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Zwei Wochen ohne Rechner …

… sind etwas Feines.

Kehrt man allerdings mit hunderten zu sichtenden und zu bearbeitenden Fotos zurück, ist ein Tag am Rechner sicher (von den E-Mails ganz zu schweigen).

Eindrücke aus Paris.

Paris: eine Stadt der Touristenmassen – kaum fassbar, dass noch eine weitere hier existieren soll.

montmartre

Als ich frühmorgens von der Jugendherberge kommend durch die Straßen des 20., 11. und 12. Arrondissements laufe, um einen raschen Blick auf die Seine zu werfen, begegnen mir nicht nur sechs andere Läufer, sondern auch ebenso viele Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts, die Inhalte von Abfalleimern nach Brauchbarem untersuchen. Die Suchenden sind nicht mehr zu sehen, wenn gegen 10 Uhr die Touristen auf die Straßen strömen …

Auf dem Friedhof Père Lachaise, den ich umrunde, liegen viele bekannte Menschen begraben. –

Später steigen wir in Trocadéro aus der Métro, und schon bald begegnen wir den Schwarzen, die an Ringen, großen Schlüsselbunden ähnlich, Repliken des Eiffelturms in verschiedenen Größen feilbieten. Immer neue Konkurrenten der ersten Straßenhändler ersetzen während unseres Spaziergangs zum Turm die alten, und sie alle murmeln, flüstern, rufen, beten die gleiche Litanei der Preise und Rabattmodelle.

Unterm Turm dürfen sie nicht verkaufen, sie werden wahlweise von Polizisten oder von Militärs vom Platz gejagt. Unterm Turm dürfen nur die Touristen anstehen.

Der Weg zum Montmartre hinauf und der Blick über die Dächer.

schornsteine

Nirgendwo anders in Frankreich wurde das Geld für die Café-Rechnung so rasch vom Tisch gerafft wie hier in Paris.

Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve.

2011-07-06_092957b Ein architektonisch gewagtes Gebäude, angrenzend an ein Viertel von Neubaublöcken: das Musée Hergé (Flash-Alarm! – alternativ: Wikipedia-Artikel) im neuen Löwen, Sitz der französischsprachigen Sektion der Universität Löwen – der alten flämischen Sektion in Löwen zur Konkurrenz erbaut.

Das Museum zu Ehren Hergés: was sichtbar ist von außen, zeigt viel Leere, Raum, in dem außer den Wandbemalungen – vergrößerte Reproduktionen von Details aus Hergés Zeichnungen – wenig an den Künstler erinnert.

Durch Brücken verbunden abgeteilte verdunkelte Räume, die in einer festen Abfolge durchschritten werden sollen. Begleitung: ein Audioguide, in diesem Fall ein iPod touch, der mit vielen zusätzlichen Informationen, Filmen, Tondokumenten, Quizaufgaben (für die Jüngeren unter den Betrachtern) zu den Exponaten versehen ist – ein feines Konzept, das sowohl dem oberflächlich als auch dem genauer hinsehenden Betrachter entgegenkommt und zudem die Kinder begeistert, die auf diese Weise sehr selbständig und elternunabhängig durch die Ausstellung wandern können.

Die einzelnen Räume sind reichhaltig bestückt mit Grundlegendem und Hintergründigem zu Hergés Leben und Werk, die Dokumentation spart dabei bei aller Wertschätzung kritischere Töne bezüglich Hergés fragwürdigen frühen Comics nicht aus.

Neues erfährt der Tim-und-Struppi-Leser zum Beispiel über Hergé als Werbegrafiker: mit vielen Beispielen wird verdeutlicht, dass eine Karriere auf diesem Gebiet als Alternative zum Comiczeichner eine Möglichkeit gewesen wäre. Für deutschsprachige Leser interessant der Blick auf auf dem deutschen Markt nicht (mehr) erhältliche Comicserien Hergés (z. B. Quick et Flupke; Jo, Zette et Jocko) – dass allerdings die in der Ausstellung kritisierte zu einseitige Fokussierung allein auf Tim und Struppi im Museumsshop seine Fortsetzung findet, ist schade.

Natürlich: der größte Teil der Ausstellung gehört den beiden letztgenannten Figuren, aber damit eben auch dem dazugehörigen Quellenmaterial, den historischen Hintergründen, den ausführlichen Figurenvorstellungen und vielem mehr …

Zwei Stunden haben wir im Museum zugebracht. Mehr war uns leider nicht möglich, weil wir auf der Durchreise von Brüssel nach Paris waren.

Ende des Schuljahres.

Morgen ist der letzte Schultag vor der langen unterrichtsfreien Zeit im Sommer.

Etwa 300 Klausuren im Beruflichen Gymnasium (Deutsch und Philosophie, Oberstufe), ungefähr 200 Klassenarbeiten in der beruflichen Ausbildung (Buchhandelsbetriebslehre, aber auch EDV) habe ich in diesem Schuljahr korrigiert (wenn ich nicht welche vergessen habe). Gerade in den letzten Wochen und Monaten war dies wieder besonders zeitaufwendig – so zeitaufwendig, dass die Unterrichtsvorbereitung weniger intensiv als angemessen erledigt werden musste (und die private Regeneration mehr als nur sparsam stattfand). Das ist – wie immer wieder festgestellt – ärgerlich und belastend, auch, weil die Korrekturarbeit außer dem Ergebnis einer Schulnote kein weiteres zeitigt.

Und ja: auf die unterrichtsfreie Zeit freue ich mich wegen dieser Anstrengungen mindestens so sehr wie die Schülerinnen und Schüler auf ihre Ferien.

Aber wieder habe ich in diesem Schuljahr viele Stunden Unterrichts erteilt, die mindestens mir Freude bereiteten: das Lehren und gemeinsame Lernen ist nach wie vor eine ganz wertvolle Erfahrung, die oft einfach richtig Laune macht, manchmal zufrieden (und manchmal natürlich auch ein schales Gefühl hinterlässt): Lehrer zu sein ist im Unterrichtsgeschehen eine im Großen und Ganzen tolle Sache.

Solltet Ihr aber noch die Wahl haben: nehmt nicht die Fächer mit langen Aufsätzen.

Rundbrief 43.

Auch der Rundbrief (43) 2011 des Fachverbands Deutsch im Deutschen Germanistenverband – Landesverband Schleswig-Holstein steht nun zum Download zur Verfügung – wem die dort vorhandene Version (1 MB) zu stark komprimiert erscheint, kann hier das nicht komprimierte PDF (gut 80 MB) bekommen.

Wie sich von selbst versteht, bekommen Mitglieder des Verbands natürlich die fein gedruckte Version, die noch viel schöner ist. (Hier kann man online beitreten, hier gibt's das Beitrittsformular als PDF.)

Außer dem üblichen Editorial vom Redakteurssetzer (oder wie das heißt) gibt's diesmal leider keine Inhalte von meiner Seite; dafür werde ich aber auf der nächsten Tagung eine Arbeitsgruppe zur grafischen Literatur leiten.

(Der Rundbrief ist natürlich wieder gesetzt in LaTeX, Titelseite mit Scribus.)

(Das coole LaTeX-Markup in der Klammerbemerkung eben stammt übrigens von Edward O'Connor.)

Facebook wollen wir wirklich nicht.

In der Telepolis: Alexander Dills Artikel Nach dem Atomaussstieg: Jetzt raus aus Facebook!

Ach so, und das Interview mit Constanze Kurz, Sprecherin des CCC, kannst Du natürlich auch noch rasch lesen: Die heutigen sozialen Netzwerke sind von Anfang an durchkommerzialisiert.

[Update:] Auch Andreas Kalt thematisiert den oben genannten Artikel in seinem Blog und mahnt die Notwendigkeit der pädagogischen Begründung der Verweigerung an, was mir vernünftig erscheint. Meine Gründe lassen sich in mehreren Schritten hier nachvollziehen.

Beim nochmaligen Lesen von Dills Artikel fällt mir auf, dass er in seiner Begründung der Verweigerung schon das Denken Facebooks übernimmt, indem er schreibt:

»Unsere Online-Kommunikation ist eine Form von Sozialkapital. Wir haben keinen Grund, unser Sozialkapital an der Garderobe von globalen Netzwerken abzugeben.«

Von seiner Zielrichtung her hat er natürlich recht. Kommunikation aber ist zunächst mal den Menschen in seinem Sein fundierendes Interesse und nicht »Sozialkapital«. Das wird es allenfalls, wenn wir unsere Kommunikation über Facebook abwickeln statt über freie Kanäle. Wir müssen uns hüten vor einem Denken, das in der Übernahme ökonomischer Kategorien stillschweigend kapituliert: es gibt unterschiedliche Arten der Reflexion über Welt. Wir sollten auch darin Freiheit beweisen.