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Gelesen. Stevenson.

CoverRobert Louis Stevenson: St. Ives. Übersetzt von Andreas Nohl. München: Hanser, 2011.

Nicht nur sind die Klassiker-Ausgaben bei Hanser ein sprachlicher Genuss ohnegleichen, auch lassen sie ob der feinen herstellerischen Qualität hoffen, dass der Wandel des sorgfältig gemachten Buches zu einer beliebig wirkenden Menge Einsen und Nullen auf einem elektronischen Lesegerät noch eine Weile auf sich warten lassen möge. Ja, die Informationen der Geschichte hätte ich auf per E-Book-Reader aufnehmen können – aber wem geht es bei der Lektüre von Klassikern um Informationen?

Gelesen. Linderborg.

Åsa Linderborg: Ich gehöre keinem. Übersetzt von Paul Berf. München: btb, 2007.

»Die Menschen, die am meisten Grund haben, den Kampf aufzunehmen, können es sich gleichzeitig am wenigsten leisten, das bisschen zu verlieren, was sie haben.« (268)

Laufen: 2012.

Im Jahr 2012 (glücklicherweise ohne verletzungsbedingte Ausfälle) gelaufen: 1125 km – meist in der Gegend, aber auch im Urlaub; 680 km dieser Strecke mit dem Mizuno Wave Inspire 7, den Rest mit dem Cabrakan 3 (bewährt bei fragwürdigen Bodenverhältnissen auf Feld- und Waldwegen sowie bei Regen oder Schnee).

Zu Moby Dick und Bartleby.

Auf Bens ausführlichen Lektürebericht über Melville/Rathjens Moby Dick hin schrieb ich:

Dass Moby Dick als Mythos auch demjenigen bekannt ist, der das Buch nicht gelesen (und vielleicht auch Verfilmungen nicht gesehen) hat, ist schon etwas Besonderes – schön, dass Du uns hier an der Entdeckung dieser Welt teilhaben lässt.

Als ich letztens Bartleby, der Schreiber las, ging’s mir ähnlich: den wesentlichen Inhalt der Geschichte (ein Mensch weigert sich mit der Begründung »Ich möchte lieber nicht« die ihm übertragenen Aufgaben zu erledigen) kannte ich eben schon. Allerdings erwartete ich in meiner Unkenntnis auch in diesem Fall, dass es sich um ein viele hundert Seiten langes Werk handeln müsse – Pustekuchen!: gut 70 Seiten sind’s. Und da wird für mich die Frage nach dem Entstehungsprozess von Moby Dick wieder interessant: wieso wird die eine Geschichte so denkbar knapp, die andere so enzyklopädisch erzählt? Der reine Kern ist doch in jedem Falle kurz.

Vielleicht also das Vorhaben für ein kollaboratives Internet-Schreibprojekt: man schreibe gemeinsam den Bartleby neu: enzyklopädisch, datenbankgestützt, facettenreich das Negieren der Zumutung immer aufs Neue deklinierend und damit ein Abbild des Lohnschreibers heutiger Zeiten liefernd.

Gelesen. Euripides.

Euripides: Medea. Übersetzt von Karl Heinz Eller. Stuttgart: Reclam, 1983.

(Besucht man eine Fortbildung zu Christa Wolfs Medea. Stimmen, wird in Diskussionsbeiträgen gern in simpler Schwarzweißzeichnung die frauenfreundliche Darstellung Wolfs gegen die vermeintlich frauenfeindliche Euripides’ (die auch nicht jeder wirklich zu kennen scheint) ins Feld geführt. Im Nachwort zur oben angeführten Übersetzung wird die These vertreten, dass das möglicherweise so gar nicht richtig sei, vielmehr schon die außergewöhnlich ausführliche Darstellung des existenziellen Konflikts, den Medea mit sich selbst austrägt, ein für die Zeit ausnehmend positives Signal dargestellt habe [vgl. Nachwort, 132]. Damit wäre das Drama deutlich weniger zeitgeistkonform gewesen als Wolfs Erzählung in den 1990er Jahren.)