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Schulleiter/-in gesucht.

Unsere Schule sucht eine Schulleiterin (in diesem Artikel wird durchgehend die weibliche Form verwendet. Männliche Bewerber sind aber stets mit gemeint). Woher bekommt sie die eigentlich?

Das Bild, das ich mir als nicht am Prozess Beteiligter von diesem Geschehen mache, ist folgendes:

Unser Ministerium schreibt eine Stelle aus. In dieser Ausschreibung ist benannt, welche Qualifikationen die Schulleiterin mitbringen muss und welche Anforderungen auf sie warten.

Die Auswahl der Schulleiterin obliegt dem Schulleiterwahlausschuss. Mitglieder des Schulleiterwahlausschusses entsenden »der Schulträger, die Lehrkräfte, die Eltern und an Schulen mit Sekundarstufe II auch die Schülerinnen und Schüler« (§ 38 (1) SchulG).

Aus den im Bildungsministerium eingegangenen Bewerbungen wählt dasselbe »bis zu vier« (§ 39 (2) SchulG) Kandidatinnen aus. Die Kriterien hierfür sollen – wie stets, wenn es um Beförderungen von Beamten geht – »Eignung, Befähigung und fachliche Leistung« (Art. 33 (2) GG) sein. Die Auswahl geschieht – da es ja um Personen und persönliche Daten geht – nicht öffentlich, zudem nach Aktenlage, das heißt ohne persönliche Vorstellung.

Im Regelfall wird die künftige Schulleiterin bereits Leitungserfahrung haben; diese Bewerberin würde einer ohne diese Leitungserfahrung vorgezogen, weil die Befähigung aufgrund des formalen Kriteriums höher eingeschätzt würde. Hier ist zu fragen: ist jede Studiendirektorin per se besser geeignet für eine Schulleitungsstelle als eine Lehrerin ohne eine solche Leitungserfahrung? Eine Stufenleiterin beispielsweise an einem allgemeinbildenden Gymnasium oder ein Abteilungsleiter an einer beruflichen Schule hat bestimmte Organisations- und Kommunikationsaufgaben. Unterscheiden die sich mehr als nur graduell von denjenigen, die jede ihren Beruf ernst nehmende Lehrerin zu erfüllen hat? Gibt es einen qualitativen Unterschied zwischen einer Studiendirektorin, die ihren Posten seit fünf, und einer, die ihn seit fünfzehn Jahren bekleidet? Und sind wirklich beide besser geeignet als die Bewerberin, die gar keine Leitungserfahrung hat sammeln dürfen? (All diese Fragen dürfen sich natürlich nicht nur die Damen und Herren in den Ministerien, sondern auch diejenigen im Schulleiterwahlausschuss stellen, wenn entsprechende Bewerberinnen in die Vorstellungsrunde gelassen werden.)

Vermutlich vorgezogen würden wohl auch Bewerbungen aus dem Ministerium selbst. Abgesehen von laufbahnrechtlichen Gründen spricht hierfür die Vertrautheit mit dem System, aus dem sich wichtige Ressourcen des Schulalltags herleiten – ob der Blick für den pädagogischen Alltag im gänzlichen anderen Zusammenhang ministerialbürokratischer Arbeit in angemessenem Maße erhalten geblieben ist, muss bedacht werden.

Das durch das Ministerium nach den genannten und formalen Kriterien ausgedünnte Bewerberfeld darf sich sodann im Schulleiterwahlausschuss vorstellen. Vielleicht bekommen die Bewerberinnen vorab einen Bogen mit Aspekten, die in ihrer Vorstellungsrede abzuarbeiten sind, vielleicht bekommen sie Fragen gestellt, vielleicht läuft das Ganze in Form eines Interviews – dies ist gesetzlich nicht vorgegeben.

Das Problem, vor das sich ein solches Gremium gestellt sieht, ist offensichtlich (und ich beneide die Entscheidenden nicht): wie verlässlich ist das entstehende Bild der Bewerberin? Wie sehr ist das Bild ein vielleicht strahlendes und überzeugendes, tatsächlich aber nur ein eingeübtes und unechtes, das die mangelnden Qualitäten einer Bewerberin verdeckt? Wie sehr ist das Bild der vielleicht ungeschickter agierenden Bewerberin ein Makel, der den Blick auf die viel besser geeignete Persönlichkeit verstellt? (Gefragt werden darf aus der Perspektive des Schulleiterwahlausschusses im Hinblick auf den Auswahlprozess des Ministeriums natürlich auch: warum sind es gerade diese drei oder vier, die uns aus beispielsweise zehn Bewerbungen zur Auswahl gestellt werden und nicht andere?)

Auch »die Persönlichkeit« wurde als Kriterium genannt (und ist ohnehin im Lehrerberuf vielleicht das entscheidende schlechthin) – ich wüsste beispielsweise gern, ob die Bewerberin ihr in der Schule begegnendes Reinigungspersonal auch dann grüßt, wenn sie sich unbeobachtet glaubt. Ich wüsste gern, wie (vielleicht unberechtigt) unerbittlich sich die Bewerberin zeigt, wenn sie eigene Schwächen durch demonstrative Stärke gegenüber dem schwächeren Gegenüber kaschieren zu müssen meint. Ich wüsste gern, wie zufrieden sie mit sich ist – oder ob sie sich eigentlich nicht mag (was sie andere spüren lassen wird). Und so fort.

Das Ministerium hat so seine Vorstellungen von geeigneten Bewerberinnen, auch formale Kriterien zählen dazu. Was aber ist für die Schule und die an der Schule tätigen Lehrkräfte wichtig?

Eine Schulleiterin sollte präsent sein: sie muss im Idealfall immer ansprechbar sein für ihre Mitarbeiter (das ist natürlich nur schwer zu vereinbaren mit den anderen dienstlichen Pflichten, die Schulleiterinnen so haben), aber auch die Schülerinnen und Schüler (noch schwieriger). Er sollte einerseits eine Vorstellung davon haben, was die Schule ist und sein kann (dazu gehört die Kenntnis der Bedingungsfelder und Rahmenbedingungen, in denen Schule als Institution agiert), andererseits ist das zuhören Können eine der wichtigen Voraussetzungen: bevor die Schulleiterin zu verändern beginnt, muss der Status quo erforscht werden. Vielleicht ist ohnehin der zurückhaltende Schulleiterinnen-Typ viel geeigneter als der der Macherin?

Eine Schulleiterin muss delegieren können und andererseits genau wissen, wann Sie eine Angelegenheit selbst zu regeln hat. Eine Schulleiterin sollte in Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeiterinnen Ziele aufzeigen und dadurch die Motivation der Beteiligten (wieder) wecken können. Sie muss eine Instanz sein, die jederzeit helfend bereitsteht, und eine, die Regeln durchsetzt. Sie muss Respekt genießen, der nicht aus der Autorität des Amtes allein erwächst. – Im Grunde also alles wie bei uns Standardlehrern auch.

Eigentlich kann es uns fast egal sein, wer das Rennen macht. Tagtäglich machen wir sehr selbständig unseren Job, direkte Berührungspunkte gibt es selten. Andererseits hängt von dieser einen Position im Schulleben vieles ab, was vielleicht diffus scheint, nur schwer zu packen, atmosphärisch eher als tatsächlich konkret zu benennen.

Ich bin gespannt.

Peter Handke über Verleger.

Mit dem Lesen von Zeitungen komme ich ja manchmal nicht hinterher. Jede Woche eine neue Zeit – wie soll das gehen? Erst jetzt fand ich daher in einer älteren Literaturbeilage das Interview Ulrich Greiners mit Peter Handke, in dem sich auch folgende Passage findet:

ZEIT: In Deutschland ziehen viele Autoren nach Berlin, weil sie sich dort Anregungen erhoffen, von anderen Autoren, Verlegern, Intellektuellen.

HANDKE: Anregungen von Verlegern? Da bekomme ich von Hornissen mehr Anregung. Ich lese, das ist mir Kontakt genug.

Das Interview ist komplett zu lesen hier.

Terry Pratchett: Choosing to Die.

Wer jung ist, wer in der Mitte seines Lebens, mag möglicherweise nicht nachdenken über das Ende bzw. die Beendigung desselben. Terry Pratchett (Sir Terry Pratchett (so viel Zeit muss sein)!) hat einen Grund, darüber nachzudenken: seine Alzheimer-Erkrankung.

In einer Dokumentation berichtet die BBC über Pratchetts Umgang mit dem Thema: Choosing to Die. [Via]

Gesehen. Der goldene Drache

Ein Haus, irgendwo in Europa, Deutschland? Nacheinander stellen sich die Hausbewohner gegenseitig und selber vor. Ruhige, hektisch-enge und dramatische Szenen wechseln sich ab, zwischendurch wird das Märchen von der Grille und den Ameisen weitererzählt. Allerdings mit anderer Entwicklung als im vorher gezeigten Film. Immer mehr finden die Handlungsfäden zusammen.

Ein schönes Stück mit leiser, zum Ende immer deutlicher hervortretender Gesellschaftskritik.
Nicht von im Internet zu findenden Inhaltsangaben verwirren lassen, einfach noch schnell selbst angucken.

Es kann auch zu viel werden: zur Computernutzung an Schulen.

Felix Schaumburg entwirft in seinem Beitrag Konzepte für die Computernutzung an Schulen ein Szenario, das mich gruseln lässt.

Ich gebe es zu: nachdem ich fragwürdig stolz war, als einer der letzten das Gymnasium ohne die Berührung von Computern verlassen zu haben (die folgenden Jahrgänge hatten schon Informatikunterricht im alarmanlagengeschützten »Sicherheitstrakt« der Schule), hat mich im Grundstudium die Begegnung mit Apple-Rechnern, Mailboxnetzen, Compuserve (100407.3475@compuserve.com) und schließlich dem sagenumwobenen Internet (vor allem Usenet) schließlich zum netzaffinen Menschen werden lassen. Die Entdeckung all dieser Bereiche war für mich interessant und bereichernd, und auch das war ein Grund für mich, seit 1998 mit einer Website und seit 2001 mit eigener Domain, ab 2002 mit Blog auch im Netz präsent zu sein. Im Jahr 2000 habe ich auf einer Fortbildungsveranstaltung meinen ersten Workshop zum Einsatz des Computers für L und S durchgeführt. Von Anfang meines Lehrerlebens an also spielte der Rechner in meinen Überlegungen zur Unterrichtsgestaltung eine Rolle.

Wenn ich allerdings Lehrer Szenarien entwickeln sehe, die von mehreren (im Unterricht zu nutzenden) Geräten pro S ausgehen und dies als Fortschritt preisen, muss ich konstatieren, dass meine kulturkritische Ader zu pochen beginnt. Das hat mehrere Gründe:

Viele S können noch nicht einmal richtig lesen. Damit meine ich nicht solche, die nicht schön vorlesen oder nicht ohne Finger unter der Zeile lesen können, sondern solche, die das sinnerfassende Lesen nicht beherrschen und – egal, ob aus Sach- oder literarischen Texten – glatt das Gegenteil von dem zu begreifen glauben, was im Text steht. Und von denen möchte ich nicht demonstriert bekommen, wie hübsch sie auf ihrem Smartphone herumwischen können und wie nett sich die Benutzeroberfläche dann verändert, sondern ich möchte, dass sie lesen können.

Viele S können sich nicht auf eine Sache konzentrieren. Richtig konzentrieren. Nur lesen. Nur schreiben. Nur denken. Inwiefern sollte ein Smartphone / ein Rechner / ein neues cooles Gadget das fördern können?

Locker wird im genannten Artikel über mehrere 100 Euro an Ausgaben für elektronische Gerätschaften gesprochen. Ich stelle fest: schon jetzt arbeiten meine Schüler lieber nachmittags im Supermarkt, um sich die Flatrate fürs Smartphone zu verdienen, statt, verdammt noch mal, ihre Chance zu nutzen und mit der Erledigung ihrer Hausaufgaben etwas für ihre Bildung zu tun. Sie fügen sich aufs Geschmeidigste ein ins Konsumierenmüssen um jeden Preis, denn sie haben verinnerlicht, dass das iPhone wichtiger sei als die Mathenoten. Muss Schule das unterstützen?

Wenn stattdessen die Familie die Gerätschaften zu zahlen hat, frage ich, welche Familie das kann, welche nicht, und welche Folgen das für letztere hat. Hier im ländlich geprägten Kreis Ostholstein wird gerade über höhere Schülerbeförderungskosten für Schulbusse gesprochen, und es gibt so einige Familien, die die wenigen Euro Erhöhung nicht zahlen können. Es gibt S, die fahren jetzt schon per Anhalter zur Schule …

Schule hat zweierlei zu leisten: einerseits hat sie auf die S und auf Veränderungen in der Gesellschaft reagieren. Die Reaktion muss aber nicht – Herr Schwarzmüller wies schon darauf hin – die bedingungslose Übernahme jeglicher Veränderung bedeuten, schon gar nicht, wenn es um private Praxis (Handynutzung) geht. Schule hat nämlich auch die Aufgabe, Inhalte und Grundfertigkeiten zu tradieren. Und wenn ich (vor dem Hintergrund immer zu knapper Stunden) zu wählen habe, was wichtiger ist – Lesen üben oder technische Geräte nutzen –, dann wird meine Wahl auf das Lesen üben fallen, denn das andere lernen meine S von allein.

Manche L finden es schick, zur technischen Avantgarde zu gehören. Aber es muss nicht gut sein, immer mehr Technik in der Schule zu nutzen. Die aristotelische Mahnung zur mesotes gilt auch hier. Wir haben an unserer Schule Beamer, Laptops, Rechnerräume, interaktive Whiteboards etc. – und ja, ich kann diese Dinge bedienen und nutze sie zuweilen auch im Unterricht. Aber etwas Fantastischeres als Kreide und eine Tafel, die schon wieder abgewischt ist, bevor die Laptops ausgepackt sind, hat mir noch keiner gezeigt.

L haben nicht jedem Trend hinterherzulaufen (was hip wirkt, aber auch square, nämlich verdammt konformistisch sein könnte), sondern auch zu betrachten, was es bedeutet, wenn S nicht mehr ohne ihr Hochpreishandy sein können. Schule muss auf eine Zukunft vorbereiten. Das muss aber nicht geschehen, indem jedes gegenwärtige Phänomen gleich übernommen wird. Schule darf und soll auch Ruhepol in der Gesellschaft sein, ein Reflexionsort.

2000 Stunden Lehrerarbeit.

Charles Ripley (»Chuck«!), Lehrer, ist die Diskussion um Überbezahlung und Minderleistung leid und wird künftig seine Arbeit in seinem Blog dokumentieren. [Via]

Das Interesse an dieser Art Dokumentation ist sicher groß. In meinem Blog ist die Seite Aufgaben eines Lehrers unter den am häufigsten aufgerufenen, seit ich sie 2007 geschrieben habe. Ich selbst aber versuche inzwischen, derlei Grundsatz­diskussionen aus dem Weg zu gehen, soweit sie von Pauschalurteilen gekennzeichnet sind, weil die Spannweite an Aufgaben und der Art und Weise der Aufgabenerfüllung bei Lehrern so groß ist wie (ich sag's mal pauschal) in »der Wirtschaft«. Da lese ich doch lieber ein gutes Buch.

Mich interessiert das schulinterne Tun: können meine S zufrieden sein mit dem, was ich ihnen vor dem Hintergrund vielfältiger Vorgaben biete? Erreichen wir gemeinsam genug? Sind meine S nach gemeinsamen Jahren besser für das gewappnet, was sie erwartet, als sie es vorher waren? (Etc.) – Hier lohnt es sich, Energie zu verwenden.