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Datenkrake

Aaarrrrgh! Also, zur Abwechslung schreibt mal Kind 1, denn Kind 1 ist, wie es im Zeitmagazin mal so schön hieß, in seiner kommunistischen Phase. Deswegen liest Kind 1 seit einiger Zeit die taz und findet das meiste gut und berechtigt. Heute morgen las das Kind 1 in der sonntaz, dass die Mehrheit der EU-Staaten jetzt zur Sicherheit und Terrorismusbekämpfung die Daten aller Menschen, die in Flugzeugen europaweit herumfliegen wollen, bis zu FÜNF JAHRE "zu Sicherheitszwecken speichern und analysieren" möchten. Noch spricht sich Deutschland angeblich dagegen aus. Aber auf diese Art soll es also noch in fünf Jahren möglich sein, festzustellen, Wer-Wann-mit Wem-Wohin geflogen ist.

Um in Hanjos Art weiterzusprechen: Gelesen: Ilija Trojanow, Juli Zeh: Angriff auf die Freiheit. Gut, die Autoren dieses Buches hauen kräftig und energisch in immer die gleiche Sparte, aber wenn man so etwas ausfiltert, bleiben genug erschreckene Details zurück.
Woher kommt das? Kann man mit Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen etwa Autounfälle verhindern? Und wieso meinen dann manche Menschen (Politiker), trotzdem so Anschläge verhindern zu können?

Als ich neulich meinen ersten Ausweis bekommen habe, habe ich all seine Internetfunktionen abschalten lassen. Auch den (noch) freiwilligen Fingerabdruck habe ich nicht abgegeben.

Mir ist das hier alles zuviel Datenspeicherung.

Gelesen. Mankell.

Henning Mankell: Der Chronist der Winde. München: Deutscher Taschenbuch, 2002.

»Warum hat die Barbarei immer so ein menschliches Gesicht, das die Barbarei so unmenschlich macht?« (Ebd., 72)

Gelesen. Vargas Llosa.

Mario Vargas Llosa: Das böse Mädchen. Berlin: Suhrkamp Taschenbuch, 2007.

Das »böse Mädchen« (aus ärmsten Verhältnissen stammende lebenslange Liebe des »guten Jungen«, des Ich-Erzählers) kehrt nach Höhenflügen in Reichtum und Glanz schließlich gedemütigt, vom Leben geschlagen zu jenem zurück: fragwürdige Moral eines in seinen vermeintlich zufälligen, schicksalhaft verstandenen Begegnungen arg konstruiert wirkenden Romans. Gelungen dabei die psychologisch genaue Schilderung des in Lügen blühenden Wesens, der Ambivalenz des mal Nähe suchenden, mal Ferne erzwingenden Charakters des »bösen Mädchens«.

Stromanbieter (spätestens) jetzt wechseln.

Atomkraft? – nein danke! ButtonWer (wie ich) lange Zeit zu schlunzig war, privat aus dem Verbrauch von Atomstrom auszusteigen, sollte (wie ich) das aktuelle Geschehen zum Anlass nehmen, auch mit der Stromrechnung abzustimmen.

Der Standardstrom der Stadtwerke Eutin, bei denen wir Kunden sind, ist zusammengesetzt aus »21,2% (24,9%) Kernkraft, 48,9% (57,8%) fossilen und sonstigen Energieträgern sowie 29,9% (17,3%) erneuerbaren Energien […]. Damit sind 426 g/kWh (508 g/kWh) CO2-Emissionen und 0,00118 g/kWh (0,0007 g/kWh) radioaktive Rückstände verbunden« [Zahlen in Klammern kennzeichnen den bundesweiten Durchschnitt und beziehen sich auf das Basisjahr 2009; Zahlen SWE].

Heuer wusste ich ausnahmsweise mal, wo unsere letzte Stromrechnung lag und konnte Anbieter und Preise vergleichen. Ein erster Weg geht zu Atomausstieg selber machen. Auf dieser Seite finden sich Links zu überregionalen Anbietern.

Nach dem Motto »Think globally, act locally« habe ich dann mal bei unseren hiesigen Stadtwerken, die zu 100 % im städtischen Besitz sind, nachgesehen und stellte fest, dass diese einen Tarif (SWE Natur) anbieten, für den man Strom bekommt, der je zur Hälfte aus Wind- und Wasserkraft gewonnen wird. Die SWE, die selber kein Stromproduzent sind, kaufen diesen Strom wie die anderen Stromarten auf dem Strommarkt – entscheiden sich mehr Kunden der SWE für Ökostrom, bilden die SWE dieses Kaufverhalten nach. Es wird also auf dem Strommarkt die Nachfrage verändert. (Eine weitere Überraschung war, dass der Tarif bei unserem jährlichen Familienverbrauch von 3700 kWh sogar ein paar Euro günstiger ist als der bisherige.)

Der Tarifwechsel hat inklusive Unterschrift keine Viertelstunde gedauert. Künftig ist unser Haushalt atomstromfrei.

Japan.

Minamisanriku ist eine Stadt, die ich bis heute nicht kannte. Sie hatte etwa so viele Einwohner wie Eutin: 17.300. Zehntausend von ihnen sollen in der Flutwelle, die Japan traf, verschwunden, zu Tode gekommen sein. Ein schicksalhaftes Unglück, furchtbar: so viele, die noch hätten leben wollen; kaum zu ermessen, was dies für die Davongekommenen bedeutet.

In Videoschnipseln sehe ich Hochhäuser wanken und obdachlos Gewordene stoisch ihr Leid ertragen, Wellen Stadtviertel beseitigen und wortloses Leid.

Und ein Atomkraftwerk explodieren.

(Und urplötzlich ist der April 1986 wieder da, ein Jahr vor meinem Abitur, es nieselte sanft; später sagte man, der Regen sei gefährlich. Und so vieles wurde gefährlich in den nächsten Tagen, uns so viel durfte man lernen über Windrichtungen, Milch, Becquerelwerte, Pilze und Atomtechnik. Wer auch nur ein Quentchen Grips hatte in diesen Tagen, musste ein für allemal wissen, dass Atomkraftwerke zu gefährlich sind für unsere Welt.)

Das von Atomkraftwerken ausgehende Risiko ist – anders als der Tsunami – kein Schicksal, sondern es wird von bestimmten Menschen gewollt und von bestimmten Menschen gemacht. Die abgefeimte Kaltschnäuzigkeit (hinter der die Angst um Wahlergebnisse lauert), mit der Frau Merkel unsere Atomkraftwerke für sicher erklärt (als sei Japan ein industriefernes Entwicklungsland), lässt mich schaudern. Wer wider besseres Wissen derart blindwütig bekannte Fakten verdrängt, ist eine Gefahr für das Gemeinwesen.

Hoffen wir, dass es in Fukushima nicht zum Schlimmsten kommt. Und tun wir hier alles, damit deutsche Atomkraftwerke schnellstmöglich abgeschaltet werden.

Zu Guttenberg in der FAZ.

Man darf die Frankfurter Allgemeine Zeitung, insbesondere ihren Autor Jürgen Kaube, auch mal loben für die klaren Worte in dieser unappetitlichen Sache. –

Zu Guttenberg selbst allerdings redet noch immer davon, die Fehler »nicht bewusst« gemacht zu haben. Es lohnt sich nicht mehr, dagegen zu argumentieren. Der Mann ist die personifizierte Lüge.