch gleich noch mal gelesen.

Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel bedroht: »Nordstrand hat keine Landesbibliothek – also braucht Kiel auch keine.«

Die schwarzgelbe Landesregierung plant offenbar, kurz vor ihrem Ende verbrannte Erde zu produzieren: nach den Überlegungen des für Kultur zuständigen Ministeriums soll die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel aufgelöst werden. [Via netbib]

Überhaupt nur in Betracht zu ziehen, eine solche Einrichtung zu schließen, die auf vorbildliche Weise die widerstrebenden Momente in Einklang bringt, für die Nachwelt zu bewahren und für die Mitwelt verfügbar zu machen, zeigt, dass die Regierenden in Schleswig-Holstein nichts verstanden haben.

Der Verein Historische Landeshalle hat einen Protestbrief an den Minsterpräsidenten geschrieben, von dem man sich inspirieren lassen kann.

Gelesen. Zeh.

Juli Zeh: Alles auf dem Rasen. München: btb, 2008.

(Zwei lange Zugfahrten in den letzten Tagen: in die alte Bundeshauptstadt und zurück. Und was tut man im Zug (außer Schokolade essen)? – Richtig.)