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Gelesen. Vargas Llosa.

Mario Vargas Llosa: Das böse Mädchen. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch, 2007.

Das »böse Mädchen« (aus ärmsten Verhältnissen stammende lebenslange Liebe des »guten Jungen«, des Ich-Erzählers) kehrt nach Höhenflügen in Reichtum und Glanz schließlich gedemütigt, vom Leben geschlagen zu jenem zurück: fragwürdige Moral eines in seinen vermeintlich zufälligen, schicksalhaft verstandenen Begegnungen arg konstruiert wirkenden Romans. Gelungen dabei die psychologisch genaue Schilderung des in Lügen blühenden Wesens, der Ambivalenz des mal Nähe suchenden, mal Ferne erzwingenden Charakters des »bösen Mädchens«.

Stromanbieter (spätestens) jetzt wechseln.

Atomkraft? – nein danke! ButtonWer (wie ich) lange Zeit zu schlunzig war, privat aus dem Verbrauch von Atomstrom auszusteigen, sollte (wie ich) das aktuelle Geschehen zum Anlass nehmen, auch mit der Stromrechnung abzustimmen.

Der Standardstrom der Stadtwerke Eutin, bei denen wir Kunden sind, ist zusammengesetzt aus »21,2% (24,9%) Kernkraft, 48,9% (57,8%) fossilen und sonstigen Energieträgern sowie 29,9% (17,3%) erneuerbaren Energien […]. Damit sind 426 g/kWh (508 g/kWh) CO2-Emissionen und 0,00118 g/kWh (0,0007 g/kWh) radioaktive Rückstände verbunden« [Zahlen in Klammern kennzeichnen den bundesweiten Durchschnitt und beziehen sich auf das Basisjahr 2009; Zahlen SWE].

Heuer wusste ich ausnahmsweise mal, wo unsere letzte Stromrechnung lag und konnte Anbieter und Preise vergleichen. Ein erster Weg geht zu Atomausstieg selber machen. Auf dieser Seite finden sich Links zu überregionalen Anbietern.

Nach dem Motto »Think globally, act locally« habe ich dann mal bei unseren hiesigen Stadtwerken, die zu 100 % im städtischen Besitz sind, nachgesehen und stellte fest, dass diese einen Tarif (SWE Natur) anbieten, für den man Strom bekommt, der je zur Hälfte aus Wind- und Wasserkraft gewonnen wird. Die SWE, die selber kein Stromproduzent sind, kaufen diesen Strom wie die anderen Stromarten auf dem Strommarkt – entscheiden sich mehr Kunden der SWE für Ökostrom, bilden die SWE dieses Kaufverhalten nach. Es wird also auf dem Strommarkt die Nachfrage verändert. (Eine weitere Überraschung war, dass der Tarif bei unserem jährlichen Familienverbrauch von 3700 kWh sogar ein paar Euro günstiger ist als der bisherige.)

Der Tarifwechsel hat inklusive Unterschrift keine Viertelstunde gedauert. Künftig ist unser Haushalt atomstromfrei.

Japan.

Minamisanriku ist eine Stadt, die ich bis heute nicht kannte. Sie hatte etwa so viele Einwohner wie Eutin: 17.300. Zehntausend von ihnen sollen in der Flutwelle, die Japan traf, verschwunden, zu Tode gekommen sein. Ein schicksalhaftes Unglück, furchtbar: so viele, die noch hätten leben wollen; kaum zu ermessen, was dies für die Davongekommenen bedeutet.

In Videoschnipseln sehe ich Hochhäuser wanken und obdachlos Gewordene stoisch ihr Leid ertragen, Wellen Stadtviertel beseitigen und wortloses Leid.

Und ein Atomkraftwerk explodieren.

(Und urplötzlich ist der April 1986 wieder da, ein Jahr vor meinem Abitur, es nieselte sanft; später sagte man, der Regen sei gefährlich. Und so vieles wurde gefährlich in den nächsten Tagen, uns so viel durfte man lernen über Windrichtungen, Milch, Becquerelwerte, Pilze und Atomtechnik. Wer auch nur ein Quentchen Grips hatte in diesen Tagen, musste ein für allemal wissen, dass Atomkraftwerke zu gefährlich sind für unsere Welt.)

Das von Atomkraftwerken ausgehende Risiko ist – anders als der Tsunami – kein Schicksal, sondern es wird von bestimmten Menschen gewollt und von bestimmten Menschen gemacht. Die abgefeimte Kaltschnäuzigkeit (hinter der die Angst um Wahlergebnisse lauert), mit der Frau Merkel unsere Atomkraftwerke für sicher erklärt (als sei Japan ein industriefernes Entwicklungsland), lässt mich schaudern. Wer wider besseres Wissen derart blindwütig bekannte Fakten verdrängt, ist eine Gefahr für das Gemeinwesen.

Hoffen wir, dass es in Fukushima nicht zum Schlimmsten kommt. Und tun wir hier alles, damit deutsche Atomkraftwerke schnellstmöglich abgeschaltet werden.

Zu Guttenberg in der FAZ.

Man darf die Frankfurter Allgemeine Zeitung, insbesondere ihren Autor Jürgen Kaube, auch mal loben für die klaren Worte in dieser unappetitlichen Sache. –

Zu Guttenberg selbst allerdings redet noch immer davon, die Fehler »nicht bewusst« gemacht zu haben. Es lohnt sich nicht mehr, dagegen zu argumentieren. Der Mann ist die personifizierte Lüge.

Echtheit und Wahn.

Zu Guttenberg schreibt im Vorwort (6) seiner Dissertation:

»Meiner Frau und meinen Töchtern sei diese familienunfreundliche Lektüre in tiefer Dankbarkeit zugedacht. Sie sind der unerreichte wie dauerhafte ›echte Augenblick‹ meines Lebens.«

So schreibt einer, der sich poetisch ausdrücken möchte: seine Familie ist aber nicht unerreicht, sondern Realität; wenn sie aber nicht unerreicht ist, steht das gleichgeordnete »dauerhaft« ebenso in Zweifel (abgesehen davon: wie kann ein Augenblick nicht erreicht, aber dauerhaft sein?); und wieso der »echte Augenblick« in die an anderer Stelle so häufig fehlenden, hier aber fehlerhaften, weil relativierenden Anführungszeichen gesperrt wird, versteht man wohl auch nur, wenn man zu Guttenberg heißt.

Das Guttenplag-Wiki weist inzwischen auf 267 von 393 Textseiten (fast 68%) nicht wissenschaftsüblich gekennzeichnete Zitate nach (hier herausragende Fundstellen), darunter viele, die auch unter noch so guttenbergfreundlicher Betrachtung nur als mit eindeutig verschleiernder Absicht in das Konvolut eingearbeitet angesehen werden können: zu Guttenberg hat im Wissen um sein Tun abgeschrieben oder abschreiben lassen.

So muss die widersprüchliche Widmung als Zeichen verstanden werden für die Orientierungslosigkeit Guttenbergs, der zwischen Realität und Schein offenbar nicht mehr zu differenzieren vermochte, dem Familienglück und Reichtum nicht reichten, der von allen geliebt werden wollte: »Letztlich ist es die Tragödie eines Menschen, der wohl nie ein normales Kind sein durfte, sondern stets nur ein adliges, mit dem entsprechenden Leistungsdruck« (Demokratie und Alltag), also ein trauriger Fall.

Wenn dann inzwischen die »Fans« zu Guttenbergs sich »gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg« in Stellung bringen, kann ich nur sagen »Agitiert nur, Agitiert nur.« Denn auch die Propaganda der Bild-»Zeitung« und der konservativen Freunde zu Guttenbergs können das Geschehene und eindeutig Belegte nicht ungeschehen und unbemerkt werden lassen. Einen Vernebelungsversuch dieser Art als »Versachlichung der Diskussion um zu Guttenberg« zu bezeichnen ist Neusprech pur: sachlicher und transparenter als die Analyse im Guttenplag-Wiki geht es nun einmal nicht, denn die Gegenüberstellung von Originaltexten und Dissertation ist für jedermann nachvollzieh-, überprüf- und ggf. korrigierbar.

Freunde würden zu Guttenberg raten zu kündigen, bevor ihm gekündigt wird – aber die »Freunde« bei Facebook brauchen ihre Lichtgestalt noch, und so darf er noch nicht gehen, sondern muss weiter leiden.

Dr. Copy and Paste.

Guttenberg hat abgeschrieben. Bericht beim früheren Nachrichtenmagazin, angemessen angeekelter Kommentar bei Quirinus.

(Nein, bei Doktorarbeiten kann man sich nicht mehr damit herausreden, man sei krank gewesen, als die Sache mit der Kennzeichnungspflicht von Zitaten erklärt wurde. Der Mann hat vorsätzlich gegen die üblichen Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen. Eine Aberkennung der Doktorwürde ist das Mindeste, was ihn erwarten sollte.)

Erinnert sei an dieser Stelle noch an den Fall seiner Kollegin, bei der auch alles im üblichen Rahmen ablief ...

Google Art Project.

In einem Kommentar drüben bei DeutschKunst schrieb ich:

»Ich finde es großartig, über das Google Art Project die spezielle Art einer Pinselführung, Farbgebung oder andere Details nicht mehr nur behaupten, sondern auch zeigen zu können, dabei so weit ans Bild heranzuzoomen wie es kein Museumspersonal der Welt erlaubte.

Aber nein: natürlich ersetzt das nicht den echten Museumsbesuch. Der Wow!-Effekt, den auch Schüler verspüren, wenn sie die ihnen als Abbildung ausreichend bekannte Nachtwache dann mal in Amsterdam im großen Original sehen, ist durch nichts zu ersetzen.

Daher: ›Noch bei der höchstvollendeten Reproduktion fällt eines aus: das Hier und Jetzt des Kunstwerks – sein einmaliges Dasein an dem Orte, an dem es sich befindet.‹ [Benjamin, ebd.] Anders als Benjamin dann aber ausführt, erlebe ich (nicht nur bei mir) den Fortbestand der von ihm beschriebenen Aura über alle Reproduktionen hinweg, die eben doch nur sind, was sie sind.«