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Gelesen. Kämmerlings.

Richard Kämmerlings: Das kurze Glück der Gegenwart. Deutschsprachige Literatur seit '89. Stuttgart: Klett-Cotta, 2011.

Nur in Ausnahmefällen trage ich hier Fach- und Sachliteratur ein; vor allem, weil ich von vielen Büchern (zunächst) nur Teile, zum Beispiel bestimmte Kapitel lese, die ich für irgend etwas (meist Schulbezogenes) brauche. Kämmerlings Überblick über die Literatur seit der Wende ist hier eine Ausnahme, weil er einen klar subjektiven Ansatz bei der Vorstellung der von ihm ausgewählten Titel hat und die Lektüren auch biographisch verortet. Seine Wertungskriterien allerdings legt er offen, und insgesamt ist die thematisch geordnete Präsentation nicht nur kurzweilig, sondern auch mit Gewinn zu lesen. Ich empfehle sie hier also – mindestens als herausfordernde Diskussionsgrundlage im Hinblick auf die vorgestellten Titel – ausdrücklich weiter (auch wenn Kämmerlings die Frechheit besitzt, Juli Zeh zu ignorieren).

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Nachdenkliche Rechte.

Die inzwischen auch für manchen Konservativen offensichtlich untaugliche Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte beleuchtet Constantin Seibt in seinem Artikel Der rechte Abschied von der Politik. Zitiert wird darin etwas Charles Moore, Biograph Margaret Thatchers:

Ich habe mehr als 30 Jahre gebraucht, um mir diese Frage zu stellen. Aber heute muss ich es tun: Hat die Linke doch Recht? […] Die Reichen werden reicher, aber die Löhne sinken. Die Freiheit, die dadurch entsteht, ist allein ihre Freiheit. Fast alle arbeiten heute härter, leben unsicherer, damit wenige im Reichtum schwimmen. Die Demokratie, die den Leuten dienen sollte, füllt die Taschen von Bankern, Zeitungsbaronen und anderen Milliardären.

Leseempfehlung. [Via]

Google+ III: Google und das eigene Blog.

Bei Hokey heute in Reaktion auf einen Artikel bei Herrn Larbig ein Plädoyer für das Blog.

Ich stimme zu. Natürlich wäre es, wie MAW Spitau schrieb, möglich, das im eigenen Blog veröffentlichte auch über Google+ zu senden – ob es dann allerdings in einem Monat oder einem Jahr noch auffindbar ist, ist gänzlich von den Launen Googles abhängig. Da zahle ich lieber ein paar Euro für den verlässlichen Hoster als mit üppig viel Daten an soziale Netzwerke.

Google+ nutze ich, wie vorher in meiner Facebook-Versuchphase auch, als einen Kanal zur Bekanntgabe eines Eintrags im Blog – umgekehrt ist dies für mich nicht vorstellbar (aus Gründen – siehe zum Beispiel Kristian Köhntopps Cloud und diesen Artikel). Da andere Autoren aber anders entscheiden, kann die Aufnahme eines Autors in einen Google-Kreis im Vergleich zu einem Blog-Abonnement inhaltlich unterschiedliche Feeds bedeuten. Bislang habe ich allerdings noch kein Beispiel kennen gelernt, in dem der Google-Feed einer Person einen Qualitätsgewinn gegenüber dem Blog derselben Person bedeutet hätte – im Gegenteil: der Googlestream ist voller Albernheiten. Das ist ja auch alles mal ganz lustig, und vielleicht seid Ihr es von Twitter auch so gewohnt, aber mein Newsreader liefert mir bislang bessere Inhalte als der Google-Stream (so sehr ich den Stream als Phänomen schätze).

Gelesen. Mawil.

Mawil: Action Sorgenkind. Berlin: Reprodukt, 2007.

Mawil: Wir können ja Freunde bleiben. Berlin: Reprodukt, 2003.

Google+ II.

Erste Applikationen ermöglichen das Synchronisieren von Postings in Facebook und Google+, mithin doppeltes Posten mit einfachem Aufwand. Ökonomisch gedacht. Noch besser wäre es natürlich, es gäbe noch ein drittes oder viertes Netzwerk dieser Art, so würde der Aufwand pro (Drei- bzw. Vierfach-) Posting noch weiter sinken …

(Auch der Leser müsste hier natürlich nachrüsten. Eine Software zum Erkennen und Ausfiltern von derlei Doppelpostings ist vonnöten! – Dass es das alles schon gab bzw. in Form von Usenet, Newsreadern und Crosspostingfiltern nach wie vor gibt, und zwar zum großen Teil öffentlich finanziert und damit ohne den Zwang, mit personenbezogenen Daten zu zahlen, daran sei hier nur kurz erinnert ...)

Tatsächlich allerdings genügen bislang zwei große Netzwerke (wobei bei Google + vermutlich mehr oder minder dieselben Akteure miteinander verbunden sind, die sich auch auf Facebook schon befreundeten) offenbar nicht, um im Bewusstsein knapper Ressourcen die Aufgabe eines der beiden Accounts zu verabreden. Stattdessen muss es erneut mehr sein, was das Online-Leben würzt.

Ein großer Teil der Netzprominenten begreift sich als Teil einer kritischen Öffentlichkeit, zeigt sich aber den gleichen Versprechungen des ewigen Wachstums erlegen wie andernorts die praktischen und theoretischen Ökonomen.

»Für lange Äußerungen habe ich mein Blog, Facebook nutze ich wegen meiner Verwandten in Übersee, für kurze nahm ich bislang Twitter, aber nun habe ich ja auch noch Google+.« – Äußerungen ähnlicher Art sind nicht selten unter den Onlinern, im Regelfall belegen sie gehorsames Reagieren des Konsumenten auf das, was ihm von der Wirtschaft angeboten wird, in der offenbar nie hinterfragten Annahme, dies alles müsse auch genutzt werden.

Nehmen wir an, ein Blog / eine Homepage / ein Facebook- / Twitter- / Google+-Account sei eine Basis für die Publikation eigener Gedanken und als solche grundsätzlich sinnvoll, so gibt es keinen vernünftigen Grund, derlei Accounts anzuhäufen (wo wäre festgelegt, dass ein Blog nur Beiträge, die länger sind als 140 Zeichen, beherbergen darf?). Vielmehr sprechen mindestens zwei Gründe dagegen: zum einen der Ressourcenaufwand anderenorts (Energie, Land, was auch immer …), zum anderen aber auch der Ressourcenaufwand der eigenen Person: als Christian Spannagel, bis zu diesem Schritt Verfechter möglichst intensiven medialen Netzwerkens aus der radikalen Vernetzung ausstieg, habe ich dies für eine mutige (und später ja auch begründete) Entscheidung gehalten. Christian schrieb damals: »Rein netzwerktheoretisch betrachtet führte dies […] zu einer Knotenüberlastung.«

Der Einzelne hat nur begrenzte Möglichkeiten der Interaktion mit Gedanken anderer, er braucht auch Ruhe, Einkehr, Muße, um zu bedenken, was er erfahren hat. Stets nur auf Empfang und Sendung zu sein, funktioniert nicht, und schon gar nicht im fordernden Übermedium Internet.

Dies nicht zu beachten könnte einer der Gründe dafür sein, dass der »Diskurs im Netz« flacher wird, wie Jürgen Fenn ausführt.

Comicliebhaber gucken hier.