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Gelesen. Johnson / Grass / Grass.

Uwe Johnson, Anna Grass und Günter Grass: Der Briefwechsel. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2007.

Im Jahr 1965 trat Günter Grass auf einer Reihe von Wahlkampfveranstaltungen für die SPD auf. Aus den Einnahmen finanzierte er fünf Bibliotheken für die Bundeswehr. Die Auswahl der Bücher übertrug er Uwe Johnson mit dem Ziel einer »richtigen Mischung aus lesbarer und dennoch anspruchsvoller Literatur, Nachschlagewerken aufklärender Art, gut ausgewählten Kriminal- und Unterhaltungsromanen.« [Ebd., 55]

Ausschnitt aus der BücherlisteWer die Liste heute liest, dürfte von allem über den Maßstab stolpern: kaum ein Titel ist in heutigem Sinne der unterhaltsamen, möglicherweise bestsellertauglichen Literatur zuzuordnen; selbst die einfacher lesbaren Titel sind eher für Literaturinteressierte einfacher lesbar. War Johnsons Auswahl – nebenstehend ein Auszug – vielleicht schon damals zu hoch angesetzt oder hat sich unser Maßstab so verschoben?

Gelesen. Coates.

Ta-Nehisi Coates: Between the World and Me. New York: Spiegel & Grau, 2017.

Berührender offener Brief des Autors an seinen Sohn; letztlich vielleicht nicht allgemeingültig, aber doch weit mehr beschreibend als die Gefährdung Schwarzer in den USA:

Perhaps being named “black” had nothing to do with any of this: perhaps being named “black” was just someone’s name for being at the bottom, a human turned to object, a human turned to pariah. [Ebd., 55]

Es geht um gesellschaftliche Macht und damit einhergehende Zuschreibungen. –

Nebenbei, über Schule und Bibliotheken (aus der Sicht des Jugendlichen):

The pursuit of knowing was freedom to me, the right to declare your own curiosities and follow them through all manner of books. I was made for the library, not the classroom. The classroom was a jail of other people’s interests. The library was open, unending, free. Slowly, I was discovering myself. [Ebd., 48]

Gelesen. Murakami.

Haruki Murakami: 1Q84. Buch 3. Übertragen von Ursula Gräfe. Köln: DuMont, 2011.

Die drei Bücher 1Q84 (in zwei Bänden erschienen) enthalten die merkwürdige Geschichte um eine nur das Gute anstrebende Auftragsmörderin, eine legasthenische Autorin, einen literarisch interessierten Mathematiklehrer und ein bis zwei Sekten, ferner eine reiche alte Dame, die ein Frauenhaus unterhält, und ihren Leibwächter; all das in einer surrealen, gering gegen unsere verschobenen Nebenwelt, in der »Little People« und ein zweiter Mond zum Inventar gehören. Aufgrund der seltsamen Figuren mit ihren je eigenen Geschichten, die Sonderlinge im Laufe ihrer Sozialisation erleben, eindrucksvoller als es scheinen könnte; trotz einzelner fragwürdiger Eigenheiten der stärkste Murakami, den ich bisher gelesen habe, und in jedem Fall zu empfehlen.

Gelesen. Eco.

Umberto Eco: Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers. Übertragen von Burkhart Kroeber. München: Hanser, 2011.

Hier jüngst auf den Titel gestoßen, der irgendwie meiner Aufmerksamkeit entgangen war. Rasch nachgeholt. Wie stets anregend und amüsant.

Gelesen. Flašar.

Ausschnitt aus BuchseiteMilena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie. Berlin: Wagenbach, 2018.

Hat mich leider nicht so überzeugt wie Ich nannte ihn Krawatte.

Das Leseerlebnis war auch getrübt durch fragwürdige Typografie: laut Impressum gesetzt in der »Janson BQ«, über die ich keine verlässlichen Informationen im Netz gefunden habe, wirkt die Druckseite unangenehm unruhig, was vor allem an der Form des kleinen e – des im Deutschen häufigsten Buchstaben – liegt: es wirkt in seiner breiten Ausgestaltung fast oval, was im Kontext der anderen Buchstaben, die eher schmal und hoch ausgerichtet sind, als unpassend stört (siehe nebenstehenden Ausschnitt, zum Beispiel mittig das Wort »verblasste«). Im Falle der »normalen« Janson scheint mir dieses Missverhältnis nicht zu bestehen.