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G8-Kinder und G8-Eltern.

Der Kauf der Zeit lohnt sich diese Woche in jedem Fall für Väter, die mit ihren Kindern für das G8-Gymnasium lernen, obwohl sie lieber mit ihnen spielen würden, denn es findet sich ein (online nicht verfügbarer) inzwischen auch online verfügbarer offener Brief von Henning Sußebach an seine Tochter, den ich ratzfatz unterschreiben könnte: Liebe Marie …

»Königin der Wikipedia«: die Philosophie.

Warum man (wenn nicht) immer (, so doch zumindest sehr oft) beim Eintrag über die Philosophie landet, wenn man in beliebigen Wikipedia-Artikeln »auf den ersten Link im Text klickt, der nicht in Klammern steht oder kursiv ist, und das ganze immer wieder wiederholt«, erklärt Anatol Stefanowitsch in Die Philosophie, Königin der Wikipedia.

Neue Essay-Themen: Distelmeyer, Baumann, Popper, Suarez, Wittgenstein, Arendt.

Ein weiterer Essay-Durchgang ist an der Reihe. Die Themen diesmal:

1. Jochen Distelmeyer: Wohin mit dem Hass? [Dis09] (Video mit nerviger Werbung.)

2. Die Suche nach Vorbildern, Beratung und Orientierung hat Suchtcharakter: Je mehr man es tut, desto mehr braucht man es und desto größer das empfundene Unbehagen, wenn der Nachschub ausbleibt. Alle Abhängigkeiten sind als Mittel der Befriedigung des Bedürfnisses selbstzerstörend, sie zerstören die Möglichkeit dauerhafter Befriedigung überhaupt. [Bau03, 88]

3. Unsere Unwissenheit ist grenzenlos und ernüchternd. [Pop04, 79]

4. Nehmen Sie die Aufgabe an, eine Rechtfertigung für die Freiheit der Menschen zu finden […]? »Ja« oder »nein«? [Sua11, 619]

5. Laß uns menschlich sein – [Wit84, 492]

6. Der Platz des denkenden Ichs in der Zeit wäre der Zwischenraum zwischen Vergangenheit und Zukunft, die Gegenwart, jenes geheimnisvolle und schlüpfrige Jetzt, eine bloße Lücke in der Zeit, auf die nichtsdestoweniger die festeren Zeitformen der Vergangenheit und der Zukunft insofern hingeordnet sind, als sie das bezeichnen, was nicht mehr ist, und was noch nicht ist. Daß sie überhaupt sind, verdanken sie offensichtlich dem Menschen, der sich zwischen sie eingeschoben und dort seine Gegenwart eingerichtet hat. […]

[Hier folgt im Original eine Abbildung, die den S auch vorliegt.]

Im Idealfall sollte die Wirkung der beiden Kräfte, die unser Parallelogramm bilden, in einer dritten Kraft resultieren, der Diagonalen mit dem Ursprung an dem Punkt, an dem sich die Kräfte treffen und auf den sie wirken. […] Diese Diagonalkraft, deren Ursprung bekannt ist, deren Richtung durch Vergangenheit und Zukunft bestimmt ist, deren Kraft aber auf ein unbestimmtes Ende hinzielt […], sie scheint mir eine vollkommene Metapher für die Tätigkeit des Denkens. [Are77, 204f.]

[Are77] Arendt, Hannah: Vom Leben des Geistes. Bd. 1: Das Denken. München : Piper, 1989 (EA 1977) (SP 705)
[Bau03] Baumann, Zygmunt: Flüchtige Moderne. Frankfurt am Main : Suhrkamp Taschenbuch, 2003 (es 2447)
[Dis09] Distelmeyer, Jochen: Heavy. Columbia, 2009
[Pop04] Popper, Karl R.: Auf der Suche nach einer besseren Welt: Vorträge und Aufsätze aus dreißig Jahren. 13. Aufl. München : Piper, 2004 (sp 699)
[Sua11] Suarez, Daniel: Daemon. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Taschenbuch, 2011 (rororo 25643)
[Wit84] Wittgenstein, Ludwig: Vermischte Bemerkungen. In: Über Gewißheit. Werkausgabe Bd. 8. Frankfurt am Main : Suhrkamp Taschenbuch, 1984 (stw 508)

Zu-tun-Liste.

  • Deutschklausur konzipieren
  • Abschlussprüfungen Buchhandel korrigieren – Teil 1 und Teil 2 (erledigt)
  • Unterricht vorbereiten
  • Themen für philosophischen Essay zusammenstellen
  • Fachkonferenz Philosophie/Religion vorbereiten
  • Mündliche Abiturprüfungen vorbereiten
  • Korrektur eines Stapels Philosophieklausuren

Nebenbei leben nicht vergessen.

Gehen die Lichter aus? III.

Inzwischen laufen nur noch vier Atomkraftwerke.

Spätestens damit ist bewiesen, dass diejenigen, die jahrelang den Betrieb jedes einzelnen der derzeit abgeschalteten 13 AKW als lebensnotwendig verteidigten, sich entweder geirrt oder aus Gründen gelogen haben.

Und eine dringende Warnung sei nochmals für jeden Medienkonsumenten ausgesprochen: wann immer in Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen von »Experten« die Rede ist, die vor etwas warnen / etwas dringend fordern / etwas ganz und gar ausschließen o. ä., sollte vorsichtshalber davon ausgegangen werden, dass die Wahrheit gerade Urlaub feiert.

Hinterm Hindukusch geht's weiter …

Thomas de Maizière, Bundesminister der Verteidigung, sagt:

»Die Sicherheit Deutschlands ist heute nicht mehr geografisch zu begrenzen.

Die neuen Bedrohungen machen vor nationalen Grenzen nicht mehr Halt: Machtverschiebungen zwischen Staaten und der Aufstieg neuer Regionalmächte, fragile oder zerfallene Staaten, internationaler Terrorismus, kriminelle Netzwerke und Strukturen organisierter Kriminalität kennzeichnen Risiken, die ebenso destabilisierende Folgen haben können wie Klima- und Umweltkatastrophen, die Proliferation von Massenvernichtungswaffen oder unsere störanfällige Informationstechnologie. Selbst Straßen, Wasserwege, Stromnetze und globale Vernetzung werden vor diesem Hintergrund zur kritischen Infrastruktur.

Unsere Interessen und unser Platz in der Welt werden wesentlich von unserer Rolle als Exportnation und Hochtechnologieland in der Mitte Europas bestimmt. Daraus folgt: Wir haben ein nationales Interesse am Zugang zu Wasser, zu Lande und in der Luft.«

Nicht nur ist richtig – fefe weist darauf hin –, dass der letzte, der so etwas gesagt hat, zurückgetreten ist, es ist auch wichtig, dass diejenigen, die sich heute für Jahre in der Bundeswehr verpflichten, wissen, was sie da tun: es bedeutet Verteidigung nicht nur unseres Landes in seinen Grenzen, sondern (in einem neusprechartig sehr weit gespannten Begriff von Verteidigung) an nahezu beliebigen Orten der Welt, wenn es denn im Interesse der Wirtschaft liegt.

Das sollte auch deutlich sein, wenn die Karriereplaner der Bundeswehr sich mal wieder unsere Schüler abholen wollen.

Gehen die Lichter aus? II.

Es »laufen derzeit nur noch fünf der insgesamt 17 deutschen AKWs, ohne dass es zu Versorgungsengpässen käme.« Weiterlesen: Da waren es nur noch fünf.

(Um es zu verdeutlichen: wenn die jetzt abgeschalteten AKW wieder ans Netz gehen, ist nicht Notwendigkeit, sondern sind andere Gründe dafür maßgeblich.)

Schulinterne Fortbildung zum Burn-out-Syndrom.

Schulinterne Fortbildungen sind eine feine Gelegenheit, in der Schule mit Kolleginnen und Kollegen etwas Sinnvolles zu tun, ohne dass einem die Schüler zwischen den Füßen rumwuseln. (Schriebe ich hier nur Wahres, müsste ich mich nun verbessern und darauf verweisen, dass die meisten meiner Schüler volljährig sind und mich – zumindest was die männlichen Vertreter betrifft – körperlich eher überragen.)

Gestern haben wir (vor einem gemeinsamen Mittagessen und einem in Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben verbrachten Nachmittag) an einer Veranstaltung zum Burn-out-Syndrom teilgenommen, die durch Information natürlich auch zur Prävention beitragen sollte. Das ist für Lehrkräfte sinnvoll (und eine Schulleitung zu loben, die derley veranstaltet), weil sie einer potentiell stark gefährdeten Berufsgruppe angehören.

Gründe hierfür sind auf zwei Seiten zu sehen: auf der einen erscheinen die hohen Anforderungen des Berufs, zu denen lange Arbeitszeiten, stressverursachende Umgebungen, fachliche und pädagogische Herausforderungen etc. gehören. Auf der anderen Seite steht das Lehrerindividuum, das mehr oder minder bedeutsame Anlagen zum Burn-out besitzt und / oder (weiter-) entwickelt. Viele dieser Anlagen sind im Lehrerberuf unerlässlich: ganz generell beispielsweise ein hohes Engagement für die sich stellenden Aufgaben. Hier allerdings das auch langfristig richtige Maß zu finden ist die Schwierigkeit.

Ein Exempel: Eine gute Unterrichtsstunde (oder gar eine -einheit!) vorzubereiten ist eine komplexe und potentiell unendliche Aufgabe. Immer kann die Stunde noch weiter und besser vorbereitet werden, sie ist nie fertig in dem Sinne, in dem ein materielles Produkt fertig ist. Die Lehrkraft muss also lernen, von einem bestimmten Zeitpunkt an die Unterrichtsstunde als fertig zu bestimmen. Genau das kann aber mit einem Gefühl der Unzufriedenheit verbunden sein, weil die Lehrkraft ja die oben benannte Forderung hohen Engagements an sich stellt und daher mit einer in ihrem Sinne noch nicht guten Stunde nicht zufrieden ist. Natürlich gewöhnt sich die Lehrkraft nach dem Referendariat, in dem an einer einzigen Vorführstunde schon mal tagelang gearbeitet wird, rasch an die Erfordernisse des Alltags, in dem 25 Stunden und mehr gehalten werden müssen. Zu bedenken allerdings ist, dass dies nicht die einzige Stelle ist, an der der Perfektionsdrang der Lehrkraft scheitern muss. Gerade die engagierte Lehrkraft, die einen hohen Anspruch an sich selbst stellt, weil sie ein positives Bild vom Lehrerberuf hat, ihn möglicherweise gar als Berufung begreift, wird immer wieder subjektiv beurteilt zu große Abstriche machen müssen. Hinzu kommt, dass ein definierter Feierabend nicht möglich ist: fest liegt die Zahl der Unterrichtsstunden. Wie viel Arbeit die Lehrkraft sich damit (und mit allem damit verbundenem) macht, ist in ihr Ermessen gestellt. Der große Vorteil des Lehrerberufs – ein hohes Maß selbstbestimmten Arbeitens – verkehrt sich dergestalt ins Gegenteil.

Nach Freudenberger, so habe ich gestern gelernt, seien beim Burnout-Syndrom 12 Stadien zu beobachten – vom »Zwang sich zu beweisen« über die »Vernachlässigung eigener Bedürfnisse«, den »Rückzug«, die »Depersonalisation« bis hin zur »völligen Erschöpfung«. Die Prophylaxe kann allenfalls davor bewahren, in diese Entwicklung einzutreten; spätestens nach Durchlaufen der Hälfte der Stadien bzw. bei Vorliegen einer Reihe signifikanter Symptome wird angeraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Prophylaxe rät weiter, statt stets die Höchstleistung von sich abzufordern und alles nicht arbeitsspezifische als (allenfalls) sekundär zu behandeln eine neue Balance zwischen Arbeit und Ich, Beruf und anderen Bereichen zu finden, das Ich dabei als zentrales Element neu zu entdecken. Regenerationspausen seien zwischen Phasen der Anstrengung vonnöten, um langfristig den Anforderungen begegnen zu können. Dazu zählen nicht beruflich motivierte soziale Kontakte ebenso wie schlichte Ruhepausen, Sport, Lesen, Musizieren oder anderes. Ziel sei die Ich-bewusstere Lehrkraft, die auch mal fünfe gerade sein lassen könne und einen ohnehin nie erfüllbaren Perfektionsanspruch zugunsten einer leistbaren guten Qualität aufgebe. –

Die Veranstaltung selbst dauerte mit Pausen vier Stunden, die rasch vergingen, auch weil die Referentin, Frau Weinhold von Holzrichter Beratungen, ihre Inputphasen immer wieder durch Tests, Selbsteinschätzungen und ähnliche Ich-bezügliche Übungen auflockerte. Das Echo war einhellig positiv, weshalb ich eine solche Themensetzung für schulinterne Fortbildungen unbedingt weiterempfehlen kann.

Der Skeptiker in mir sieht allerdings nicht nur die Hilfe, die diese Burn-out-Veranstaltung bietet. Eingangs hatte ich darauf hingewiesen, dass es zwei Seiten seien, auf denen sich Burn-out-Risiken verbergen: die der Umgebung und die der Lehrkraft. Bearbeitet werden in der Burn-out-Prophylaxe allerdings nur letztere. Die Lehrkraft also, die ohnehin an ihrem eigenen Anspruch an die Erfüllung von Aufgaben scheitert, bekommt signalisiert, dass auch dieses Scheitern auf eigenen Defiziten beruht: problematisch seien also nicht die Bedingungen schulischen Lehrens, sondern dass die Lehrkraft diesen Bedingungen nicht entspricht. Zu bearbeiten sei daher auch nicht die Frage, inwiefern diese Bedingungen zu ändern sind, sondern die Haltung der Lehrkraft. Ganz pragmatisch gesehen mag dieser Ansatz richtig und auch hilfreich sein. Tatsächlich aber stellt schon das Referendariat den Eingang in die Burn-out-Spirale dar, denn es ist der Inbegriff des oben genannten Zwangs sich zu beweisen. –

Ausführliche Informationen zum Thema Burn-out bei Lehrkräften gibt's bei Paul Tresselt.

Und vielleicht sollte der eine oder die andere auch mal bei Gerhard Sennlaub nachlesen.

Gelesen. Thiemeyer.

Thomas Thiemeyer: Die Stadt der Regenfresser (Die Chroniken der Weltensucher 1). Bindlach: Loewe, 2009.

Gediegene Abenteurerkost für Kind 2 (das am Wochenende Band 2 las): ein Entdecker, der sich als illegitimer Sohn Alexander von Humboldts begreift, seine Nichte, der die gesellschaftlich vorgesehene Rolle zu eng wird, ein haitianisches Medium und ein jugendlicher Taschendieb unternehmen zusammen eine Rettungsmission für einen im fernen Peru verschollenen Fotografen und entdecken fremde Kulturen, die Hochebene von Nazca und und fiese Monsterinsekten. (Fast) alles wird gut, denn der zweite Band kündigt sich schon an …

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