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Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve.

2011-07-06_092957b Ein architektonisch gewagtes Gebäude, angrenzend an ein Viertel von Neubaublöcken: das Musée Hergé (Flash-Alarm! – alternativ: Wikipedia-Artikel) im neuen Löwen, Sitz der französischsprachigen Sektion der Universität Löwen – der alten flämischen Sektion in Löwen zur Konkurrenz erbaut.

Das Museum zu Ehren Hergés: was sichtbar ist von außen, zeigt viel Leere, Raum, in dem außer den Wandbemalungen – vergrößerte Reproduktionen von Details aus Hergés Zeichnungen – wenig an den Künstler erinnert.

Durch Brücken verbunden abgeteilte verdunkelte Räume, die in einer festen Abfolge durchschritten werden sollen. Begleitung: ein Audioguide, in diesem Fall ein iPod touch, der mit vielen zusätzlichen Informationen, Filmen, Tondokumenten, Quizaufgaben (für die Jüngeren unter den Betrachtern) zu den Exponaten versehen ist – ein feines Konzept, das sowohl dem oberflächlich als auch dem genauer hinsehenden Betrachter entgegenkommt und zudem die Kinder begeistert, die auf diese Weise sehr selbständig und elternunabhängig durch die Ausstellung wandern können.

Die einzelnen Räume sind reichhaltig bestückt mit Grundlegendem und Hintergründigem zu Hergés Leben und Werk, die Dokumentation spart dabei bei aller Wertschätzung kritischere Töne bezüglich Hergés fragwürdigen frühen Comics nicht aus.

Neues erfährt der Tim-und-Struppi-Leser zum Beispiel über Hergé als Werbegrafiker: mit vielen Beispielen wird verdeutlicht, dass eine Karriere auf diesem Gebiet als Alternative zum Comiczeichner eine Möglichkeit gewesen wäre. Für deutschsprachige Leser interessant der Blick auf auf dem deutschen Markt nicht (mehr) erhältliche Comicserien Hergés (z. B. Quick et Flupke; Jo, Zette et Jocko) – dass allerdings die in der Ausstellung kritisierte zu einseitige Fokussierung allein auf Tim und Struppi im Museumsshop seine Fortsetzung findet, ist schade.

Natürlich: der größte Teil der Ausstellung gehört den beiden letztgenannten Figuren, aber damit eben auch dem dazugehörigen Quellenmaterial, den historischen Hintergründen, den ausführlichen Figurenvorstellungen und vielem mehr …

Zwei Stunden haben wir im Museum zugebracht. Mehr war uns leider nicht möglich, weil wir auf der Durchreise von Brüssel nach Paris waren.

Ende des Schuljahres.

Morgen ist der letzte Schultag vor der langen unterrichtsfreien Zeit im Sommer.

Etwa 300 Klausuren im Beruflichen Gymnasium (Deutsch und Philosophie, Oberstufe), ungefähr 200 Klassenarbeiten in der beruflichen Ausbildung (Buchhandelsbetriebslehre, aber auch EDV) habe ich in diesem Schuljahr korrigiert (wenn ich nicht welche vergessen habe). Gerade in den letzten Wochen und Monaten war dies wieder besonders zeitaufwendig – so zeitaufwendig, dass die Unterrichtsvorbereitung weniger intensiv als angemessen erledigt werden musste (und die private Regeneration mehr als nur sparsam stattfand). Das ist – wie immer wieder festgestellt – ärgerlich und belastend, auch, weil die Korrekturarbeit außer dem Ergebnis einer Schulnote kein weiteres zeitigt.

Und ja: auf die unterrichtsfreie Zeit freue ich mich wegen dieser Anstrengungen mindestens so sehr wie die Schülerinnen und Schüler auf ihre Ferien.

Aber wieder habe ich in diesem Schuljahr viele Stunden Unterrichts erteilt, die mindestens mir Freude bereiteten: das Lehren und gemeinsame Lernen ist nach wie vor eine ganz wertvolle Erfahrung, die oft einfach richtig Laune macht, manchmal zufrieden (und manchmal natürlich auch ein schales Gefühl hinterlässt): Lehrer zu sein ist im Unterrichtsgeschehen eine im Großen und Ganzen tolle Sache.

Solltet Ihr aber noch die Wahl haben: nehmt nicht die Fächer mit langen Aufsätzen.

Rundbrief 43.

Auch der Rundbrief (43) 2011 des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband – Landesverband Schleswig-Holstein steht nun zum Download zur Verfügung – wem die dort vorhandene Version (1 MB) zu stark komprimiert erscheint, kann hier das nicht komprimierte PDF (gut 80 MB) bekommen.

Wie sich von selbst versteht, bekommen Mitglieder des Verbands natürlich die fein gedruckte Version, die noch viel schöner ist. (Hier kann man online beitreten, hier gibt's das Beitrittsformular als PDF.)

Außer dem üblichen Editorial vom Redakteurssetzer (oder wie das heißt) gibt's diesmal leider keine Inhalte von meiner Seite; dafür werde ich aber auf der nächsten Tagung eine Arbeitsgruppe zur grafischen Literatur leiten.

(Der Rundbrief ist natürlich wieder gesetzt in LaTeX, Titelseite mit Scribus.)

(Das coole LaTeX-Markup in der Klammerbemerkung eben stammt übrigens von Edward O'Connor.)

Facebook wollen wir wirklich nicht.

In der Telepolis: Alexander Dills Artikel Nach dem Atomaussstieg: Jetzt raus aus Facebook!

Ach so, und das Interview mit Constanze Kurz, Sprecherin des CCC, kannst Du natürlich auch noch rasch lesen: Die heutigen sozialen Netzwerke sind von Anfang an durchkommerzialisiert.

[Update:] Auch Andreas Kalt thematisiert den oben genannten Artikel in seinem Blog und mahnt die Notwendigkeit der pädagogischen Begründung der Verweigerung an, was mir vernünftig erscheint. Meine Gründe lassen sich in mehreren Schritten hier nachvollziehen.

Beim nochmaligen Lesen von Dills Artikel fällt mir auf, dass er in seiner Begründung der Verweigerung schon das Denken Facebooks übernimmt, indem er schreibt:

»Unsere Online-Kommunikation ist eine Form von Sozialkapital. Wir haben keinen Grund, unser Sozialkapital an der Garderobe von globalen Netzwerken abzugeben.«

Von seiner Zielrichtung her hat er natürlich recht. Kommunikation aber ist zunächst mal den Menschen in seinem Sein fundierendes Interesse und nicht »Sozialkapital«. Das wird es allenfalls, wenn wir unsere Kommunikation über Facebook abwickeln statt über freie Kanäle. Wir müssen uns hüten vor einem Denken, das in der Übernahme ökonomischer Kategorien stillschweigend kapituliert: es gibt unterschiedliche Arten der Reflexion über Welt. Wir sollten auch darin Freiheit beweisen.

Schulleiter/-in gesucht.

Unsere Schule sucht eine Schulleiterin (in diesem Artikel wird durchgehend die weibliche Form verwendet. Männliche Bewerber sind aber stets mit gemeint). Woher bekommt sie die eigentlich?

Das Bild, das ich mir als nicht am Prozess Beteiligter von diesem Geschehen mache, ist folgendes:

Unser Ministerium schreibt eine Stelle aus. In dieser Ausschreibung ist benannt, welche Qualifikationen die Schulleiterin mitbringen muss und welche Anforderungen auf sie warten.

Die Auswahl der Schulleiterin obliegt dem Schulleiterwahlausschuss. Mitglieder des Schulleiterwahlausschusses entsenden »der Schulträger, die Lehrkräfte, die Eltern und an Schulen mit Sekundarstufe II auch die Schülerinnen und Schüler« (§ 38 (1) SchulG).

Aus den im Bildungsministerium eingegangenen Bewerbungen wählt dasselbe »bis zu vier« (§ 39 (2) SchulG) Kandidatinnen aus. Die Kriterien hierfür sollen – wie stets, wenn es um Beförderungen von Beamten geht – »Eignung, Befähigung und fachliche Leistung« (Art. 33 (2) GG) sein. Die Auswahl geschieht – da es ja um Personen und persönliche Daten geht – nicht öffentlich, zudem nach Aktenlage, das heißt ohne persönliche Vorstellung.

Im Regelfall wird die künftige Schulleiterin bereits Leitungserfahrung haben; diese Bewerberin würde einer ohne diese Leitungserfahrung vorgezogen, weil die Befähigung aufgrund des formalen Kriteriums höher eingeschätzt würde. Hier ist zu fragen: ist jede Studiendirektorin per se besser geeignet für eine Schulleitungsstelle als eine Lehrerin ohne eine solche Leitungserfahrung? Eine Stufenleiterin beispielsweise an einem allgemeinbildenden Gymnasium oder ein Abteilungsleiter an einer beruflichen Schule hat bestimmte Organisations- und Kommunikationsaufgaben. Unterscheiden die sich mehr als nur graduell von denjenigen, die jede ihren Beruf ernst nehmende Lehrerin zu erfüllen hat? Gibt es einen qualitativen Unterschied zwischen einer Studiendirektorin, die ihren Posten seit fünf, und einer, die ihn seit fünfzehn Jahren bekleidet? Und sind wirklich beide besser geeignet als die Bewerberin, die gar keine Leitungserfahrung hat sammeln dürfen? (All diese Fragen dürfen sich natürlich nicht nur die Damen und Herren in den Ministerien, sondern auch diejenigen im Schulleiterwahlausschuss stellen, wenn entsprechende Bewerberinnen in die Vorstellungsrunde gelassen werden.)

Vermutlich vorgezogen würden wohl auch Bewerbungen aus dem Ministerium selbst. Abgesehen von laufbahnrechtlichen Gründen spricht hierfür die Vertrautheit mit dem System, aus dem sich wichtige Ressourcen des Schulalltags herleiten – ob der Blick für den pädagogischen Alltag im gänzlichen anderen Zusammenhang ministerialbürokratischer Arbeit in angemessenem Maße erhalten geblieben ist, muss bedacht werden.

Das durch das Ministerium nach den genannten und formalen Kriterien ausgedünnte Bewerberfeld darf sich sodann im Schulleiterwahlausschuss vorstellen. Vielleicht bekommen die Bewerberinnen vorab einen Bogen mit Aspekten, die in ihrer Vorstellungsrede abzuarbeiten sind, vielleicht bekommen sie Fragen gestellt, vielleicht läuft das Ganze in Form eines Interviews – dies ist gesetzlich nicht vorgegeben.

Das Problem, vor das sich ein solches Gremium gestellt sieht, ist offensichtlich (und ich beneide die Entscheidenden nicht): wie verlässlich ist das entstehende Bild der Bewerberin? Wie sehr ist das Bild ein vielleicht strahlendes und überzeugendes, tatsächlich aber nur ein eingeübtes und unechtes, das die mangelnden Qualitäten einer Bewerberin verdeckt? Wie sehr ist das Bild der vielleicht ungeschickter agierenden Bewerberin ein Makel, der den Blick auf die viel besser geeignete Persönlichkeit verstellt? (Gefragt werden darf aus der Perspektive des Schulleiterwahlausschusses im Hinblick auf den Auswahlprozess des Ministeriums natürlich auch: warum sind es gerade diese drei oder vier, die uns aus beispielsweise zehn Bewerbungen zur Auswahl gestellt werden und nicht andere?)

Auch »die Persönlichkeit« wurde als Kriterium genannt (und ist ohnehin im Lehrerberuf vielleicht das entscheidende schlechthin) – ich wüsste beispielsweise gern, ob die Bewerberin ihr in der Schule begegnendes Reinigungspersonal auch dann grüßt, wenn sie sich unbeobachtet glaubt. Ich wüsste gern, wie (vielleicht unberechtigt) unerbittlich sich die Bewerberin zeigt, wenn sie eigene Schwächen durch demonstrative Stärke gegenüber dem schwächeren Gegenüber kaschieren zu müssen meint. Ich wüsste gern, wie zufrieden sie mit sich ist – oder ob sie sich eigentlich nicht mag (was sie andere spüren lassen wird). Und so fort.

Das Ministerium hat so seine Vorstellungen von geeigneten Bewerberinnen, auch formale Kriterien zählen dazu. Was aber ist für die Schule und die an der Schule tätigen Lehrkräfte wichtig?

Eine Schulleiterin sollte präsent sein: sie muss im Idealfall immer ansprechbar sein für ihre Mitarbeiter (das ist natürlich nur schwer zu vereinbaren mit den anderen dienstlichen Pflichten, die Schulleiterinnen so haben), aber auch die Schülerinnen und Schüler (noch schwieriger). Er sollte einerseits eine Vorstellung davon haben, was die Schule ist und sein kann (dazu gehört die Kenntnis der Bedingungsfelder und Rahmenbedingungen, in denen Schule als Institution agiert), andererseits ist das zuhören Können eine der wichtigen Voraussetzungen: bevor die Schulleiterin zu verändern beginnt, muss der Status quo erforscht werden. Vielleicht ist ohnehin der zurückhaltende Schulleiterinnen-Typ viel geeigneter als der der Macherin?

Eine Schulleiterin muss delegieren können und andererseits genau wissen, wann Sie eine Angelegenheit selbst zu regeln hat. Eine Schulleiterin sollte in Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeiterinnen Ziele aufzeigen und dadurch die Motivation der Beteiligten (wieder) wecken können. Sie muss eine Instanz sein, die jederzeit helfend bereitsteht, und eine, die Regeln durchsetzt. Sie muss Respekt genießen, der nicht aus der Autorität des Amtes allein erwächst. – Im Grunde also alles wie bei uns Standardlehrern auch.

Eigentlich kann es uns fast egal sein, wer das Rennen macht. Tagtäglich machen wir sehr selbständig unseren Job, direkte Berührungspunkte gibt es selten. Andererseits hängt von dieser einen Position im Schulleben vieles ab, was vielleicht diffus scheint, nur schwer zu packen, atmosphärisch eher als tatsächlich konkret zu benennen.

Ich bin gespannt.

Peter Handke über Verleger.

Mit dem Lesen von Zeitungen komme ich ja manchmal nicht hinterher. Jede Woche eine neue Zeit – wie soll das gehen? Erst jetzt fand ich daher in einer älteren Literaturbeilage das Interview Ulrich Greiners mit Peter Handke, in dem sich auch folgende Passage findet:

ZEIT: In Deutschland ziehen viele Autoren nach Berlin, weil sie sich dort Anregungen erhoffen, von anderen Autoren, Verlegern, Intellektuellen.

HANDKE: Anregungen von Verlegern? Da bekomme ich von Hornissen mehr Anregung. Ich lese, das ist mir Kontakt genug.

Das Interview ist komplett zu lesen hier.

Terry Pratchett: Choosing to Die.

Wer jung ist, wer in der Mitte seines Lebens, mag möglicherweise nicht nachdenken über das Ende bzw. die Beendigung desselben. Terry Pratchett (Sir Terry Pratchett (so viel Zeit muss sein)!) hat einen Grund, darüber nachzudenken: seine Alzheimer-Erkrankung.

In einer Dokumentation berichtet die BBC über Pratchetts Umgang mit dem Thema: Choosing to Die. [Via]