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Im Regen laufen.

Ganz und gar allein unterwegs war ich auf Wegen, auf denen man normalerweise immerhin Hundespazierenführern und vereinzelten verirrten Touristen begegnet.

Den Regen – nicht stark, aber beständig – bemerkt man mit der richtigen Kleidung gar nicht so sehr, allerdings sollte ich mir merken, dass bei windstillen 11°C statt des Langarmshirts noch ein T-Shirt unter der Regenjacke gereicht hätte. So war mir den ganzen Lauf über zu warm.

Als weiteres Verzögerungsmoment wirkte die schlechte Sicht: meine Brillengläser waren rasch betropft, und wo dies nicht, beschlagen, sodass ich auf den dunkleren Passagen im Buchengehölz lieber ohne Brille lief. In jedem Fall war das visuelle Erlebnis impressionistisch (man denke an den späten Monet), das Tempo aus Sicherheitsgründen mithin eher verhalten.

Klar natürlich, dass zwei Kilometer vorm Ziel der Regen versiegt, die Wolken aufbrechen und schließlich schönsten blauen Himmel freigeben. Seitdem scheint die Sonne.

Schön war’s trotzdem.

10 Jahre – einige ungeordnete Gedanken.

Vor zehn Jahren hatte ich am 3. Oktober offenbar etwas Zeit übrig und schrieb daher meinen ersten Eintrag in dieses Blog; er begann nicht mit »Hallo Welt!«, sondern mit »Nun, ein Tagebuch.« –, nicht ahnend, dass die Bezeichnung eines Blogs als »Tagebuch« von einigen Bloggern geradezu als Affront empfunden würde ...

Unter der Überschrift »Warum ein Blog?« schrieb ich damals:

Seit einiger Zeit nutze ich meine Homepage sowohl zu privaten als auch zu beruflichen Zwecken: zur Verbreitung von Informationen und Aufgaben (an Schülerinnen und Schüler) sowie als Speicherplatz für Dateien, auf die bestimmte Personen oder auch ich selbst zu bestimmten Zeiten zugreifen können sollen.

Immer wieder kommt es jedoch zu der Situation, dass Informationen, Gedanken, URLs etc., die für den einen oder anderen von Belang sein könnten, auf meinem Schreibtisch verloren gehen: es lohnt sich nicht, sofort eine eigene WWW-Seite zu schreiben, die dann auch noch verlinkt werden muss, daher wird sie erst einmal beiseitegelegt und in einem gelegentlichen Aufräumanfall dem Orkus anheim gegeben.

Diese Inhalte sollen nun eingehen in Den Großen Datenspeicher, auf dass sie dem von Nutzen sein können, der etwas damit anzufangen weiß.

Die WaybackMachine hat die Seite zur Kenntnis genommen: im ursprünglichen RUL-Design und etwas später, angepasst an den Rest meiner Site (der inzwischen im Blog aufgegangen ist).

Wenn ich mein Blog betrachte, sehe ich Interessen in den Vordergrund treten und nach einiger Zeit wieder in den Hintergrund rücken – ein Beispiel ist die Beschäftigung mit den verschiedenen TeX-Spielarten. Mein erstes Posting dazu findet sich 2006, dann begleitet das Blog die Einarbeitung in TeX. Heute, da jedes Arbeitsblatt, das ich an Schüler verteile, geTeXt ist (und die wesentlichen Templates dafür erstellt, Pakete bekannt sind), ich daher täglich mit TextMate als Editor, Skim als Betrachter, BibDesk als Literaturverwaltung und MacTeX als TeX-Distribution arbeite, ist das Schreiben darüber nicht mehr wichtig.

Die Form des Blogs lernte ich bei den Großen von damals kennen: Industrial Technology & Witchcraft, dem Cartoonisten, und zuvörderst beim Schockwellenreiter.

Jeden Tag ein eine riesige Menge an meist techniklastigen Nachrichten: es ist schon einigermaßen erstaunlich, was Jörg, als ich mit dem Bloggen begann, ja schon drei Jahre lang betrieb – noch erstaunlicher und beeindruckender als das heute vielleicht als Retweeten bezeichnete und damit selbstverständlich gewordene Weitertransportieren von Meldungen aus unterschiedlichen Quellen waren allerdings immer seine kulturhistorischen und lokalgeschichtlichen längeren Exkurse; auch die technischen Erläuterungen rund um Radio Userland waren für mich hilfreich (wie übrigens auch die eine oder andere direkte Hilfe per E-Mail).

Mit der Entdeckung der Blogs verbunden war die der RSS-Feeds als Instrument der Publikation und der Lektürehilfe – bei Radio Userland war der Aggregator gleich eingebaut, später habe ich mit NetNewsWire ein geeignetes Leseprogramm gefunden.

(Technik überhaupt: Radio Userland und PageSpinner, WordPress, zur Zeit Serendipity als Blogsoftware, der Übergang von statischen, tabellenbasierten zu CSS-definierten fluiden Layouts, HTML- und zuweilen auch PHP-Gefrickel …)

Dem Vorbild geschuldet war es auch mein Ziel, möglichst viele interessante Seiten im Netz zu finden, sich aufmerksam zu machen auf neue Inhalte etc., auch entstand in diesen Jahren ein relativ enges Netzwerk an Bloggern, die sich gegenseitig förderten, kommentierten, möglichst häufig verlinkten.

Rasch wurde jedoch auch deutlich, dass anderenorts betriebenes Hochleistungsbloggen und hier zentrales Familienleben sich gegenseitig ausschließen – so nahm die Frequenz der Postings ab. In einem durch die Verbreitung des Bloggens schärfer werdenden Wettbewerb um schneller, aufgeregter, provokanter, häufiger etc. mitzutun, zudem auch noch zu kämpfen um eine zunächst noch knappe, aber fordernde Leserschaft, war nicht in meinem Sinne.

Die Spezialblogs waren eine weitere interessante Entwicklung; so gab es eben bald nicht nur Einzelhändler- und Bestatter-, Fernfahrer- und Personenbeförderungs-, sondern eben auch Lehrerweblogs – die freiwillige thematische Selbstbeschränkung ist meine Sache aber nicht, wer will, abonniert eben nur eine Rubrik meines Blogs (und sei’s das ausgegliederte, weil über TrailRunner erzeugte Laufblog).

Auch andere Blogbetreiber bemerkten, dass die bald wachsende Anspruchshaltung der Blog-Konsumenten fragwürdig ist vor dem Hintergrund, dass ein Blog zunächst ein Geschenk ist desjenigen, der andere teilhaben lässt: eine freiwillige Leistung. Derlei Ungeduld ist nicht begründbar, denn meinem RSS-Reader ist es egal, ob er 300 oder 400 Quellen abgrast – er wird das eine Posting, das der Blogautor nach einem Jahr der Stille schreibt, nicht verpassen …

Zur Selbstbestimmung in einem großartigen Medium gehört auch die Muße, Leben genießen zu können ohne den Gedanken an die Verwertung im Blog. Das »Ich möchte lieber nicht« Bartlebys ist die wahre Autarkie.

In Zeiten von Klout und Google AuthorRank, von Abmahnanwälten, Facebook und Spambots habe ich manchmal auch gar keine Lust mehr mitzuschreiben am Netz (es gibt ja genügend anderes zu tun). An anderen Tagen macht’s wieder Laune.

Mal sehen, was wird.

Äpfel und was man daraus machen kann.

ApfelmusAm Wochenende haben wir wieder Fallobst eingesammelt – diesmal wurde es kein Apfelkuchen, sondern Apfelmus.

(Äpfel waschen, Kerngehäuse und Stellen entfernen, klein schneiden. In den großen Topf, Zitronensaft (’n Schubs) und Wasser (mehr) dazu. Unter Rühren kochen, bis die Stückchen weich sind. Zwischendurch nach Geschmack Zucker hinzugeben. Wenn der Apfelmus (wir sind hier in Norddeutschland) weich ist, mit der Flotten Lotte passieren und in Weckgläser geben. Im Wecktopf 30 Minuten bei 90°C einkochen.)

TimeMachine-Backup langsam.

Wessen TimeMachine seit dem Update auf Mac OS X 10.7.5 Stunden braucht, um Backups durchzuführen, oder gar ganz das Sichern aufgegeben hat (weil die nächste Sicherung fällig wird, bevor die vorige abgeschlossen wurde), wird gleich mir möglicherweise den Grund in alten, schlecht geölten Transistoren suchen. Tatsächlich liegt es, wie man verschiedenenorts (beispielsweise hier) nachlesen kann, (auch bei neuen Rechnern) am mangelhaft choreographierten Zusammenspiel von TimeMachine und Spotlight.

Mittels sudo launchctl unload -w /System/Library/LaunchDaemons/com.apple.metadata.mds.plist ist Spotlight das Indizieren zu untersagen, mittels sudo launchctl load -w /System/Library/LaunchDaemons/com.apple.metadata.mds.plist [siehe] wieder zu erlauben, sobald Apple sich bequemt, das Problem zu lösen.

[Update 4.10.2012: Apple hat den Bug gefixt.]

»Dieses Ideal namens Schule«.

Gern mal lesen: den nachdenklichen Artikel von Thomas Gigold zum Ideal namens Schule.

(Ein Vorteil, den Lehrkräfte mit Kindern genießen, ist, dass sie Schule nicht nur als Handelnde, sondern (streng grammatikalisch gemeint, latürnich) auch als mittelbar Leidende erfahren. Und so vielleicht einen Anlass mehr haben, ihr Handeln stets zu reflektieren und zu Lernendes auf Weltstimmigkeit und Schülerrelevanz zu überprüfen …)

The Economist.

Seit Christian Köllerer ihn empfahl, lese ich immer mal wieder The Economist. Nicht sehr oft, denn in unserer Kleinstadt ist er nicht zu bekommen und für ein Abonnement erscheint er mir zu häufig, da auch anderes gelesen werden will, wohl aber immer dann, wenn man mal in eine Große Stadt reist mit funktionierendem Bahnhofsbuchhandel.

Warum man The Economist lesen sollte (auch wenn man mit seiner politischen Ausrichtung nicht überein stimmt), steht aber nicht nur in oben genannter Quelle, sondern sehr ausführlich auch in The National Interest [via Arts & Letters daily]: es geht um funktionierenden, wohlinformierten, unaufgeregten Journalismus über Geschehen in der Welt. Was für mich als Wesentliches hinzu tritt (ebenso wie beim gelegentlichen Lesen der NZZ oder des Guardian): berichtet wird aus nicht deutscher Perspektive (was einiges zurecht rückt).

Gelesen. Bradbury.

Ray Bradbury: Die Mars-Chroniken. Zürich: Diogenes, 1981.

Update auf den Wunsch eines Herrn hin:

Das Alter ist den zunächst einzeln in den 1940er Jahren erschienenen Geschichten, die unter dem Titel Die Mars-Chroniken zusammengefasst wurden, durchaus anzumerken – und zwar auf eine sehr positive Weise: keine der Geschichten scheint stromlinienförmig auf einen Markt ausgerichtet geschrieben (obwohl sie das ja sind, und es zeigt sich daran, wie sich der Markt zum Schlechten hin weiter entwickelt hat), vielmehr sind sie schräg, von Witz und zuweilen bösem Humor geprägt, und, obwohl von unterschiedlicher Wucht, nie platt.

Mir gefällt besonders die Geschichte »Da oben, mitten in der Luft«, in der das Erstaunen der Weißen im Süden der USA thematisiert wird, die den Auszug der »Nigger« auf den gelobten Mars erst spöttisch-geringschätzig, dann aber zunehmend irritiert und ängstlich beobachten, den einen oder anderen vom Mitgehen abzuhalten versuchen, darin jedoch des Zusammenhalts der Hoffenden und einzelner weißer Sympathisanten wegen scheitern …

Klasse vor allem der literarischen Bezüge wegen ist auch »Usher II«, in der Bradbury auf die Anfänge der McCarthy-Ära in den USA reagiert und gleichzeitig auf Fahrenheit 451 anspielt. Kontrolleure der vermeintlich richtigen Denkungsart werden mit Nachbauten von Poes phantastischen Erfindungen konfrontiert – der Befehlshaber eingemauert:

»Garrett«, sagte Stendahl. »Wissen Sie, warum ich Ihnen das antue? Weil Sie Mr. Poes Bücher verbrannt haben, ohne sie wirklich gelesen zu haben. Sie haben sich mit dem Hinweis anderer Leute begnügt, daß sie verbrannt werden müßten. Denn wenn Sie sie gelesen hätten, wäre Ihnen beim Betreten der Zelle sofort klar gewesen, was ich mit Ihnen vorhatte. Unkenntnis ist verhängnisvoll, Mr. Garrett.«

Und viele andere interessante Ideen – keine naturwissenschaftlich-technisch argumentierende Science-fiction, sondern eher psycho- und soziologische Gedankenspiele.

– Ja, eine Leseempfehlung.

Gelesen. Beckett.

Bernard Beckett: Das neue Buch Genesis. Bindlach: Script5, 2009.

Aus dem Bücherregal von Kind 1: Science-fiction-Kammerspiel mit ethischen Fragestellungen und Schwerpunkten auf Fragen der philosophischen Anthropologie und den Möglichkeiten künstlicher Intelligenz. Sicher geeignet als Schullektüre. Vielleicht noch viel besser als Zuhauselesetipp für interessierte jugendliche Leserinnen.

Schleswig-Holstein im Bildungsmonitor.

Den letzten Platz hat Schleswig-Holstein zugewiesen bekommen beim Bildungsmonitor 2012 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Naturgemäß hat dies in Schleswig-Holstein für gelinden Aufruhr gesorgt – allerdings sollte man bei der Analyse und Wertung der Ergebnisse stets bedenken, dass der Auftraggeber der Studie keineswegs ein neutraler Bildungsbeobachter, sondern Lobbyverein ist.

Genaueres berichtet Melanie Richter im Landesblog. Auch die Kommentare sind lesenswert.

Reflexion im Schulalltag.

Herr Larbig lädt ein zur Blogparade »Reflektierende Praktiker« – »Frage an LehrerInnen: Wer führt zur Unterstützung eigener Praxisreflexion ein Arbeitsjournal? Oder: Wie sieht eure ReflexionsROUTINE aus?« und alle, alle kommen.

Nein, kein Arbeitsjournal, das geführt wird, nein, keine Reflexionsroutine im Sinne eines etablierten Rituals.

Ab & zu anlässlich der Halbjahreszäsur entscheide ich mich mal wieder, einen der vielen Rückmeldebögen zu verwenden, die sich bei mir inzwischen angesammelt haben. Allerdings habe ich aus den Ergebnissen noch nie etwas Erstaunliches erfahren – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht: sind mir bestimmte Aspekte der unterrichtlichen Gestaltung nicht so gut gelungen wie ich es mir vorgestellt habe, bekomme ich doch im Alltag eine ganz unmittelbare Rückmeldung, wenn ich in die Gesichter der S sehe, wenn ich beobachte, wie sie ihre Arbeit aufnehmen (z. B. unwillig-genervt statt freudig-motiviert). Und wenn’s klasse läuft, bemerke ich es auch ohne Bogen (für die dem Zählen Verhafteten unter Euch: natürlich sind es belegbare Indizien, die eine gute Stimmung, förderliche Lernatmosphäre etc. erkennen lassen. Es ist zu hoffen, dass der L sich die notwendige Sensibilität erhält, diese wahrzunehmen). Die Nivellierung durch Betrachtung längerer Zeiträume in Rückmeldebogen lässt wichtige Einzelbeobachtungen ganz verschwinden, eine wichtige Außenseiterrückmeldung wird zum statistisch nicht signifikanten Ausreißerwert. Eine Rückmeldung durch S nach einem Halbjahr sagt möglicherweise mehr über die S als über den Unterricht aus. Mir scheint die unmittelbare Kommunikation, das alltägliche Sichvergewissern durch Nachfragen im Unterricht und die Etablierung einer Kultur des offenen Dialogs zielführender als Rückmeldebogen.

Auf meinen Festplatten gibt es inzwischen selbst erstellte Arbeitsbogen zu vielen Unterrichtsreihen mit vielen verschiedenen Wegen des Abbiegens in unterschiedliche Richtungen. Die handschriftlichen Notizen allerdings, die ich zu einigen Stunden vorab anfertige, verschwinden meist wieder mit dem sommerferienbeginninitiierten Aufräumwahn. Schade, eigentlich. Muss besser werden.

Zur Überarbeitung von Unterrichtsreihen jedoch: was beim letzten Mal nicht gut lief, kann beim nächsten Mal trotzdem das Richtige sein. Zuweilen unterrichte ich zwei Lerngruppen mit identischen Unterrichtsvorhaben – steuert die eine bereitwillig und zufrieden auf einen Stillarbeitsauftrag zu, will die andere lange im UG diskutieren; in der einen Lerngruppe gelingt ein Unterrichtsvorhaben, in der anderen scheitert es (wobei »scheitern« bei langjährig tätigen Lehrkräften ja nicht bedeutet, dass S über Tisch & Bänke gehen, sondern dass man selbst das parallel zur Unterrichtsausführung entstehende ad-hoc-Reflexion evozierende Gefühl hat, es laufe nicht so gut wie es sollte). Auch insofern ist das unmittelbare und aktuelle Erspüren des richtigen Weges eher das Ziel als die vermeintlich in Vorausplanung zu optimierende Überstunde (glücklicherweise habe ich zur Zeit keinen Referendar, der anderes glauben soll).

Ein Grund, warum es passieren kann, dass ich im Lehrerzimmer in mich versunken vor mich hin ins Leere starre: ich denke noch mal drüber nach (manchmal bin ich natürlich auch einfach müde).

Seit einiger Zeit laufe ich zweimal pro Woche (öfter klappt aus Zeitgründen nicht). Die Stunden, die ich beim Laufen zubringe, sind mir auch für die Arbeit wichtig. Nicht nur bemerke ich Zipperlein an/in diesem oder jenem Teil vornehmlich des Bewegungsapparates, die sich durch Weiterlaufen auf diese oder jene Art weiterentwickeln und schließlich meist verschwinden, nicht nur sehe ich Rehe, Fruchtstände des Aronstabs und genieße die Bewegung in frischer Luft und im Freien, in Wald und Feld, sondern auch so manche Begebenheit aus dem schulischen Alltag wird noch einmal durchdacht und eingeordnet. Ganz in Ruhe und ohne Ablenkung.

Hm. Wenig Systematisches, was als Tipp weiter gegeben werden könnte. Aber Philosophielehrer sind ja ohnehin schon fachspezifisch geschädigt in steter Reflexion befangen …