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Wie geht’s weiter mit der Schule? (3)

Zu den Erkenntnissen Herrn Raus von der Digilern 2012 schrieb ich in etwa:

Danke für die Eindrücke und mitgeteilten Erkenntnisse (in deren Nähe sich meine auch befinden).

Nur noch ein paar Gedanken: Die Realität zeigt, dass das – »Es ist völlig egal, was die meisten Teilnehmer, mich eingeschlossen, wollen oder denken. Entscheidungen fallen anderswo« wahr ist. Andererseits haben schon Generationen Lehrkräfte (nicht immer zum Besten der Schule) gezeigt, dass es ihnen völlig egal ist, was anderswo gewollt oder gedacht wird – die Entscheidung fällt in ihrem Unterricht. Das ist sehr ärgerlich, wenn anderswo Gutes gewollt wird und der Grund für das Beharrungsvermögen in Bequemlichkeit liegt. Ich kenne aber (auch und gerade aus der Lehrerblogosphäre) eben auch viele gute Beispiele, bei denen Lehrkräfte kreativ drauflosprobieren und eine Menge Gutes dabei passiert. Nutzen wir doch unsere Freiheiten!

Ein Smartboard habe ich gerade gestern wieder auf einer Fortbildung in Aktion gesehen. Es musste (wegen Rechnerwechsels) mehrmals kalibriert werden (eine Angelegenheit von einer Minute für einen smartboardkompatiblen Menschen, eine Verzögerung von mehreren Minuten, die vom »nur mal schnell zeigen« abhält, für alle anderen …) und verführt den das Board Bedienenden dazu, sich nur mit dem Board zu unterhalten, da ja alle Bedienelemente dort sind …

Das digitale Schulbuch scheint mir auf eine Katastrophe zuzulaufen - was aber in der Natur der E-Booksache (wie die Verlage es sich vorstellen) liegt: lade ich einen freien Text für 0 Euro auf meinen virtuellen Kindle herunter, kann ich mit dem Text außer Lesen genau gar nichts anstellen. Ich möchte aber mit ihm arbeiten, ihn kopieren, auseinanderpflücken, bei Wordle zu hübschen Wortwolken werden lassen können … stellt aber Amazon ihn zur Verfügung, bezahle ich die Leistung des Zurverfügungsstellens mit seiner Unbrauchbarkeit. So arbeiten letztlich auch alle Verlage. Weil das Buch (in seiner alten Form) so enorm praktisch war, fallen die unnötigen Einschränkungen umso mehr auf. Grummelgrummelgrummel.

Gelesen. Ibuse.

Masuji Ibuse: Schwarzer Regen. Berlin: Aufbau, 1969.

Shigematsu Shizuma begreift als derzeit wichtigste Aufgabe die angemessene Verheiratung seiner Nichte Yasuko; da sich diese aber zur Zeit des Bombenabwurfs auf Hiroshima in unklarer Nähe zum Geschehen aufhielt, zögern die Heiratsagenten, die für gut situierte Männer die passenden Frauen suchen, denn eines der Opfer der Bombe kommt für sie nicht in Frage.

Shigematsu ordnet deshalb seine Tagebuchnotate über den August 1945 und fasst sie neu zusammen; indem er das unerträgliche Leid schildert, das er in Hiroshima gesehen und auch selbst erlebt hat, hofft er, die Schädigung, die Yasuko davontrug, zu relativieren.

Der wesentliche Teil des Romans besteht aus eben diesen Aufzeichnungen aus der Sicht des Erlebenden, der nicht weiß, welcher Art die Bombe war, die Hiroshima zerstört hat, die unterschiedlichen Auswirkungen – bis hin zur gehässig selbstgerechten Ausgrenzung der Opfer – jedoch in lakonisch scheinender Präzision in fast entschuldigendendem Ton protokolliert, um in Sorge um Yasuko dieser doch noch eine Chance auf eine gesellschaftliche Stellung zu eröffnen. –

Das Wichtigste, was Menschen wissen müssen, steht bereits in Büchern.

Wikis in der Schule.

Zu kubiwahns Artikel Wiki im Unterricht – ein paar Versuche schrieb ich:

Generell halte ich Wikis auch für das am deutlichsten unterschätzte (computergestützte) Werkzeug für die Schule. Dass ich weniger damit arbeite als ich möchte, hängt auch mit der noch zu verbessernden Verfügbarkeit zusammen: wenn man das Wiki zu einer das Lernen begleitenden Plattform machen möchte, bedarf es der dauernden Verfügbarkeit – um nur kurz etwas zu zeigen, möchte ich nicht in den Computerraum gehen (was in den meisten Stunden wegen Auslastung desselben auch gar nicht möglich ist), und ich möchte nicht 80 Minuten Unterricht im Computerraum machen, nur weil ich 10 Minuten ein Arbeitsergebnis zeigen/bearbeiten/was auch immer will.

Gerade das Überarbeiten finde ich als Deutschlehrer am interessantesten, denn der Prozess, der sonst vollkommen verborgen bleibt, wird durch die Versionsgeschichte transparent und nachvollziehbar.

Das einzige Wiki allerdings, das – abgesehen von frühen Versuchen – bei meinen S auch über Jahre genutzt wird, sind die Seiten des Schulwikis zur Internationalen Literatur (in kleinerem Maßstab zur Zukunft des Buchhandels), das meine Buchhandelsauszubildenden mit Inhalten befüllen – aber auch dort steht der diese Leistung fordernde Lehrer dahinter.«