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Gelaufen. Und Pulsmessfehler.

Ein paar Tage bin ich nun aus unterschiedlichen Gründen (Regen, Keinezeit, Kopfschmerz, …) nicht mehr gelaufen, so waren meine Beine froh, sich heute mal wieder bewegen zu dürfen. Bei frischen 11°C – aber nahezu windstill – lief ich noch einmal in kurzen Klamotten, vielleicht zum letzten Mal – wer weiß, wie schnell der Winter kommt …

Die Waldwege sind herbstlich übersät mit Eicheln, Kastanien, Bucheckern, und überall schweben Blätter. Die Spaziergänger sind schon fest vermummt, lange Strecken meines Weges sind menschenleer. Die Seen – Dieksee und Kellersee – sind klar und wirken kalt, die Färbung der Bäume an entfernter liegenden Ufern spiegelt sich in den sanften Bewegungen des Wassers.

(Ja, ich würde gern ein Foto zeigen oder auch zwei. Aber Laufen heißt für mich, nicht mehr zu tragen als Laufkleidung und -schuhe. So wie Musikabspielgeräte nicht zum Laufen passen, sind auch mobile Telefone mit Fotofunktion nicht angemessen. Ihr müsst also Eure Vorstellungskraft nutzen. Falls das nicht mehr funktioniert, Google.)

Ob es der Menge an Lakritz und Gummibärchen, die wir bei der gestrigen Spielrunde (Elfenland plus Erweiterung) konsumierten, zu verdanken war, oder eher der langen Pause, weiß ich nicht; das Laufen jedenfalls war eine Freude, und so wählte ich einen Umweg nach dem anderen.

Zuhause, wusste ich, wurde Gulasch gekocht, und auch die Aussicht auf ein feines Mahl nach dem Lauf verlieh Kräfte … –

Die Pulsmessfehler meiner Uhr (Affiliate-Link), die ich bei den letzten Läufen feststellte (unerklärliche Peaks, unglaubhafte (vermutlich nicht zu überlebende) Werte), nachdem ich einen Batteriewechsel im Brustgurt vorgenommen hatte, waren wohl tatsächlich, wie in diversen Laufforen diskutiert, auf eindringende Feuchtigkeit zurückzuführen. In einem Forenbeitrag las ich den Tipp, den Batteriefachdeckel mit Silikonfett abzudichten – dies gibt es allerdings in unserem Haushalt nicht. Da ungewiss war, ob mein tauchender Nachbar schon wach war (Silikonfett wird, wie ich beim Nachlesen erfuhr, auch zum Abdichten von Tauchutensilien genutzt), habe ich stattdessen Neutrogena Handcreme (jaja, mit der norwegischen Formel und so) genutzt, die mir von der Konsistenz und Haptik her immer schon wie ein technisches Schmiermittel erschien. Und was soll ich sagen?: Es funktioniert.

Hier die Laufdaten und die Karte.

Steve Jobs (1955–2011).

Screenshot der Apple-HomepageSteve Jobs ist tot.

Seit 1992 nutze ich für selbstgesteuertes computergestütztes Tun ausschließlich Apple-Rechner. Sie haben mir das Arbeiten mit Computern (und dem Netz) vereinfacht und angenehm gemacht, waren stets funktionierende Werkzeuge in ästhetisch ansprechender Form.

Jobs' Denken war dem der meisten weit voraus – er war alles andere als bloß ein genialer Verkäufer. Er hat schon gehandelt, als andere noch nicht einmal gesehen haben.

Thanks, Steve.

Gelesen. Brandt.

Jan Brandt: Gegen die Welt. Köln: Dumont, 2011.

Buchpreisträgerbücher wollte ich ja eigentlich nicht mehr lesen, seit Verlage mit so etwas wie der Mittagsfrau Geld verdienen wollen. Nun habe ich aber schon das zweite für den Buchpreis nominierte Buch gelesen und bin wiederum angetan.

Zunächst war ich ja ein wenig grantig: wie kann ein Jungautor einen Roman über ein Städtchen in der norddeutschen Provinz schreiben und die Frechheit besitzen, es Jericho zu nennen, wo doch zumindest der Klang des Wortes dem Jerichow Cresspahls gehört? Aber sei's drum; das Buch ist natürlich ein ganz anderes, das zudem den Anklang an das biblische (!) Jericho nachvollziehbar begründet, und in vielem sehr beeindruckend ist – nicht so sehr in den Referenzen an Schullektüren von Biedermann und die Brandstifter bis zum Besuch der alten Dame, sondern vielmehr in der Schilderung sehr unterschiedlicher Lebensweisen und Interessengebiete, die die vielen wichtigeren und unwichtigeren Figuren prägen. Der Autor kann erzählen – und der Werdegang des Protagonisten, der sich vom Mitläufer zum Ausgestoßenen entwickelt, ist eindrucksvoll grausig normal beschrieben ...

Mithin: eine Leseempfehlung.

Buch bei Amazon angucken (Affiliate-Link).

Gelesen. Schalansky.

Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Berlin: Suhrkamp, 2011.

Nachdem ich es von einem Freund schon vor Erscheinen empfohlen bekam, hatte ich es vorbestellt; bei Erscheinen dann die Lobeshymne von Marius (die ich um den Kommentar »Ja.« ergänzen könnte); nun die Lektüre. –

Nur rasch ein Zitat, bevor ich wieder an Unterrichtsvorbereitung (!) gehen muss. Inge Lohmark, aus der DDR übrig gebliebene Lehrerin vom alten Schlag:

Früher sollten die Kinder zu fortschrittlichen und friedliebenden Menschen erzogen werden, heute eben zu freien. Dabei war doch Freiheit nichts als die Einsicht in die Notwendigkeit. Niemand war frei. Und sollte es auch gar nicht sein. Allein die Schulpflicht. Das war ein staatlich organisierter Freiheitsentzug. Ausgeheckt von der Konferenz der Kultusminister. Es ging gar nicht um Wissensvermittlung. Sondern darum, die Kinder an einen geregelten Tagesablauf und die jeweils vorherrschende Ideologie zu gewöhnen. Das war Herrschaftssicherung. Ein paar Jahre Aufsicht, um das Schlimmste zu verhindern. Das Gymnasium als Vollbeschäftigung bis zur Volljährigkeit. Gute Staatsbürger. Gehorsame Untertanen. Nachschub fürs Rentensystem. […] Kritisches Denken war immer erlaubt. Nur linientreu musste es sein. Gerade in einem kranken System musste man auf seine Gesundheit achten. Und der Kern aller Gesundheit war die Anpassung.

Und in dieser Konzentration geht es immerfort weiter.

Ein feines Buch, das ich zu kaufen bitte.

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Gelesen. Merle.

Robert Merle: Malevil. Berlin: Aufbau, 1975, 2009.

Hölzern erzählte postapokalyptische Männerphantasie mit dem psychologischen Tiefgang eines Wasserläufers. Ansonsten nett.

Zur Diskussion um »Die Ballade von Wolfgang und Brigitte« …

drüben bei Ben schrieb ich:

Menschen sind Kippfiguren – nie ist nur eine Sicht richtig.

Mit 18 waren wir tolle Typen, und es gibt für uns keinen Grund anzunehmen, dass wir mit jetzt Mitte 30, 40 oder 50 nicht immer noch tolle Typen sind. Von außen sieht das Ganze natürlich ganz anders aus, und ein grauhaariger Zausel, der zur Musik seiner Jugend abrockt, mag uns peinlich erscheinen – für ihn selbst allerdings ist seine Reaktion die selbe wie damals, als er den Song zum ersten Mal hörte. Das Eigentümliche am Altern ist ja, dass wir einen Teil unserer früheren Persönlichkeit in uns bewahren.

(Und dass wir – unabhängig vom Lebensalter – bestimmte Menschen als authentischer wahrnehmen als andere, muss auch nicht bedeuten, dass es so ist.)

So sehe ich den Helden-Song + Video oben als reifer an als so manche jugendlich-kritische Reaktion darauf: er weiß nämlich schon um Wesen und Wert des Familiären, des (gemeinsam) Alterns etc., ohne den Sachverhalten ein Übermaß an Verklärung angedeihen zu lassen: es scheint glühlampenfarbenes Licht – aber die Falten wurden nicht weichgezeichnet.

Neues Schuljahr, neues Glück.

Eine Woche des neuen Schuljahrs ist vorbei, damit viel Organisatorisches, was mit dem Unterrichten noch gar nichts zu tun hat. Was ich unterrichten darf:

Einen zum Zentralabitur führenden Deutschkurs im 13. Jahrgang mit der Korridorformulierung »Literarische Moderne zwischen Tradition und Postmoderne – Die Idee des Neuen / Technik- und Menschenbilder in Lyrik des Expressionismus und der Literatur der Gegenwart« – da ist zwischen Pinthus' Menschheitsdämmmerung und ganz aktueller Literatur alles drin, und es ist schade, dass nicht mehr Zeit bleibt: lese ich Brechts Leben des Galilei, bleibt keine Zeit für Hasenclevers Der Sohn und Schnitzlers Traumnovelle, lese ich Frischs Homo faber (nicht neu, aber funktionierend), kann ich mir Schmidts Schwarze Spiegel nicht erlauben etc. Mal sehen. Ransmayrs Die letzte Welt führte früher mal nicht zu Begeisterungsstürmen, also vielleicht doch lieber Süskinds Das Parfum? Und Kafka sollte auch nicht vergessen werden …

Die S des neuen Deutschkurses mit erhöhtem Anforderungsniveau (früher: Leistungskurs) werde ich zunächst anhand von Kurzprosa (erste Geschichte: Uwe Johnsons »Osterwasser«) kennen lernen, danach werden wir Jugendbezogenes (Wedekinds Frühlings Erwachen; Horváths Jugend ohne Gott; Herrndorfs Tschick gibt's leider noch nicht als Taschenbuch ...) lesen und Grundlagen des Arbeitens mit unterschiedlichen Arten von Literatur einüben. Ich habe hier mehr Stunden zur Verfügung als im anderen Kurs, insofern möchte ich auch die Zusammenarbeit über Onlinewerkzeuge thematisieren, ohnehin der Reflexion über Methoden und Lernstrategien einen größeren Raum einräumen.

In der Philosophie habe ich wie stets je zwei Kurse im 11. und 12. Jahrgang, die mit der Einführung in die Philosophie und anthropologischen Fragestellungen (11) bzw. der Epistemologie (12) starten; außerdem werden wir im 13. Jahrgang in Vorbereitung auf das Abitur mit einem vertieften ethischen Thema, gesellschaftlichen Fragestellungen und Fragen der Medienphilosophie (leider wieder keine philosophische Ganzschrift ...) befasst sein.

Im Buchhandel unterrichte ich zum letzten Mal das Lernfeld »Weitere Warengruppen erschließen« nach altem Lehrplan; der nächste Durchgang an Auszubildenden darf im Unterricht den neuen kompetenzorientierten Lehrplan, an dessen Erstellung ich mitarbeiten durfte, auf seine praktische Eignung überprüfen … wir werden sehen.

Darüber hinaus habe ich mir aus dem Fortbildungsangebot des IQSH schon ein paar Fortbildungsangebote ausgesucht, die ich besuchen möchte, damit ich auch etwas außerhalb meines Unterrichts dazu lerne.